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Titel:

Die biblischen Schöpfungsgeschichten


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Arbeit:

Die biblischen Schöpfungsgeschichten




Die Frage nach dem Ursprung menschlicher Existenz stellt sich wohl seit Menschengedenken. Nahezu jede Kultur und Religion hat ihre eigenen Antworten und Erklärungsversuche auf sie gefunden. Wir wollen im Folgenden die beiden biblischen Schöpfungsmythen inhaltlich genauer unter die Lupe nehmen und nach ihren heutigen Bedeutungen fragen. Hinzu gezogen werden soll außerdem Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ als Beispiel der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Im ersten Buch Mose (Genesis) des Alten Testaments findet man gleich zwei Schöpfungsgeschichten, die allerdings keinesfalls chronologisch nach ihrer Entstehungszeit angeordnet sind. Die erste Schöpfungsgeschichte (Gen. 1-2,7) ist die jüngere. Sie entstand zwischen 580 und 650 v. Chr., in der Zeit des Babylonischen Exils unter der Fremdherrschaft König Nebukadnezars. Verfasst wurde sie von Kreisen der Jerusalemer Priesterschaft, die – konfrontiert mit der Fremdherrschaft – ein Ordnungs- und Sicherheitsbedürfnis verspürten und die Intention hatten die eigene religiöse Identität zu wahren. Die zweite und gleichzeitig ältere Schöpfungsgeschichte, die als „Jahwist“ bezeichnet wird, weil die Verfasser Gott „Jahwe“ nennen, entstand dagegen um 1000 v. Chr. während der Königsherrschaft – genauer gesagt zur Zeit Salomons. Wie gesagt sind die beiden Schöpfungsgeschichten nicht nach ihrer Entstehungszeit angeordnet. Man orientierte sich stattdessen an inhaltlich logischen Aspekten. Eine solche Form der Anordnung bezeichnet man als „Kanonisierung“.

Die Priesterschrift beginnt mit den bekannten Worten „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Gen. 1,1). Dieser Vers ist als Überschrift zum folgenden Schöpfungsbericht zu verstehen. Mit dem Begriffspaar „Himmel und Erde“ ist die Welt in ihrer Gesamtheit gemeint. Die Priesterschrift schildert das Schöpfungswerk systematisch und nach Tagen geordnet. Zunächst wird der Zustand vor der Schöpfung beschrieben: „Die Erde war noch leer und öde,/ Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser,/ und über den Fluten schwebte Gottes Geist“ (Gen. 1,2). Man assoziiert mit diesem Bild Wüste, Kargheit und Finsternis. Mit „Gottes Geist“ wird der Heilige Geist benannt. Gemeint ist das Lebensprinzip, das der gesamten Schöpfung zugrunde liegt, und welches Gott auf seine Geschöpfe übertragen hat. Es folgt eine Schilderung dessen, was Gott an den einzelnen Tagen der insgesamt sechs Tage dauernden Schöpfung vollbrachte:

Am ersten Tage schuf Gott Licht und Dunkelheit (Gen 1,4) und damit Tag und Nacht (s. Gen. 1,5). Am zweiten Tag brachte er das Himmelsgewölbe hervor. Zum Verständnis dieses Schöpfungselements ist es sinnvoll die altorientalische Vorstellung des Himmelsgewölbes zu kennen: Im Alten Orient stellte man sich den Himmel als eine riesige Kuppel vor, unterhalb der sich der Himmelsozean befindet, von dessen Wasser der Regen gespeist wird und über der sich die Wohnung Gottes zu finden ist. Am dritten Tag kreierte Gott Land und Wasser und damit Erde und Meer (Gen. 1,9-10). Am vierten Tag brachte er die Gestirne – Sonne, Mond und Sterne –, denen die Aufgabe übertragen wurde über Tag und Nacht zu walten, sowie die Pflanzen hervor (Gen. 1,14-18). Die Namen „Sonne und Mond“ werden im Schöpfungsbericht vermieden, da man sich von Naturreligionen, die diese Namen für ihre Götter verwendeten, abgrenzen wollte. „Sonne und Mond“ werden stattdessen als „Lichter“ bezeichnet um zu verdeutlichen, dass sie keine schicksalsbestimmenden Kräfte besitzen.

Es folgten am fünften Tag die Vögel und Seetiere, denen Gott zudem Fruchtbarkeit verleiht (Gen. 1,20-21). Ihnen wurde aufgetragen sich auf dem Festland und in den Meeren zu vermehren (Gen. 1,22). Am sechsten Tag schuf Gott zunächst die Landtiere – genauer gesagt Vieh und Kriechtiere – (vgl. Gen. 1,24-25), an die sich ein ähnlicher Auftrag richtet.

Außerdem beschloss Gott am selben Tag den Menschen zu erschaffen. Er sprach dazu: „>>Nun wollen wir Menschen machen,/ ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist! <<“ (Gen. 1,26). Gott spricht dabei von sich im Plural, weil er den „Pluralis majestatis“ verwendet, der häufig bei Herrschaftspersonen benutzt wird. Man sollte sich dadurch nicht verwirren lassen. Von der Vorstellung den Menschen als Abbild Gottes zu sehen wurde der Gedanke der Gottesebenbildlichkeit hergeleitet. Gottesebenbildlichkeit bedeutet keinesfalls, dass der Mensch eine Kopie Gottes ist. Vielmehr ist gemeint, dass er Gottes Vorstellungen entspricht und bestimmte Fähigkeiten mit ihm gemeinsam hat. Dies wurde häufig auf die Sprache, das Potential Dinge zu benennen und sich damit anzueignen, bezogen. Die Menschen werden als „Krone der Schöpfung“ gesehen, d.h. sie werden über alle anderen Geschöpfe gesetzt: „Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer,/ über die Vögel in der Luft/ über das Vieh und alle Tiere auf der Erde/ und über alles, was auf dem Boden kriecht“ (Gen. 1,26). Wie die Tiere so werden auch die Menschen mit Fruchtbarkeit gesegnet und es wird ihnen aufgetragen sich zu vermehren und zu verbreiten. Zudem erhalten sie den Herrschaftsauftrag über die Erde. Dieser wird heutzutage folgendermaßen übersetzt: „>> [...] Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz!/ Ich setze euch über die Fische im Meer,/ die Vögel in der Luft/ und alle Tiere, die auf der Erde leben,/ und vertraue sie eurer Fürsorge an <<“ (Gen. 1,28). In der herkömmlichen Übersetzung heißt es: „Macht euch die Erde Untertan!“. Diese Worte führten oftmals zu dem Vorwurf das Schöpfungswerk sei der menschlichen Willkür ausgeliefert. Heute betont man den Aspekt der Fürsorge, da nach dem hebräischen Verständnis Besitz und Verantwortung, Herrschaft und Fürsorge, eng aneinander gekoppelt sind. So galten Könige und Fürsten als „Hirten“ des Volkes. Festhalten sollte man, dass der Mensch nicht durch eigenen Verdienst, sondern durch Gottes Willen, als Verwalter der Welt eingesetzt wurde.

Am siebten Tag ruhte Gott. Er segnete diesen Tag und erklärte ihn für heilig (Gen. 2,2-3). Mit dieser Vorstellung begründete man zur Entstehungszeit der Schöpfungsgeschichte die Sabbatruhe.

Am Ende wird das Schöpfungswerk Gottes noch einmal resümierend betrachtet: „Dies ist die Geschichte der Entstehung von Himmel und Erde;/ so hat Gott sie geschaffen“ (Gen. 2,4a). Er lässt die Welt, nachdem er sie erschaffen hat, sich alleine ohne seinen Einfluss weiterentwickeln. Eine solche Gottesvorstellung bezeichnet man mit dem Terminus „Deismus“.

Die erste Schöpfungsgeschichte ist, wie ein Hymnus, sehr regelmäßig aufgebaut. Die Berichte der einzelnen Tage werden mit den Worten „Dann sprach Gottes [...]“ (z.B. Gen. 1,20) eingeleitet. Dass Gott allein durch das Wort erschaffen kann, demonstriert seine unbegreifliche Macht. Die Beschreibungen der Schöpfungstage enden mit Gottes Betrachtung seiner Werke: „Und Gott sah das alles an: Es war gut“ (z.B. Gen. 1,18).

Der Jahwist ist weniger systematisch aufgebaut als die Priesterschrift, auf welche er direkt folgt. Es wird zu Beginn davon gesprochen, dass Gott Schöpfer des Himmels und der Erde ist, aber die Schaffungsprozesse werden nicht genauer erläutert. Auch hier wird ein Urzustand beschrieben.: „[...] es [gab] zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. [...] Nur aus der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden“ (Gen. 2,5-6). Eine Steppe ohne Gräser wirkt absurd. Als Parallele zur ersten Schöpfungsgeschichte fällt auf, dass in beiden Mythen das Vorhandensein von Wasser herausgestellt wird.

Der Mensch (hebräisch: „adam“) wird aus Staub geschaffen und ihm wird der Lebensatem eingehaucht, sodass aus ihm ein „lebendes Wesen“ (Gen. 2,7) wird. Wörtlich lautet es im Hebräischen statt „Wesen“ „nefesch“. „Nefesch“ wird normalerweise im Deutschen mit „Seele“ übersetzt. Gemeint ist das, was Menschen und Tiere von den Pflanzen unterscheidet. Die Schaffung aus „Staub“ weist auf die Vergänglichkeit des Menschen hin: So heißt es, als der Mensch nach dem Sündenfall zur Sterblichkeit bestimmt ist: „Ja, Staub bist du,/ und zu Staub mußt du wieder werden!“ (Gen. 3,19). Mit der Schaffung aus Staub oder auch Lehm assoziiert man die Vorstellung von Gott als kreativem Künstler (Töpferer).

Nach der Schaffung des Menschen legt Gott den Garten Eden „im Osten“ (Gen. 2,8-9) an. Dieser Garten ist geografisch nicht zu lokalisieren, obwohl die im Folgenden genannten Flüsse keineswegs frei erfunden sind. Der hebräische Begriff für „Eden“ klingt wie das ebenfalls hebräische Wort für „Wonne“. Dies weist darauf hin, dass es um keinen real existenten Ort geht. Gott lässt den Garten bewachsen und bringt den Menschen dorthin. In der Mitte des Gartens befinden sich der „Baum des Lebens“ und der „Baum der Erkenntnis“, die in der Paradiesgeschichte vor zentraler Bedeutung sind. Auch sind dort einige Flüsse vorhanden, deren Erschaffung nicht dezidiert beschrieben wird. Dies sind der Pischon, der Gihon, der Tigris und der Euphrat. Der Verlauf dieser Flüsse wird genauer erwähnt (Gen. 2,10-14).

Dem Menschen wird aufgetragen den Garten zu pflegen und zu verwalten (Gen. 2,15). Ihm wird erlaubt von allen Bäumen des Gartens – mit Ausnahme des „Baums der Erkenntnis“ zu speisen. Auch vom „Baum des Lebens“ darf er kosten und damit ewiges Leben erlangen. Im ursprünglichen Zustand ist der Mensch also unsterblich.

Gott überlegt nun, wie er dem Menschen ein Wesen schaffen kann, „das ihm hilft und das zu ihm paßt" (Gen. 2,18). Er kreiert zu diesem Zwecke Landtiere und Vögel, die der Mensch benennen soll. Gott erkennt, dass diese Wesen keine passenden Gefährten des Menschen sind. Er erschafft daraufhin die Frau aus einer Rippe des Mannes. Der Mann ist erfreut und begeistert eine Gefährtin bekommen zu haben: „>> Endlich! Sie ist’s!/ Eine wie ich! [...]<<“ (Gen. 2,23). Wörtlich lautet es in anderen Übersetzungen statt „Eine wie ich!“ „Gebein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch.“ Im Hebräischen drückt der Mann (hebräisch: „isch“) die Zugehörigkeit in der Namensgebung aus: Er nennt die Frau „ischa“ („vom Mann Genommene“), da sie aus seinem Fleisch entstand.

Mit der Innigkeit von Mann und Frau wird das partnerschaftliche Leben der Menschen erklärt: „Deshalb verläßt ein Mann Vater und Mutter,/ um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele“ (Gen. 2,24). Wörtlich lautet es in anderen Übersetzungen wiederum „sind dann ein Fleisch“. Dies bezeichnet eine leiblich-seelische, untrennbare Einheit. Die Menschen sind nackt, aber sie empfinden trotzdem kein Schamgefühl.

Die zweite Schöpfungsgeschichte geht nahtlos in die Paradiesgeschichte – auch als „Sündenfallgeschichte“ bezeichnet – über, die schildert, warum sich die gegenwärtigen Menschen nicht mehr im Urzustand von Unschuld, Schmerzlosigkeit und Unsterblichkeit befinden.

Auffällig ist, dass das Geschlechterverhältnis in beiden christlichen Schöpfungsmythen sehr unterschiedlich gesehen wird: In der ersten Schöpfungsgeschichte ist von der Erschaffung des Menschen „als Mann und Frau“ (Gen. 1,27) die Rede. Dies deutet darauf hin, dass die Geschlechter als vergleichsweise gleichwertig geschaffen werden. Auch von einer Rollenverteilung im Leben ist keine Rede. Anders ist dies beim Jahwisten: Zunächst wird der „Mensch“ (Gen. 2,7) hervorgebracht. Die Frau ist augenscheinlich nicht impliziert, denn sie wird erst nach dem „Menschen“ erschaffen. Mann und Frau werden nicht aus den selben Ausgangsstoffen geschaffen: Der Mann entsteht aus Staub, die Frau aus seiner Rippe. Es wirkt so, als wäre die Erschaffung der Frau zweitrangig – hinzu kommt, dass ihr kein Lebensatem eingehaucht wird und dass sie erst nach den Tieren geschaffen wird. Später wurde die Schaffung aus den Rippe aufgrund der Nähe von Rippe und Herz im Bezug auf den Aspekt Liebe gedeutet. Die Einheit und die Innigkeit von Mann und Frau werden im Jahwisten besonders betont. Einige Feministinnen mokierten sich über die Schöpfungsreihenfolge mit dem Spruch: „Als Gott den Mann schuf, übte sie nur.“ Sicherlich fühlen sich viele Frauen durch die Rolle der Frau, wie sie im Jahwisten aufzeigt wird, diskriminiert, jedoch sollte man die patriarchalischen Verhältnisse in der Entstehungszeit des Mythos berücksichtigen.

In beiden Schöpfungsgeschichten bleibt offen, woher Gott stammt und ob er selbst das Wasser und die Öde des Urzustandes hervorgebracht hat. Die Schöpfung wird jeweils als einmalig beschrieben und nicht als stetiges Werden und Vergehen des Kosmos verstanden. Schöpfer ist jemals ein aktiver, alleiniger Gott, der sich um das Wohl seiner Schöpfung sorgt.

Die Priesterschrift ist nicht als Korrektur oder Revision des Jahwisten zu sehen. Vielmehr geht es um eine Aktualisierung der Schöpfungsgeschichte, eine Anpassung an Zeiterkenntnisse, d.h. eine punktuelle Änderung, welche den Glauben überzeugender macht. Einen tabellarischen Vergleich der beiden christlichen Schöpfungsgeschichten habe ich hinzugefügt (siehe Anlage 1).

Heutzutage, im 21. Jahrhundert, werden sich viele Leser der Schöpfungsgeschichten fragen, ob diese noch ihre Existenzberechtigung haben, obwohl doch nahezu jede Frage menschlicher Existenz wissenschaftlich durchdrungen scheint. Sind die Schöpfungsmythen lediglich aus der Antike stammende, unzeitgemäße, heute überholte, vorwissenschaftliche Erklärungsversuche für die Entstehung der Welt und die Existenz des Lebens? Oder ist ihr Bedeutungsgehalt zeitlos und damit für uns immer noch zentral?

Ob die Schöpfungsgeschichten in ihrem Bedeutungsgehalt erfasst werden, hängt davon ab, aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet. Dabei gibt es eine theologische und eine rein wissenschaftliche Sichtweise sie zu interpretieren. Derjenige, der versucht diese Mythen mit evolutionsbiologischen und erdgeschichtlichen Theorien überein zu bringen, wird zwar Parallelen – wie die These, dass alles Leben aus dem Wasser stammt – finden, er wird die Erklärungsversuche von Wissenschaft und Religion jedoch kaum als „eine Wahrheit“ verstehen können. Wenn er nicht akzeptiert, dass es zwei nebeneinander stehende Wahrheiten geben kann, wird er beginnen am Glauben und zweifeln und die Schöpfungsgeschichten als heutzutage überholt betrachten. Tatsächlich steckt aber viel mehr hinter den Schöpfungsmythen:

Sie wollen keine wahrheitsgetreuen Erklärungen geben, sondern sie spiegeln das Urbedürfnis des Menschen wider nach sich selbst zu fragen. Die Sinnfrage menschlicher Existenz ist eng mit der Frage nach dem eigenen Ursprung verbunden. Dies trifft nicht nur auf die christlichen Schöpfungsgeschichten, sondern auch auf Schöpfungsvorstellungen anderer Religionen zu. Ein Beispiel dafür ist der ägyptische Schöpfungsmythos mit der Hauptschöpfergottheit Atum (bzw. Osiris). Auch gibt es in der Gegenwart entstandene Schöpfungsmythen, wie die Gaia-Hypothese, nach der die Erde als lebender Organismus betrachtet wird. Dies zeigt, dass die Menschen auch heutzutage Interesse an Antworten auf die Frage nach dem Ursprung alles Seins haben. Zudem zeigen die Mythen stets die Überwindung von Chaos und die Organisation der Umwelt, die zu Orientierung und Sicherheit führt. Dies ist im Zeitalter der Massen- und Konsumgesellschaft, die viele Menschen überfordert und beängstigt, wohl wichtiger denn je.

Eine wichtige Sichtweise auf die Schöpfungsgeschichten besteht darin, sie im Zusammenhang mit ihren Entstehungszeiten zu sehen. Beispielsweise die Durchsetzung des Sabbats als von Gott legitimiert – ja sogar befohlen –, auch für Sklaven, ist im Zeitalter der Sklaverei als revolutionär zu erachten. Die Entthronung und Abschaffung der Naturgottheiten (Sonne und Mond) bedeutete gleichzeitig eine Verminderung der Menschenopfer, die ihnen aus Furcht gebracht wurden sowie die Abnahme der Ausbeutung durch götzendienerische heidnische Priestergesellschaften. Der Schöpfungsglaube der Bibel ist also immer als Gegenglaube zu anderen, damals etablierten, menschenverachtenden Religionen zu sehen.

Die Aufforderung an die Menschen, die Welt fürsorglich zu behandeln, scheint gerade heutzutage – im Zeitalter von Umweltzerstörung, globaler Erwärmung und Schwinden der Ressourcen an fossilen Brennstoffen – sehr wichtig zu sein.

Berücksichtigen sollte man auch, dass der Glaube an die Schöpfungsgeschichten keineswegs mit dem Kreationismus gleichzusetzen ist. Kreationismus akzeptiert die Evolutionstheorie nicht und versucht die Schöpfungsauffassung mit pseudowissenschaftlichen Argumenten zu untermauern. Schöpfungsglaube bedeutet nicht die Schöpfung als absolute und einzige Wahrheit zu sehen. Vielmehr heißt dies zu respektieren, dass Glaube und Wissenschaft nebeneinander praktiziert werden können.

Viele Künstler haben sich mit den Schöpfungsgeschichten befasst. Ich werde nun abschließend mit einem kurzen Ausschnitt aus Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ befassen. Den Textausschnitt auf den sich meine Ausarbeitungen beziehen habe ich als Anlage beigefügt (siehe Anlage 2).

Der Textauszug aus Joseph Haydns 1798 fertig gestelltem Oratorium „Die Schöpfung“ umfasst Gottes Schaffen und die Reaktion Adams und Evas am sechsten Schöpfungstag. Die Sprecher bzw. Sänger des Oratoriums sind die drei Erzengel Gabriel, Raphael und Uriel. Unterbrochen werden sie durch den Chor. Außerdem kommen Adam und Eva zu Wort.

Zunächst wird berichtet, wie Gott den Menschen schuf. Es wird gesagt, dass der Mensch als Gottes „Ebenbild“ (vgl. V.2) geschaffen wurde. Dies betont die Ähnlichkeit von Mensch und Gott und die Zusammengehörigkeit. Die Ebenbildlichkeit besteht – wie im Folgenden deutlich wird – vor allem auf der geistigen Basis: „Und aus dem hellen Blicke strahlt/ Der Geist,/ Des Schöpfers Hauch und Ebenbild“ (V.11-12). „Geist“ könnte in diesem Zusammenhang sowohl die menschliche Seele als auch den herausragenden menschlichen Intellekt bezeichnen.

Belebt wurde der Mensch durch den Lebensatem (V.3), den Gott ihm einhauchte. Der Mensch wird „[als] Mann und Weib“ (V.3) geschaffen. Er ist mit vielen positiven Eigenschaften und Fähigkeiten begabt. So ist er attraktiv, kraftvoll und mutig (vgl. V.6-7). Er wirkt zudem selbstbewusst und erhaben: „Mit Würd’ und Hoheit angetan“ (V.6). Der Mensch neigt dabei aber nicht zur Überheblichkeit, sondern behält seinen Schöpfer, dem er seine Existenz zu verdanken hat, immer im Blick: „Gen Himmel aufgerichtet“ (V.9). Die Natur würde dem Menschen zum Besitz gegeben und anvertraut („König der Natur“ [V.9]). Der Mensch wirkt weise (vgl. V.10), ist erkenntnisfähig und kann tiefgründige, komplizierte Zusammenhänge erkennen: „[...] Verkünd’t der Weisheit tiefen Sinn“ (V.11).

Zwischen den Geschlechtern herrschen Eintracht und Liebe. Sie sind wie für einander gemacht und sollen einander ergänzen. Die Frau erfreut den Mann durch ihre Ausstrahlung und ihr Wesen (vgl. V.14-19). Sie ist glücklich über ihre Position an der Seite des Mannes. Die Frau zeigt ihm gegenüber Zuneigung, sucht seine Nähe und suggeriert Unbeschwertheit: „An seinen Busen schmieget sich,/ Für ihn aus ihm geformt,/ Die Gattin hold anmutsvoll“ (V.14-16). Durch die Anwesenheit seiner liebreizenden Frau kann der Mann Glück empfinden (s. V.18-19). Die Gattin verkörpert die Unschuld: „In froher Unschuld [...]“ (V.17). Sie hat keine Hintergedanken, wenn sie sich ihrem Mann annähert. Die Schuldlosigkeit der Menschen vor dem Sündenfall wird vor allem an ihr deutlich.

Gott sieht seine Schöpfung als gelungen an. Sein Werk bereitet ihm Freude (V.20-23). Dies wird durch den Chor, der außerdem zu Lob auf den Schöpfer auffordert, untermauert (V.24-27). Gabriel und Uriel betonen, dass Gott seine Wesen voller Barmherzigkeit mit Nahrung besorgt und ihnen so eine Lebensgrundlage bietet (V.28-31). Raphael erwähnt die lebensgebende Kraft Gottes, die den Kreislauf des Lebens ausmacht (V.36-39).

Nun fällt der Blick auf die Menschen, die nun „Adam“ und „Eva“ genannt werden und Gottes Güte und seine Schöpfung bewundern: „[...] Die Welt, so groß, so wunderbar,/ Ist deiner Hände Werk“ (V.61-62). Sie bestaunen verschiedene Schöpfungselemente – unter anderem die Sterne (V.65), die Sonne (V.67), die Pflanzen (V.81-84), die unterschiedlichen Tierarten (V.85ff.) sowie die Wälder, Berge und Täler (V.91). Für das Schöpfungswerk sprechen sie Gott ihren Dank aus. Die Dankbarkeit bezeichnet Adam sogar als „die erste Pflicht“ (V.99).

Nachdem die Menschen Gott gedankt haben, wollen sie die Welt entdecken und ergründen. Dies sehen sie anscheinend auch als ihre gottgegebene Pflicht an. Dies ist jedenfalls anzunehmen, da Adam sagt, mit der Dankbarkeit wäre „die erste Pflicht“ erfüllt (vgl. V.99-100).

Mann und Frau wollen lebenslang zusammenbleiben („Gefährtin meines Lebens“ [V.101]) und die ganze Schönheit der Schöpfung Gottes erfahren. Sie wollen zwar die Welt erkunden, sich aber nie vollständig von Gott trennen, sondern die Nähe bewahren. Adam fordert Eva auf Gott „Herz und Sinn [zu weihen]“ (V.109). Er gedenkt sie durch das Leben zu leiten und auch im Glauben zu belehren. Adam übernimmt somit eine Art Leitrolle. Dies bedeutet allerdings nicht, dass er über Eva herrscht, vielmehr fordert er sie auf ihm in die Welt hinaus zu folgen (vgl. V.101-102) und bietet ihr damit seine Fürsorge an.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Gott in seiner, um seine eigenen Rolle als Schöpfer betrachtet wird. Er hat den Menschen selbstlos das Leben geschenkt und ihnen Lebensbedingungen geschaffen, die ihn erfreuen. Auch wenn die Menschen das Paradies verlassen, werden sie Gott nicht vergessen. Die innere Bindung, der Glaube und die Dankbarkeit Gott gegenüber bleiben bestehen. Die Menschen dürfen selbstständig handeln und ihre Fähigkeiten benutzen, bei denen sie sich stets darauf besinnen, dass sie ihre Talente einzig und allein Gott zu verdanken haben.

Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden biblischen Schöpfungsgeschichten und Haydns Oratorium lassen sich feststellen? Ich werde beim Beantworten dieser Frage vor allem auf die Darstellung des Verhältnisses zwischen Mann und Frau eingehen.

Der Beginn des Oratoriums erinnert an die in der Bibel an erster Stelle stehende Schöpfungsgeschichte, denn auch in dieser findet man eine Einteilung des Schöpfungswerkes nach Tagen. Auch hier wird die Erschaffung des Menschen am sechsten Tag angenommen. Aus dieser Schöpfungsgeschichte stammt auch die Vorstellung vom Menschen als Ebenbild Gottes. Auch die Formulierung, dass Gott den Menschen „als Mann und Frau“ schuf, die Geschlechter also gleichzeitig geschaffen werden, entstammt der Priesterschrift. Die Befehle Gottes sich zu mehren und fruchtbar zu sein, werden nicht aufgegriffen.

Dass Gott dem Menschen den Lebensatem einhaucht, wird in der Priesterschrift nicht gesagt. Diese Vorstellung stammt aus der zweiten, der älteren Schöpfungsgeschichte. Im Oratorium findet sich für den Lebensatem das Synonym „Odem“ (z.B. V.90). Die Vorstellung, dass Eva aus Adams Rippe erschaffen wird, greift Haydn allerdings nicht auf. Auch soll die Frau dem Mann mehr sein als nur eine passende Gehilfin, jedoch betont Haydn, die im Jahwisten zum Ausdruck kommende Zweisamkeit. Die Unterordnung der Frau unter den Mann – wie im Anschluss an den Jahwisten in der Paradiesgeschichte erwähnt – kommt am Rande zum Ausdruck. Es ist keine Unterordnung im negativen Sinne, sondern eine Art Leitrolle, die der Mann für die Frau einnehmen will. Ob sie sich dieser entziehen könnte, steht nicht nur Frage, da sie sich sehr gerne von ihm leiten lässt.

In Haydns Oratorium wird geschildert, wie die Menschen freiwillig aus dem Paradies ausziehen um die Welt zu erkunden. Den Sündenfall haben sie aber noch nicht hinter sich. Dies ist eine Abweichung von der biblischen Paradiesgeschichte, in der die Menschen Eden erst, nachdem sie verbotenerweise von den Früchten des Baums der Erkenntnis über Gut und Böse gekostet haben, zwangsweise verlassen müssen.

Die Namen für Mann und Frau „Adam und Eva“ haben ihren Ursprung im Jahwisten. Haydn verbindet also Vorstellungen der ersten und die der zweiten Schöpfungsgeschichte miteinander. Die Dankbarkeit und das Preisen des Schöpfers werden in der Bibel nicht explizit erwähnt, aber die Schöpfungsgeschichten selbst regen dazu an, darüber nachzudenken, dass die Menschen ihre Existenz nur Gott verdanken.

Alles in allem wird die Beziehung von Mann und Frau als harmonisch und sehr auf Gegenseitigkeit und Liebe bedacht dargestellt. Ihre Zweisamkeit ist keine Nutzgemeinschaft, sondern ein selbstloses Geben und Nehmen.









Quelle: - Gute Nachricht für dich, Die Gute Nachricht Bibel mit den Spätschriften des Alten Testaments und Informations-Seiten rund um die Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 1997 - http://opera.stanford.edu/iu/libretti/schoepf.htm, abgerufen am 25.06.2006 - http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pfung, abgerufen am 31.08.2005 - http://www.1000fragen.de/hintergruende/dossiers/media/akm_schoepfungsmythen.pdf, abgerufen am 31.08.2005




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