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Titel:

Flüchtlinge


  Note: 1   Klasse: 10









Arbeit: Bewegung Freies Deutschland

Die im Juni 1941 mit Hitlers Angriff gegen die Sowjetunion eingeleitete Wende der weltpolitischen Situation führte zu einer allgemeinen Intensivierung der exilpolitischen Aktivitäten. Im November 1941 meldete sich die durch Egon Erwin Kisch, Anna Seghers, den österreichischen Journalisten Bruno Frei und zahlreiche andere Neuankömmlinge verstärkte kommunistische Exilgruppe mit der ersten Ausgabe der Zeitschrift Freies Deutschland zu Wort. Die brilliant redigierte politisch-kulturelle Monatszeitschrift erschien bei internationaler Verbreitung in einer Auflage von bis zu 4.000 Exemplaren kontinuierlich bis Mitte 1946, zuletzt unter dem Namen Neues Deutschland. Sie gehört zu den bedeutendsten Periodika des deutschen Exils und nahm während des Krieges eine einzigartige Stellung ein. Abgesehen von Santiago de Chile, wo ab 1943 die konservativ orientierten Deutschen Blätter erschienen, konnte sich sonst nirgends in der westlichen Hemisphäre ein Exilperiodikum vergleichbaren journalistischen Profils etablieren. Zu den Mitarbeitern gehörten neben den Mitgliedern der Herausgebergruppe und einzelnen namhaften Exilanten vor Ort - unter ihnen der Kunstkritiker Paul Westheim - vor allem Vertreter der Exilprominenz in den USA; Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf, Ferdinand Bruckner, Ernst Bloch und andere haben Beiträge nach Mexiko geschickt.
Der Herausgabe der Zeitschrift folgte Anfang 1942 die Gründung der Bewegung Freies Deutschland. Der Bildung des Moskauer Nationalkomitees gleichen Namens ist diese Gründung um anderthalb Jahre vorausgeeilt, aber nicht nur dies markiert den Unterschied zu den Aktivitäten des KPD-Exils in der Sowjetunion. Während dort, eingebunden in staatspolitische Zusammenhänge des kriegführenden Gastlands, zumindest potentiell auf die innerdeutsche Entwicklung Einfluß genommen werden konnte und sich die reale Möglichkeit eröffnete, in den Kriegsgefangenenlagern Bündnisse mit deutschen Militärs zu schließen, war all dies vom entlegenen Mexiko aus nicht möglich. Hier eröffneten sich aber andere exilpolitische Tätigkeitsfelder. Unter den Bedingungen der westlichen Öffentlichkeit konnten mit Aufrufen zur überparteilichen Einheit aller deutschen Hitlergegner Zielgruppen angesprochen werden, die von Moskau aus kaum erreichbar waren: die nichtkommunistische literarische und politische Emigration, die jüdische Massenemigration und die auslandsdeutschen Minderheiten in den westlichen Aufnahmestaaten. Herstellbar waren somit Emigrationsbündnisse als Grundlage eines exilpolitischen Repräsentanzanspruchs für Deutschland.
Unter der Leitung von Paul Merker, dem einzigen Politbüromitglied der KPD im westlichen Kriegsexil, gelang der Freies Deutschland-Bewegung eine Ausdehnung im lateinamerikanischen Raum. Anfang 1943 konstituierte sich in Mexiko mit dem Anspruch, die deutschen Hitlergegner auf dem Subkontinent zu vertreten, das Lateinamerikanische Komitee der Freien Deutschen. Das Amt eines Ehrenpräsidenten wurde mit der symbolträchtigen Figur des Schriftstellers Heinrich Mann besetzt. Der Realität hielt der Anspruch dieses Komitees freilich nicht stand. Hinter der überparteilichen Selbstdarstellung und vehementen Einheitsrhetorik der kommunistischen Exilanten verbargen sich handfeste parteipolitische Führungsinteressen, die gegebenenfalls mit den Methoden stalinistischer Machtpolitik durchgesetzt wurden. Vor Ort wurden mißliebige Mitexilanten wie Heinrich Gutmann oder Gustav Regler kurzerhand als Naziagenten denunziert, und die Bildung des Lateinamerikanischen Komitees erfolgte in einem ebenso langwierigen wie intrigenreichen Abgrenzungskampf mit sozialdemokratischen und linkssozialistischen Emigranten in Südamerika, die sich nicht an der Initiative aus Mexiko, sondern an einem konkurrierenden Zentrum um den früheren SAP-Reichstagsabgeordneten August Siemsen in Buenos Aires orientierten.
Sehr enge Grenzen waren auch den Versuchen gesetzt, die in Lateinamerika fast durchweg nationalistisch orientierten auslandsdeutschen Minderheiten zur Einheit gegen Hitler und zur Unterstützung der Alliierten zu bewegen. Dabei verfügte die kommunistische Exilgruppe hinsichtlich der Mexiko-Deutschen mit einem seit August 1943 zweiwöchentlich herausgegebenen Lokalblatt, der Demokratischen Post, über durchaus günstige Ausgangsbedingungen. Das Periodikum hatte nach dem Verbot der Deutschen Zeitung von Mexiko eine unangefochtene Monopolstellung, die es mit einer für alle deutschsprachigen Leserschichten attraktiven Berichterstattung erfolgreich nutzte. Auch in mexikodeutschen Kreisen wurde die Demokratische Post gelesen, ohne allerdings nennenswerte Umdenkprozesse in Gang setzen zu können. Mit seiner Apostrophierung des Blatts als Demokratische Pest brachte der auslandsdeutsche Volksmund das symbolträchtig zum Ausdruck. Größere Erfolgsaussichten hatten demgegenüber die Bemühungen um die jüdische Emigration. Zwar gelang es nicht, relevante Teile dieser zahlenmäßig bedeutenden Flüchtlingsgruppe zu einem deutschlandpolitischen Engagement zu bewegen, aber immerhin eröffneten die bündnispolitischen Avancen der Kommunisten Perspektiven eines ernsthaften deutsch-jüdischen Dialogs. Im Herbst 1942, lange bevor irgendein deutscher Politiker Vergleichbares in Betracht ziehen sollte, und zu einem Zeitpunkt, als die Alliierten das Schicksal des jüdischen Volkes mit weitgehendem Desinteresse bedachten, stellte der kommunistische Exilpolitiker Paul Merker Reparationsleistungen an das jüdische Volk durch eine künftige deutsche Regierung in Aussicht und erklärte die zionistischen Bestrebungen für eine jüdische Nationalstaatslösung in Palästina für legitim. Merkers Rhetorik stellte klar, daß man zumindest in Mexiko die ersten Nachrichten über die Vernichtungslager im besetzten Polen ernst nahm:
"Wenn alle deutschen Flüsse Tinte und alle deutschen Wälder Federstiele wären, so würden sie nicht ausreichen, um die unzähligen Verbrechen zu beschreiben, die der Hitlerfaschismus gegen die jüdische Bevölkerung begangen hat. [...] Hitlerdeutschland wird dafür in der Geschichte als das Land des im gigantischsten Ausmaße staatlich konzessionierten und konzentrierten feigen Mördertums eingemeißelt bleiben." (Freies Deutschland, Oktober 1942)
Daß Merker sein mexikanisches Exilengagement im spätstalinistischen Ostberlin als 'zionistische Agententätigkeit' ausgelegt wurde und seinem Mitarbeiter Otto Katz im Prager Slansky-Prozeß von 1952 mit gleicher Beschuldigung buchstäblich der Strick daraus gedreht wurde, sei hier nur angemerkt. Die Bewegung Freies Deutschland hat in Mexiko, bei etwa 100 kommunistischen Anhängern, einen Stand von insgesamt 400 Mitgliedern, überwiegend deutsch-jüdischen Emigranten, erreicht - ein durchaus beachtlicher Erfolg, der ohne Zweifel auch auf die behutsame Auseinandersetzung mit der jüdischen Interessenlage zurückzuführen ist. Darüber hinaus spielten aber auch Besonderheiten der mexikanischen Exilsituation eine Rolle. Bei den Behörden des konservativen Cárdenas-Nachfolgers Manuel Avila Camacho (1940-1946) genoß die kommunistisch geleitete Exilorganisation einen Status offiziöser Anerkennung, der den Mitgliedern mancherlei Vorteile brachte und nur auf den ersten Blick paradox ist. Mexikos Kriegseintritt im Mai 1942 war schon aus Gründen kriegswirtschaftlicher Zusammenhänge ein Weg an die Seite der Vereinigten Staaten; nach den Jahren der Autarkiebestrebungen unter dem populistischen Cárdenas-Regime war dieser Weg aber nicht unumstritten, und so bestand zwischen kommunistischen Exilanten, die aus Gründen bündnispolitisch-taktischer Orientierung großes Gewicht auf die Akklamation und Unterstützung der westlichen Verbündeten Stalins legten, und der offiziellen Politik des Landes durchaus eine Parallelität der Interessen.









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