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Titel:

Biedermeier


  Note: 2   Klasse: 11









Arbeit: Biedermeier
Begriff

Abgeleitet von Ludwig Eichrodts Parodie auf den treuherzigen Spießbürger, den "Schwäbischen Schullehrer Gottlieb Biedermaier" (1850-1857). Übertragen auf bürgerliche Wohnkultur und Genremalerei (Spitzweg). Dann Schlagwort für die restaurative Phase bürgerlicher Beschaulichkeit zwischen Wiener Kongreß und Revo­lution 1848. Läuft z. T. parallel zur Spätromantik und zu der politisch engagierten literarischen Bewe­gung des "Jungen Deutschland" oder des "Vormärz".
Historischer Hintergrund

Kulturell wie politisch prägend sind zwei gegensätzliche Strömungen: Beharren, Restauration, Rückzug in die private Idylle einerseits, politisches Engagement für Fortschritt und Revolution andererseits. Die indu­strielle Revolution, ausgehend von England, bewirkt bedeutende wirtschaftliche und politische Verände­rungen: Das Bürgertum erstarkt, der Wirtschaftsliberalismus (Adam Smith) führt zu ungehemmter wirtschaft­licher Konkurrenz. Zu der bürgerlichen Weltanschauung, dem Liberalismus, gehört das Recht unge­hinderter Entfaltung des Individuums, ebenso die Forderung nach Menschenrechten und Verfassung. Mit der wirtschaft­lichen Expansion entsteht die soziale Frage: Armut der ausgebeuteten Proletarier. Beginn der Arbeiterbe­wegung, kommunistisch und sozialistisch bestimmt. Forderung nach gesellschaftlicher Veränderung durch Wandel der ökonomischen Voraussetzungen.

Seit den Napoleonischen Kriegen Streben nach einer geeinten Nation (Nationalismus ist eine europäische Bewegung), vielfach verbunden mit sozialen Forderungen. Führende Kräfte sind Professoren und Studenten (Burschenschaften). Entgegen steht Metternichs Beharrungspolitik nach dem Wiener Kongreß: Wiederherstel­lung traditioneller Herrschaftsstrukturen (Papst, Könige) zur Rückkehr in vorrevolutionäre Zustände: "Heilige Allianz" zwischen Rußland, Preußen und Österreich. Ergebnis ist eine lange Friedenszeit in Eu­ropa, aber auch die Abwehr liberaler Kräfte. Eine nationalstaatliche Gruppierung Europas wird zunächst verhindert. Deutschland ist ein loser Staatenbund mit latentem Dualismus Preußen - Österreich. Das zwar wirtschaftlich, aber nicht politisch emanzipierte Bürgertum pflegt Heim und Familie, abgetrennt von der Politik; der "Nachtwächterstaat" soll Sicherheit und Ordnung garantieren.

1814/15


Wiener Kongreß


1815


Deutscher Bund: 35 Fürsten und 4 freie Reichsstädte

1773-1859


Metternich lenkt 40 Jahre lang Öster­reichs Politik, wird 1848 vertrieben







1835 Eisenbahn Nürnberg-Fürth

1. 1. 1834 Deutscher Zollverein



Dampfmaschine in vielen Verwendungen; Elektrizitätslehre und Anwendung (Volta, Ampere, ...); Chemie: synthetischer Harnstoff (Justus Liebig)
Kultureller Hintergrund

Malerei: Moritz von Schwind, Karl Spitzweg, Ferdinand Georg Waldmüller, Ludwig Richter.
Spätromantik

Kein einheitlicher Zeitstil seit dem "Ende der Kunstperiode" (Heine) mit Goethes Tod 1832. Die Spätroman­tik bestimmt noch die Musik (Franz Schubert, Robert Schumann, Carl Maria von Weber) bis zu Richard Wagner sowie die Malerei (C. D. Friedrichs "unermeßliche" Landschaft). Die schwäbische Roman­tik bringt vor allem Lyrik hervor (Ludwig Uhland, Eduard Mörike).
Klassizismus

Architektonische Ausgestaltung der Großstädte (Berlins durch Schinkel; München unter Ludwig I.), Bau repräsentativer Bürgerhäuser als Höhepunkt der Wohnkultur.
Geistesgeschichtlicher Hintergrund

Der Jurist Friedrich Karl von Savigny (1779-1861) begründet die historische Schule im Bereich des Rechts; mit Leopold von Ranke (1795-1886) beginnt die empirisch-kritische Geschichtswissenschaft. Entwicklung ei­nes konservativ geprägten Traditionsbewußtseins. Begründung des Positivismus durch Auguste Comte.
Staatsidee Hegels

Der Philosoph Friedrich Hegel (1770-1831) setzt den Begriff des Staates an die Stelle des romanti­schen Volksbegriffs. Natur und Geschichte sind einheitliche Erscheinungsformen des Geistes, der Welt­vernunft (Gott). Geschichte entwickelt sich dialektisch, jede Stufe hat ihr historisches Recht auf dem Weg zum bestmöglichen Staat. Es gilt für den Rechtsstaat zu streiten.
Tendenzen und Merkmale

Biedermeier ist bürgerlich gewordene Romantik. Nach den Revolutionskriegen Bedürfnis nach Ruhe und Ord­nung, privatem Glück und innerem Frieden. Einsicht in die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklich­keit, entsagende Anerkennung der Bedingtheit menschlichen Lebens: Selbstbescheidung, Mäßigung, Unter­werfung, Resignation. Die Dichtung ist betont innerlich, oft von verzichtender Melancholie ("Doch in der Mit­ten/liegt holdes Bescheiden", Mörike), schlicht in Sprache und Form. Liebe zum Kleinen, zum Alltäglichen (Themen und Motive aus der privaten Umwelt), zur Natur. Genaue und detaillierte Beschreibungen ("Naheinstellung") entstehen (keine Ideallandschaft). Die Tendenz des Bewahrens zeigt sich auch in der Wahl historischer Themen und dem Rückgriff auf das Ideal des Schönen/Guten der Klassik, z. B. bei Stifter. Werke sind von Umwelt des Dichters geprägt (Stifter -> Böhmerwald). Armut als Tugend dargestellt, Probleme der Arbeiterschaft werden ausgespart.

Es gibt kein literarisches Programm, Dichter sind Einzelgänger. Es entstehen Stimmungsbilder, Novellen, Balladen, historische Dramen und Rührstücke. Epische Kleinformen dominieren: Miniatur, Erzählung, Skizze, Märchen, Idylle; es wird viel gereimt, Liedhaftes geschrieben und vertont. Beliebt ist das Kleinformat des Buches: Gedichtsammlungen, Almanache, Kalender, Poesiealben. Wortschatz und Syntax sind konservativ, sprachlich wagt man keine Experimente, Neuerungen. Durch Verkleinerungsformen erhält die Sprache etwas Niedliches, Sanftes.
Autoren und Werke

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848): "Die Judenbuche" (Novelle, 1842): Mit sparsamen sprachlichen Mitteln entsteht eine erschreckende Realität. Lyrik (1844).

Franz Grillparzer (1791-1872), österreichischer Dramatiker: u. a. „König Ottokars Glück und Ende“ (1825), "Des Meeres und der Liebe Wellen" (1831), „Libussa“, “Ein Bruderzwist in Habsburg“ (1872). Novelle „Der arme Spielmann“

Karl Immermann (1796-1840): "Die Epigonen" (1836), "Münchhausen" (1838/39).

Eduard Mörike (1804-1875): "Maler Nolten" (Roman, 1832): romantische Motive, aber Gestaltung der Per­sonen aufgrund moderner psychologischer Einsichten. Gedichte, Märchen, Novelle: "Mozart auf der Reise nach Prag" (1856).

Adalbert Stifter (1805-1868). Erzählungen: "Die Mappe meines Urgroßvaters" (1841/42). „Der Hochwald“, "Bunte Steine" (1852). Bildungsroman in der NachfoIge von Goethes "Wilhelm Meister": "Der Nachsommer" (1857).

Nikolaus Lenau: Lyrik, Versepen (Fauststoff)

Ferdinand Raimund (1790-1836): „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“, „Der Verschwender“.

Johann Nestroy (1801-1862): „Der Talisman“, „Der böse Geist Lumpazivagabundus“.
Textbeispiel

Adalbert Stifter Vorrede zu Bunte Steine (1852, Ausschnitt)

[...] Das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels, das Schimmern der Gestirne halte ich für groß: das prächtig einherziehende Gewitter, den Blitz, welcher Häuser spaltet, den Sturm, der die Brandung treibt, den feu­erspeienden Berg, das Erdbeben, welches Länder versehüttet, halte ich nicht für größer als obige Erschei­nungen, ja ich halte sie für kleiner, weil sie nur Wirkungen viel höherer Gesetze sind. Sie kommen auf einzelnen Stellen vor und sind die Ergebnisse einseitiger Ursachen. Die Kraft, welche die Milch im Töpf­chen der armen Frau empor schwellen und übergehen macht, ist es auch, die die Lava in dem feuerspeienden Berge empor treibt [...]








Quelle:




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