Arbeit: Aufgabe: Definiere die Begriffe Mythos und Legende stichwortartig. Grenze sie dabei, wenn möglich, von einander ab.
1.) Legende
- von lateinischen Begriff legenda abgeleitet, übersetzt: die zu lesenden Stücke
- bezeichnet ursprünglich eine Geschichte zum Vorlesen
- stammte von den Lebensbeschreibungen von Heiligen und Märtyrern, die an ihren Gedenktagen gelesen wurde (z.B. über Franz von Assisi)
- in Versen oder in Prosa verfasst
- im neueren Sprachgebrauch zu einem Synonym für einen historisch nicht oder schlecht belegten Bericht mit den Thematiken: Wunder, Erscheinungen oder übersinnliche Dinge
- Kult-Legenden berichten über den Ursprung oder die Herkunft bestimmter religiöser Orte, Bräuche und Gegenstände
- in der Zeit der Aufklärung massiv abgewertet und verspottet (von Schriftstellern wie Voltaire und Lessing)
- in der Romantik oft aufgegriffen
- Legenden sollen der Erbauung dienen und haben lehrhafte Absichten
- es gibt Legenden in allen Religionen
- christliche Legenden z.B.: das Rosenwunder, über Pontius Pilatus und Tiberius, die sog. Quo-vadis-Legende
- der Wahrheitscharakter kann sehr verschieden sein
2.) Mythos
- aus dem Altgriechischen abgeleitet, übersetzt: „Wort“, „Rede“ oder „Erzählung“
- eine Erzählung von Ereignissen einer Götter-, Schöpfungs-, Vor- oder Frühgeschichte, auch - Tier- und Heldensagen
- enthält oft symbolische oder ins Fantastische tendierende Elemente, Visionen und fabulierende Darstellungen
- das zeitlos Ewige wird im Mythos zur erlebten Wirklichkeit
- klären darüber auf, wie die Tatsächlichkeiten der Gegenwart aus der Vergangenheit resultiert (z.B. Entstehung der Götter, der Menschen, eines Volkes oder des Kosmos (=Kosmogonie)
- in der Komponente, manchmal eine Erklärung, eine Begründung zu liefern unterscheidet sie sich u. a. von der Legende und der Sage
- berichten auch über endzeitliches oder jenseitiges Geschehen, wie über apokalyptische und eschatologische Vorstellungen
- Handeln und Wirken von Göttern wird in Anlehnung an menschliche Verhältnisse (= anthropomorph) dargestellt
- keine Religion kann ihre mythische Aussageweise entbehren
- Literaturwissenschaftlich ist dem Mythos die Geschichtsschreibung gegenüber zu stellen oder modernen wissenschaftliche Theorien.
- Aufklärung verstand den Mythos als kindliche Vorstufe zum begrifflichen Denken und durch dieses überwunden
- In der aktuellen Verwendung bezeichnet Mythos häufig auch eine Volksmeinung ohne Bestimmbarkeit der Herkunft beziehungsweise Begründung
- Aktuelle Deutungen: Psychologisch sind Mythen durch ihre enthaltenen Projektionen bezüglich menschlicher Probleme und Erfahrungen oder Umstände auf übermenschliche Wesen, Charaktere u ä. tiefenspychologisch deutbar
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