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Titel:

Die Schlacht von Stalingrad


  Note: 2   Klasse: 11









Arbeit: Die Schlacht von Stalingrad
Der Untergang der 6. Armee aus der Sicht des einfachen Soldaten

Stalingrad, eines der bekanntesten Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs, ist gerade in letzter Zeit durch sein Fünfzig-Jahr-Jubiläum und die umstrittene Wehrmachtsausstellung wieder in Erinnerung gerufen worden.

Für mich war die Wahl dieses Themas nicht sehr schwer, da ich mich im allgemeinen sehr für den Zweiten Weltkrieg interessiere und im speziellen für die Schlacht von Stalingrad. Jedoch habe ich aus meiner Umgebung, von Verwandten und Bekannten des öfteren gehört, wie ich nur über ein so furchtbares und schreckliches Thema schreiben könne. Aber gerade solche Aussagen haben mich angespornt zu zeigen, wie es damals war, wie die Soldaten der Wehrmacht diese Schlacht und den Rußlandfeldzug erlebt haben.

Zeitzeugen zu finden war allerdings nicht gerade einfach, was durch die Zeitspanne zwischen der Schlacht und heute zu erklären ist. Hierbei möchte ich mich bei meinen Schulkollegen und meinen Bekannten bedanken, die mich bei der Suche unterstützt haben. Natürlich möchte ich auch dem Zeitzeugen, Herrn Otmar Rasteiger danken, der mir bei dem Interview sehr entgegengekommen ist.



In meiner Arbeit selber versuche ich darzustellen, wie es zu der Schlacht von Stalingrad kam, wie sie verlief und was danach geschah. Dabei versuche ich, gerade die oft komplizierten taktischen Ereignisse so einfach wie möglich zu beschreiben, sie durch positive und negative Argumente in einem kritischen Licht erscheinen zu lassen, und sie durch Landkarten so verständlich wie möglich zu präsentieren. Einen weiteren Teil der Arbeit bildet ein Interview mit einem Zeitzeugen, das die Situation der Soldaten im Rußlandfeldzug und in der sowjetischen Gefangenschaft darstellen soll. Schließlich sollen die „Letzten Briefe aus Stalingrad“ die Situation noch klarer beschreiben. Die im hinteren Teil der Arbeit befindlichen Originaldokumente wurden mir freundlicherweise von Frau Mag. Annemarie Lukas zur Verfügung gestellt und sind als Anschauungsmaterial gedacht.



Bedanken möchte ich mich außerdem bei Herrn Dr. Wolfgang Etschmann vom Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, der mir zahlreiche Unterlagen zukommen ließ, bei meinen Eltern, die mich immer wieder mit Tips versorgt haben, und natürlich bei Frau Professor Mag. Gudrun Schaffernak, die mir während meines Schreibens hilfreich zur Seite gestanden ist.

Einleitung



Am 22. Juni 1941, als Hitler die Sowjetunion angriff, waren beinahe alle Länder Europas von den Deutschen und seinen Verbündeten, das waren Italien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Finnland sowie Libyen, annektiert bzw. in einem schnellen Feldzug erobert worden:

1938 Österreich und das Sudetenland, 1939 die restliche Tschechoslowakei und Polen, 1940 Dänemark, Norwegen, die Niederlande, Belgien sowie Frankreich und 1941 Jugoslawien, Griechenland und Teile von Ägypten und Tunesien.

Nur an England hatte sich Hitler bislang die Zähne ausgebissen, die Luftschlacht um das britische Eiland war ein Schlag ins Wasser gewesen. Die Insulaner unter Churchill blieben unbeugsam und zwangen ihn zu diesem Schwenk nach Osten.

So lieferte er den Soldaten einen plausiblen Grund für diesen Angriff, nämlich daß der Feldzug im Osten der letzte tödliche Schlag gegen England sei, das wider Erwarten nicht zu bezwingen gewesen war.

Hitler selber sah in diesem Feldzug aber die „heiligste Mission seines Lebens“, er wollte die Sowjetunion vernichten und den Nationalsozialismus über die neu eroberten Gebiete ausbreiten.





1. Die Entwicklung des Rußlandfeldzuges bis zur Schlacht von Stalingrad



1.1 Das „Unternehmen Barbarossa“



Das Ostheer der deutschen Wehrmacht umfaßte drei Heeresgruppen, jede bestehend aus sieben Armeen, vier Panzergruppen und drei Luftflotten. Insgesamt griffen drei Millionen Mann, 600.000 Fahrzeuge, 3.850 Panzerkampfwagen, 7.184 Geschütze und 1.830 Flugzeuge die Sowjetunion am 22. Juni 1941 an.

Das Ziel des „Unternehmens Barbarossa“ war in Führerweisung Nr. 21 festgelegt:
„Das Endziel der Operationen ist die Abschirmung gegen das asiatische Rußland auf der allgemeinen Linie Wolga-Archangelsk.“ [1]

Adolf Hitlers Bestreben im Krieg gegen die Sowjetunion war die Vernichtung des Bolschewismus und die Eroberung neuen Lebensraumes.



Die Aufträge der Armeen waren klar: Die Aufgabe der Heeresgruppe „Nord“ (unter der Führung von Generalfeldmarschall Ritter von Leeb) war die Eroberung der baltischen Länder und Leningrad. Die Heeresgruppe „Mitte“ (Generalfeldmarschall von Bock) ging in Richtung Minsk-Smolensk-Moskau vor, um nach der Vernichtung der sowjetischen Armeen in Weißrußland zusammen mit der Heeresgruppe „Nord“ die sowjetische Hauptstadt anzugreifen. Die Heeresgruppe „Süd“ (Generalfeldmarschall von Rundstedt) marschierte in Richtung Kiew, um das Donezbecken zu erobern.

Der wegen des Balkanfeldzuges um fünf Wochen verschobene Angriffstermin beunruhigte nur wenige deutsche Militärs, war doch Frankreich, das als stärkste Militärmacht Europas gegolten hatte, in nur wenigen Wochen geschlagen worden. Hitlers Experten hielten einen Blitzkrieg auch im Osten für möglich, und die ersten gewaltigen Erfolge schienen den Optimisten recht zu geben.

Bereits am ersten Tag gelang es einigen Panzerverbänden bis zu 60 Kilometer weit in russisches Gebiet vorzustoßen, ein Unternehmen, das nur durch die völlige Luftherrschaft der Deutschen möglich gewesen war. In der ersten großen Kesselschlacht bei Bialystok und Minsk wurde ein Großteil der Truppen von Marschall Timoschenko zerschlagen, insgesamt gingen 300.000 Rotarmisten in deutsche Gefangenschaft. Weitere Kesselschlachten bei Smolensk, Uman, Odessa, Dnjepropetrowsk und eine der größten östlich von Kiew (700.000 Gefangene) folgten.

Am 2. Oktober 1941 begann das Unternehmen „Taifun“, der Sturm auf Moskau. Dieses wurde aber durch den Beginn der Schlammperiode und den ersten Schneefall (bereits am 7. Oktober 1941) erheblich erschwert. Zwar konnten sich deutsche Stoßtrupps bis auf dreizehn Kilometer an die sowjetische Hauptstadt herankämpfen, doch dann mußte die deutsche Wehrmacht kehrtmachen. Am 8. Dezember 1941 befahl Hitler die Einstellung der Angriffsoperationen und gestattete den Rückzug in die Winterstellungen. General J.F.C. Fuller, britischer Kriegsberichterstatter von Rang, schreibt dazu:

„Aller Wahrscheinlichkeit nach war es nicht so sehr der Widerstand der Russen – so groß er auch war – oder der Einfluß des Wetters auf die Luftwaffe, als vielmehr das Im-Schlamm-Versinken der Transportfahrzeuge der deutschen Front, wodurch Moskau gerettet wurde.“[2]

Durch die am 6. Dezember begonnene sowjetische Gegenoffensive bei Moskau wurden die Deutschen wieder mehr als 100 Kilometer nach Westen zurückgedrängt.



Schon in diesem ersten Kriegswinter an der Ostfront wurde das fast vollständige Fehlen von Winterausrüstung für die deutsche Wehrmacht zu einer großen Behinderung in den militärischen Aktionen, was einen erheblichen Nachteil gegenüber den meist erstklassig für den Winterkrieg ausgerüsteten Rotarmisten bedeutete. Mehr als hunderttausend deutscher Soldaten waren erfroren und Tausende litten unter schweren Erfrierungen. Dadurch wurde die Verlustliste der Wehrmacht immer länger, was in einer Zusammenstellung des Wehrmachtsführungsstabes vom 6. Juni 1942 deutlich wurde. Das Dokument „Wehrkraft 1942“ kam zu dem ernüchternden Ergebnis:

„Fehlstellen des Ostheeres am 1. Mai 1942 625.000 Köpfe; volle Auffüllung der Verluste des Winters nicht möglich. Wehrkraft geringer als im Frühjahr 1941.“[3]



Die Verantwortlichen für die Mißerfolge im Winter hatte Hitler schnell gefunden: die militärische Führung und das Offizierskorps. Insbesondere war es der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall Walter von Brauchitsch, der es gewagt hatte auszusprechen, was sich fast alle Offiziere dachten. Er protestierte gegen den aus militärischer Sicht unsinnigen „Halte-Plan“ des Führers, der es den Einheiten verbot, sich sogar in völlig aussichtsloser Lage zurückzuziehen, nein, man mußte seine Stellung bis zur letzen Patrone und bis zum letzten Mann halten. Dieser Plan wurde von Hitler immer öfter im Verlauf des Ostfeldzuges eingesetzt, und als von Brauchitsch dagegen protestierte, bezeichnete ihn Hitler als „Feigling und Nichtskönner“, entließ ihn und übernahm am 19. Dezember 1941 selbst den Oberbefehl über das Heer.

In der Folge tauschte Hitler zur Jahreswende 1941/42 die militärische Spitze fast komplett aus: Sämtliche Oberbefehlshaber des Heeres und alle Generalstabschefs mußten gehen, elf von achtzehn Feldmarschällen wurden abgelöst, ebenso einundzwanzig von vierzig Generalobersten. Auch alle drei Frontabschnitte an der Ostfront bekamen neue Kommandeure: Die Heeresgruppe „Nord“ kommandierte von nun an Generalfeldmarschall von Küchler an Stelle von Generalfeldmarschall von Leeb, die Heeresgruppe „Mitte“ Generalfeldmarschall Kluge anstatt Generalfeldmarschall von Bock, und bei der Heeresgruppe „Süd“ wurde Generalfeldmarschall Rundstedt von Generalfeldmarschall von Reichenau abgelöst.

Nur wer dem Führer nicht widersprach, behielt seinen Posten. Damit riß der deutsche Diktator endgültig die Entscheidungsgewalt in allen militärischen Angelegenheiten an sich. Er bestimmte nun nicht nur die Ziele der Kriegsführung, sondern behielt sich auch die Entscheidung in operativ-taktischen Fragen vor. Damit degradierte Hitler die höchsten Offiziere der Wehrmacht zu Erfüllunsgehilfen:

„Die Generale haben genauso zu gehorchen wie der kleine Musketier. Ich führe, und da haben sich alle bedingungslos unterzuordnen...“ [4]



1.2 Der Weg nach Stalingrad



Für das Jahr 1942 fertigte Hitler Pläne für eine neuerliche Offensive an, die Operation „Blau“. Diese Pläne zeigten, daß Hitler aus den Erfahrungen des bisherigen Feldzuges gelernt hatte. Er konzentrierte die Offensivkraft auf den Süden der Front mit dem Ziel, die Truppen der Roten Armee zwischen Donez und Don zu vernichten, die Kaukasuspässe zu gewinnen, und die Ölgebiete am Kaspischen Meer zu erobern (siehe auch Karte 1). Damit hätte die Wehrmacht die sowjetischen Industriezentren im Donezbecken mit den wichtigen Ölquellen von Maikop und Grosny für den schlecht funktionierenden Nachschub nutzen können und gleichzeitig den Nachschub der Roten Armee unterbrochen. Hitler zu seinen Plänen:

„Das Ziel ist, die den Sowjets noch verbliebene lebendige Wehrkraft endgültig zu vernichten und ihnen die wichtigsten kriegswirtschaftlichen Kraftquellen so weit als möglich zu entziehen.“ [5]

Die Vorbereitungen dieser Offensive wurden durch einen überraschenden Angriff der sowjetischen Truppen unter Marschall Timoschenko in Richtung Charkow gestört. Die Sowjets konnten weit in deutsches Gebiet vordringen, wurden aber ihrerseits durch einen Gegenangriff der Deutschen unter Generaloberst von Kleist in Stoßrichtung ihrer Flanke überrascht und eingekesselt. Am 28. Mai 1942 endete diese große Kesselschlacht südlich von Charkow, die Deutschen machten 240.000 Gefangene und vernichteten 1.250 Panzer.



Am 7. Juni 1942 begannen die Deutschen mit der Eroberung der sich auf der Halbinsel Krim befindlichen stärksten Festung der Welt, Sewastopol. Trotz hartnäckiger Verteidigung der Stadt durch die Russen fiel sie am 1. Juli 1942 in deutsche Hand.

Inzwischen hatte am 28. Juni 1942 die Operation „Blau“ begonnen. Bereits im Laufe des ersten Nachmittags gelang es den deutschen Einheiten tief in die Stellungen der Roten Armee einzudringen.

Laut Plan sollte mit einer Zangenbewegung bei Woronesch neuerlich ein Kessel gebildet werden, doch die Russen hatten aus ihren Fehlern gelernt, traten rechtzeitig den Rückzug an und entkamen somit einer Einkesselung.

Am Dienstag, dem 7. Juli 1942, teilte Hitler die Heeresgruppe „Süd“ in die neuen Heeresgruppen A (unter Generalfeldmarschall List) und B (Generalfeldmarschall von Bock) auf. Zur Heeresgruppe A gehörten ab sofort die 17. Armee (Generaloberst Ruoff), die 1. Panzerarmee (Generaloberst von Kleist), und die rumänische 3. Armee (Generaloberst Dumitrescu). Die Heeresgruppe B bestand aus der 2. Armee (Generaloberst Freiherr von Weichs), der 6. Armee (General der Panzertruppe Paulus), der 4. Panzerarmee (Generaloberst Hoth) und der ungarischen 2. Armee (Generaloberst von Jány).

Die Heeresgruppe B erhielt nun ihren endgültigen Auftrag: Vorstoß in Richtung Stalingrad.



Als nächster Punkt der Operation „Blau“ (sie heiß nun Operation „Braunschweig“) war geplant, die Rote Armee im Raum westlich des Don zu vernichten. Aber auch dieses Ziel wurde nicht erreicht, da die sowjetischen Truppen sich wiederum organisiert zurückzogen, und zwar hinter den Don.

Dies war die neue Taktik von Marschall Timoschenko, dem Oberbefehlshaber der Stalingrad-Front: das Vorgehen des Feindes zu verzögern, im entscheidenden Augenblick aber auszuweichen, um Einkesselungen zu vermeiden.[6]

So nutzte Timoschenko die ungeheure Ausdehnung Rußlands als strategische Waffe: Man lockt den Feind in die Tiefe des Landes, bis er nicht mehr kann und ein leichtes Opfer wird. An dieser Taktik war schon Napoleon gescheitert und man hoffte, daß es Hitler ebenso ergehen wird.

Außerdem entstanden aufgrund dieser Taktik bei der Roten Armee keine großen Verluste an Mensch und Material, und man konnte das Tempo des deutschen Vormarsches bremsen. So gewann die sowjetische Führung Zeit zur Verstärkung der Verteidigungsanlagen um und in Stalingrad.In diesem Gebiet hatte man bereits im Januar 1942 mit dem Bau von Befestigungsanlagen begonnen. Rund um die Stadt wurden vier Verteidigungslinien errichtet. Für diese Arbeiten wurden sämtliche zur Verfügung stehende Kräfte mobilisiert, darunter auch Arbeiter aus Stalingrader Betrieben, Angestellte und alle arbeitsfähigen Einwohner, welche dann den Pioniertruppen der Roten Armee zur Seite standen. Allerdings waren diese Befestigungen nur Feldstellungen und konnten Stalingrad nicht in eine Festung verwandeln.

Die Deutschen kamen aufgrund der sowjetischen Taktik meist nur langsam voran und wurden auch noch durch eigene Nachschubprobleme zusätzlich aufgehalten. So saßen Ende Juli 1942 große Teile der 6. Armee und das XIV. Panzerkorps wegen Spritmangels 18 Tage lang fest. Diese 18 Tage, in denen eine Kampfpause herrschte, waren ein Geschenk für die Russen gewesen. Sie nutzten diese Zeit, um weitere Verteidigungsstellungen rund um und in Stalingrad zu bauen, und um diesem Gebiet neue Truppen zuzuführen.

Hitler hatte eigentlich geplant, solche Nachschubprobleme, durch die Eroberung der Ölgebiete im Kaukasus zu lösen. Doch die Russen hatten vorgesorgt und sämtliche Öllager zerstört und die Förderungsanlagen unbrauchbar gemacht. Damit verschärften sich die Nachschub- und Versorgungsprobleme noch mehr.

„Ein weiteres Vorgehen ist vom Nachführen von Betriebsstoff und Munition abhängig“[7], hieß es im Lagebericht des Oberkommandos des Heeres am 29. Juli 1942.

Die sowjetischen Truppen hatten bei Kalatsch, rund 60 Kilometer vor Stalingrad, die letzte Verteidigungsstellung vor der Stadt an der Wolga aufgebaut. Hier gelingt es den Deutschen jedoch die sowjetischen Verbände einzukesseln. Es sollte die letzte siegreiche Kesselschlacht der Deutschen im Rußlandfeldzug sein. Die Säuberung des Kessels dauerte jedoch zwei Wochen, eine Zeitspanne, die den Sowjets wiederum sehr zugute kam.

Doch nun war der Weg nach Stalingrad frei.

2. Die Schlacht von Stalingrad



2.1 Geschichte und Aussehen der Stadt



Stalingrad hatte 1942 fast eine halbe Million Einwohner, bot aber aus der Luft ein interessantes Bild: Die Stadt war zwar dreißig Kilometer lang, aber nur fünf Kilometer breit.

Textfeld: Befehl Nr.4 an die Truppen der Stalingrad- und der Süd-Front Genossen Kämpfer, Kommandeure und Politarbeiter, heldenmütige Verteidiger von Stalingrad! Seit einem Monat tobt der erbitterte Kampf um die Stadt Stalingrad. Die Deutschen haben Hunderte von Panzern und Flugzeugen verloren. Über Berge von Leichen ihrer Soldaten und Offiziere stoßen die vertierten hitlerischen Banden nach Stalingrad, zur Wolga vor. Unsere bolschewistische Partei, unser Volk, unsere große Heimat haben uns den Auftrag erteilt, den Feind nicht zur Wolga zu lassen, die Stadt Stalingrad zu verteidigen. Die Verteidigung Stalingrads hat entscheidende Bedeutung für die gesamte sowjetische Front. Ohne Schonung unserer Kräfte und mit Todesverachtung verwehren wir den Deutschen den Zugang zur Wolga und geben wir Stalingrad nicht auf. Jeder von uns muß daran denken, daß die Wegnahme Stalingrads durch die Deutschen und ihr Vorstoß zur Wolga unsere Feinde stärken und unsere Kräfte schwächen wird. Keinen Schritt zurück! Der Kriegsrat verlangt von allen Kämpfern, Kommandeuren und Politarbeitern, von allen Verteidigern Stalingrads grenzenlose Tapferkeit, Standhaftigkeit und Heldentum im Kampf mit dem einbrechenden Feinde. Der Feind muß und wird auf den Zugängen nach Stalingrad zerschmettert werden. Vorwärts gegen den Feind! Auf in den schonungslosen Kampf, Genossen, für Stalingrad, für unsere Große Heimat! Tod den deutschen Okkupanten! Der Oberbefehlshaber Generaloberst A. Jeremenko Generalleutnant N. Chruschtschow 1. September 1942 (Piekalkiewicz, Janusz: Stalingrad. Anatomie einer Schlacht. München 1977, S.94.)Die Wolga war an dieser Stelle mehr als zwei Kilometer breit, was das Fehlen von Brücken über den Strom erklärte. Die einzige Übersetzungsmöglichkeit waren Fährschiffe. Das Ostufer war nur dünn besiedelt, alle wichtigen Gebäude der Stadt lagen am Westufer, das stellenweise bis zu 150 Meter hoch war.

Stalingrad war das industrielle Zentrum des Südens der Sowjetunion: Die Stahlgießerei „Roter Oktober“ beschäftigte 20.000 Mitarbeiter, und gleich daneben befand sich das von Amerikanern erbaute Traktorenwerk Dserschinski, das monatlich 250 Panzer vom Typ T 34 produzierte. Ebenfalls in Stalingrad war die Geschützfabrik „Rote Barrikaden“, und das Benzin für die Rote Armee produzierten die hier angesiedelten bedeutendsten Ölraffinerien des Landes.

Außerdem war Stalingrad ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Den verzweigten Gleisanlagen des Bahnhofs hatten die deutschen Piloten aufgrund ihrer eigentümlichen Form den Namen „Tennisschläger“ gegeben. Weiters waren die überdimensionalen Getreidesilos, die schon von weitem sichtbar waren, ein Wahrzeichen der Stadt.

Zarizyn – die Stadt der Zarin, wie Stalingrad früher hieß – bekam den neuen Namen nach der Oktoberrevolution, in der Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin, die Verteidigung der Stadt gegen die Weiße Garde organisierte. Ihm zu Ehren wurde die Stadt 1924 umbenannt.



2.2 Der Angriff



Eben dieser Stalin hatte befohlen, bei Stalingrad den Rückzug zu beenden, und gab den Befehl „Keinen Schritt zurück“. Die Industriestadt war für die sowjetische Rüstung einfach zu wichtig, und Stalin wollte sie um jeden Preis halten. In den Fabriken übernahmen nun die Frauen die Arbeit der Männer, denn diese standen an der Front. Jeder halbwegs kampffähige Zivilist wurde zu einer sogenannten Volkswehr oder gleich zur regulären Armee eingezogen, die restliche Bevölkerung wurde aus Stalingrad evakuiert.

General Tschuikow, der Oberbefehlshaber der 62. Sowjetischen Armee, gab die Parole „Jeder Soldat eine Festung“ aus, was in der Umsetzung bedeutete, daß jedes Schützenloch, jede Straßenkreuzung, zum Bollwerk ausgebaut wurde. Diese Bollwerke sollten bis zur letzten Patrone gehalten werden.

Die Deutschen hatten Ende August 1942 die Stadt weiträumig eingeschlossen und mit dem Bombardement der Stadt begonnen. Sie versuchten die militärischen Objekte und die Rüstungsfabriken zu zerstören, was auch gelang, da die deutsche Luftwaffe bald die Luftherrschaft errang und dadurch beinahe ungestört die Stellungen der Sowjets bombardieren konnte.

Der Angriff auf das Stadtgebiet Stalingrads begann am 13. September 1942[8], wobei die deutschen Truppen aufgrund des zähen Widerstandes nur langsam an Boden gewinnen konnten. Die deutschen Panzer, die in den offenen Feldschlachten so glänzen konnten, waren in den Straßenkämpfen bei weitem nicht so wirkungsvoll.[9] Vor allem auch die sowjetischen Scharfschützen, die paarweise kämpften, um sich gegenseitig abzudecken, machten den Deutschen zu schaffen, da sie sich kaum sichtbar hinter Trümmerhaufen und Panzerwracks versteckten und auf alles schossen, was sich bewegte.

Trotz all dieser Schwierigkeiten erreichten die Deutschen bereits am 14. September das Wolga-Ufer und eroberten auch an diesem Tag die Mamai-Hügel. Diese Anhöhe war der beherrschende Punkt des Stadtkerns. Nun konnte die deutsche Artillerie den Schiffsverkehr auf der Wolga sperren. Die Russen versuchten aufgrund der Wichtigkeit dieser Hügel sie sofort zurückzuerobern. Der Besitz der Mamai-Hügeln wechselte während der Schlacht öfters, und die Kämpfe um sie gingen fast ununterbrochen bis Ende Januar weiter.

Textfeld: Es ist eine Hölle: Dieser Lärm und das Krachen, das andauernde Detonieren der Granaten aller Kaliber, das heulende Pfeifen der Geschosse in der Luft, der beißende und stinkende Pulverdampf und dazwischen der harte, fast pausenlose Mündungsknall der Abschüsse der deutschen Batterien. Durch dieses Inferno müssen die stürmenden Infanteristen hindurch. Sie müssen immer wieder ihr Herz vorwerfen, sie müssen tapfer und hart bleiben, zäh und kaltblütig, und sie dürfen in keiner Minute daran denken, daß sie in der nächsten Minute vielleicht nicht mehr leben oder verwundet liegenbleiben. Diese Männer entscheiden die Schlacht. Völkischer Beobachter, Oktober 1942 (Knopp: a.a.O., S. 175.)Weiters waren die Getreidesilos und der Hauptbahnhof, der allein am 14. September fünfmal den Besitzer wechselte, heftig umkämpft, jedoch gelang es den Deutschen auch diese Objekte zu erobern.

Am 15. September 1942 war Stalingrad größtenteils, bis auf die im Norden liegenden Industrieanlagen, in deutscher Hand, die Wolga als Schiffahrtsstraße durchschnitten und Stalingrad als Verkehrszentrum ausgeschaltet. Auch die nördlichen Industrieanlagen waren bereits unter Beschuß, so daß sie ihre Produktion einstellen mußten.

Stalingrad glich in der Zwischenzeit einem Trümmerhaufen und der Besitz dieses Ruinenfeldes konnte keinem mehr, weder dem Eroberer noch dem Verteidiger, einen Vorteil bringen, der auch nur im entferntesten in einem sinnvollen Verhältnis zu den Opfern an Mensch und Material stand.

Das in der Führerweisung Nr. 41 vom 5. April 1942 gesetzte Ziel dieser Operation war eigentlich erreicht. Doch Hitler wollte jetzt die vollständige Säuberung der restlichen besetzten Gebiete.[10]

Es ging nun nur mehr um das Prestige der Diktatoren hüben und drüben. So sagte Hitler: „Keine Macht der Erde kriegt uns von dort wieder weg.“ Stalin: „Keinen Schritt zurück! Halten oder sterben!“[11]

Währenddessen präsentierten Stalins Generäle bereits erste Entwürfe für eine Gegenoffensive bei Stalingrad. Die Operation „Uran“ sah vor, die Deutschen mit ihrer eigenen Taktik zu schlagen: Eine aus zwei Armen bestehende Zange sollte die deutschen Belagerer in Stalingrad einkesseln.

Für die Vorbereitungen zu diesem Plan brauchten die Sowjets allerdings Zeit, um zusätzliche Kräfte und Verstärkung heranzuführen. Deshalb mußte Stalingrad auf jeden Fall gehalten werden, um die Deutschen am weiteren Vormarsch zu hindern.

In Stalingrad zeigten die ständigen Aufrufe zum Ausharren bei den Verteidigern Wirkung. Entschlossen hielten sie ihre Stellungen und kämpften auch in aussichtsloser Situation weiter. Ihre Taktik dabei war, nicht passiv zu agieren, sondern den Gegner in aktiver Verteidigung zu vernichten. Das bedeutete, daß die Rote Armee den mit etwa zehn bis fünfzehn Panzern angreifenden Deutschen drei bis fünf Kampfwagen entgegenschickte, die ein paar Schüsse abgaben und dann wieder im Gewirr der Straßen verschwanden, ohne eigene Verluste erlitten zu haben. Diese Taktik schwächte die deutschen Panzerverbände erheblich.[12]

Außerdem konnten die Sowjets davon ausgehen, daß die Zeit auf ihrer Seite war: Der Winter stand vor der Tür. Am 16.September verwandelten starke Regenfälle die Trümmerlandschaft in eine Schlammwüste, und Anfang Oktober fiel bereits der erste Schnee.

Ein weiteres Problem für die deutschen Truppen war der jede Nacht über die Wolga gebrachte Nachschub. So kamen in der Zeit zwischen 15. September bis 3. Oktober 1942 sechs frische Infanteriedivisionen den Verteidigern zu Hilfe. Dabei nutzten die Sowjets das westliche Steilufer der Wolga, das für die deutsche Artillerie unerreichbar war. Hier saßen die Stäbe der Roten Armee, hier waren die Lazarette sowie die Munitionsdepots untergebracht, und hier waren ideale Sammelplätze und Ausgangspunkte für Gegenstöße.

Textfeld: „Ich wollte zur Wolga kommen, und zwar an einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt. Zufälligerweise trägt sie den Namen von Stalin selber. Aber denken Sie nur nicht, daß ich aus diesem Grunde dorthin marschiert bin [...], sondern weil dort ein ganz wichtiger Punkt ist ... Den wollte ich nehmen, und – wissen Sie – wir sind bescheiden, wir haben ihn nämlich! Es sind nur noch ein paar kleine Plätzchen da.“ Adolf Hitler am 8.November 1943. (Knopp: a.a.O., S. 7.)Am 26. September konnten die deutschen Truppen das Parteigebäude am Roten Platz erobern und hißten die deutsche Kriegsflagge. Doch der sich langsam einstellende Erfolg wurde verlustreich erkämpft. Jeder Straßenzug mußte Meter um Meter erobert werden, die Häuser Stockwerk für Stockwerk. Die Deutschen versuchten schwerpunktmäßig Teil um Teil der Stadt einzunehmen, das heißt, sie konzentrierten ihre Kräfte auf einen Angriffspunkt. So konnte es vorkommen, daß eine ganze Division (bestehend aus etwa 9500 Mann kämpfende Truppe[13]) auf einem nur 800 Meter breiten Frontstreifen angriff. Trotz alledem kamen die Deutschen kaum vorwärts: In den Kämpfen um die Stahlgießerei „Roter Oktober“ konnten sie beispielsweise in sechs Tagen nur vierhundert Meter an Boden erobern und mußten dazu noch den Angriff einstellen, da die Kampfkraft der Truppen nicht mehr ausreichte. Ganze Kompanien bestanden nur noch aus wenigen Mann und mußten aus dem Kampf genommen werden. Doch auch die sowjetischen Verbände verloren in diesen Kämpfen fünfundsiebzig Prozent ihrer Soldaten. Deshalb entstanden öfters Kampfpausen, die aber nur dazu dienten, die nächste Offensive vorzubereiten. Diese ließ auch nicht lange auf sich warten, begann am 14. Oktober und hatte die Eroberung der Traktorenfabrik Dserschinski zum Ziel. Massives Artilleriefeuer und Bombenangriffe bereiteten den Angriff vor, der für die Deutschen erfolgreich verlief: Am nächsten Tag war das Traktorenwerk in deutscher Hand. Die sowjetischen Truppen konnten sich jetzt nur noch in einigen Häuserblocks im Norden, genauer gesagt zwischen der Stahlgießerei „Roter Oktober“ und der Geschützfabrik „Rote Barrikaden“, halten. Dieser Landstreifen war nur wenige hundert Meter breit und die Sowjettruppen wurden nun von allen Seiten angegriffen, verteidigten sich aber mit dem Mut der Verzweiflung. Die Deutschen kontrollierten nun neunzig Prozent der Stadt Stalingrad, waren aber kräftemäßig am Ende und konnten deshalb die Angriffe nicht sofort weiterführen.



2.3 Die Einkesselung



Die Vorbereitungen für die sowjetische Operation „Uran“ liefen zu diesem Zeitpunkt bereits auf Hochtouren. Die planenden Generäle hatten den Abschnitt in der deutschen Front ausgemacht, der den Verbündeten der Deutschen anvertraut war. Dort standen Rumänen, Italiener und Ungarn, die von der deutschen Heeresführung Aufgaben bekommen hatten, die nicht zu erfüllen waren: Einen 400 Kilometer langen Frontabschnitt mit unzureichenden Waffen und Material zu halten.

Das konnte nur gelingen, wenn die Rote Armee in diesem Frontabschnitt nicht angriff. Doch genau hier wollten die Sowjettruppen zuschlagen. Sie tarnten die Truppenaufmärsche so gut wie möglich, doch die deutsche Luftaufklärung entdeckte die Gefahr. Zusätzlich erfuhr General Paulus aus Verhören sowjetischer Gefangener von der Operation, wollte daraufhin die Kämpfe in Stalingrad unterbrechen und die 6. Armee zurücknehmen, um die gefährdeten Flanken, wo die Rumänen, Ungarn und Italiener standen, zu stärken. Aber Hitler verbot ihm diesen Stellungswechsel, hatten ihm doch seine Statistiker und Informanten gemeldet, daß die Sowjetunion nicht mehr genügend Kräfte für eine Offensive hätte.[14] So bestand er weiterhin auf die Einnahme Stalingrads und befahl einen neuerlichen Angriff auf die noch verbliebenen Stellungen der sowjetischen Truppen.

Am 19. November gelang es den deutschen Truppen im Zuge dieses Angriffs die Fabriken Dserschinski und Barrikady endgültig zu erobern. Doch am selben Tag begann die von den Verteidigern Stalingrads lang ersehnte Operation „Uran“. Paulus brach daraufhin die Angriffe in Stalingrad ab und wartete auf Befehle des Führers, von dem aber nur ein Wartebefehl zu hören war.



Die sowjetische Offensive war ein voller Erfolg. Ihre Panzer rollten über die ohne Panzerabwehrwaffen ausgestatteten Stellungen der Verbündeten Deutschlands und stießen bereits am ersten Tag bis zu fünfzig Kilometer weit vor. Die deutsche Heeresführung hatte hier im Süden die Front überdehnt und konnte deshalb keine Reserven vorweisen. So stießen die Sowjets ohne großen Widerstand nördlich und südlich von Stalingrad vor[15] und eroberten die für den deutschen Nachschub wichtige Brücke von Kalatsch. Am 22. November trafen die Spitzen der beiden sowjetischen Zangenarme zusammen, die 6. Armee saß in der Falle.

Auf einer Fläche von rund 1.500 Quadratkilometern waren rund 300.000 Mann mit 1.800 Geschützen, 100 Panzern, 10.000 Transportfahrzeugen und 50.000 Pferden eingekesselt.[16] Mit jedem weiteren Tag verstärkten die Sowjets den Ring um die Deutschen, es mußte schnell gehandelt werden. Für General Paulus, für seinen Stab und für viele Mitglieder des Oberkommandos der Wehrmacht war die Situation klar:

· Die Nachschubdepots der 6. Armee waren in die Hände der Roten Armee gefallen, man verfügte über keine Reserven, und selbst der kleinste Kampf würde die Munitionsbestände drastisch verringern.

· Eine Versorgung aus der Luft könnte den Bedarf einer ganzen Armee nie decken, da so viele Transportflugzeuge einfach nicht vorhanden waren.

· Da die Deutschen über keine Reserven mehr verfügten, konnte mit einer Verstärkung oder einem Befreiungsversuch von außen nicht gerechnet werden.

Diese drei Punkte ließen nur eine Schlußfolgerung zu: Durchbruch der Truppen des Kessels in Richtung der deutschen Front oder Untergang in wenigen Tagen.



Doch wieder einmal setzte sich Hitler über alle Empfehlungen seines Generalstabes hinweg und Verbot den Rückzug. „ Halten und verteidigen“[17] lautete die Devise.

Ein für viele völlig unverständlicher Befehl, wäre doch zu diesem Zeitpunkt ein Ausbruch der 6. Armee aus dem Kessel durchaus möglich gewesen. Welche Gründe bewegten Hitler zu dieser Fehlentscheidung?

· Hitler wollte Stalingrad nicht aufgeben, denn dies hätte den Verzicht auf den wesentlichsten Erfolg der Offensive dieses Jahres bedeutet.

· Eine Fehleinschätzung der Lage ließ Hitler glauben, Teile der 3. und 4. rumänischen Armee und der 4. Panzerarmee könnten die eingekesselten Verbände in Stalingrad freikämpfen, den Nachschub wiederherstellen und die Rote Armee zu ihren ursprünglichen Stellungen zurückwerfen. Dafür waren diese Kräfte aber viel zu schwach.

· Göring, Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, versprach Hitler, daß seine Luftwaffe die Versorgung der 6. Armee aufrechterhalten könnte.

· Schon einmal war es den deutschen Truppen während des Rußlandfeldzuges gelungen, einen Kessel zu halten und die eingeschlossenen Einheiten zu befreien. Dieser Kessel war im Januar 1942 bei Demjansk entstanden und mußte monatelang aus der Luft versorgt werden. Erst im April konnte der Kessel durch einen Befreiungsversuch von außen gesprengt werden. Doch es gab zahlreiche Unterschiede zwischen den beiden Kesseln: Da der Kessel bei Demjansk nur etwa fünfunddreißig bis vierzig Kilometer von der Front entfernt war, waren die Anflugstrecken für die Versorgungsflugzeuge bei diesem Kessel viel kürzer. Außerdem waren im Kessel von Demjansk nur etwa 100.000 Mann, also nur ein Drittel im Vergleich zu Stalingrad.



Paulus konnte nichts gegen Hitlers Befehl machen und wies auf seine Pflicht zum Gehorsam hin. Das war das Dilemma der deutschen Offiziere. Befehl war Befehl. Auch wenn dadurch das Schicksal einer ganzen Armee besiegelt wurde.



2.4 Die Luftversorgung des Kessels



Die nun begonnene Luftversorgung konnte nie die Menge an Versorgungsgütern nach Stalingrad einfliegen, die benötigt wurde. Der Stab der 6. Armee verlangte 600 Tonnen an Munition, Treibstoff, Futter und Lebensmittel täglich, bekam vom Oberkommando des Heeres aber nur 300 Tonnen zugesagt. Doch selbst diese 300 Tonnen konnten aufgrund des Mangels an Transportflugzeugen an keinem einzigen Tag erreicht werden. Im Schnitt gelang es gerade einmal, rund 95 Tonnen an Versorgungsgütern täglich in den Kessel zu bringen.[18]

Die Sowjets ihrerseits versuchten natürlich alles, um die Luftversorgung der 6. Armee zu unterbrechen. So wurden in den Einflugschneisen der deutschen Transportflugzeuge hunderte von Fliegerabwehrstellungen installiert, falsche Funksprüche ausgesendet, die die deutschen Piloten oft auf russische Landebahnen irreleiteten, und massenhaft Jagdmaschinen in die Lüfte geschickt, um die Transportmaschinen abzuschießen. Diese Maßnahmen veranlaßte die deutsche Luftwaffe dazu, die Transportmaschinen nur noch in der Nacht fliegen zu lassen. Im Laufe der Belagerung Stalingrads fielen 550 Flugzeuge aus, rund ein Drittel der eingesetzten Maschinen. Doch nicht nur die sowjetische Luftabwehr war für diese Verluste verantwortlich, auch der russische Winter verursachte immer wieder Ausfälle aufgrund von Vereisungen der Motoren und Tragflächen oder aufgrund von Schnee blockierten Start- bzw. Landebahnen.

Bei der so begrenzten Transportkapazität bestand die Wahl zwischen Munition und Nahrung, die Verteidigung war jedoch wichtiger als die Versorgung der Soldaten mit Lebensmitteln. Aus diesem Grund waren die Verpflegungssätze schon zu Beginn der Belagerung gekürzt worden, und am 8.Dezember wurden sie noch einmal gekürzt: Für jeden Soldaten gab es täglich 200 Gramm Brot, 200 Gramm Pferdefleisch, 75 Gramm Frischwurst und drei Zigaretten. Eine Woche später mußte die Brotration erneut halbiert werden. 100 Gramm, also zwei Scheiben Brot, sollten nun ausreichen.



Der Kessel hatte in den ersten Dezembertagen 1942 eine Form angenommen, die bis in die zweite Januarwoche 1943 hinein beinahe unverändert blieb.



2.5 Operation „Wintergewitter“



Am 12. Dezember begann die Operation „Wintergewitter“, der Versuch der Befreiung der eingekesselten Truppen durch die 4. Panzerarmee unter Generaloberst Hoth, aus dem Raum von Kotelnikowo in Richtung Nordost. Die Rote Armee, von diesem Angriff völlig überrascht, mobilisierte ihre Reserven, konnte die Deutschen anfangs aber nicht stoppen. Die Operation „Wintergewitter“ sah vor, die 4. Panzerarmee so knapp wie möglich an den Kessel heranzuführen und gleichzeitig die 6. Armee in Richtung der Befreier ausbrechen zu lassen.[19] Hinter der 4. Panzerarmee wartete ein Troß mit 3000 Tonnen Versorgungsgütern für die Truppen im Kessel. Am 19. Dezember standen Hoths Truppen nur mehr 48 Kilometer vom Kessel entfernt und warteten auf den Ausbruchsversuch der 6. Armee. Doch Hitler wollte den Befehl zum Ausbruch nicht geben, er konnte einfach nicht einsehen, daß Stalingrad verloren war.



Die 4. Panzerarmee wartete fast eine Woche, mußte aber am 24. Dezember ihre Stellungen aufgeben. Die Sowjettruppen waren am mittleren Don durchgebrochen, und es bestand die Gefahr, daß die gesamte Heeresgruppe A, rund eineinhalb Millionen Mann, im Kaukasus abgeschnitten werden würden. Die 4. Panzerarmee mußte umkehren und somit war der Entsatzversuch gescheitert. Der Untergang der 6. Armee in Stalingrad war nur noch eine Frage der Zeit.

Am 26. Dezember wurde die Brotration noch einmal gekürzt, jetzt auf 50 Gramm pro Tag und Kopf. Selbst die Infanteriemunition war so knapp, daß mit Ausnahme der Abwehr gegnerischer Angriffe, Schießverbot bestand.

Am 9. Januar 1943 boten die Sowjets den Deutschen die ehrenvolle Kapitulation an. Paulus lehnte aber ab, da er glaubte, was ihm das Führerhauptquartier sagte: Die 6. Armee binde durch ihren Kampf 60 große Verbände der Sowjets und schütze so die beiden Heeresgruppen am Don und im Kaukasus.[20]



2.6 Die endgültige Vernichtung



Am nächsten Tag, dem 10. Januar 1943, begann der große sowjetische Generalangriff auf den Kessel.[21] Die massierten Angriffe der Roten Armee brachten schnell Erfolg. In nur zwei Tagen gelang es den sowjetischen Truppen, das von den Deutschen kontrollierte Gebiet um die Hälfte zu verkleinern. Auch der Flugplatz Pitomnik wurde erobert, wodurch die deutschen Versorgungsflugzeuge nur noch in Gumrak, dem zweiten, aber viel kleineren Flugplatz des Kessels, landen konnten.

Im Kessel herrschte nach dem Angriff nur noch Rückzug zur Stadtmitte. Die einzelnen Truppenteile der 6. Armee hatten untereinander kaum mehr Verbindung, jede Einheit, jeder Trupp kämpfte auf eigene Faust, solange die Munition reichte.

Generaloberst Paulus erkannte nun die Sinnlosigkeit einer Weiterführung des Kampfes und sendete am 21.Januar einen Funkspruch zum Führerhauptquartier ab:

„Truppe ohne Munition und Verpflegung, Auflösungserscheinungen an der Süd-, Nord- und Westfront. 18.000 Verletzte ohne Mindesthilfe an Verbandszeug und Medikamenten. Front infolge starker Einbrüche vielseitig aufgerissen. Weitere Verteidigung sinnlos. Zusammenbruch unvermeidbar. Armee erbittet, um noch vorhandene Menschenleben zu retten, sofortige Kapitulationsgenehmigung.“[22]



Selbst die Sowjets hatten bereits das Gros der Truppen rund um Stalingrad abgezogen, nur noch drei Gardedivisionen sollten den Kampf mit der 6. Armee zu Ende führen. Somit war auch die letzte Aufgabe der 6. Armee, starke feindliche Kräfte zu binden, nicht mehr aktuell.



Doch ein Mann sah alles anders. Hitler wollte sich den zehnten Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung nicht trüben lassen und verbot starrsinnig die Kapitulation, es sollte bis zur letzten Patrone gekämpft werden.

Wie dieser Kampf aussah, beschrieb General von Seydlitz, der Befehlshaber des 51.Armeekorps in Stalingrad:

„Elende und ausgemergelte Gestalten leichter Verwundeter trieben sich zu Hunderten in der Stadtmitte herum ... Am furchtbarsten aber waren die Zustände in den als Notfeldlazaretten eingerichteten Schulen. Vor diesen Gebäuden, auf den Korridoren und in den Zimmern lag alles dicht gedrängt voll mit Schwer- und Schwerstverwundeten und Sterbenden. Die wenigen Ärzte waren außerstande, Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Kein Verbandsmaterial, keine Medikamente, keine Verpflegung! Die Toten wurden nur noch an den Außenseiten der Gebäude meterhoch aufgeschichtet. Dazu eisige Kälte und ständig über die kahle Steppe treibender Schnee. Unvorstellbar, was hier das Auge sah: Es war die Hölle auf Erden! So sah der „Kampf bis zur letzten Patrone“ aus.“[23]



Als am 22. Januar auch noch der Flugplatz Gumrak in sowjetische Hand fiel, war es mit der Versorgung endgültig vorbei. Nur noch wenig Material gelangte durch Abwürfe in den Kessel.

Von nun an ging es schnell. Der Kessel wurde in zwei Teile gespalten. Am 28. Januar 1943 war die Versorgungslage so schlecht, daß der Befehl gegeben wurde, an Verwundete und Kranke keine Verpflegung mehr auszugeben, damit wenigstens die kämpfende Truppe genug zum Essen hatte. So lagen nun rund 20.000 Verwundete in den Kellern der Ruinen von Stalingrad und hatten weder Verpflegung noch medizinische Versorgung.



2.7 Die Kapitulation



Am 31. Januar 1943 besetzten die Sowjets das Hauptquartier der 6. Armee im südlichen Teil des Kessels und nahmen den inzwischen zum Generalfeldmarschall beförderten Paulus und seinen Stab gefangen. Zwei Tage nach dem südlichen, kapitulierte auch der nördliche Kessel am 2. Februar 1943.

72 Tage hatten die verlustreichen und erbitterten Kämpfe im Kessel von Stalingrad gedauert. Nach zweieinhalb Monaten voll Hunger und Kälte hielten noch rund 100.000 Soldaten in den Ruinen der Stadt aus. 45.000 Verwundete oder Spezialisten hatten das Glück, rechtzeitig ausgeflogen zu werden. Doch 145.000 Männer blieben tot auf dem Schlachtfeld zurück.[24]

Damit hatten vierzehn Infanteriedivisionen, drei Panzerdivisionen, drei motorisierte Divisionen, eine Fliegerabwehrdivision, sowie zwei rumänische Divisionen zu existieren aufgehört.

Tausende deutsche Gefangene überlebten die langen Fußmärsche in die Gefangenschaft durch die Steppe nicht; zu ausgehungert und erschöpft waren sie. Zehntausende starben während der harten Gefangenschaft in den sowjetischen Lagern. 6.000 kehrten Jahre später wieder in ihre Heimat zurück – 6000 von über 300.000.

3. Die Folgen der Schlacht



Nach der verlorenen Schlacht zogen sich die Deutschen weiter zurück. Der Kaukasus mußte geräumt werden, und einer weiteren Einkesselung bei Demjansk entgingen zwölf deutsche Divisionen Anfang März 1943 nur knapp.[25]

Die Russen wollten nun, mit schnellen Panzerspitzen zum Dnjepr vorzustoßen, doch konnten die Deutschen ihre Gebiete noch verteidigen. Feldmarschall von Manstein plante sogar einen groß angelegten Gegenangriff im Raum Kursk, das Unternehmen „Zitadelle“. Hierfür stellte Hitler ihm eine riesige Angriffsmacht zur Verfügung. 3600 Panzer und 1850 Flugzeuge, also genau so viele wie die gesamte Wehrmacht zu Beginn des Rußlandfeldzuges hatte, wurden nun für eine Schlacht aufgeboten.

Das Überraschungsmoment war bei dieser Operation ausschlaggebend, doch Hitler zögerte mit dem Angriffsbefehl zu lange. So wurde der Aufmarsch der großen deutschen Verbände von den Sowjets entdeckt, die nun ihrerseits genügend Zeit hatten, vierzig Prozent ihres Feldheeres in dieses Gebiet zu verlegen, um dort ein riesiges Verteidigungssystem aufzubauen.

Der Angriff, der am 5.Juli 1943 begann, kam nie so richtig in Schwung. Zwar kamen die deutschen Verbände langsam voran, doch diese Gebietsgewinne standen in keinem Verhältnis zu den enormen Verlusten, die durch das gut angelegte sowjetische Verteidigungssystem entstanden. Ganze Einheiten bluteten aus und waren bereits nach wenigen Tagen nicht mehr einsatzfähig. Als dann noch die Westalliierten auf Sizilien landeten, war die Gefahr einer zweiten Front unmittelbar gegeben, und der Angriff bei Kursk wurde abgebrochen. Die dortigen Angriffsdivisionen wurden zur Sicherung Italiens benötigt.

Die Schlacht bei Kursk hatte die deutschen Reserven endgültig aufgebraucht, überall war die Frontlinie nur mehr von dünnen Verbänden besetzt. Die Überlegenheit der Sowjets gegenüber den Deutschen zeigte das Verhältnis von 6:1 bei der Artillerie und den Panzern. Gegen diese Übermacht hatten die deutschen Truppen keine Chance und waren deshalb gezwungen, hinter den Dnjepr zurückzugehen, da dieser Fluß ganz gute natürliche Verteidigungsstellungen gegen die Angreifer aus dem Osten bot.



Die Schlacht von Stalingrad war die psychologische Wende im Rußlandfeldzug, aber die taktische Wende war die Schlacht von Kursk. Von nun an ging es für die deutschen Truppen nur noch zurück Richtung Westen, sie konnten die sowjetische Übermacht nicht mehr aufhalten.
4. Die Kriegsgefangenschaft



Die rund 90.000 Gefangenen der 6. Armee von Stalingrad waren keineswegs von ihren Qualen erlöst. Sie traten nun die langen Märsche in die Kriegsgefangenenlager an, die meistens hunderte Kilometer entfernt von Stalingrad lagen.

Von nun an schlug der Tod nur mehr lautlos zu. Die durch die ungeheuren Strapazen, den Hunger, die Kälte und den Verlust jeder Hoffnung geschwächten deutschen Soldaten waren zu keinem Widerstand mehr fähig, sie starben meistens im Schlaf, still und leise.

Doch auch die Russen litten unter Hunger, da die Infrastruktur in und um Stalingrad völlig zerstört war. Es gab keine Eisenbahn, keinen Schiffsverkehr und auch keine Brücken. Nur mit Pferdeschlitten konnten die Russen ihre eigenen Leute notdürftig versorgen.[26] Zusätzlich stellte die Verpflegung von über 90.000 Gefangenen der Deutschen 6. Armee eine fast unlösbare Aufgabe dar, da man sie nicht nur mit Essen versorgen, sondern auch irgendwo unterbringen und bewachen mußte.

Schon die langen und kräfteraubenden Märsche in die Kriegsgefangenenlager überlebten viele der Soldaten nicht, und in den Lagern erwartete sie oft harte Arbeit bei nur unzureichender Nahrung. Hinzu kamen noch Seuchen und andere Krankheiten, die den ohnehin schon geschwächten Körpern den letzten Rest gaben.

Die Kriegsgefangenen wurden entweder in den Bergbau geschickt, oder sie mußten die Kriegsschäden in der Sowjetunion beseitigen, d.h., sie wurden im Straßenbau oder für ähnliche Arbeiten eingesetzt.

Anfang 1946 begann die Rückkehr der ersten Kriegsgefangenen, die letzten kehrten erst Jahre später zurück. Unter diesen letzten befanden sich meist Offiziere und spezialisierte Arbeiter, die in der Sowjetunion noch länger benötigt wurden. Doch diese Heimkehrer hatten zu Hause immer noch genug Probleme, der Krieg hatte Häuser, Wohnungen oder oft auch das Familienglück zerstört. Oft schafften es die Heimkehrer nicht, den Krieg und seine Erlebnisse zu verarbeiten, sie verfielen in Depressionen oder wurden zu Alkoholikern. Die Geschehnisse in diesem unmenschlichen Gemetzel um Stalingrad hatten viele abgestumpft und in ihrem Wesen verändert. Einige sind daran zerbrochen.

5. Interview mit einem Zeitzeugen





a) Otmar Rasteiger, geboren 1922, wurde im Herbst 1941 mit neunzehn Jahren zur Wehrmacht eingezogen. Schon sehr bald wurde er zum Gefreiten befördert und führte einen Funktrupp der B-Stelle (Beobachtungsstelle) in der 3. Gebirgsdivision, Gebirgsartillerieregiment 112. Die 3. Gebirgsdivision war im Winter 1941/42 in Norwegen untergebracht, wurde dann zuerst nach Leningrad verlegt und war schließlich im Sommer 1942 im Donezbogen, im Raum Woroschilowgrad – Stalino, das ist ca. 300 Kilometer westlich von Stalingrad, stationiert.



Interviewer: Können Sie mir einen Kampf zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee beschreiben?



O. Rasteiger: Der Russe hatte sich eingeigelt, auf einer Bahnlinie. Beim Angriff, beim ersten Angriff, mußte ich mit meinem Funktrupp mit den Panzern und Sturmgeschützen über ein Minenfeld vorrücken. Links und rechts sind die Minen hochgegangen, da hat man gesehen wie unsere Jäger in die Luft flogen, wie die Füße und die Hände stückweise irgendwohin hinflogen. Da ich noch unerfahren war, bin ich mit meinem Funktrupp immer neben einem Panzer in Deckung gegangen. Das war falsch. Gerade auf die Panzer hat der Russe die größten Kanonen gefeuert, damit der Panzer ja nicht bis zu seinen Stellungen kommt. Wie wir damals ohne Verwundung, und überhaupt am Leben geblieben sind, das grenzt ja an ein Wunder.



Interviewer: Gibt es etwas, das sie damals sehr beeindruckt hat, etwas, das sie im Gedächtnis behalten haben?



O. Rasteiger: Ja, wie wir einmal verlegt worden sind, sind wir nach Emga gekommen. Dort war ein großer Soldatenfriedhof, da hat man keinen Stahlhelm mehr gesehen und kein Kreuz und nichts, man hat nur gewußt: Da liegen hunderte oder tausende Landser.



Interviewer. Hatten sie damals genügend warme Kleidung für den Winter?



O. Rasteiger: Wir haben so etwas schon gehabt, aber den strengen Winter, der zuvor war, den hatten wir nicht mitgemacht, zu dieser Zeit waren wir in Norwegen. Die hatten damals ja derartige Erfrierungen. Während des nächsten Winters, mußten wir aber bei minus achtzehn Grad bis minus zweiundzwanzig Grad wochenlang auf dem festgefrorenen Eis hausen und überleben, kein Dach und keinen Strohschober hatten wir.



Interviewer: Wie hat der Krieg für Sie geendet?



O. Rasteiger: Ich geriet dann gegen Kriegsende in Gefangenschaft.



Interviewer: Wie haben Sie die Gefangenschaft erlebt?



O. Rasteiger: Für mich war die russische Gefangenschaft furchtbar. Ich war im Strafgebiet Tula, das ist ca. 80 Kilometer südlich von Moskau. Dort gab es eine unendliche Ebene und alle zwanzig bis dreißig Kilometer ist ein Schachtturm gestanden, für den Kohlebergbau, und daneben die Baracken. Ich habe im Schacht „Zwanzig“ gearbeitet, die Aufseher waren lauter russische Sträflinge. Am ersten Tag, an dem wir in den Schacht eingefahren sind, da haben sie gleich zwei Landser von uns erschlagen. Am nächsten Tag hat es geheißen: „Antreten“, und die Lagerkommandantur hat gesagt, wir bräuchten keine Angst mehr zu haben, die dürfen keine Landser mehr erschlagen. Darauf haben unsere Offiziere und wir gesagt: „Ja, weil wir sterben auch so.“ Wir bekamen damals Wassersuppe und 300 Gramm Brot, gerade daß man nicht verhungerte. Die Russen haben das zwar nicht gesagt, aber sie haben es sich bestimmt gedacht.



Interviewer: Wann sind Sie aus der Gefangenschaft heimgekehrt?



O. Rasteiger: 1948. Ende Feber 1948. In diesem Lager, wo wir waren, haben wir fünf Wochen kein Wasser gehabt, wir waren kohlschwarz, wir haben uns mit Urin gewaschen. Erst als wir Gefangene dann eine klägliche, tropfende Quelle von außen herein geleitet haben und wir Tröge gebaut haben, konnten wir uns waschen. Nach jeder Schicht haben wir uns gewaschen. Die Tröge waren schon bald total verfuselt, die Bretter waren ja nicht fein, sie waren voll mit Bazillen.

Wir haben Krätze gehabt, ich selber habe Krätze am Hals und auf der Brust gehabt. Das ist eine große „Raude“ und unterhalb ist alles gelb und Schaum, und es rinnt ab so wie Eiter. Mein Leben hat mir damals die Musik gerettet, wir haben einen deutschen Oberarzt gehabt, der bei uns im Revier war, und eine Krankenschwester. Doktor haben wir sagen müssen zu ihr, dabei hat sie ja nicht einmal verbinden können. Diese Krankenschwester war so vernarrt in den Oberarzt, daß sie ihm eine Geige besorgt hat. Eines Nachmittags, nach meiner Schicht, spielte dieser Oberarzt auf seiner Geige, ich setzte mich vor sein Fenster, und er sah mich und sagte: „Spielst Du vielleicht auch Geige?“ Und ich habe „ja“ gesagt, das war alles.

Als wir dann wieder zur Schicht mußten, nackt und mit Krätze, erkannte mich dieser Oberarzt wieder und sagte: „Sobald ich welche Medikamente bekomme, bist du einer der ersten, den ich behandle.“ Siehe da, es hat nicht lang gedauert, da ist eine Salbe von Moskau gekommen, und er hat mich behandelt. Das hat mir mein Leben gerettet.
Kurz gesagt, wir waren gut 2.000 Landser dort im Lager und innerhalb von sechs Monaten waren wir nur mehr 456, die anderen sind alle gestorben. Im Winter, wenn einer gestorben ist, hat man ihn auf den Dachboden gegeben, und da haben die Russen, unsere Aufseher, dem Toten noch die Zeltplane gestohlen, weil sie ja selber nichts gehabt haben. Die waren ja so arm, die haben selber nichts zum Essen gehabt. Jetzt kann man sich leicht ausrechnen, wie arm wir erst waren, nur haben wir die leise Hoffnung gehabt, daß wir doch wieder einmal nach Hause kommen. Aber bei denen war es sehr fraglich, ob die wieder einmal heim kommen werden, weil der eine von Wladiwostok, der andere von Minsk, der nächste von Moskau war.



Interviewer: Denken Sie heute noch oft an den Krieg zurück?



O. Rasteiger: Ja, zum Beispiel wenn ich einen Kriegsfilm sehe oder in der Zeitung etwas lese, wie über die Wehrmachtsausstellung, wie man uns jetzt hinstellt als Kriegsverbrecher. Ich denke nur, unsere jungen Menschen müssen ja auch einrücken und einen Eid für das Vaterland ableisten, bei uns damals war es halt für Führer, Volk und Vaterland. Wir haben ja nicht für die braunen Massen gekämpft, ich kann mich gut erinnern, wenn einer gekommen ist, so ein junger Offizier, dann haben wir gesagt: „Aha, das ist auch so ein Goldfasan, so ein NSDAPler, so ein Nationalsozialist, das haben wir Soldaten gesagt, wir konnten diese Menschen nicht leiden. Die waren ja nur Fanatiker und wollten nur hohe Auszeichnungen. Ich denke da an einen Angriff. Da haben wir einen jungen Leutnant gehabt, einen Bayern, und die Russen haben mit ihren „Urä – urä - Rufen“ angegriffen. Wir an der B-Stelle wußten ja was los ist, weil wir ja daran gewöhnt waren, aber die Jäger, die Buben, die haben fast geweint vor lauter Angst. Wir haben gesagt: „Burschen, das machen wir schon“, und der junge Offizier hat gebrüllt: „Raus, Angriff, raus!“ Wir haben aber auch ein paar alte, erfahrene Jäger dabei gehabt, und auf der Latrine haben die dann gesagt: „Dem ziehen wir einmal eine drüber.“

Siehe da, bei einem Angriff, der junge Leutnant voran, hat ihn wahrscheinlich einer von hinten erschossen. Sie haben nämlich gesagt: „Gescheiter einer, als zehn oder fünfzehn von uns da.“ Solche, wie der Leutnant, das waren die verirrten Nazis, aber das war eine Seltenheit, wenn man so einen gehabt hat.



Interviewer: Wie hat der Krieg ihr Leben beeinflußt?



O. Rasteiger: Na ja, schon sehr. Wir waren damals arm. Der Hitler ist hereingekommen und die Leute haben auf einmal was gehabt. Die Bergarbeiter haben auf einmal ein Bad gehabt, die sind sauber nach Hause gegangen. Wir selber haben das erste Mal eine Wurst gesehen und eine Wurst gekriegt. Es herrschte ja Armut, und so waren wir natürlich begeistert.
Und wenn wir von den Juden etwas gehört haben, dann haben wir uns nichts gedacht, wir sind ja so erzogen worden, oder wir dachten, wahrscheinlich sind das wirklich solche Hundianer. Mit diesem Glauben und mit dieser Einstellung sind wir auch eingerückt. Von diesen großen Schandtaten, von denen man heute oft berichtet, wußten wir ja gar nichts. Wir haben nur gehört, daß die Amerikaner oder die Engländer Dresden oder Köln zusammengehaut haben, 60.000 Kinder, Frauen, Mütter und deren Söhne und Männer schwer verwundet oder tot waren. Die Flieger sind einfach drüber geflogen und haben ihre Bomben abgeworfen. 60.000 Menschen in einer Nacht, aber Zivilisten und keine Soldaten, tot. Von dem hört und sieht man heute nichts, im Vergleich zu der Wehrmachtsausstellung.
Bei den Soldaten waren wahrscheinlich auch Blindgänger dabei, aber im allgemeinen sagen viele, auch Engländer und Amerikaner, daß der deutsche Soldat der zivilisierteste und anständigste in der ganzen Welt war.





6. Letzte Briefe aus Stalingrad[27]



... Du bist mein Zeuge, daß ich mich immer gesträubt habe, weil ich Angst vor dem Osten hatte, vor dem Kriege überhaupt. Ich war nie Soldat, immer nur uniformiert. Was habe ich davon? Was haben die anderen davon, die sich nicht gesträubt haben und keine Angst hatten? Ja, was haben wir davon? Wir, die Statisterie des leibhaftigen Unsinns? Was haben wir vom Heldentod? Ich habe den Tod ein paar dutzendmal auf der Bühne gespielt, aber nur gespielt, und Ihr saßt im Plüschsessel davor, und mein Spielen vom Tode erschien Euch echt und wahr. Es ist erschütternd zu erkennen, wie wenig das Spiel mit dem Tode zu tun hatte.
Der Tod mußte immer heroisch sein, begeisternd, mitreißend, für eine große Sache und aus Überzeugung. Und was ist es in Wirklichkeit hier? Ein Verrecken, Verhungern, Erfrieren, nichts weiter wie eine biologische Tatsache, wie Essen und Trinken. Sie fallen wie die Fliegen, und keiner kümmert sich darum und begräbt sie. Ohne Arme und Beine und ohne Augen, mit zerrissenen Bäuchen liegen sie überall. Man sollte davon einen Film drehen, um den „schönsten Tod der Welt“ unmöglich zu machen. Es ist ein viehisches Sterben, das später einmal auf Sockeln aus Granit mit „sterbenden Kriegern“, die Binde um den Kopf oder den Arm, veredelt wird.

Hymnen, Romane und Weihgesänge werden geschrieben und ertönen. Und in den Kirchen wird man Messen lesen. Ich mache das nicht mehr mit, denn ich habe keine Lust, in einem Massengrabe zu verfaulen. An Professor H... schrieb ich Ähnliches. Du und er werdet von mir wieder hören. Wundert Euch nicht, wenn es eine Zeitlang dauert, denn ich habe beschlossen, mein Schicksal in meine eigenen Hände zu nehmen.





... In Stalingrad die Frage nach Gott stellen, heißt sie verneinen. Ich muß Dir das sagen, lieber Vater, und es ist mir doppelt leid darum. Du hast mich erzogen, weil mir die Mutter fehlte, und mir Gott immer vor die Augen und die Seele gestellt.

Und doppelt bedaure ich meine Worte, weil es meine letzten sein werden, und ich hiernach keine Worte mehr sprechen kann, die ausgleichen könnten und versöhnen.

Du bist Seelsorger, Vater, und man sagt in seinem letzten Brief nur das, was wahr ist oder von dem man glaubt, daß es wahr sein könnte. Ich habe Gott gesucht in jedem Trichter, in jedem zerstörten Haus, an jeder Ecke, bei jedem Kameraden, wenn ich in meinem Loch lag, und am Himmel. Gott zeigte sich nicht, wenn mein Herz nach ihm schrie. Die Häuser waren zerstört, die Kameraden so tapfer oder so feige wie ich, auf der Erde war Hunger und Mord, vom Himmel kamen Bomben und Feuer, nur Gott war nicht da. Nein, Vater, es gibt keinen Gott. Wieder schreibe ich es und weiß, daß es entsetzlich ist und von mir nicht wiedergutzumachen. Und wenn es doch einen Gott geben sollte, dann gibt es ihn nur bei Euch, in den Gesangbüchern und Gebeten, den frommen Sprüchen der Priester und Pastöre, dem Läuten der Glocken und dem Duft des Weihrauches, aber in Stalingrad nicht.





... Dieser Brief fällt mir schon schwer, wie schwer wird er Dir erst sein! Es ist leider keine gute Nachricht, die in diesem Briefe steht. Und sie ist auch dadurch nicht besser geworden, daß ich zehn Tage gewartet habe. Nun hat sich unsere Lage so verschlimmert, daß die Befürchtung laut wurde, bald völlig von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Es wurde vor kurzem versichert, daß diese Post noch bestimmt abgeht. Wenn ich wüßte, daß es noch eine andere Gelegenheit gäbe, dann würde ich noch warten, aber ich weiß es eben nicht, und wohl oder übel muß ich mit der Sprache heraus. Der Krieg ist für mich aus.

Ich liege im Lazarett in Gumrak und warte auf den Abtransport mit dem Flugzeug. So sehnsüchtig ich auch warte, immer verschiebt sich der Termin wieder. Daß ich heimkomme, ist eine große Freude für mich und auch für meine liebe Frau, die Du doch bist. Wie ich aber nach Hause komme, wird Dir keine Freude sein. Ich bin ganz verzweifelt, wenn ich daran denke, als Krüppel vor Dir zu liegen. Aber Du mußt es doch einmal wissen, daß meine Beine abgeschossen sind.

Ich will es ganz ehrlich schreiben. Das recht Knie ist ganz zerschmettert und unterm Knie amputiert und das linke am Oberschenkel abgenommen. Der Oberarzt meint, mit Prothesen könnte ich herumlaufen wie ein Gesunder. Der Oberarzt ist ein guter Mann, und er meint es auch gut. Ich wünschte, daß er recht bekommt. Nun weißt Du es schon vorher. Liebe Elise, ich möchte nur wissen, was Du denkst. Ich habe den ganzen Tag Zeit und denke nur daran. Und meine Gedanken beschäftigen sich viel mit Dir. Ich habe mir auch schon gewünscht, daß ich tot bin, aber es ist eine schwere Sünde, und man darf so was nicht aussprechen.

Im Zelt liegen noch über achtzig Mann, draußen aber liegen ungezählte Kameraden. Durch das Zelt hört man ihr Schreien und Stöhnen, und keiner kann ihnen helfen. Neben mir liegt ein Unteroffizier aus Bromberg mit schwerem Bauchschuß. Der Oberarzt sagt, er würde bald nach Hause kommen, aber zu dem Sanitäter sagt er: „Länger als bis heute abend macht er es nicht mehr, laß ihn solange liegen.“ Der Oberarzt ist doch ein guter Mann. Auf der anderen Seite, neben mir an der Wand, liegt ein Landser aus Breslau, der einen Arm ab und keine Nase mehr hat, und er sagte mir, daß er jetzt keine Taschentücher mehr gebrauche. Als ich ihn gefragt habe, was er mache, wenn er weinen müßte, gab er mir die Antwort, alle hier, auch du und ich, kommen gar nicht mehr zum Weinen. Um uns herum werden andere bald weinen.





... Ich habe Deine Antwort in den Händen. Einen Dank wirst Du wohl nicht erwarten. Dieser Brief wird kurz sein. Ich hätte es mir denken können, als ich Dich bat, mir zu helfen. Du warst und bleibst ein ewig „Gerechter“. Mama und mir war das nicht unbekannt. Aber man konnte ja nicht annehmen, daß Du Deinen Sohn der „Gerechtigkeit“ zum Opfer bringen wirst. Ich bat Dich, mich herauszuholen, weil dieser strategische Unsinn nicht Wert ist, für ihn ins Gras zu beißen. Es wäre Dir ein leichtes gewesen, ein Wort für mich einzulegen, und ein entsprechender Befehl hätte mich erreicht. Du bist über die Lage nicht im klaren. In Ordnung, Vater.

Dieser Brief ist nicht nur kurz, sondern auch der letzte, den ich Dir schreibe. Ich werde keine Gelegenheit mehr zum Briefschreiben haben, selbst dann nicht, wenn ich wollte. Es wäre auch nicht auszudenken, daß ich Dir noch einmal gegenüberstehen sollte und Dir sagen müßte, was ich denke. Und weil weder ich noch ein weiterer Brief zu Dir sprechen werden, rufe ich Dir Deine Worte vom 26.Dezember noch einmal ins Gedächtnis zurück: „Du wurdest freiwillig Soldat, es war leicht, im Frieden unter der Fahne zu stehen, aber schwer, sie im Kriege hochzuhalten. Du wirst dieser Fahne treu bleiben und mit ihr siegen.“ Diese Worte haben klarer gesprochen als Deine Gesamthaltung der letzten Jahre. Du wirst Dich an sie noch erinnern müssen, denn es kommt für jeden einsichtigen Menschen in Deutschland die Zeit, in der er den Wahnsinn des Krieges verflucht, und Du wirst einsehen, wie hohl die Worte von der Fahne sind, mit der ich siegen sollte.

Es gibt keinen Sieg, Herr General, es gibt nur noch Fahnen und Männer, die fallen, und am Ende wird es weder Fahnen noch Männer geben. Stalingrad ist keine militärische Notwendigkeit, sondern ein politisches Wagnis. Und dieses Experiment macht Ihr Sohn nicht mit, Herr General! Sie versperrten ihm den Weg ins Leben, er wird den zweiten Weg in der entgegengesetzten Richtung wählen, der auch ins Leben führt, aber auf der anderen Seite der Front. Denken Sie an Ihre Worte und hoffentlich werden Sie, wenn der Kram zusammenbricht, sich der Fahne erinnern und zu ihr stehen.



7. Anhang



7.1 Die Verbände der deutschen und sowjetischen Front bei Stalingrad



Deutsche Front:

· 4. Panzerarmee (Hoth)

· 6. Armee (Paulus)

· Rumänische 3. Armee (Dumitrescu)

· 4. Luftflotte (von Richthofen)



Diese Verbände bestanden aus den folgenden Divisionen:

14.Panzerdivision, 16.Panzerdivision, 24.Panzerdivision, 3.Infanteriedivision (motorisiert), 29.Infanteriedivision (motorisiert), 44.Infanteriedivision
60.Infanteriedivision (motorisiert), 71.Infanteriedivision, 76.Infanteriedivision, 79.Infanteriedivision, 94.Infanteriedivision, 100.Jägerdivision, 113.Infanteriedivision, 295.Infanteriedivision, 297.Infanteriedivision, 305.Infanteriedivision, 371.Infanteriedivision, 376.Infanteriedivision, 384.Infanteriedivision, 389.Infanteriedivision, 9.Flakdivision (motorisiert), Rumänische 1.Kavalleriedivision, Rumänische 20.Infanteriedivision





Sowjetische Front:



1.Gardearmee (Ljeljuschenko), 5.Panzerarmee (Romanenko), 21.Schützenarmee (Tschistjakow), 24.Schützenarmee (Galanin), 28.Schützenarmee (Gerasimenko), 51.Schützenarmee (Trufanow), 57.Schützenarmee (Tolbuchin), 62.Schützenarmee (Tschuikow), 64.Schützenarmee (Shumilow), 65.Schützenarmee (Batow), 66.Schützenarmee (Shadow), 2.Luftflotte (Smirnow), 8.Luftflotte (Chrukina), 16.Luftflotte (Rudenko), 17.Luftflotte (Krassowski)



7.2 Wichtige Personen



Die Deutschen





Generalfeldmarschall Friedrich Wilhelm Ernst Paulus: Geboren am 23.9.1890 in Breitenau (Hessen), gestorben am 1.2.1957 in Dresden. Ab 1.1.1942 Oberbefehlshaber der 6.Armee, geriet am 31.1.1943 im Kessel von Stalingrad in Gefangenschaft. Knapp ein Jahr später stieß er zum „Nationalkomitee Freies Deutschland“ (Organisation deutscher gefangener Offiziere, die die Beendigung des Krieges verlangten). Im Frühjahr 1946 trat er in sowjetischem Auftrag als Zeuge bei den Nürnberger Prozessen auf. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft 1953 ließ er sich in Dresden nieder.



Generaloberst Hermann Hoth: Geboren am 12.4.1885 in Neuruppin, gestorben am 26.2.1971 in Goslar. Ab 1.6. Oberbefehlshaber der 4.Panzerarmee. Am 10.12.1943 von Hitler aufgrund von Defätismus seines Kommandos enthoben. In Nürnberg zu 15 Jahren Haft verurteilt, 1954 entlassen.



General Walter von Seydlitz-Kurzbach: Geboren am 22.8.1888 in Hamburg, gestorben am 28.4.1976 in Hamburg. Ab 8.5.1942 Befehlshaber des 51.Armeekorps. Am 31.1.1943 geriet er bei Stalingrad in Gefangenschaft. Schon Ende November 1942 hatte er den Ausbruch aus dem Kessel von Stalingrad gegen Hitlers Befehl gefordert. Im September 1943 Vorsitzender des Bundes deutscher Offiziere. Im August 1944 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nach Kriegsende weigerte er sich, in der Sowjetzone einen Posten anzunehmen, wurde 1950 verhaftet, zum Tode verurteilt und dann zu 25 Jahren Haft begnadigt. Am 7.10.1955 kehrte er nach Westdeutschland zurück.



Generalfeldmarschall Erich von Lewinski, genannt von Manstein: Geboren am 24.11.1887 in Berlin, gestorben am 10.6.1973 in Irschenhausen im Isartal. Vom 22.11.1942 bis 30.3.1944 Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Don. Er entwarf den Operationsplan für den Frankreichfeldzug und für die Operation „Wintergewitt








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