Emil Kolb - schulnote.de 
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Titel:

Emil Kolb


  Note: 2   Klasse: 11









Arbeit: Hermann Hesse: „Emil Kolb“



Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und einer württembergischen Missionarstochter geboren. Er lebte seit 1919 im Tessin und erlangte 1923 die schweizerische Staatsbürgerschaft. 1946 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Hermann Hesse starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano. Hesse beeinflußte ganze Generationen von Jugendlichen durch seine romantischen Frühwerke und die von indischen Weisheiten geprägten Bücher der folgenden Reifezeit; daneben verfaßte Hesse Lyrik, Essays und Betrachtungen. Seine Bücher, Romane, Erzählungen, Betrachtungen, Gedichte, literatur- und kulturkritischen Schriften sind mittlerweile in einer Auflage von mehr als 60 Millionen Exemplaren in aller Welt verbreitet und haben Hesse zum meistgelesenen europäischen Autor des 20. Jahrhunderts in den USA und in Japan gemacht.



Werke (Auszug)

„Peter Camenzind“, 1904

„Unterm Rad“, 1906

„Demion“, 1919

„Der Steppenwolf“, 1927

„Narziß und Goldmund“, 1930

„Das Glasperlenspiel“, 1943



Inhaltsangabe:



Emil Kolb, der Sohn eines armen Flickschusters, wohnt in Gerbersau. Ihm ist es weder möglich im Walten der Natur und in der Entfaltung menschlicher Schicksale das Unabänderliche zu erkennen, noch anzuerkennen. Von frühester Kindheit an fühlt Emil den Mut in sich, einmal das Schicksal eines bedeutenden Menschen auf sich zu nehmen, das eines Bürgermeisters oder Millionärs, getrieben von den väterlichen Wünschen, Erwartungen und Träumen. Schon früh verachtet Emil diejenigen, welche es vorziehen, sich Idealen zu opfern, anstatt für ihre Dienste Geld zu verlangen. Eine Besondere Hochachtung hat er aber vor der Kunst der Sprache, der Pflege des Ausdrucksvermögens zugunsten geschäftlicher oder rechtlicher Briefe. Diese Vorliebe für den Kanzleistil ist der Grundstein für seine einzige Freundschaft. Franz Remppis, der zwölfjährige Sohn des Kannenwirts, muß in der Schule seinen Aufsatz über das Thema Frühling vorlesen. Nach den ersten Worten wird Emil klar, daß er hier einen ihm Gleichgesinnten gefunden hat. Er spricht Franz seine Bewunderung aus und schließt mit ihm Freundschaft.



Aufgrund der schlechten finanziellen Lage von Emils Familie könnte ein Studium niemals finanziert werden. Doch Vater Kolb, bemüht seinen Sohn einen besonderen Platz im Leben zu verschaffen, gelingt es, diesen als Lehrling im Bankgeschäft der Brüder Dreiß unterzubringen, welches in Gerbersau hoch angesehen ist. Emil Kolb ist der einzige neu eintretende Lehrling. Deshalb muß er fast ausschließlich jene Arbeiten verrichten, die die anderen für niedrig erachten. Er erhält lediglich frei Kost, jedoch keinen Lohn.



Die Trennung von Franz Remppis macht ihm zu schaffen. Doch bald erhält er einen Brief des Freundes, der in Lächstetten eine Lehrlingsausbildung angetreten hat. Emil verfaßt sofort ein Antwortschreiben, kann sich eine Briefmarke aber nicht leisten. Als er etliche Briefe zur Post tragen muß, beklebt er seinen Brief mit einer für einen Geschäftsbrief bestimmten Marke. Zuerst plagt Emil sein schlechtes Gewissen und fürchtet die Entdeckung seines Vergehens.

Doch nichts geschieht und das Kind armer Eltern beneidet seine gleichaltrigen Kameraden, die schon Geld verdienen und sich Dinge, welche Emil als Luxus und somit als unerreichbar erachtet, leisten. Auch stört es ihn keine Mädchen ausführen zu können. Bei aller Torheit ist Emil aber schlau genug, sein erstes Lehrjahr tadelfrei abzudienen, um so im zweiten Jahr die sogenannte Portokasse verwalten zu dürfen. Daher ist er bemüht als besonders eifrig zu erscheinen.



Sein Freund Franz lädt ihn im Sommer zu einem Ausflug ein, der verspricht ein Erfolg zu werden. Emil trifft sich mit Franz, dessen Freunden, und später auch mit einigen Mädchen in Lächstetten. Er verliebt sich in „Fräulein Emma“, ein Mädchen aus sozial niedriger Schicht. Traurig nimmt er Abschied von ihr und empfindet von neuem alle Ernüchterung der Rückkehr zu Arbeit und Entbehrung. Im Laufe des Sommers werden sich die beiden Freunde immer fremder. Franz ist selbst vom Emma fasziniert und versucht seinen Freund auszustechen. Im Herbst wird Emil die langersehnte Portokasse übergeben. Zuerst verwaltet er gewissenhaft die wenigen Taler. Seit Monaten mit dem Gedanken vertraut, aus dieser Quelle zu schöpfen, wagt er es dennoch nicht Geld abzuzweigen.



An einem Montagmorgen im November kündigt ein Ausrufer einer ziehenden Schaustellergruppe die letzte Vorstellung an. Emil kann der Versuchung nicht widerstehen; an diesem Tag schreibt er zum ersten Mal falsche Zahlen in sein Kassabuch und nimmt einige Nickelstücke an sich. Von diesem Moment an hat die Portokasse des Hauses Dreiß ein unsichtbares Loch, durch welches das Geld geradewegs in die Taschen Emil Kolbs fließt, der sich damit schöne Tage macht.



Sein Wohlstand macht einige Leute in Gerbersau stutzig; sie berichten Emils Prinzipal davon. Trotz aller Vorsicht wird Emil, wie jeder Gewohnheitsdieb, zu gierig und unvorsichtig. Herr Dreiß entdeckt seine Diebstähle und entläßt den Lehrling sofort, ohne lang zu überlegen. Emil reißt aus, weil er glaubt die Schande nicht ertragen zu können. Nach einem Tag kehrt er nach Hause zurück, wo sein Vater kein Verständnis für seine Taten aufbringt, sondern alles Elend, Last und Enttäuschung auf den halbwüchsigen Sohn lädt. Die Bemühungen, für Emil einen neuen Arbeitsplatz in Gerbersau zu finden, bleiben erfolglos, denn niemand will einen Dieb aufnehmen. Der einzige Ausweg ist eine Arbeit in der Fabrik anzunehmen, wo er nun mit den vormals so verachteten Fabrikarbeitern zusammen ist. Sein ehemaliger Freund Franz zeigt ihm seine Mißachtung und Abneigung und läßt ihn wissen, daß er in Zukunft mit ihm nicht mehr verkehre, da dies seinem Ansehen schade.



Die Arbeit in der Fabrik ist nicht so schlimm, wie Emil geschildert worden ist. Bald schon sitzt Emil an seinem eigenen Webstuhl. Er gerät in schlechte Gesellschaft, besucht die heiligen Messen nicht mehr und zeigt den Höhergestellten seine Verachtung. Eines Tages trifft Emil Fräulein Emma wieder und wird zu ihrem Liebhaber. Obwohl er nun genug Geld verdient und dieses beliebig ausgeben kann, fehlt ihm die Lust des unrechtmäßigen Besitzes, der Kitzel des schlechten Gewissens. Die Energie des planmäßigen Denkens, welche er zu redlichen Zwecken kaum aufbringt, findet sich in seinen Diebesplänen wieder. Er beschließt im Laden, in welchem Franz Remppis als Lehrling dient, einzubrechen. Fräulein Emma erwartet ein Kind, was Emil ziemlich aus der Fassung bringt. Je näher die Geburt des Kindes rückt, desto fester wird sein Entschluß den Ort, so bald wie möglich zu verlassen. Es erscheint ihm als schlau, seinen Abgang mit dem Einbruch zu verbinden. Emil kündigt. Gegen Abend schleicht er sich ins Magazin des Ladens, welches mit diesem in direkter Verbindung steht. Nachdem alle das Haus verlassen haben, begibt er sich in das Geschäft und bricht die Kassa auf, im Bewußtsein, ein schweres Verbrechen zu verüben. Er nimmt neben dem Geld noch einige Zigarren und Ansichtskarten, aus Ärger über den geringen Wert der Beute. Am nächsten Morgen verläßt er bereits Lächstetten mit der Bahn.

Nach der Entdeckung des Einbruchs herrscht große Aufregung im Hause der Geschädigten. Polizei und Amtsrichter erscheinen, nehmen einigen Leute ins Verhör, müssen aber zugeben, daß jegliche Spur vom Dieb fehlt. Dieser befindet sich im Bodenseeraum in einem Wirtshaus, denkt an seine Emma und beschließt nach dem Genuß etlicher Biere ihr eine der erbeuteten Ansichtskarten zu schreiben. Diese wird in Lächstetten von den Polizeibeamten wiedererkannt und führt letztendlich zur Ergreifung des Diebes; seine Einlieferung in Lächstetten verläuft wie ein Volksfest. Die Einwohnerschaft triumphiert über den 18-jährigen Dieb einer kleinen Ladenkasse.



Stoff



Die bereits 1904 entstandene Erzählung über die Voraussetzungen und den psychologischen Ablauf von Jugendkriminalität ist immer noch aktuell. Die Absicht Hesses war unter anderem wahrscheinlich, alle Eltern und Erzieher von Jugendlichen aufzufordern, junge Menschen, die sich in Schwierigkeiten befinden, Halt zu geben, ihnen eine echte Stütze zu sein und sie nicht aufzugeben. Der Autor weist darauf hin, daß oft kleinere Verbrechen, wie das Stehlen einer Ladenkasse, durch einen labilen Jugendlichen, von manchen Dorfbewohnern als spektakulärer und verwerflicher angesehen wird, als so mancher großer Kriminalfall, den man lieber gar nicht erst wahrhaben will.



Thema



Das Thema dieser Erzählung ist die Jugendkriminalität im beginnenden 20. Jahrhundert, mitsamt deren psychologischen Ursachen und Abläufen.



Motive



Literarisches Hauptmotiv ist die Projektion der väterlichen Wünsche auf den hoffnungsvollen Sohn, der letzten Endes aber scheitert. Der ärmliche Vater sieht als einzigen Ausweg aus seinen bescheidenen Verhältnissen die Karriere des Sohnes, für die er alles zu geben bereit ist und dies auch nach Kräften tut.



Schauplatz & Milieu



Hesses Erzählung spielt in den kleinen deutschen Orten Gerbersau und Lächstetten in der Zeit um die Jahrhundertwende. Das Milieu ist dörflich und durchwegs von konservativen Wertvorstellungen geprägt.



Charaktere & Konstellation



Emil Kolb:

In Emil entsteht schon früh der Wunsch, unerbittlich das zu ernten, was das Glück ihm nach so langer Entbehrung zu schulden scheinen muß. Er fühlt sich ebenso bereits als Kind dazu berufen, später etwas Besonderes zu werden, seinem ehrgeizigen Vater Ehre zu machen. Vom Vater in seine Rolle gedrängt nimmt er sich gleich in den ersten Schuljahren vor, „der Messias seiner armen Familie zu werden“[1]. Emil verachtet diejenigen Menschen, die nach hehren Zielen streben. Das und sein ausgeprägter Egoismus sind auch Gründe, weshalb Emil in seinem Leben nur einen einzigen Freund finden kann. Von diesem wird er aber später enttäuscht. Als ihn dieser im Stich läßt, verliert Emil den Glauben und geht, gleich den Zynikern, vom Schlechten im Menschen aus. Er entwickelt Neid- und Haßgefühle, die sich vor allem gegen sozial Höhergestellte richten. Gleichzeitig ist er sich aber auch der Unmöglichkeit eines gesellschaftlichen Aufstieges, nach den von ihm begangenen Verbrechen bewußt. Während der Schulzeit prägt sich bei Emil eine besondere Hochachtung vor dem sogenannten „feinen“ Kanzleistil aus. Die Briefe an seinen Freund lassen dies deutlich erkennen:

„Lieber, sehr geehrter Freund! In umgehender Beantwortung Deines Geschätzten von gestern sage ich für Deine gütige Einladung besten Dank, und wird es mir eine Freude sein, derselben Folge zu leisten ...“[2]



Typische Charaktermerkmale für Kolb sind seine Geldgier, Gerissenheit, aber auch seine ihm nicht absprechbare Intelligenz. Er ist nicht nur kühn und verwegen, sondern auch geduldig und immer auf seinen Vorteil bedacht. Nach und nach beginnt das Geld, sowie der Akt der unrechtmäßigen Beschaffung, eine immer größere Rolle zu spielen. Emil setzt seinen klaren Verstand ein, um seine Diebstähle exakt zu planen. Seine Intelligenz seht im Gegensatz zum eher primitiv anmutenden Geltungsdrang und der, wenn auch nur selten zu Tage tretenden, Feigheit. Von Emil erhält man das Bild eines Jugendlichen, dem, gerade in einem entscheidenden Augenblick des Lebens, wenig beziehungsweise gar kein Verständnis entgegengebracht wird. Am Beginn seiner Diebeslaufbahn plagt ihn noch das schlechte Gewissen, er steht in einem Konflikt. Emil wird aber zusehends abgebrühter, ein Gewohnheitsdieb, und steuert zielsicher auf sein unrühmliches Ende zu.



Vater Kolb:

Der Vater projiziert seine Träume, all das, was er niemals erreichte, auf seinen Sohn. Er möchte, daß Emil einmal etwas „Besseres“ wird und tut alles nur erdenkliche, um seinem Sohn eine möglichst gute Ausbildung zu ermöglichen. Er selbst schwelgt gerne in Selbstmitleid und in der Vorstellung eines reicheren, schöneren und angenehmeren Lebens, zu dem ihm sein Sohn verhelfen soll. Diese materialistische Weltbild lebt in seinem Sohn weiter und wird diesem letztendlich auch zum Verhängnis. Vater Kolb ist ob des ihm versagt gebliebenen Wohlstandes verbittert. Er bietet dem Sohn in jenem Augenblick, in welchem dieser den väterlichen Beistand wohl am nötigsten hätte, nur Vorwürfe und läßt ihn seine Frustration spüren. Seine Figur steht als die eines schlechten Anthropognosten im Raum.



Franz Remppis:

Franz ist Emils einziger Freund. Die beiden verbindet ihre Vorliebe für jene Sprache, die Geschäftsbriefe beherrscht. Ihre Persönlichkeiten ähneln einander sehr. Einzig der Umstand, daß Franz aus einem etwas besseren Elternhaus kommt, unterscheidet sie. Wäre Emil in der Familie Franz’ aufgewachsen, und umgekehrt, so wage ich zu bezweifeln, ob sich die Erzählung anders entwickelt hätte. Franz, ebenfalls nur auf seinen Vorteil bedacht, bricht schließlich den Kontakt zu Emil ab, da ihm dieser als Fabrikarbeiter nicht mehr gut genug ist.



Erzählform & -perspektive



Hesses Werk ist in der Er-Form geschrieben. Der Autor wahrt somit in jedem Teil der Erzählung eine klare Distanz zu den agierenden Personen. Seine Sprache ist gekennzeichnet durch expressionistische Bilder, sie ist zuweilen schlicht, mitunter kann man sentimentale Züge erkennen. Der Autor verwendet nur vereinzelt Fremdwörter und Metapher. Die in „Emil Kolb“ enthaltenen Briefe verdeutlichen die Sprache der Jahrhundertwende. Hesse beschreibt mit diesen Wesen auch indirekt das Wesen des Emil Kolb und des Franz Remppis. Hesses Erzählweise ist von vielen Parataxen und verschlungenen Satzgefügen geprägt.





Verständnis



Da der Autor beim vorliegenden Werk trotz der teilweise etwas langen Sätze einen durchaus klaren Stil einhält, dürfte der Leser kaum auf Verständnisprobleme stoßen. Auch der vergleichsweise geringe Umfang der Erzählung (gerade 66 Seiten) überfordert wohl die wenigsten. Das Buch besteht zum größten Teil aus Handlung; die psychologischen Aspekte werden niemals getrennt vom Erzählstrang behandelt. Überhaupt verzichtet der Autor auf das allzu deutliche Kundtun seiner Meinung, mit Ausnahme der Kommentare am Beginn und Ende, und Einschätzung der Taten des Emil Kolb. Die Erzählung erscheint dadurch als flüssig und aus einem Guß.



Wirkung & Wertung



Hesse beabsichtigt wohl den Leser zum Nachdenken über den steten Abstieg der Figur des Emil Kolb zu bewegen. Tatsächlich verfehlt das Buch dieses Wirkung auch nicht; bis zu einem gewissen Grad jedenfalls. Obwohl das Thema Jugendkriminalität heute immer noch sehr aktuell ist, wirken manche Stelle von Hesses Opus doch sehr antiquiert und vor allem konstruiert. Auch der geringe Umfang der Erzählung, und somit die Unmöglichkeit das Thema ausführlicher zu behandeln, sorgten wohl dafür, daß „Emil Kolb“ niemand ernsthaft als Meilenstein bezeichnen wird, weder im Werkschaffen des Autors, und schon gar nicht in der deutschsprachigen Literatur. Dennoch besitzt das Werk durchaus seine Berechtigung: Hesse fordert auf, labilen Jugendlichen den Beistand nicht zu versagen und sie nicht aufzugeben. So gesehen kann man die Lektüre von „Emil Kolb“ nicht bereuen, wenngleich sie ebenfalls auch nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen wird.





[1] Zitat S. 8

[2] Zitat S. 22









Quelle:




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Tipp:







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