Gedankenspaziergang auf dem Friedhof - schulnote.de 
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Titel:

Gedankenspaziergang auf dem Friedhof


  Note: 1   Klasse: 9









Arbeit: Essay
Thema: Tod

Wenn ich mir die Gräber betrachte, sehe ich vor meinem inneren Auge viele Menschen ohne Gesicht oder richtige Gestalt, eigentlich sind all diese gefallenen Soldaten nur schemenhafte Schatten der Vergangenheit.
Der Tod von ihnen erscheint viel zu sinnlos und grausam, als das es die Realität sein könnte und der Sonnenschein, der auf die Kreuze fällt, wirkt einfach nur falsch. Ich lese all diese Namen, die ich schon mal irgendwo gehört hab und frag mich, ob dieser Gefallene wirklich zu der Familie gehört, an die ich grade denken muss.
Wieder zwitschern Vögel irgendwo auf dem Friedhof. Dadurch wird es erneut unrealistisch für mich, wieso dürfen Vögel an so einem Ort Fröhlichkeit verbreiten wollen?

Diese Soldaten sind im Krieg gefallen und wahrscheinlich weiß kaum ein Angehöriger, wo sein Sohn, Bruder, Vater, Mann, Onkel, Cousin, Neffe oder einfach sein vor dem Krieg bester Freund begraben wurde. Vielleicht hat niemals jemand richtig an ihrem Grabe um sie getrauert. Stattdessen lebten sie in ständiger Ungewissheit, was jetzt mit ihren Geliebten geschehen ist. Und gerade diese Ungewissheit über den Tod eines Menschen, den man in sein Herz geschlossen hat, würde jeden verrückt machen. Denn sicher wurden die Todesumstände auch nie richtig aufgeklärt. Jeder erzählte oder schrieb der Mutter des gefallenen Soldaten Wewer sicher eine andere Variante, wie es zu diesem Ereignis gekommen ist.
Die einen wollten ihr den Tod ihres Sohnes leichter machen und beschrieben sicherlich, dass es schnell ging und die anderen weniger gefühlvollen berichteten wie lange er sich quälen musste. Doch was soll sie nun glauben? Natürlich würde sie sich gerne an ersteres klammern, doch es ist wahrscheinlicher, dass er leiden musste.
Ihr könnten nun Fragen in den Sinn kommen wie: „Warum hab ich ihn gehen lassen? Hatte er es gut in den letzten Tagen vor seinem Tod?“, und dergleichen. Alles ziemlich nervenaufreibend, um den Verstand bringend.

Am liebsten möchte ich schreien. Schreien wie sinnlos diese Menschen hier sterben mussten. Schreien, damit diese Welt endlich begreift, dass Krieg nichts anderes als Tod bringt und es nur Verlierer geben kann.

Hier gibt es noch so viele andere Gräber, jedes mit seiner eigenen Lebensgeschichte, mit seinem persönlichen Grabstein. Hier auf dem Teil, der den Soldaten gehört, unterscheiden sie sich nur durch die Daten, die darauf zu finden sind.
Jeder denkt irgendwann mal, dass niemand um ihn trauern würde, wenn er stirbt, doch ich habe selbst durch eine sehr gute Freundin mitbekommen, dass es immer jemanden gibt, der um dich weinen und trauern wird. Genau für diese Menschen lohnt es sich zu leben. Doch diese Soldaten hatten nicht die Wahl. Sie wurden in einem total überflüssigen, Jahre andauernden Blutbad erschossen, erstochen, umgebracht- ein ziemlich ungerechter Tod für jeden von ihnen.

Hier gibt es so viele Namen und einer von ihnen ist nur wie ein Tropfen, der in einen riesigen Ozean fällt. Ihn danach noch wieder zu finden ist eigentlich unmöglich.
Viele haben Angst vor dem Tod und immer noch ist er aus meiner Sicht so etwas wie ein Tabuthema. Sicher ist es deprimierend und traurig darüber zu sprechen, doch gehört der Tod nicht mit zum Leben dazu? Eigentlich ist er doch nur ein weiterer Lebensabschnitt.
Geburt, Kindergarten, Schuleinführung, Konfirmation, Abi, Studium, Berufsleben, Rentenalter, Tod. Je nachdem fallen Lebensabschnitte weg oder kommen hinzu, aber Geburt und Tod bleiben immer. Bei Kriegsgefallenen lag jedoch das eine viel zu oft zu nah an dem anderen.
Trotzdem möchte ich keine Angst vor dem Tod haben, ihn auch nicht herbeiwünschen, doch versuchen ihn zu akzeptieren, was sicher am schwersten wird, wenn jemand stirbt, der mir viel bedeutet.

„Weine nicht weil ich gestorben bin, sondern lache weil ich gelebt habe.“ Ich finde das Zitat gut, denn eigentlich will ich nicht, dass wegen mir jemand weint oder trauert.
Einige Leute bleiben für zu lange Zeit in dieser Phase stecken und bemerken gar nicht wie ihr eigenes Leben immer mehr vergeht. Dies könnte auch bei den Verwandten und Freunden der Soldaten der Fall gewesen sein, wenn alles über den Verbleib ihres in den Krieg gezogenen Menschen ungewiss war. Dann haben sie sich vielleicht ganz in der Trauer verloren und sind selbst innerlich mit ihm gestorben.

Allerdings passiert dies nicht nur bei den Kriegshinterbliebenen, sondern auch wenn jemand in unserer heutigen Zeit stirbt und jemand anders einfach nicht mehr ohne ihn kann.
Was ist nun schlimmer, der Tod eines Soldaten oder der innerliche Tod?
Wahrscheinlich ist beides gar nicht richtig miteinander vergleichbar, aber beides steht doch irgendwie mit dem Ende des bisherigen Lebens in Verbindung.









Quelle: Keine, außer meinem Kopf.




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Gedankenspaziergang auf dem Friedhof



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