Arbeit: Charakterisierung der Hauptperson aus „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert
Die Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert spielt während des zweiten Weltkriegs und handelt von einem Mann, der alles, sein Elternhaus und seine Eltern, durch einen Bombenangriff verloren hat und nun auf einer Bank sitzt und den Leuten neben ihm die Bedeutung der Küchenuhr erklärt, die er in den Händen hält. Diese Uhr ist das einzige, was übrig geblieben ist. Sie besteht nur aus einem einfachen Teller mit blauen Zahlen darauf und Zeigern aus Blech und dennoch ist sie für ihn Sinnbild für die Geborgenheit der Alltäglichkeit in seinem bisherigen Leben. Ganz besonders kommt dies für ihn zum Ausdruck durch die Uhrzeit, zu der die Uhr stehen geblieben ist:2:30 Uhr, die Zeit, zu der er täglich nach Hause kam und seine Mutter ihm, trotz später Stunde, sein Abendessen in der kalten Küche warm machte.
Obwohl der Mann, wie sein jugendlicher Gang zeigt, erst um die zwanzig ist, wirkt sein Gesicht „ganz alt“.
Das Bedürfnis zu reden ist so groß, dass er sogar für ihn völlig fremde Menschen anspricht. Aber die fast fröhliche und freundliche Art und Weise, wie er spricht, scheint unpassend zum erlebten Verlust zu sein. „Ja, ja, sagte er freudig, denken Sie, aber auch alles!(S.175; Z.21) Dies kann ein Zeichen dafür sein, wie sehr ihn das Erlebte schockiert hat. Da die Realität für ihn zu gewaltig ist, ist es nur mit Hilfe dieses Abwehrmechanismus’ möglich über das Geschehene zu sprechen.
Immer wieder sucht er den Blickkontakt zu den Anderen, die jedoch seinem Blick ausweichen. Statt dessen spricht er dann zu seiner Uhr. Dies könnte bedeuten, dass es seine Einsamkeit nicht ertragen kann oder nicht wahrhaben will. „Er sah die anderen an, aber die hatten ihre Augen von ihm weggenommen. Er fand sie nicht. Da nickte er seiner Uhr zu.“ (S.176; Z.39f.)
Die täglichen Rituale waren für ihn wichtig, sie gaben ihm ein Gefühl von Vertrautheit. „Und ich dachte, das könnte nie aufhören. Es war mir so selbstverständlich. Das war alles doch immer so gewesen.“ (S.176; Z.58f.)
Doch erst im Nachhinein wird ihm bewusst, dass diese Alltäglichkeit für ihn das war, was das Glück in seinem Leben ausmachte. „Jetzt, jetzt weiß ich, dass es das Paradies war. Das richtige Paradies.“ (S.176; Z.63). Das Wort „Paradies“ in all der Zerstörung erzeugt große Betroffenheit bei dem Mann, der neben ihm saß.
Mit seiner Aussage damals hätte er das als selbstverständlich angesehen und er wäre sich nicht bewusst gewesen, dass dies das Paradies sei, bringt er die Leute auf der Bank zum Nachdenken.
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