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Titel:

Allergien


  Note: 1   Klasse: 10









Arbeit: 1. Einführung

Allergie bezog sich nach C. Pirquet (1906) zunächst nur auf die Serumkrankheit. Bald wurde der Begriff Allergie auf alle Formen einer von der Norm abweichenden Reaktion des Organismus auf von außen wirkende Stoffe (Allergene) ausgedehnt. Dazu zählten Überempfindlichkeit (Hyperergie), aber auch abgeschwächte (Hypergie) oder fehlende (Anergie) Empfindlichkeit. Heute wird unter Allergie die erworbene Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems gegenüber normalerweise harmlose Stoffe des natürlichen und beruflichen Lebensraums verstanden, sogenannte Allergene.

Sie ist nicht einfach plötzlich "da", wie mancher Allergiker es beim unvermittelten Auftreten vorher unerkannter Schleimhaut- und Hautveränderungen empfindet, sondern wird - meistens langsam - erworben. Nur die Bereitschaft, eine Allergie zu erwerben, wird familiär vererbt und ist damit genetisch programmiert. Je nach Herkunft der ihrer Anzahl nach kaum überschaubaren Allergenen, die organischen und nichtorganischen (anorganischen) Ursprungs sein können, wird zwischen tierischer, pflanzlicher und chemischer Allergie unterschieden. Des weiteren wird nach dem Aufnahmeweg der Allergene in den Organismus unterteilt: Inhalationsallergie ( Einatmung von Stäuben verschiedener Herkunft), Nahrungsmittelallergie (Genuss bestimmter Speisen wie Hühnerei und Meerestiere), Arzneimittelallergie (z. Bsp. Penicillin), Insektengiftallergie (nach Insektenstichen wie Wespe oder Biene, mikrobielle oder parasitäre Allergie (nach Infektionen durch Bakterien oder Viren oder Parasitenbefall wie Darmwürmer) und Kontaktallergie (Berührung mit Stoffen wie Wolle, Teer, Kosmetika oder sogar Primeln). Nach den zeitlich unterschiedlichen (homoral oder zellulär ablaufenden) Reaktionsformen lassen sich Klinisch vier Typen von Allergien unterscheiden. Diese laufen bei wiederholtem Allergenkontakt z. T. isoliert, z. T. nacheinander oder kombiniert ab.

Beim Typ 1 führt die auf der Oberfläche von Mastzellen ablaufende Allergen-Antikörper-Reaktion zur schnellen Freisetzung von gefäßerweiternden, durchlässigkeitserhöhenden, muskelzusammenziehenden und sekretionsfördernden Vermittlersubstanzen (Mediatoren) wie z.B. Histamin. Beispiele dieses Reaktionsmechanismus sind: Pollinosen, speziell Heuschnupfen, akutes Bronchialasthma, Arzneimittelausschlag, Schleimhauschwellungen sowie durch Verschleppung von Allergenspuren auf dem Blutweg Nesselfieber und die Anaphylaxie mit dem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock.
Beim Typ 2 bewirken Antikörper, die gegen Zelloberflächenantigene gerichtet sind (zytotoxe Reaktion), unter Komplementverbrauch eine Zellzerstörung z.B. eine allergisch bedingte (v. a. durch Arzneimittel hervorgerufene) Verminderung von weißen Blutkörperchen (Agranulozytose) oder Blutplättchen (Thrombozytopenie) oder eine Blutgruppenunverträglichkeit.
Beim Typ 3 entwickelt sich die allergische Reaktion langsamer. Grundlage sind die Bildung von Immunkomplexen (Reaktionsprodukte aus Allergenen und Antikörpern in einem bestimmten Mischungsverhältnis), wobei es zu einer Aktivierung des Komplexsystems und nachfolgend zu einer entzündlichen Reaktion kommt. Bedeutungsvoll ist dieser Typ für die Entwicklung von Gefäßwand- und Lungenbläschenentzündung (z. Bsp. Vogelhalterlunge), auch der Serumkrankheit. Beim Typ 4 kommt es nach Einwirkung des Allergens zu einer langsam sich entwickelten Entzündung im Verlauf von 2 bis 4 Tagen, wobei v. a. zelluläre Immunmechanismen bestimmend sind. Klinische Beispiele sind das Kontaktekzem, Reaktionen auf mikrobielle Antigene sowie auch Abstoßungsreaktionen gegenüber Transplantaten.

Als Pseudo-Allergie werden Krankheitserscheinungen bezeichnet, die den allergischen Phänomenen zwar klinisch weitgehend entsprechen, die jedoch ohne Vorschaltung einer krankmachenden Allergen-Antikörper-Reaktion auftreten. Die Entstehungsmechanismen sind nicht geklärt, auch wohl nicht einheitlich. Pseudoallergien treten als Nesselsucht, Bronchialasthma, aber auch als akute, lebensbedrohliche Kreislaufreaktion (Schockreaktion) auf. Sie werden v. a. durch Arzneimittel wie Acetylsalicylsäure, einige Antiphylogistika, jodhaltige Röntgenkontrastmittel, Blutersatzmittel, selten auch durch Lebensmittelzusatzstoffe hervorgerufen.

In der Mehrzahl sind Allergene großmolekulare Stoffe (Eiweiß), aber auch kleinmolekulare können allergische Reaktionen auslösen. Das Wesen der Allergie besteht vermutlich in einer überschießenden Abwehr- und Fehlregulation des Immunsystems, deren biologischer Sinn in der Erhaltung der Integrität des Organismus zu sehen ist.

2. Biologische Merkmale

Bei der Entwicklung einer Allergie, das heißt durch Kontakt mit Allergenen, kommt es ebenfalls (wie beim Eindringen von Bakterien oder Viren in den Körper) zur Bildung allergenspezifischer Antikörper (Immunglobuline) oder allergenspezifische ausgerichtete Abwehrzellen (T-Lymphozyten u.a.). Diese klinisch noch "stumme" Sensibilierungsphase endet nach etwa 9 bis 12 Tagen. Bei erneutem Kontakt kommt es durch wiederholte Verbindung von Allergen und spezifisch gebildeten Antikörper oder Allergen und TLymphozyten zur klinisch sichtbaren Auslösung allergischer Reaktionen (Allergose). Hierbei kann die Reaktion nur wenige Minuten (Frühreaktion), aber auch einige Stunden (verzögerte Reaktion) oder sogar Tage (Spätreaktion) nach dem Kontakt erfolgen.
Gewöhnlich bewirkt erst der mehrmalige Kontakt mit dem Allergen die Bildung von Antikörpern, die für die allergische Reaktion vom Frühtyp oder von besonders sensibilisierter Zellen, die für den Spättyp verantwortlich sind.
Die Veranlagung macht bestimmte Personen, in der BRD etwa 3-5% der Bevölkerung, besonders empfindlich gegen den Eisstrom allergieinduzierender Stoffe, unter denen Polle, Sporen und Hautschuppen von Tieren im Vordergrund stehen. Diese Menschen, meist hellhäutig ("Neurodermitiker"), leiden vermehrt an allergischem Schnupfen, Asthma und Hautreizungen (z. Bsp. Nesselsucht).
Neben der Veranlagerung spielen Zeit, Menge und Art des allergieinduzierenden Stoffes (Allergen) eine wesentliche Rolle beim Entstehen einer Allergie Die Allergosen Fließschnupfen, Bronchialasthma und ekzemattischen Hautentzündungen (Neurodermitis) werden auch zu Atopie-Syndrom zusammengefasst, von dem etwa 5 bis 8 % der Bevölkerung betroffen sind. Eine allergische Reaktion ist immer spezifisch, richtet sich also gegen einen oder mehrere Stoffe, währen sie andere unberücksichtigt lässt.

Nach einmal auftretender Sensibilisierung ist bei weiteren Kontakten mit dem fraglichen Stoff mit einer Verstärkung der allergischen Reaktion zu rechnen, so dass schließlich bereits geringste Mengen genügen, um eine explosionsartige überschießende Reaktion auszulösen.
Es müssen aber zahlreiche Faktoren zusammenkommen, damit eine Allergie manifest wird, so z. Bsp. ein Übermaß an Fremdstoffen in der Nahrung, die Schadstoffbelastung der Umwelt, der intensive Kontakt mit einem Allergen, aber auch psychischer Stress. Dementsprechend haben Allergien in den Industrieländern deutlich zugenommen. Typische Hinweiszeichen für eine mögliche Allergie sind unter anderem:
- Auftreten von Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang (6 bis 8 Stunden) mit einer Arzneimittelgabe oder ähnlichen Stoffkontakten
- Juckreiz, Hautreaktionen (rötliche Flecken an verschiedenen Hautstellen, Schwellungen)
- Fieber (nicht immer auftretend)
- Pulsbeschleunigung, eventuell sogar Kreislaufkollaps

- Durchfälle (insbesondere bei Nahrungsmittelallergien)
Asthmaanfälle können ebenfalls auftreten. Bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Hefeextrakt oder Rotwein können Migräne auslösen. Allergische Reaktionen auf Blütenpollen können zu Entzündung der Augen und der Nasenschleimhäute (Heuschnupfen) führen. Dauerschnupfen deutet auf eine Hausstaub-Allergie hin. Diese kann sich bis zum Asthma steigern.



Beim Frühtyp wird das Allergen in hochkonzentrierter Form direkt in den Organismus gebracht (Wespenstich) und es kann zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock durch Herz- und Kreislaufversagen kommen mit Atemnot und akutem Blutdruckabfall. In diesem Fall ist eine sofortige Adrenalin-Injektion erforderlich.
Dagegen werden beim Spättyp die (große Zahl der) Fremdstoffe, die in den Körper einzudringen versuchen, bis zu 90% durch die intakte Hornschicht zurückgehalten. Ist die Haut aber vorgeschädigt, kommen mehr Fremdstoffe durch und fördern eine Sensibilisierung. Die folgende Reaktion erfolgt dann wegen des komplexen Geschehens im Immunsystem mit Verzögerung von mindestens 12 bis 24 Stunden (daher Spättyp).


3. Behandlung

Bei Verdacht auf eine Allergie musst zunächst das auslösende Allergen gefunden werden. Wichtig ist die genaue Selbstbeobachtung, darüber hinaus können Hauttests und Blutuntersuchungen Klarheit schaffen.
Vorbeugungsmaßnahmen sind z.B. die Vermeidung des Allergens (Expositionsprophylaxe), die jedoch oft schwierig ist, entweder weil das Allergen wegen seiner Häufigkeit schlecht gemieden werden kann oder weil bei hochempfindlichen Personen schon Spuren desselben die Reaktionssymptomatik auslösen können. Des weiteren steht die Immuntherapie mit dem krankmachenden Allergen zur Behandlung bevor, die jedoch nur für einen ausgewählten Patientenkreis (v. a. Pollen- und Insektengiftallergiker) geeignet ist. Medikamentös werden Antiallergika v. a. Antihistaminika und Nebennierenhormone (Glukokortikoide) angewendet. Letztere sind besonders wirksam. Ihr Einsatz bedarf wegen der möglichen Nebenwirkungen (v. a. bei Langzeitbehandlung) jedoch einer gewissenhaften Indikationsstellung. Neuartige Therapiemöglichkeiten bieten vorwiegend als Protektiva (antiallergische Schutzmittel) wirkende Medikamente wie Dynatrium cromoglicium und Ketotifen. Unbehandelte Allergien können u. a. zu chronischen Organschäden führen. In manchen Fällen kann aber auch das Medikament Cortison Linderung verschaffen.
Grundsätzlich sollten Personen mit allergischen und pseudoallergischen Reaktionen stets einen Allergiepass bei sich tragen.

Für Schätzungen, nach denen zwischen 10 und 20% der Bevölkerung zu den Allergikern rechnen, gibt es medizinstatistisch keine exakten Belege. Gewisse Anhaltspunkte gibt es allenfalls für eine Zunahme der Pollenallergien. Als erwiesen gilt die Ausweitung der Tierallergien bei Kindern durch die vermehrte Haustierhaltung. Allerdings wird aus medizinischer Sicht darauf hingewiesen, dass sich allergische Reaktionsweisen und deren klinischen Ausprägung im Verlauf des Lebens ändern können, ebenso wie sich auch das Spektrum der auslösenden Allergene wandelt, insofern könnten auch aus gesichertem Zahlenmaterial nur bedingt langfristig gültige Schlüsse gezogen werden.










Quelle: - ,,Grundzüge der allgemeinen Physiologie",Hrsg. L.V. Heilbrunn, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1958 - ,,Enzyklopädie des Wissens", Naturalis Verlag 1990 - ,,Brockhaus Enzyklopädie"; Brockhaus Verlag - ,,Erfolgsmethoden gegen die Krankheiten unserer Zeit", MaNFRED Köhnlechner, Carl Häbel Verlag, Darmstadt 1981 - ,,Patienten fragen - Professoren antworten", Dr. T.Schwaegerl, Universitäts-Verlag München 1982 - ,,Gesund werden - gesund bleiben", Dolf Künzel, Verlag für die Frau, Leipzig 1988 - ,,Biologie - Ein Lehrbuch", Springer Verlag, Augsburg 1990




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