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Titel:

Günther Wallraff Der Aufmacher


  Note: 1   Klasse: 10









Arbeit: Günther Wallraff: Der Aufmacher - Der Mann der bei "BILD" Hans Esser war


1. Überblicksinformationen

Im Buch „Der Aufmacher – Der Mann der bei ‚BILD’ Hans Esser war“, das 1977 beim Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln erschienen ist, beschreibt der Autor Günther Wallraff seine Erfahrungen als Hans Esser bei der BILD Zeitung. Unter diesem Decknamen hat sich der für solche Aktionen bekannte linksgerichtete Wallraff bei der Lokalredaktion Hannover des bekannten und weitverbreiteten Boulevardblatts aus dem Springerverlag eingeschlichen. Er verfolgte das Ziel, die als unseriös geltenden Recherche- und Aufmachungsmethoden genauer zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.


2. Biografie Wallraffs

Günter Wallraff wurde am 1. Oktober 1942 in Burscheid bei Köln geboren.
Sein Vater arbeitete bei Ford/Köln, seine Mutter stammte aus bürgerlichen Verhältnissen, ihre Eltern besaßen ein Klaviergeschäft. Nach dem Besuch des Gymnasiums bis zur Mittleren Reife machte er eine Buchhändlerlehre und wurde Buchhändler. Noch in den 50er Jahren begann er zu schreiben - zunächst kurze Gedichte.

Wichtige Daten:

1966 "Wir brauchen Dich. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben". (Bericht über Arbeit in verschiedenen westdeutschen Großbetrieben)
1966 Mitarbeiter bei der "Hamburger Morgenpost" und der satirischen Zeitschrift "Pardon".
1971 ZDF-Fernsehfilm Günter Wallraffs Titel "Flucht vor den Heimen" .
1972 "Neue Reportagen, Untersuchungen und Lehrbeispiele" (Recherchen über den Wahrheitsgehalt einer "BILD" -Story)
1973 "Ihr da oben - wir da unten" (Arbeitsteilung mit Engelmann, schon vorher Kenner der "Oberen Zehntausend", nahm sich "die da oben" vor und berichtete über deren Lebensgewohnheiten, Wallraff schlüpfte wieder in verschiedene Rollen als "der da unten")
1974 ZDF-Fernsehfilm "Ermittlungen gegen Unbekannt"
1974 Wallraff kettete sich am 10.5. auf dem Athener Syntagmaplatz an und verteilte Flugblätter gegen das griechische Militärregime (er wird verhaftet und gefoltert, dann aber freigelassen)
1975 Wallraff publiziert seine Erfahrungen unter dem Titel "Unser Faschismus nebenan. Griechenland gestern - ein Lehrstück für morgen"
1977 "Der Aufmacher. Der Mann, der bei BILD Hans Esser war"
1977 Kinofilm über BILD "Informationen aus dem Hinterland" ( erst im WDR geplant, Springer legt aber erfolgreich Einspruch ein)
1979 "Zeugen der Anklage. Die BILDbeschreibung wird fortgesetzt" (Opfer von BILD kommen zu Wort, ehemalige Mitarbeiter als Zeugen berichten)
1981 "BILD-Handbuch. Das BILD-Handbuch bis zum BILDausfall". (weitere Dokumente, Analysen, Selbsterfahrungsberichte und Beispiele Betroffener die erfolgreich gegen Springer klagten)
1984 "Mein Lesebuch" (Buch über seine journalistischen, literarischen und politischen Vorbilder)
1985 "Günter Wallraffs BILDerbuch" (Auswahl von BILD-Schlagzeilen aus gesammelten BILD-Zeitungen von 15 Jahren)
1985 "Ganz unten" (Film und Buch, Erfahrungen als Türkischer Gastarbeiter)

Preise und Auszeichnungen:

1968 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für "Industriereportagen"
1979 Gerrit-Engelke-Literaturpreis der Stadt Hannover
1983 Monismanienpreis / Göteborgs Nation und Universität
1984 Carl von Ossietzky-Medaille
1985 Literaturpreis der Menschenrechte (Frankreich) zusammen mit James Baldwin
1987 British Academy Award / of Film and Television Art
1987 Französicher Medienpreis Prix Jean d'Arcy für den Film "Ganz unten"


3. Inhalt

Der Inhalt gliedert sich in 29 Kapitel, eine Vorbemerkung und zwei Kommentare bzw. Nachbemerkungen anderer Autoren.
Im Vorwort geht der Autor auf die Anschuldigungen des Springerverlages ein und verdeutlicht einige Sachverhalte, die zu Missverständnissen führen könnten. Die Kommentatoren beschäftigen sich mit der unmittelbaren Zeit nach dem Ausscheiden Hans Essers aus der BILD Redaktion Hannover und den für sie ersichtlichen Folgen.
In der Vorbemerkung des Buches beschreibt Wallraff außerdem, wie er auf die Idee kam, sich als Hans Esser in die BILD-Zeitung einzuschleichen. Er schildert wie er anfing, sich auf die Rolle vorzubereiten. Damit beginnt auch das eigentliche Buch, Wallraff geht ins Detail und beschreibt seine persönlichen Gefühle und Ängste im Bezug auf seine neue Rolle. Mit Hilfe eines Freundes und ehemaligen BILDmitarbeiters gelingt es ihm tatsächlich, den Redaktionsleiter dazu zu bringen, ihn einzustellen. Als Argumente für seine Tauglichkeit als BILD-Journalist gibt er den angeblichen ehemaligen Beruf als Texter in einer Werbeagentur und die Zeit als Soldat bei der psychologischen Kriegsführung der Bundeswehr an. Auch sein Äußeres passt er dem Klischeebild eines erfolgs- und karrierebewussten Journalisten an, höhensonnengebräunt, in Anzug und Krawatte, mit Siegelring und Herrenparfüm erkennt er sich selbst kaum wieder.
Dies passiert im auch im weiteren Teil des Buches öfters, besonders seine Verhaltensweise und sein Auftreten gegenüber Mitmenschen passt sich für ihn erschreckend schnell den BILD Bedürfnissen an.
Über viele konkrete Beispiele und Situationen zeigt er die typische Karriere eines freiberuflichen Schreibers für das Boulevard-Springerblatt auf. Er bekommt mit, wie Geschichten und Nachrichten bewusst gefälscht, zensiert und umgeschrieben werden, er erfährt am eigenen Leib, wie es ist, Menschen in Notsituationen durch bewusste Manipulation und Erpressung eine möglichst spektakuläre Geschichte oder ein privates Foto abzupressen. Er wird selbst zum Mittäter und Mitschuldigen, versucht aber wo immer es geht seine Macht als BILD-Journalist zu nutzen, um Positives für Menschen zu erreichen bzw. Politiker und Geschäftsleute in Schlüsselpositionen dazu zu bringen, Entscheidungen nach seiner politischen Richtung zu lenken. Unter den vielen Beispielen, die Wallraff anführt, ist das Kapitel „BILD schafft Lehrstellen“ besonders anschaulich. Aufgrund des Lehrstellenmangels beschließt der Redaktionsleiter eine Telefonaktion durchzuführen, um Unternehmen dazu zu bewegen, Lehrstellen für Schüler bereitzustellen. Allerdings wird den Verantwortlichen der Betriebe am Telefon klar gemacht, dass es schließlich eine kostenlose und gute Werbung sei, in der BILD als ausbildender Betrieb erwähnt zu werden. Das führt dazu, dass schon besetzte Stellen kurzfristig wieder freigemacht werden, um als möglicher Ausbildungsbetrieb in der BILD zu erscheinen. Oft werden auch Aushilfsjobs, Weiterbildungsangebote oder aus anderen Gründen für Schüler ungeeignete Stellen in Lehrstellen umgeschrieben.
Die als großer Erfolg verkaufte Aktion führt zu viel Frustration und Enttäuschung unter den Schulabgängern und veranlasst Gewerkschaften, Arbeitsämter und Berufsverbände, scharfen Prostest gegen solche Pseudo-Lehrstellenbeschaffungsmaßnahmen einzulegen. Doch BILD kann sich der Unterstützung der Landes- und Kommunalregierung sicher sein, diese lenkt mit sehr positiven und dankbaren Kommentaren von der eigenen Untätigkeit ab.
Dies ist nur eines der extremen Beispiele, wie BILD versucht, die Auflage zu steigern, indem eine öffentlichkeitswirksame Aktion gestartet wird, die aber im Endeffekt niemandem etwas bringt, außer den konservativen Machthabern der damaligen Zeit und BILD selbst natürlich.
Egal ob im großen Stil gefälschte Berichte oder nur kleine zurechtgeschusterte Lückenfüller, Wallraff berichtet ausführlich über zahlreiche Fälle, die systematisch auf BILDzeitungs-Niveau getrimmt wurden. Er geht auch auf die Reaktionen der Betroffenen bzw. die Einflussnahmeversuche größerer Firmen und prominenter Persönlichkeiten im Voraus ein. Auch veranschaulicht er die schlechte Situation der BILDschreiber selbst und stellt sie nicht nur als Täter sondern auch als Opfer einer brutalen Lohnpolitik und des Konkurrenzdrucks dar. Die seltenen Gewissensbisse einzelner Kollegen erörtert er ausführlich. Die Tatsache, dass der Autor diese ungeheuren Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen der BILD-Zeitung bloßstellt, wird durch den Eindruck, dass seine Motive nicht ausschließlich journalistisch, sondern auch politisch begründet waren, leider beeinträchtigt. Aber der damalige Klassenkampf machte es einem Autor auch fast unmöglich, völlig unbeeinflusst zu schreiben.


4. Hintergrund

Deutschlands einflussreichste Zeitung lügt, fälscht und hetzt - das ist das Ergebnis der Recherchen des bekannten Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff.
Das Prinzip der BILD-Zeitung bzw. der Boulevard-Zeitung schlechthin ist denkbar einfach und wird von Wallraff gekonnt aufgezeigt: innerhalb einer strengen Hierarchie müssen schlecht bezahlte Redakteure vor Superlativen strotzende Geschichten abliefern, die nur dann politisch sein dürfen, wenn diejenigen, die BILD unterstützen, es wollen. Soziale Missstände passen nicht ins Bild und werden spätestens auf dem Schreibtisch des Redaktionsleiters abgelehnt; was nicht sensationell genug ist, wird verfälscht oder "aktualisiert," auch Sachverhalte, die sich vor Jahren ereigneten, sind in BILD immer brandaktuell.

Dass bei dieser täglichen „Volksverdummung“ Menschen in den Tod gehetzt werden, wird bedenkenlos hingenommen. Wallraff berichtet von einem Selbstmörder, der noch nicht den Schneid für den letzten Schritt hat. Der Redakteur versucht am Telefon, doch noch seine Geschichte zu bekommen: "Sie reden doch nur so, Sie trauen sich das ja doch nicht richtig." Ein weiterer Dialog: "Da haben sich zwei Kinder mit Kleinkalibergewehren beschossen." -- "Dufte, prima. Tot?!" -- "Nee, nur schwer verletzt." Redaktionsalltag.

Wallraff erfuhr auch, wie BILD sich im Wahlkampf engagiert, verbal auf die sogenannten Linken einprügelt und den Populisten zur Macht verhilft. Da wird positive Publicity gegen ständige Verfügbarkeit für Interviews und gewisse Gefälligkeiten getauscht, wird ganz nebenbei ein konservativ-reaktionäres Weltbild der arbeitenden Bevölkerung vermittelt, ohne jedoch die Klassenunterschiede allzu deutlich aufzuzeigen.

Ist all dies vergeben und vergessen, gibt es das heute nicht mehr? Schauspieler, die von BILD in den Selbstmord getrieben wurden, jugendliche Kriminelle, die wochenlang als Stereotyp für den ausländischen Straftäter hinhalten müssen, anhaltende hysterische Berichterstattung über Kindesmissbrauch, religiöse "Wertevermittlung" im aufklärerischen Gewand, angesichts dieser heutigen Realität von BILD und der weitestgehend gleich funktionierenden Konkurrenz möchte man es bezweifeln. Und gerade in letzter Zeit häuften sich wieder Fälle der bewussten Fälschung (z.B. das manipulierte Foto, das den Umweltminister Trittin angeblich mit Schlagstock und Bolzenschneider zeigt). Doch Wallraffs Bücher haben sicherlich zur Verbesserung der Zustände beigetragen und vielleicht den ein oder anderen Leser dazu veranlasst, die Artikel zukünftig etwas kritischer zu hinterfragen.


5. Anmerkungen zu Sprache und Form

Die Sprachebene ist größtenteils sachlich, dokumentarisch. Nur an Stellen, bei denen der Autor besonders persönliche Erlebnisse oder Ereignisse, die ihn emotional stark berühren, schildert, wird der Ton persönlicher und es fließen umgangssprachliche Ausdrücke ein („Plötzlich rast ein Amokläufer durch den Raum und schüttet dir den Papierkorb über den Schreibtisch, freut sich wie ein Irrer, wenn du unter dem Müll deine Sachen wieder raussuchen musst.“ S.88, Abs.3, Z.6).
Sehr oft wird aus Aussagen von Kollegen, Lesern und allgemeinen Gesprächen zitiert und dabei, um die Authentizität zu erhalten, der Originaltext wiedergegeben („Wie kann man nur so’n Zeug daherreden, bei der stimmt’s ja hinten und vorne nicht.“ S.48, Abs.2, Z.6).
Fachausdrücke bzw. Fremdwörter werden nur stellenweise verwendet, dann aber meist sogar in einem Wortspiel, um Situationen und Personen bildlicher zu beschreiben („die stockreaktionäre“ S.117 Abs. 1 Z. 1 oder „Bluff- und Verhörtechnik“ S. 66, Abs.3, Z.1).
Natürlich ist der Schreibstil und die Ausdrucksweise Wallraffs oft von seinen persönlichen politischen Erfahrungen und Vorstellungen geprägt, aber bei wichtigen Sachverhalten versucht er trotzdem, neutral und objektiv zu bleiben. Sehr oft kommen Parenthesen vor, um Hauptsätze zu kommentieren oder Hintergrundinformationen einzuschieben („[...] was es denn - da es nun mal keine Kinder in diesen hohen Etagen gibt - sonst hier oben Besonderes gebe.“ S. 41. Abs. 2, Z.11).
Die Form ist nicht einheitlich, sondern oft durch Dickdruck oder Kursivschreibweise unterbrochen.
Besondere Elemente, wie Auszüge aus der BILD oder Fotos, werden zur Verdeutlichung des Inhalts bzw. als Beweise und Beispiele oft eingeschoben.
Als Besonderheit fallen die für eine Dokumentation ungewöhnlich vielen Tippfehler, Wiederholungen und die schon angesprochene nicht einheitliche Form auf, diese Fehler lassen sich durch den enormen Zeitdruck, der auf dem Autor, dem Lektor und dem Verlag lastete, erklären.
Aufgrund des „gefährlichen“ Inhalts versuchte der Springerkonzert schon im Vorfeld und nach Erscheinen der ersten Auflage, das Buch zu verbieten bzw. den Autor rechtlich zu belangen.
Deshalb sind einige Stellen in den neueren Auflagen auch geändert, in den wichtigsten Grundaussagen behielt der Autor jedoch Recht, die Gerichte stellten die Meinungs- und Pressefreiheit über die wirtschaftlichen Interessen des Medienimperiums.








Quelle: keine Angaben




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