Über Jahrhunderte galten Wölfe als grausame Ungeheuer. Man wusste sehr wenig über diese Tiere und deshalb erzählte man sich die grausamsten Geschichten über sie.
Ein sehr ausgehungerter oder gar tollwütiger Wolf griff gelegentlich Menschen oder Vieh an und drang bis an die Türen der Häuser vor, wenn er Essbares darin witterte. Dies geschah aber äußerst selten.
In allen Ländern und zu allen Zeiten wurden die Wölfe gejagt. Fallen, Fallgruben und Gift wurden eingesetzt, um sie auszurotten. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden in England ganze Wälder in Brand gesteckt, um die Wölfe darin zu töten. Das dabei auch die anderen Tiere dort ums Leben kamen, interessierte die Menschen wenig. Heutzutage aber unterliegt die Jagd auf Wölfe in den Ländern, in denen es sie überhaupt noch gibt, sehr strengen Vorschriften oder ist ganz verboten.
Früher streunten die Wölfe um die Dörfer herum oder drangen bis an die Stadttore vor, wenn sie Hunger hatten und der eisige Nordwind wehte. Deshalb befestigte man auf den Dächern sogenannte „Wolfsziegel“ als Warnsignal: Sie waren mit Löchern versehen und wenn starker Nordwind aufkam, begannen die Ziegel zu pfeifen, sodass die Wölfe vertrieben wurden.
Doch das Ausrotten der Wölfe hatte Folgen für das Gleichgewicht der Natur. Jedes Tier spielt hier natürlich eine wichtige Rolle. So jagten die Wölfe die Füchse und verhinderten, dass sie überhand nahmen. Seitdem die Wölfe aber ausgerottet wurden, hat die Zahl der Füchse erheblich zugenommen, denn ihnen fehlt der natürliche Feind.
Ein Wolfspaar bleibt sein ganzes Leben lang zusammen. Im Frühling sucht es eine sichere Stelle, um seine Jungen in Ruhe zur Welt zu bringen. Nach neun Wochen Tragzeit wirft die Wölfin vier bis neun kleine Wölfe, die sie dann säugt. Bei der Geburt sind alle Wölfe noch ganz schwarz. Sobald sie laufen können, beginnen sie die Umgebung zu erkunden.
Wölfe fressen Wild oder Vieh. Wenn sie nichts anderes finden, ernähren sie sich auch von Schlangen, Schnecken und Würmern. Dazu müssen sie aber schon sehr ausgehungert sein. Manchmal wandern sie auch flussaufwärts und treiben Lachse an eine seichte Stelle, wo sie sie dann nur noch zu schnappen brauchen. Ein Wolf bringt niemals ein anderes Tier aus reiner Lust zu töten um, sondern nur, um sich zu ernähren.
Bevor Wölfe größere Tiere wie zum Beispiel Elche angreifen, testen sie die körperliche Verfassung der Tiere: Sie verfolgen sie über eine Strecke von ungefähr hundert Metern. Wenn das Tier ihnen hierbei zu schnell ist, suchen sie sich lieber ein anderes, schwächeres aus.
Sie umzingeln die Beute und graben ihre scharfen Fangzähne in seinen Körper. Das Tier verendet rasch. Die stärksten Wölfe fressen zuerst. Die schwächeren und jüngeren warten geduldig etwas abseits, bis sie auch an der Reihe sind.
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