Childeren of God, oder Kinder Gottes - schulnote.de 
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Titel:

Childeren of God, oder Kinder Gottes


  Note: 2+   Klasse: 7









Arbeit: Einleitung

Als ich 1975 die Kinder Gottes in Rom kennenlernte, stellten sie sich mir als bibeltreue Christen vor, die eine radikale Umkehr vollzogen hätten gemäß dem Bibelvers bei Lukas 14, Vers 33: Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet. (Die Bibel 1980, S.1179)
Dies bedeutete für sie: Übergabe allen persönlichen Besitzes, Aufgabe von bisherigen sozialen Beziehungen, besonders der zu den Eltern, Abbruch von Schule, Studium und Beruf, um "Vollzeitjünger" zu werden; ein revolutionäres, radikales, kompromißloses christliches Leben zu führen und das Evangelium allen Menschen zu verkünden.
Ich war sehr beeindruckt und verbrachte einige Zeit in einer ihrer Wohnungen in Rom, damals "Kolonie", später "Home" genannt. Dort gab man mir zu meiner spirituellen und theologischen Unterweisung aber nicht die Bibel, sondern billige, im Komikstil verfaßte Traktätchen des "Endzeitpropheten" Mose David, alias David Berg. Diese "MO-Briefe" wurden als ernstzunehmende, göttlich inspirierte Wahrheit betrachtet. Mir gelang es nicht, diese Sichtweise zu übernehmen. Ich war irritiert, um nicht zu sagen peinlich berührt über diese Wertschätzung, denn Sprachstil, Form und Inhalt waren primitiv. Im MO-Brief "Heilige Löcher" las ich:
"Wo würden wir ohne Löcher sein? Wo würden die Leute ohne sieben Löcher in ihren Köpfen sein? (Zähle sie!) -- Und tatsächlich hast du viel mehr Löcher als diese, denn jede kleine Pore in deiner Haut ist ein Loch. ... Und hätte es nicht dieses Loch gegeben, hätte deine Mami dich nie haben können, und dein Papa hätte sie nie dazu bringen können, dich zu haben. Denn sein Penis hat ein Loch, und ihre Vagina ist ein Loch, und ihre Gebärmutter ist ein Loch, und ihre Eierstöcke sind Löcher... Du bist wirklich voll von Löchern!... Wie kam ich überhaupt dazu, über Löcher nachzudenken?-- Es muß der Heilige Geist gewesen sein. ... Jetzt laßt uns singen: "Heilig, heilig, heilig!" Es ist ein sehr heiliges Lied, denn du mußt voll von Löchern sein, um heilig zu sein.--Richtig? ... Und ich hoffe, dein Loch kriegt´s mit, OK? (Es wird, wenn du Liebe machst!) "Heilig, heilig, heilig! - Herr Allmächtiger Gott!" Wußtest du, daß Gott sehr heilig ist? ... Ist Gott nicht lustig? - Er ist ganz voll von Löchern wie du und ich! Darum ist Er so heilig! ... Hohl-eluja! Kapiert! Das ist ein Loch voll von Lob für Gott!"(BERG 1973)
Als katholisch aufgewachsene Christin war mir religiöse Sprache vertraut. Diese hier war es mit Sicherheit nicht!
Nachdem ich die Gruppe verlassen hatte, erfuhr ich, daß sie eine der damals so genannten "Jugendsekten" war. Dieser Begriff aus den 70er Jahren bezeichnete das damals neue Phänomen von religiösen Bewegungen, die ihre Anhänger überwiegend aus den Reihen der jungen Erwachsenen des Mittelstandes rekrutierte (vgl. HAACK 1979).
Unter Sekte versteht man im allgemeinen eine kleine religiöse Gemeinschaft, die sich von einer großen Glaubensgemeinschaft losgelöst hat, weil sie andere Werte und Glaubensinhalte für wichtig hält und leben will. Der an sich neutrale Begriff Sekte wird heute oft als Negativbeschreibung für pseudoreligiöse Bewegungen verwendet, die unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Profitstreben und Machtansprüche verstecken, auf Kosten von Wohlergehen und Gesundheit ihrer Anhänger (vgl. HEMMINGER 1995; KLOSINSKI 1996).
Die "Kinder Gottes" wurden gegründet und geleitet von David Berg, 1919 in Oakland/Kalifornien geboren. Er schrieb über sich selber:
"Viele Propheten Gottes prophezeiten über mich, daß ich vom Mutterleib an mit dem Heiligen Geist gefüllt sei, ... daß ich große Dinge tun würde - einige haben sich schon erfüllt! ... daß ich wie Mose, und sogar wie David sein würde in dem Dienst, den Gott mir zuteilen würde."(BERG 1972)
Nachdem der Generalstaatsanwalt in New York 1974 einen Untersuchungsbericht veröffentlicht hatte, in dem er den "Kindern Gottes" Entführungen, Vergewaltigungen und die Versklavung ihrer Mitglieder vorwarf (vgl. Wallenstein 1974), verließ Berg die USA praktisch über Nacht und lebte seitdem immer in Verstecken, aus denen er mit einer ungeheuren Flut von "MO-Briefen" seine Anhänger führte.
Bei meinen damals unternommenen Recherchen über die "Kinder Gottes" fand ich bald heraus, daß die Briefe nicht wohlwollende Vorschläge für ein christliches Leben innerhalb der Gemeinschaft darstellten, sondern klare Anweisungen enthielten, über deren Befolgung und Ausführung nicht diskutiert wurde. Wenn "Gottes Prophet" etwas befahl, folgten ihm die "Kinder Gottes" im Glauben an seine Unfehlbarkeit blind gehorsam nach.
Schon früh wurde ich stutzig über Anweisungen, die das bewußte Täuschen der Öffentlicheit forderten und mit Bibelsprüchen rechtfertigten. So wurde beispielsweise beim "litnessen" (d.h. beim verteilen der MO-Briefe und betteln auf der Straße), oft behauptet, man gehöre zu einer christlichen Organisation, die in der Drogenrehabilitation arbeite und dafür Geld sammele. Oder man sei in der Jugendarbeit tätig, unterhalte einen Kindergarten, usw. Nichts davon entsprach der Wahrheit!
Diese Anweisungen standen natürlich nicht in den MO-Briefen, die der Allgemeinheit zugänglich waren, sondern in solchen, die nach einem gestaffelten System nur von den Mitgliedern oder nur von den Leitern gelesen werden durften.
Bereits 1977 merkte ich beim Lesen der nicht-öffentlichen Briefe mit Entsetzen, wie David Berg Strukturen zu legen begann, die zu religiös motivierter Prostitution und zum Kindersex und Kindesmißbrauch führen sollten. Das FFing, das "flirty fishing" als Missionsmethode wurde eingeführt.
Ich interviewte 1978 eine Holländerin, die die "Kinder Gottes" verlassen hatte, zu diesem Thema und kam zu dem Schluß, daß mit Sicherheit alle Erwachsenen das FFing praktizierten.
Das von mir geführte Tonbandinterview wurde in mehreren Publikationen veröffentlicht. Es galt mit als Beweis für die damals schon bekannte Tatsache der Prostitution und des Kindesmißbrauchs.
Die Verbindlichkeit der MO-Briefe
Die MO-Briefe waren von Anfang an die Richtlinie für alle Aktivitäten, Verhaltensweisen und Glaubensinhalte. Sie durften nicht kritisiert oder hinterfragt werden.
Berg drückt sich klar aus:
"Wir haben von einigen Fällen gehört, in denen die Führer die Bedeutung meiner Briefe durch ihr Handeln oder durch die Interpretation geändert haben. Meine Briefe bedeuten genau das, was sie sagen, wörtlich, und sie müssen von niemand weg-erklärt, spiritualisiert oder reinterpretiert werden!"(BERG 1978)
Für die "Kinder Gottes" sind die MO-Briefe Wort Gottes. Auf dem Gipfeltreffen 1992 wurde folgende Prophezeiung veröffentlicht:
"Wieder und wieder betonte der Herr den Punkt, daß er uns bereits durch die Worte Davids die Richtung gewiesen habe, die wir brauchen. Die wichtigste Botschaft ... war, daß wir zu den Grundlagen zurückkehren sollten, zurück zu dem Plan, den er Dad klar enthüllt hat und das befolgen und tun, was bereits geschrieben ist. Bei dem letzten Treffen sagte der Herr: "Sehet ihr nicht, daß Gehorsam zu den Worten Davids der Schlüssel ist?" ... Es scheint, daß Er uns durch diese Prophezeiungen wieder betonen wollte, wie wichtig das Lesen und Leben der Briefe sei."(Urteil 1995, S.3o)
Berg selber schreibt 1989 mit unmißverständlicher Schärfe, was mit "Ungläubigen" zu geschehen hat:
"2. Unglauben in die Briefe. Leute, die sich dafür schämen, was wir glauben und sich dafür schämen, was ich schreibe, sollten nicht in dieser Armee sein, sie sollten nicht bei uns sein! Wenn ihr in der Armee dieses Mannes sein wollt, dann müßt ihr glauben, was ich zu sagen habe und was ich gesagt habe und was Gott mir eingegeben hat und mir gezeigt hat; oder geht um Gottes Willen weg.
6. Ungehorsam gegenüber den Regeln der Family: Leute, die nicht gehorchen, Leute, die die Briefe ignorieren, die meine zahlreichen Ratschläge und Beratungen über die Sicherheit nicht beachten, gehören einfach nicht in die Family! Gebt mir absoluten Gehorsam und absolute Einhaltung der Vorschriften der Family oder werft sie hinaus!"(Urteil 1995, S.25/26)
Die Themenpalette der MO-Briefe umfaßt enorm viele Bereiche von fatal bis banal. Für diese Arbeit sind Zitate aus den Briefen wichtig, die sich mit Kinderbetreuung und Erziehung, mit Strafen und Disziplinierung und mit Sex in Zusammenhang mit Kindern beschäftigen. Es ist wichtig, den Tenor der Briefe richtig einzuschätzen. Lordrichter Ward bezeichnet einige Briefe als schockierend, blasphemisch und obszön.
Er nennt ein Beispiel:
"Ein Penis? oder ein Schwert!" ... (jetzt dankenswerterweise nicht mehr in Umlauf)
Gott genießt es, dich mit seinem Wort zu ficken, so wie ich es gerade jetzt genieße! Ich ficke dich (Maria) mit dem Wort Gottes und ich genieße es, denn du empfängst es."(BERG, 19761)
Das Zitieren solcher Geschmacklosigkeiten ist deshalb wichtig, weil dies die "göttlich inspirierte" Sprache ist, mit der die Kinder aufwachsen. Sie ist roh und verderbt!
Lordrichter Ward bekennt, daß es schwierig sei, zu einem verläßlichen Schluß zu kommen, wie einflußreich die Briefe sind, da am Prozeß beteiligte Leiter zwar zugeben, daß die Briefe einflußreich seien, jedoch jedes Mitglied die Freiheit habe, ihnen nicht zuzustimmen.
"Der Fachmann Dr. Millikan ist überzeugt, daß die Mitglieder glauben, daß sie die Freiheit zu einer eigenen Überzeugung haben, was stimmen muß, aber die starke Betonung des Gehorsams bringt mich zu dem Schluß, daß die Wahl eher für eine Unterwerfung als für eine Zurückweisung der Schriften Bergs gehen wird."(Urteil 1995, S.3o)


Die Bedeutung von Kindern

In dem Brief "Neue Flaschen" hat Berg seine Vorstellungen über die 2. Generation festgelegt:
"Seid ihr euch bewußt, daß wir eine neue Generation produzieren? Eine neue, mehr revolutionäre Generation. Sie wird, wie ich hoffe, die reinste Generation von allen sein, total revolutionär von Anfang an. Die Kleinen, die geboren werden, werden nie etwas anderes gekannt haben, als unsere Art von Leben! Ich hoffe, daß diese kleinen Kinder von Geburt an wirklich reine Revolutionäre sein werden und wie es bis jetzt aussieht, sind sie es auch! Eure Kinder werden total revolutionär sein, werden nie wissen, was Kirchentum und Systemjobs und Ausbildung sind!"(BERG 1973)
In dem Erfahrungsbericht einer in der Sekte geborenen jungen Frau, die im dritten Teil dieser Arbeit ausführlicher zitiert wird, heißt es dazu:
"Die meisten Kinder fürchteten sich vor den Missionseinsätzen, aber wenn sie das aussprachen, wurden sie bestraft. Die Kinder waren nötig, denn sie weckten Sympathie in Leuten, die erwachsenen Missionaren die Tür vor der Nase zuschlagen würden. So gingen wir im kalten Schweizer Winter von Haus zu Haus, um Plakate gegen Spenden loszuwerden, oder bettelten in der Hitze von Bombay bei armen indischen Studenten und Familien um Beiträge, angeblich für missionarische Zwecke. In Wirklichkeit diente das Sammeln dazu, für Miete und Essen für uns alle aufzukommen, um die großen Familien der COG und die vielen Leute zu versorgen, von denen niemand einen Job oder Aussicht auf eine Karriere hatte. Ich weiß bis heute nicht, was mit dem Gerede über missionarische Arbeit gemeint war."(SAND 1996, S.13)
Die meisten Kinder wurden als "Jesus-Babys" geboren, d.h. sie entstanden zufällig beim FFing und würden später nichts über ihren Erzeuger wissen. Da Verhütungsmittel verboten waren, wurden Kinder regelrecht inflationär gezeugt und geboren. Außerdem gab es die Vorgabe, Kinder nicht als Eigentum der Eltern zu betrachten, sondern als Eigentum der ganzen Gruppe. So konnten viele Eltern zu Missionseinsätzen in andere Länder geschickt werden, während ihre Kinder in einem "Home" von anderen "Kindern Gottes" erzogen (und geschlagen) wurden.
Damit ist auch die Bedeutung von "Familie" klar. In dem MO-Brief "Eine Frau" macht Berg klar, daß er nicht zögern wird, Ehen zu zerstören, die nicht die Arbeit für Gott an die erste Stelle setzen. "Gott will keine anderen Götter vor sich haben, nicht einmal die Heiligkeit des Ehegottes!"(BERG 19721) Ähnliches gilt für die Kinder: "das ist selbstsüchtiges Interesse an Privatbesitz!"(ebd.) Jeder in der Gruppe könnte den Kindern Mutter oder Vater sein.








Quelle: Religionsbuch 7, Kinder Gottes-Zentrale Bonn




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Tipp:







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