1.1 Großbürgertum(Wirtschaftsbürgertum)
- ihr gehörten Unternehmer, Industrielle, Großkaufmänner, Bankiers, hohe Beamte an
- Ziel: Unterschied vom anderen Bürgertum durch luxuriösen Lebensstil (spezielle teure ausländische Artikel
z.B. Holz, Früchte,...) sowie „Behaglichkeiten“ (mehrere Dienstmädchen) → Bildung war KEIN Statussymbol
- dadurch Näherung mit Bildungsbürgertum aber keine Ineinanderübergehung, d.h. mehr Unternehmenssöhne
mit bildungsbürgerlicher Laufbahn, nicht aber mehr Bildungsbürger in Wirtschaftskreisen
- insgesamt Orientierung an Bürokratischer Monarchie
- ab 1860 Interesse vom Adel am Militär ( Wunsch nach Reserveoffizier)
- Macht auch in Verwaltung und Politik
- Folge der „Aristokratisierung“:
- Bau von schlösserartigen Villen, Erwerbung von Rittergütern
- Kinder von Unternehmern besuchten getrennt vom anderen Bürgertum Schulen
- Mitgliedschaft der Unternehmersöhne in Studentischen Corps
Ziel: Erhebung in Adelsstand
1.2 Bildungsbürgertum
- Zugehörige: Professoren, Oberlehrer, Schriftsteller, Ärzte, Experten in Fachgebieten, Wissenschaftler/Forscher
- Unentbehrlichkeit der Leute für Industrialisierung und wirtschaftliche Wachstum
- Zuwachs zu dieser Gruppierung ab der Reichsgründung
- Ersetzung des Wunsches nach Allwissen durch Wunsch nach Spezialwissen von Fachexperten
1.3 Mittelstand (Kleinbürgertum)
- Anhänger: Handwerker, kleine Ladenbesitzer, Gastwirte, untere Beamte und später Angestellte (neuer
Mittelstand) → breitste Gruppe der Bevölkerung
- mit der Zeit Näherung an ungelernten Arbeitern bezüglich Arbeitszeit, Einkommen und Lebenslage
(Ausnahme Angestellte)
- „alter“ Mittelstand
• politisch zu den Arbeitgebern
• trotz sozialer Lage Versuch der Abgrenzung nach unten
• wegen Wunsch nach Aufstieg, Versuch der Anpassung mittels Militär
• aber auch eigene Abgrenzung durch andere Bevölkerungsgruppen
- „neuer“ Mittelstand (Entstehung während 70er/80er Jahre)
• Unterschicht und Kleinbürgern und Zugehörigkeit zu Arbeitgebern
• unter Arbeitsteilung Übernahme von arbeitsvorbereitende, kontrollierende, koordinierende,
kaufmännische und verwaltungsmäßige Funktionen
• bessere soziale Lage durch größere Sicherheit am Arbeitsplatz, kürzere Arbeitszeiten und höhere
Löhne als Arbeiter
• politisch uneinheitlich
• hier Schritt der Emanzipation der Frau möglich, eindringen der Frauen in Berufswelt
• zukunftorientiert und bejahte den technischen Fortschritt
• Lebensziel: nicht bloß belohnendes zu Konsumieren, sondern auch Spaß zu haben
1.4. Die Frauen
- in Volkschulen Jungen und Mädchen in einer Klasse und allgemeine Benachteiligung der Mädchen
- „Blaustrumpf“ Bezeichnung für eine über Küche und Kochtopf gebildete Frau
- Alternative zur Volkschule „höhere Mädchenschulen“ → trotzdem keine berufl. Alternativen zur Hausfrau
Organisation der Frauen
- 1865 Gründung des „Allgemeinen Deutschen Frauenvereins“
- Forderungen der Frauenbewegung
• in Bildung: Fortbildungsschulen für alle der Volksschule Entlassenen, Zulassung zu allen Hochschulen
• in Berufstätigkeit: freie Entfaltung der Fähigkeiten, gleicher Lohn für gleiche Arbeit
- Entwicklung:
- ab 1901 Berufsausbildung der Frau
- 1908 Mädchenschulreform (offizielle Gleichstellung von Mädchen und Jungen in der Schule/
Frauen als Gymnasiallehrer) kaum Erfolg, da traditionelles Frauenbild „erhalten“ blieb
II. Kultur:
2.1.Schule (Volksschule)
- 1816 Schulbesuchsquote nur ca. 60 % der schulpflichtigen Kinder eine „niedrige Schule“
- schlechte Bedingungen im Bezug auf Bezahlung und Lehrmittel
- Lesen, Schreiben, Rechen und die Religion vordergründige Lehrinhalte
- Erlernung der Grundkenntnisse
- 1850 Schulbesuchsquote bei ca. 90%
- Lehrerausbildung zunehmend in staatl. Anstalten
- Schule war Ländersache
große Unterschiede zwischen ländlichen und industriellen Gebieten
großer Unterschied zwischen Stadt und Land
Volksschule im Kaiserreich
> Land:
- keine Bezahlung der Lehrer vom Staat dadurch Lahrer meist Handwerker (=unausgebildet)
- Unterricht meist in Werkstätten
- kaum Unterrichtsmaterialien
- Unterricht von mehreren Altersstufen im selben Raum
>Stadt:
- unsachgemäßer Unterricht in den Schulen
- sehr schlechte Bezahlung der Lehrer
Bsp. Preußen
nach 1871: - Angelegenheiten der Volkschule staatlich geregelt Schulbesuchsquote knapp über 90%
Schulaufsichtsgesetz (1872) Zurückdrängung des Einflusses der Kirche
besondere Förderung der Schulen auf dem Lande (hier Mehrzahl der Schüler)
in Städten Bau von Volksschulen ( Bevölkerungsanstieg)
1872 - neue Lehrpläne („Allgemeine Bestimmungen“)
- Entwicklung der städtischen Schulen bis zur Achtklassigkeit
- Erneuerung der Regelungen für Lehrerausbildungen
- Vorschreibung für die Ausstattung im Klassenzimmer (Tafel, Schrank, Globus,...)
Umsetzung der Schulpflicht (1880) • Kosten übernahm Staat
Verbesserung der Lehrerbezahlung (1873 Staatl. Dienstalterzulagen, 1888 Gehaltszuschüsse)
dadurch konnte die Volksschule bis zur Jahrhundertwende landesweit eine Mindestausstattung an
Kenntnissen und Fertigkeiten vermitteln
Lehrerziel: - Ausbildung eines gehorsamen Untertan
- Erziehung zu Patriotismus
- Schule sollte konservativ-moralische Gesinnung vermitteln
2.2 Architektur:
2.2.1 Historismus (1850-1875/1905)
- allgemeiner Rückbegriff auf ältere Stile und Versuch, historische Stile wieder zum Leben zu
erwecken mit Hilfe von Neukombinierungen
- Haltung: Betrachtung der Geschichte wichtiger als Entdeckung und Entwicklung neuer Systeme, neuer Formen
der eigenen Zeit
2.2.2 Gründerstil
- Kennzeichnung d. technischen Bauwerke, Wunsch ihre Funktion in einer architektonischen Hülle zu verbergen
- geprägt durch die Baukunst (Städtebau) und Form des Interieurs, die den Geschmack
eines zu Wohlstand gekommenen Bürgertums wiedergab und oft zu kitschigen Stilformen tendierte
- z.B. auffällige Bahnhofsgebäude
2.2.3 Jugendstil (1890-1905/10)
-Ziel: Betonung d. Lebendigkeit, Unverdorbenheit u. Abwendung von historischen zu zeitgenössigen Formen
- wurde luxuriöser Stil des wohlhabenden Bürgertums
- antihistorische kunsthandwerkliche Bewegung
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