Analyse einzelner Elemente des Romans Faustinas Küsse von Hans Josef Ortheil - schulnote.de 
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Titel:

Analyse einzelner Elemente des Romans Faustinas Küsse von Hans Josef Ortheil


  Note: 1   Klasse: 12









Arbeit: Übersicht:

1. Goethe aus der Sicht Giovanni Beris
2. Giovanni Beri: Der stolze Römer und seine Stadt
3. Beri und Goethe als Rivalen
4. Goethe und Beri als Freunde
5. Giovanni Beri und Werther
6. Quelle



1. Goethe aus der Sicht Giovanni Beris

Giovanni Beri, ein 22 Jahre alter Römer, beobachtet am 29. Oktober 1786 die Ankunft eines seltsamen Fremden auf der Piazza del Popolo. Dies ist der Anfang einer langen Beschäftigung mit dem Fremden, der später Freund und ganz zum Schluss sogar Feind des jungen Beri wird. Am Anfang dieser ersten Begegnung ist Beri belustigt über das Auftreten und das impulsive Verhalten des Fremden: „Selten hatte sich einer so merkwürdig benommen, wie dieser stattlich gewachsene Mann im weiten Überrock dachte Beri insgeheim belustigt“(S.7 Z. 24 -33). Er ist die Ankunft von Fremden gewöhnt und kennt sich deshalb mit ihrem Verhalten aus, aber so eine emotionale Bekanntschaft mit seiner Stadt ist ihm noch nie untergekommen. Beri betrachte die Ankunftsszene mit einer gewissen Skepsis, wird aber mehr und mehr von Goethes Verhalten angezogen und fasziniert: „Irgend etwas Anziehendes hatte dieser Fremde, irgend etwas, dass einen noch schlummernden Teil seiner Seele berührte“(S.8 Z.12)
Diese Faszination, die Goethe auf ihn ausübt, veranlasst Beri sich als Spion des Papstes zu bewerben und ihn über alle Taten des Fremden aufzuklären. Da Goethe für ihn nicht das zu sein scheint, was er vorgibt, vermutet Beri hinter Goethes Malerexistenz eher einen Arzt oder Kaufmann: „ So sind sie, die hohen Herrn! dachte Beri erbost, fragte sich dann aber sofort, warum er ihn für einen hohen Herrn hielt“(S.13 Z.30).
„Seine beinahe abenteuerliche Kleidung, die lose Weste mit den verschmutzten Ärmeln, die halblange, schäbige Hose und die leinenen Strümpfe machten ihn jedenfalls nicht zu einem hohen Herrn, höchstens sein jetzt fester, abweisender Blick“(S.14 Z.1).
Mit Erstaunen verfolgt Beri die Verwandlung des Malers, welcher zuvor in schäbigen Kleidern auftrat, zu einem elegant gekleideten Fremden, der für Beri den Anschein hat ein Advokat zu sein, welcher in geheimer politischer Mission ermittelt(S.16 Z.19). Beris Bewunderung für Goethe wird ebenfalls deutlich, als Beri eine Versammlung der Arkadier besucht, auf der Goethe zu ihrem Ehrenmitglied benannt werden soll. Goethes Rede fasziniert Beri so sehr, dass er beinahe vergisst, dass er es mit einem Ausländer zu tun hat: „Fast hätte man denken können, es mit einem Römer zu tun zu haben, so höflich, freundlich und durchaus beredsam gab er sich!“(S.106 Z. 25)
Durch seine Beschattung und seine Nachforschungen bezüglich des Fremden dringt Beri immer weiter in dessen wahres Leben ein. Er erfährt, dass Goethe in Wirklichkeit Dichter und Schriftsteller aber kein Maler ist: „Spiel du nur weiter den Künstler, ich weiß, dass du nicht zeichnen kannst“(S.88 Z.23) und kann sich somit einige Begebenheiten besser erklären, die ihm zuvor seltsam erschienen: „Irgendein Rätsel schien mit diesem Mann verbunden, denn irgendwie schien er nicht in die üblichen Welten zu passen“(S.56 Z.16) Er erfährt ebenfalls bei seinen Erkundungen bezüglich des schriftstellerischen Werkes Goethes, von dem Bibliothekar seines letzten Arbeitgebers, dass Goethe ein Buch verfasst hat, einen kleinen Roman mit sehr großem Erfolg: „Dieser Goethe verstand also etwas von den ganz großen Gefühlen“(S.93 Z.10).
Beris anfängliche Skepsis gegenüber dem seltsamen Fremden wandelt sich, durch seine ausführliche Beschäftigung mit Goethe, zu einer stillen Bewunderung, die ihn immer mehr zu dem Fremden, mittlerweile Vertrauten hinzieht: „Sein Vergnügen an diesen Dingen, hatte mit dem Fremden, hatte mit Goethe zu tun, der hatte etwas in ihm geweckt, keine Kunst, kein Talent, aber doch eine Spur von Interesse“(S.108 Z.5)
Diese Bewunderung von Seiten Beris schafft eine Basis für die nächste Phase der Beziehung zwischen Goethe und Beri. Freundschaft, welche aber erst nach einigen Schwierigkeiten als solche von Beri akzeptiert wird.



2. Giovanni Beri: Der stolze Römer und seine Stadt

Giovanni Beri, der stolze Römer behauptet, er kenne Rom wie kein anderer (vgl S.25, Z.5) und beweist es uns in vielfältiger Weise im Verlaufe der Handlung.
Durch die meist verwendetete personale Erzählweise wird auch dem Leser das subjektive Bild Beris über die Stadt Rom am Ende des 18. Jahrhunderts vermittelt.

Über die Piazza del Popolo erzählt er uns folgendes:
Er ist, so kann man sagen, ein Ankunfts- und Abreiseplatz, der von Wachbeamten behütet wird. Durch ein Tor, der Porta del Popolo, betreten Fremde sowie Einheimische Rom
(siehe S.350,Z.4). Ein besonders wichtiger Platz ist diese Piazza nun, weil Beri Goethe dort zum ersten Mal sieht. Auf diesem Platz trifft er die Entscheidung sich an dessen Spur zuheften. Die Piazza del Popolo ist der Ort, an dem die Geschichte beginnt ihren Lauf zu nehmen.

Ein weiterer oft erwähnter Ort ist der Corso. Der Corso ist eine bekannte lange Straße, in Rom und ein beliebter Treffpunkt vieler Einwohner und Fremder. Man findet dort viele Geschäfte und Musiker (vgl. S.125, Z 8-10).
Ein Grund, weshalb sich dort immer viele Menschen aufhalten, die den Corso entlang flanieren. Der berühmte römische Karneval hat dort seinen Höhepunkt. Signore Tischbein wohnt am Corso sowie Rosina, der Maler Frederico Bir und der deutsche Dichter Goethe.

Sehr wichtig für Beri und auch von Goethe ein oft bestauntes Gebilde, ist die Sankt Peter Kirche. Sie ist sehr groß und befindet sich hinter der Tiberschleife nahe der Engelsburg
(vgl. S. 14, Z.8-9). Sie ist „Die Stätte des heiligen Vaters", wie Beri zusagen pflegt
(S. 14, Z. 13). Dort trifft er sich mit dem Papst Pius dem VI und versorgt ihn mit seinen
ausspionierten, oder erfundenen Informationen über Goethe.


Auf dem Palatin, kommen sich Beri und Goethe das erste Mal freundschaftlich nahe. Goethe zerreißt dort Wut entbrannt, eine ihm wieder nicht gelungene Zeichnung.
Beri baut ihn wieder auf und klopft ihm auf die Schulter.
An jenem Abend lernt Goethe auch Faustina, in dem Gasthaus einer Osteria kennen, in die er sich verliebt. Jedoch weiß er nicht, dass sie bereits die Geliebte von Beri ist, was später Konflikte auslöst.

Nicht weit vom Palatin entfernt befindet dich der Spanische Platz, mit seiner Spanischen Treppe. Normalerweise beziehen dort Fremde ein Hotelzimmer. Bekannt ist der Spanische Platz auch für seine vielen Gast- und Kaffeehäuser (siehe S. 53. Z. 7-9)in denen sich gerade die Touristen gerne aufhalten. In dem beliebten griechischen Kaffeehaus lernt Goethe den
preußischen Professor Karl Philipp Moritz kennen. Oft ziehen sie sich dort zurück, um gemeinsam etwas zu schreiben.

Wie man sieht ist Giovanni Beri ein gründlicher Beobachter. Er hat, so scheint es, eine gute
Menschenkenntnis und kann sich schnell eine richtige Meinung über jemanden bilden. Ein stolzer Römer ist Beri aber vor allen Dingen: „Die Stadt wurde gebaut um mich glücklich zu machen"(S. 173, Z. 18-19), sagt er und kann sich nicht vorstellen, Rom je zu verlassen („...sonst wird man zum Fremden" S. 74,Z. 29-31).
Er kennt jeden Winkel Roms, aus seiner Zeit als Courier. Für Beri muss ein Römer ganz bestimmte Eigenschaften haben.
Zu diesen zählen Stolz, katholischer Glaube und die Einstellung sich für alles Zeit zu nehmen. Der Gegensatz zu einem echten Römer, verkörpern für ihn die Fremden, sowie den Wirtssohn Collina. Über ihn sagt er: „...kein echter Römer, nicht stolz, kein richtiger Mann, Bübchen seiner Eltern und ein Fremdenliebling."(S. 37, Z. 1-3) und über die Fremden „...das sind keine Gläubigen sondern Ketzer, Klugscheißer, Besserwisser." (S. 40, Z. 31)

Wie sehr Giovanni Beri Rom liebt, zeigt sich besonders an seiner bzw. des Autors Wortwahl über die Karnevalszeit schwärmt er folgendes: „[...]jetzt zeigte Rom sich am schönsten, im glänzenden Aufbruch, in allmählich erstarkenden, aufreizenden Farben. Das musste auch den Minister aus Weimar verführen[...]." (S. 123, Z. 14-16).
Oft gerät er regelrecht in einen Begeisterungstaumel, wenn er über seine Stadt spricht: „[...]den ganzen Tag über herrschte in den Gassen ein munteres Klingen als bräche die Musik sich endlich überall Bahn und drängte durch jede Ritze, in jedes Haus." (S. 125, Z. 8-10)

Beri identifiziert sich mit Rom und benutzt die Stadt auch in mancher Hinsicht, um seine Schwächen zu verbergen. Von außen ist er zwar der starke Römer, innerlich jedoch verarbeitet er immer noch den Tod seiner Mutter sowie das Verschwinden seines Bruders.
Als sich seine Geliebte Faustina in Goethe verliebt und des Öfteren die Nacht dort verbringt, verletzt es ihn tief. Dabei meinte er vorher noch stolz, eine Römerin habe mehr als einen Mann und nehme sich eben, was sie brauche (vgl. S. 164, Z. 4-6). Trotzdem zeigt er sich gerne als starker stolzer Römer, denn es ist das Einzige was ihm noch geblieben ist. Sein geliebtes Rom wird ihm nie weglaufen. So kann er sich immer wieder auf seine Stadt stützen. Aus diesem Grund könnte er Rom auch nie verlassen, denn sonst wäre er ein Niemand.
Auch den Fremden will er zeigen, wie schön seine Stadt Rom ist. Er möchte, dass Rom sie
glücklich macht und sie die Schönheit der Stadt spüren und nicht nur lesen
(siehe S. 40, Z. 31). Dadurch kann er sich selber bestätigen, dass er mit Recht darauf stolz sein kann, ein Römer zu sein.


3. Beri und Goethe als Rivalen

Nachdem Faustina nicht kommt, wird Beri von der aufgedrehten Rosina geweckt, die ihm die Nachricht überbringt, dass Goethe in der letzten Nacht eine Frau zu Gast hatte. Schon zu Anfang des Gesprächs ist Beri unsicher und ahnt etwas Schlechtes – er mag keine Überraschungen. Auch als Rosina ihm erzählt dass Filippo eine Geliebte habe will er die Wahrheit nicht wahrhaben. Ob dies nun so ist, weil er nicht fassen kann, dass Goethe der nicht zum Lieben fähig ist, nun doch eine Freundin hat, oder weil er bereits annimmt, dass es seine Geliebte ist bleibt Spekulation. Während des Gesprächs wird er immer unsicherer, doch selbst als deutlich wird dass Goethes Geliebte seine Faustina ist, reißt er sich letztendlich doch zusammen und spielt vor Rosina den fröhlichen Freund, der sich für Filippos Glück freut. Sofort treibt es Beri zu Faustina um zu erfahren, für wen sie sich entscheiden will. Noch auf dem Weg bemerkt er wieder, dass auch diese unglückliche Lage die beiden Freunde verbindet, denn beide sind Faustina verfallen: „Diese Liebe bezeugte ja mehr als alles andere, wie sie sich verstanden, wie ihre Seelen einander berührten in einem Punkt trafen, den geheimsten, innersten: im Fühlen und im Empfinden! Ja, richtig, sie fühlten gleich, sie waren im Fühlen ein und dieselbe Person, Filippo war ein Giovanni und Giovanni war ein Filippo, nur so war es zu begreifen, dass sie beide Faustina für sich entdeckt hatten!“ (S.292, Z.4-11). Hier wird deutlich, wie sehr sich Beri mit Goethe identifiziert, es scheint sogar so dass er im ersten Moment gar nicht sauer auf Filippo, sondern auf Faustina ist. Das beweist die innige Freundschaft und die hohe Meinung Beris von Goethe.
Doch nach dem Gespräch mit Faustina sieht Beri Goethe zum ersten Mal als seinen Rivalen und kann ihm auch nicht mehr begegnen. Deswegen geht er ihm aus dem Weg und bekommt nur von Rosina Informationen. Doch wenn er sich in dem Eckhaus am Corso blicken lässt, wird er von der Freundlichkeit Filippos geradezu überschüttet: „Es war als gäbe er sich Mühe, die geheimsten Wünsche des Freundes zu erraten.“(S.298, Z.19f). Diese Herzlichkeit wird besonders Beri entgegengebracht, welcher das registriert und sich auch geschmeichelt fühlt. Trotzdem wird ihm dies zuviel. Er meint Goethe zu durchschauen, denn alles drehe sich um Goethes Person und all sein Gehabe sei nur dazu da, um die Aufmerksamkeit anderer zu erregen. Auf einmal nimmt Beri Goethe wieder negativ wahr, er kommt ihm falsch und gespielt und hauptsächlich auf das Ansehen der anderen bedacht vor. Hinzu kommt noch die gewaltige Eifersucht, die die Meinung Giovannis beeinflusst. Er meint, Faustina überall in dem Haus Goethes zu spüren und empfindet dadurch immer größer werdendes Verlangen dem Corso fern zu bleiben, verhält sich oft unüberlegt und überstürzt handelt. Aus diesem Grund wird er von vielen getadelt, doch Goethe hält zu ihm (S.302). Trotzdem lastet die Qual schwer auf Beris Schultern, dass er nun seine Faustina teilen muss. Er versucht mit allen Mitteln Goethe aus dem Weg zu gehen, doch als dieser ihn bittet ihn zum Karneval zu begleiten lehnt er nicht ab: „Beri fühlte sich natürlich geschmeichelt, das schon, es war eine Ehre, Filippo führen zu dürfen…“ (S.308, Z.23f). Diese Reaktion zeigt, dass seine Abneigung gegenüber Goethe nur aufgrund der Beziehung zu Faustina entstanden ist, er jedoch noch immer von Goethe fasziniert ist. Dennoch hat Beri dunkle Gedanken und fühlt sich von seinem Stilett, welches er bei sich trägt, geleitet, aber durch Goethes Fragen wird Beri abgelenkt.
Beri stellt sich vor, dass seine Erzählungen sowie Erklärungen Goethe beeinflussen: „Diese Vorstellung erregte ihn stark. Soweit war ihre Verbindung nun also gediehen, dass er Filippos Erzähler geworden war, seine römische Stimme, die ihn einweihte und heranführte an all das Gesehene.“ (S.310, Z.25ff). dieser Gedanke wird auch noch von Goethe bestätigt: „Im Grunde bist du der Dichter...“ (S.311, Z. 28). An Karneval tauschen Beri und der deutsche Dichter die Kleidung und Giovanni fällt es nicht schwer den „Fremden“ zu imitieren. Dies zeigt, wie genau Beri ihn studiert hat und sich gleichzeitig mit ihm identifiziert. Während des Karnevals spricht Goethe über den Gott der Fruchtbarkeit. Dies reizt Beri, ihn packt die Wut doch noch immer bezeichnet er Goethe als Freund: „>Freund< dachte er, >du ahnst nicht, wie viel Glück Du gerade gehabt hast! Noch ein falsches Wort, und ich hätte Dich in diesem Getümmel mit dem Messer bekannt gemacht! >“ Dies zeigt, wie hin- und her gerissen Beri ist. Am nächsten Tag sieht Beri plötzlich Goethe mit Faustina am Fenster stehen: „Der Anblick traf ihn, als hätte ein lange gezähmter Schmerz sich verdoppelt.“ (S.318, Z.32f). Beri fühlt sich verraten und ausgeschlossen er spürt dass er den „im stillen geführten Zweikampf“ verloren hat. Die Wut überkommt Beri und er rennt ungezügelt durch die Straßen: „(….) ermordet werde Signore Filippo und ermordet Signora Faustina, die erste von allen Huren des Jahrhunderts!“ (S.322, Z.24f). Er fühlt sich gedemütigt und brüllt alles aus sich heraus. Nach seinem Wutausbruch zieht er sich vollends zurück und versucht die Entscheidung Faustinas zu akzeptieren, sogar bewundert er weiterhin Filippo und besiegt seine Eifersucht ihm gegenüber: „In Filippo hatte er seinen Meister gefunden, das erkannte er an, er hatte ihn ja selbst dazu verholfen, ein solcher Meister zu werden!“ (S.326, Z.10ff). Trotz seines Schmerzes ist Giovanni stolz auf seine Taten die die Entwicklung Goethes gefördert haben. Er nimmt die Entwicklung Goethes wahr und erkennt sie auch an: „Und Filippo?! Der war emporgestiegen, von Stufe zu Stufe! Aus dem herumhastenden Fremden war am Ende ein glücklicher Liebhaber geworden, und nur er, Giovanni Beri, wusste von diesem steilen und holprigen Weg!“ (S.326, Z.18ff). Dieses Zitat beweißt, wie Beri die Entwicklung und auch Verwandlung von Goethe wahrnimmt und dass er sich das gute Ergebnis zuschreibt. Nachdem Beri erfahren hat, dass Goethe abreisen will entscheidet er sich doch seine geteilte Meinung zu überwinden und von der Abreise nutzen zu ziehen, aber er weiß, dass er gefühlsgesteuert reagieren könnte: „Er wusste nicht, wie er Filippo begegnen würde, noch immer war ja der alte Schmerz da, und die Wut konnte jederzeit ausbrechen.“ (S. 339, Z.29). Er beherrscht sich und spürt wieder die Freundschaft, die Goethe ihm entgegenbringt, registriert das Vertrauen und seine Ehrlichkeit: „Filippo hatte ihm sein Vertrauen geschenkt, vielleicht hatte er sogar niemandem so vertraut wie ihm! Wenn er gewusst hätte was sie in Wahrheit verband – wie er wohl dann gehandelt hätte?“ (S.345, Z.3ff). Nach ihrem Treffen kann Beri es nicht lassen und spioniert Goethe doch wieder hinterher. Beweist dies nicht seine Besessenheit nach ihm und seine Bewunderung, oder ist es nur die alte Gewohnheit?!? Sicher ist, dass Beri Goethe lieb gewonnen hat und ihn trotz seiner Affäre mit Faustina als Freund betrachtet, da er weiß, dass Goethe nichts von seiner Beziehung mit ihr weiß. Deswegen fällt ihm der Abschied auch so schwer: „Wenn er diesen Abschied nur leichter vergessen könnte! Irgendetwas daran hatte ihn an den Abschied von seiner Mutter erinnert, so verschieden diese beiden Szenen auch waren!“ (S.346, Z.21). Da Beri den Abschied von Goethe sogar mit dem von seiner Mutter vergleicht, die er sehr vermisst, muss Goethe ihm sehr wichtig geworden sein, ja vielleicht eine Lehrfunktion eingenommen haben. Während Beri Goethe ein letztes Mal verfolgt, betrachtet er ihn ganz genau und spürt das Verlangen sich zu ihm zu setzten. Doch wie ein guter Freund versetzt er sich in Goethes Lage und respektiert, dass dieser wahrscheinlich alleine Abschied nehmen will. Als Goethe durch die Stadt läuft verliert Beri ihn aus den Augen: „ Er hatte Filippo verloren, zum Schluss hatte er ihn also doch noch verloren!“ (S.348, Z.12). Ich denke das drückt sehr gut den Zustand von Giovanni aus. Er weiß dass er Goethe nicht mehr als Freund halten kann und ihn nicht mehr wieder sehen wird. Deswegen kann man diese Aussage als eine nüchterne Betrachtung ansehen, dass Beri zwar gekämpft hat und viel eingesteckt hat und nun doch die Bindung verliert, gleichzeitig kann man diesen Satz auch als objektive Feststellung betrachten. Nämlich, dass Beri bemerkt, dass er Goethe trotz seiner Beschattung einfach aus den Augen verloren hat. Die Doppeldeutigkeit dieses Satzes drückt vielleicht aus, dass Beri selbst nicht so ganz sicher ist, was er fühlt.


4. Goethe und Beri als Freunde

Nachdem Giovanni Beri erfährt, dass Goethe für einige Wochen Rom verlässt, um in Neapel den Vesuv zu studieren, verfällt Beri in eine tiefe Depression. Denn erst durch Goethes Abwesenheit bemerkt er, wie wichtig der Fremde ihm geworden ist.
Als nun der Padre von Goethes politischen Aktivitäten in Neapel berichtet, beauftragt er Beri sich auf die Rückkehr des Ministers aus Weimar vorzubereiten „und so wurde Giovanni Beri wiedergeboren“ (Seite 148, Zeile 14). Von nun an lernt der Römer Deutsch und befasst sich sogar mit Goethes berühmtem Werk „Die Leiden des jungen Werthers“. Daraus entnimmt Beri, dass Goethes Romanfigur „Werther“ im Grunde genommen die Persönlichkeit des Autors verkörpert: „ […] immer, wenn ihm dieser Werther in den Sinn kam, erinnerte er ihn an den Minister aus Weimar, ja irgendwie konnte er sich Werther nicht vorstellen, ohne sich Goethe vorzustellen“ (Seite 156, Zeile 14-16). Beri ist der Ansicht, Goethe hätte „etwas Unüberhebliches, Schwärmerisches und anscheinend behielt auch er alle Leidenschaften für sich“ (Seite 156, Zeile 18-20). Nur „das Reden war so etwas wie Goethes Leidenschaft“ (Seite 156, Zeile 22-23). Daraufhin beginnt Beri zu ahnen, dass Goethe ebenso unglücklich wie Werther wegen der Liebe zu einer verheirateten Frau ist und dass er möglicherweise negative Liebeserfahrungen in seiner Vergangenheit hatte: „Dieser Goethe war krank“ (Seite 157, Zeile 1).
Schließlich verliebt sich der Römer Giovanni Beri in Faustina und begreift nicht, wieso sich Werther nicht auch seine Liebe einfach „schnappt“. Er ist der Meinung, dass dies an der Mentalität der „Nordmenschen“ liegen müsse und kritisiert somit auch Goethe. Um „dem toten Werther [zu] beweisen, wie ein Mann handelte, der sich von einer Frau nicht beschämen lassen wollte“ (Seite 167, Zeile 17-19), beschließt Beri Faustina zu erobern. Beris Meinung nach hat er sein Glück mit Faustina dem Autor des Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“ Goethe zu verdanken: „Hätte er sein Buch nicht gelesen, wäre er vielleicht nie derart in Furor geraten!“ (Seite 174, Zeile 11-12). Beri sieht Werther als eine Art Krankheit, von der Goethe befallen sei, und möchte ihm danken, indem er Goethe von seiner Krankheit erlöst. Sein Ziel ist es aus Goethe einen anderen Menschen zu machen, „einen freundlichen, herzlichen, glücklichen“ (Seite 188, Zeile 19). Von nun an begreift Beri, dass er von Anfang an die Freundschaft zu Goethe gesucht hat!
Um sein Ziel zu verwirklichen, will der Römer mehr über Goethes Leiden herausfinden und macht sich an den Berliner Professor Karl Phillip Moritz heran. Beri gibt sich als Zeichner und Maler Giovanni Rudolfo aus. Durch den Professor lässt sich sein Verdacht bestätigen, dass Goethe Weimar wegen der Liebe zu einer verheirateten Frau überstürzt verließ. Daraufhin lügt Beri ihm vor, die Dame in Weimar warte sehnsüchtig auf Goethes Wiedersehen. Moritz ist bereit Giovanni mit Goethe bekannt zu machen unter der Bedingung, dass er über die Dame aus Weimar nichts erzählen dürfe, da Goethe gerade auf dem besten Weg sei, die unglückliche Liebe zu vergessen.
Als Goethe nach Rom zurückkehrt, scheint er viel fröhlicher zu sein. Er pfeift ein Liedchen „wie einer, der sich freute, wieder zu Hause zu sein!“ (Seite 197, Zeile 29-30). Beri beschließt Goethe zu überzeugen, dass er die Malerei aufgeben und sich ausschließlich der Dichterkunst widmen soll. Außerdem versucht er ihn mit der munteren, erfahrenen Rosina zu verkuppeln, da seiner Meinung nach zu wenig Frauen und „ seltsame Gestalten“ (Seite 199, Zeile 13) an seinem Leben teilhaben: „Und außer der Malerin Kaufmann […] war darunter keine einzige Frau!“ (Seite 199, Zeile 18-20). Während des Besuchs von Goethe und Moritz bei Beri wird Goethe überraschend schnell auf Rosinas Gesang aufmerksam, die Giovanni als seine Schwester vorstellt. Auf Giovannis Vorschlag hin, das Feuerwerk vom Tiber aus zu beobachten, richtet er es so ein, dass Goethe mit Rosina alleine ist. Rosina verliebt sich sofort in ihn, doch Goethes Faszination gilt nur dem Feuerwerk. Er küsst sie lediglich auf ihre Fingerspitzen. Beri ist erschüttert, „dieser Mann beherrsche nicht einmal die Liebeskunst, dieser Mann benahm sich gerade so wie Werther“ (Seite 220, Zeile 11-13). Beris Vorhaben würde also schwierig werden. Er erklärt Rosina, dass Goethe ein sehr ernster Mensch sei. Er habe ihn fast niemals lachen sehen. Rosina berichtet Beri, dass Goethes Freunde auch die himmlischen Götter seien. Um mit seinen besten Freunden ein Fest zu feiern, lädt er jedoch auch Beri ein. Dies ist ein Zeichen der Freundschaft zwischen dem Römer und dem Deutschen.
Während Beri in seinem 2. Bericht an den Padre erwähnt, dass politische Planungen Goethes nicht auszuschließen sind, glaubt er jedoch längst selbst nicht mehr an dessen politische Mission.
Als Beri Goethe besucht, stellt er fest, dass Goethes Einrichtung seiner eigenen ähnelt: „[…] das hatte dieser Goethe ihm abgeschaut, soviel war sicher“ (Seite 230, Zeile 29-30). Die zunehmend vertraute Beziehung zwischen Goethe und Giovanni symbolisiert die freundschaftliche Geste Goethes: „Jemand legte ihm die Hand auf seine Schulter“ (Seite 238, Zeile 23).
Eines Abends beobachtet Beri Goethe und stellt erfreut fest, dass Goethe eine Veränderung durchlebt. Er mischt sich unter das tanzende Volk und somit denkt Beri schon fast am Ziel zu sein. Außerdem ist Goethe nun „viel zutraulicher als früher, als er es nicht einmal gewagt hatte, Rosina zu berühren“ (Seite 251, Zeile 13-14). Er widmet sich ganz dem Naturleben und ist gesellig und freundschaftlich wie nie. Erst durch Rosinas Kritik an Goethe, die sie Beri berichtet, bemerkt er, wie schwierig es ist Goethe zu lieben. Denn laut Rosina denkt Goethe, „er würde allen gefallen“ (Seite 154, Zeile 20). Außerdem reagiere er genauso wie seine Wertherfigur: „[…] da tat er, als müsste er sich die Kugel geben vor Eifersucht“ (Seite 256, Zeile 10). Doch anscheinend beginnt Goethe sich langsam den Frauen zu nähern.
Obwohl Goethe anfangs noch eine Zeichenschule besucht, gibt er es schließlich auf. Doch Beri ist es noch nicht gelungen, ihn an das Dichten zu bringen. Einmal verfolgt Beri Goethe auf den Palatin und beobachtet, wie er ein Manuskript zerreißt. Er setzt sich neben ihn und klopft ihm auf die Schulter. Daraufhin bezeichnet Goethe ihn zum ersten Mal als Freund. Da wird ihm bewusst, dass er „ die Freundschaft dieses Mannes gesucht hat, von Anfang an!“ (Seite 276, Zeile 29). Es war seit langem sein verborgener Wunsch den Dichter aus Weimar zum Freund zu gewinnen. Anschließend gehen sie zusammen in die Osteria, wo sie von der schönen Faustina bedient werden. Doch Giovanni verschweigt ihm, dass sie seine Geliebte ist. Dort widmet Goethe seinem Freund sogar ein Gedicht und Beri spürt es: „[…] ich bin sein Freund, der Mensch, der ihn in Rom am besten kennt!“ (Seite 280, Zeile 19). Filippo war jetzt sein Freund. Beri beginnt jetzt sogar bewusst sich mit Goethe zu identifizieren, indem er bereits mit seinen Worten denkt.


5. Giovanni Beri und Werther

Um die Verbindung zwischen dem Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“ und dem Roman „Faustinas Küsse“ deutlich zu machen hilft es die beiden Hauptfiguren, Giovanni Beri und Werther, gegenüberzustellen.

Hans-Josef Ortheil lässt in seinen Roman „Faustinas Küsse“, die Figur des Giovanni Beris zu der des Werthers werden.

Charakterisierung:
Giovanni Beri, die Romanfigur aus Hans-Josef Ortheils „Faustinas Küsse“, ist ein junger Römer, der nach dem Tod seiner Eltern und dem Verschwinden seines Bruders, für die reiche Oberschicht Gelegenheitsarbeiten ausübt und so seinen Lebensunterhalt verdient.
Er ist ein Genießer und träumt selbst vom Wohlstand, was sich auch in seiner Liebe zu gutem teuerem Wein widerspiegelt.
Beri ist kein Freund versteckter und übertriebener Gefühle. Er mag die Leidenschaft, bevorzugt aber den direkten weg.

Die Romanfigur des Werthers aus Goethes Roman „Die Leiden des Jungen Werther“ verkörpert alle Eigenschaften der Epoche des Sturms und Drang.
Er ist jung, gebildet, wirtschaftlich unabhängig und lässt seinen Gefühlen freien Lauf, Eigenschaften die ihn zum Außenseiter machen. Sein Handeln ist bestimmt von seiner überschwänglichen Gefühlswelt, wodurch sich in seinem Handeln keine Schlüssigkeit erkennt lässt.

Vergleicht man die beiden Protagonisten, Beri und Werther, bekommt man zunächst den Eindruck, dass es sich hier um zwei völlig verschiedene Charaktere handelt.
Werther ist ein melancholisch und bestimmt von seinen Gefühlen, Beri hingegen ist eine Frohnatur. Als Beri die Lektüre des Werthers beginnt, verachtet er ihn: „ er zitterte, fluchte, er spuckte aus vor Verachtung, schloss die Augen mitleidend, […]“ (S. 163, Z. 23), sieht ihn sogar wie eine Art Krankheit und sich selbst als das genaue Gegenbild: „ Nein, er Beri war wahrhaftig kein Werther, […]“ (S.166, Z.28). Er bemerkt direkt dass etwas Negatives von diesem Buch ausgeht: „Denn er spürte bald, dass von diesem Buch etwas Bitteres ausging, ja, er hatte sofort geahnt, dass es schlimm enden würde, […]“ (S. 154, Z.31ff).

Im Laufe des Romans, setzt sich Beri immer mehr mit der Figur des Werthers auseinander, er beginnt eine freundschaftliche Beziehung zu ihm aufzubauen: „[…] als redete ihn dieser Werther an und als begännen sie, ein Gespräch zu führen und langsam Freundschaft zu schließen.“ (S. 328, Z. 23). Beri macht eine Verwandlung durch, er wird immer mehr zu Werther und beginnt sich sogar mit diesem zu identifizieren: „Oder es war, als spräche er, Beri, aus diesem Werther […]“ (S.328, Z.25f.).



6. Quelle

Ortheil, Hans-Josef, Faustinas Küsse, München, 1.Auflage 2000, 1998.





















Quelle: Ortheil, Hans-Josef, Faustinas Küsse, München, 1.Auflage 2000, 1998uelle




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