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Titel:

Der Trend zur Globalisierung


  Note: 2   Klasse: 11









Arbeit: Der Trend zur Globalisierung


Internationaler Handel und Investitionen



Die zunehmende Internationalisierung läßt sich an der schnellen Ausdehnung des internationalen Handels seit den 50er Jahren ebenso ablesen wie an der Expansion der Auslandsproduktion seit den 70er Jahren. Seither ist auch eine rasche Internationalisierung der Kapitalmärkte zu beobachten, auf die schließlich in den 80er Jahren die Ausbildung wirklich globaler Produktmärkte folgte. Die Dynamik dieses Internationalisierungsprozesses läßt sich an den Wachstumsraten des internationalen Handels in den letzten Jahren ablesen, die in der Regel über den Zuwachsraten der weltwirtschaftlichen Gesamtproduktion lagen. Beträchtlich schneller noch als der Handel expandieren seit geraumer Zeit die grenzüberschreitenden Investitionen. Auch der Finanzsektor vergrößerte sich explosionsartig. So ist das Auslandsguthaben der Banken weltweit von 1.836 Mrd. US-$ im Jahre 1980 auf 7.021 Mrd. US-$ im Jahr 1993 angestiegen.[1]


Die Globalisierung früher und heute



Historisch gesehen sind ökonomische Globalisierung und Internationalisierung entgegen einer weitverbreiteten Annahme keine völlig neuen Phänomene. Gemessen an der Bedeutung des internationalen Handels und der ausländischen Direktinvestitionen für die weltweite Produktion erreichte die Internationalisierung des Handels erst um 1970 und die der Direktinvestitionen sogar erst Anfang der 90er Jahre wieder das Niveau der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Noch erstaunlicher ist, daß die Nettokapitalflüsse in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg einen um einiges höheren Anteil an den Weltsparguthaben ausmachten als während des Booms der letzten Jahre.[2]

Neu hingegen ist die Art der Globalisierung. Sie unterscheidet sich vor allem im Bereich der Produktion von Gütern und Dienstleistungen qualitativ von früheren Phasen der kapitalistischen Internationalisierung. Die neue Globalisierung geht mehr in die "Tiefe", das heißt sie konzentriert sich vielmehr auf die in zunehmendem Maße global ausgreifende konzerninterne Arbeitsteilung.[3]


Voraussetzungen und Akteure



Möglich wurde diese Entwicklung vor allem durch die Öffnung vieler Entwicklungsländer für ausländische Investoren. Demokratische Regierungen förderten Investitionen und Joint-Ventures durch Steuerbegünstigungen, Steuerbefreiungen und eine verhältnismäßig geringe Bürokratie. Ein weiteres Rückgrat ist die Verfügbarkeit vieler billiger und williger Arbeitskräfte in den südostasiatischen Staaten.

Einen weiteren Punkt bildet die relative Freiheit des Welthandels und die Abnahme großer internationaler Konflikte. Vor allem der Fall des Ostblocks und die Einführung der Marktwirtschaft in den ehemaligen RGW Staaten wirkten stimulierend auf die Globalisierung.[4]

Die Akteure der Globalisierung sind die transnationalen Konzerne (TNC's), die sich nach dem zweiten Weltkrieg heraus bildeten. Die von ihnen favorisierten Investitions-, Produktions- und Produktstrategien bestimmen mehr und mehr die Muster und Formen der internationalen Investitionen und des internationalen Handels.[5]

Die transnationalen Konzerne kontrollieren inzwischen rund ein Drittel der globalen Industrieproduktion direkt, wobei ihr indirekter Einfluß wahrscheinlich doppelt so hoch ist. Ein anschauliches Beispiel ist, daß etwa ein Drittel der Welthandelsströme auf den sogenannten Intra-Konzern Handel (der Handel zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften innerhalb einzelner Konzerne) entfallen.[6]

Die Verstreuung der Produktions-, Fertigungs-, Planungs- und Verkaufsstätten über die ganze Welt erfordert aber einen großen administratorischen Aufwand. Erst der Einsatz von Computervernetzungen und die heutzutage relativ kostengünstigen und problemlosen Verkehrsbedingungen machten dies möglich. So macht der Lohnvorteil, den die Firmen bei einer Produktion in einem Billiglohnland haben, locker die Transportkosten von einem Kontinent in den anderen wett.[7]

Unter den transnationalen Konzernen befinden sich aber heutzutage nicht mehr nur Industriekonzerne wie etwa der Textilindustrie oder der Elektrotechnik, sondern auch moderne Dienstleistungsunternehmen, z.B. Softwareentwickler und vor allem Banken, die erst die globale Infrastruktur für den internationalen Finanzsektor sowie eine globale Finanzbasis bereitstellen.[8]


Vorteile und mögliche Gefahren



Die Folgen dieser Entwicklung, die in den letzten Jahren besonders deutlich wurde und sich noch immer beschleunigt, sind vielfältig. Das auffälligste Merkmal ist sicherlich die Standortkonkurrenz. Es wird befürchtet, daß bei gleichbleibender Entwicklung die Abwanderung von Produktionsstätten von den Hochlohnländern Europas und Amerikas in die Billiglohnländer Asiens auf Kosten der Arbeitsplätze bemerkbar macht.[9]

Durch die Globalisierung und Technisierung wird befürchtet, daß im kommenden Jahrhundert 1/5 der Weltbevölkerung ausreichen wird, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten, alle Waren zu produzieren und alle hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen. Diese Vision der 20:80 Gesellschaft, so befürchten hochrangige Wirtschaftsfachleute, könnte schon bald Realität werden, wenn die westlichen Industriestaaten nicht bald etwas dagegen unternehmen.[10]

Als Gegenpunkt zur Globalisierung kann aber heute auch ein zunehmendes Maß an Protektionismus festgestellt werden. Und zwar nicht mehr im konventionellen Rahmen der Nationalstaaten sondern in Wirtschaftsräumen wie der EU oder der NAFTA. Diese Zusammenschlüsse fördern zwar den Handel innerhalb der Gemeinschaft, wirken aber diskriminierend auf Drittländer, denen der freie Marktzugang versperrt wird. Die Hauptleidtragenden sind die Entwicklungsländer, die auf die Rohstoffexporte in die Industrieländer angewiesen sind.

Doch in gewissem Sinne ist auch dieser Protektionismus der Industrieländer eine Reaktion auf die Globalisierung, indem versucht wird, durch Zölle auf Waren aus billiger produzierenden Ländern die eigenen Standortnachteile wettzumachen und so die eigene Industrie sowie die Arbeitsplätze zu schützen.[11]

Die Währungs- und die Politische Union in der EU wären ein Ansatz um die europäische Industrie weiterhin in diesem Maße am Leben erhalten zu können. Die Staaten müßten noch stärker zusammenarbeiten und die Bürger integrieren, sowie sich auf längerfristige Zukunftsperspektiven, wie ökologische Politik, soziale Ausgeglichenheit, aber auch Investitionen der Staaten in die eigene Wirtschaft, auch im Zeichen eines Sparpaketes, besinnen.[12]

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Globalisierung keineswegs nur ein Schlagwort und eine Erfindung von Finanzhaien oder nationalökonomischen Fundamentalisten ist, sondern das Resultat eines weltweiten Strukturwandels, der einerseits durch die rasante Verbreitung mächtiger Technologien, andererseits durch den wirtschaftlichen Aufholprozeß in den Schwellenländern, den Zusammenbruch des "kommunistischen" Systems und die Fortschritte der großräumig ökonomischen Integration enorm beschleunigt wurde. Es wäre nicht nur sinnlos, den Kopf in den Sand zu stecken und so zu tun, als gäbe es immer noch geschützte Nischen. Man würde dadurch auch die Chancen verpassen, die sich einem Land mit hochqualifizierten Arbeitskräften und kreativen Unternehmen bieten. Hier sind die Politiker gefragt, Maßnahmen zu ergreifen und unter der Devise des österreichischen Bundeskanzlers Franz Vranitzky zu handeln: "Die Globalisierung ist eine Erscheinung der Vernetzung, in der Chancen weltweit neu verteilt werden. Es kann nur darum gehen, sich in die bestmögliche Position zu bringen."[13]



[1]Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 1996. - Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1995. S159f

[2]a.a.O. S160

[3]a.a.O. S160

[4]Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1996. S945

[5]Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 1996. - Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1995. S163

[6]a.a.O. S164

[7]Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1996. S945

[8]Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 1996. - Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1995. S165

[9]Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1996. S945

[10]Martin, Hans-Peter. Schumann, Harald: Die Globalisierungsfalle. - Rinbeck bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1996. S12ff

[11]Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1996. S1081

[12]Martin, Hans-Peter. Schumann, Harald: Die Globalisierungsfalle. - Rinbeck bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1996. S331ff

[13]Vision 2000. In: Internet: http://www.diepresse.at









Quelle:




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