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Titel:

Gedichtinterpretation


  Note: 2+   Klasse: 13









Arbeit: Aufgabe:
Analysieren und interpretieren Sie das Gedicht „Nachtcafé“ von Gottfried Benn und ordnen Sie es in die Epoche ein.

Das Gedicht „Nachtcafé“ von Gottfried Benn wurde 1912 in der Zeit des ausklingenden Symbolismus und dem beginnenden Expressionismus geschrieben.
Das Gedicht orientiert sich am Expressionismus, welcher von 1905 – 1925 „datiert“ ist. Der Expressionismus war ein revolutionärer Neuanfang, der zu erst in der Malerei zu erkennen war. Es ist eine vielseitige und uneinheitliche Stilform. Der Expressionismus vollzog einen radikalen Umbruch mit den traditionellen ästhetischen Darstellungsweisen. Häufig behandelte Themen waren: Tod, Krieg und negative Aspekte des Menschen. Merkmale dieser Epoche sind z.B. Aufbrechen grammatischer Strukturen, Neologismen, expressive Farbsymbolik sowohl in der Literatur als auch in der Kunst.
Gottfried Benn’s „Nachtcafé“ handelt von Menschen und ihren Beziehungen zueinander. Alles spielt in einem „Nachtcafé“, wie die Überschrift es vermuten lässt. Das Gedicht hat keine regelmäßige Form. Es besteht aus insgesamt 24 Zeilen, welche auf acht Strophen verteilt sind.
Die letzte Strophe besteht nur aus einer Zeile. Es ist außer einer Ausnahme in Zeile 21/22, kein Reimschema zu erkennen und auch sonst kein Reim innerhalb der Zeilen oder am Zeilenende zu finden.
Für die Beschreibung der Äußerlichkeiten und der Stimmung der Charaktere, verwendete der Dichter viele Adjektive (z.B. „Grüne Zähne“ Z.5; „Junger Kropf“ Z.10; „Kanaanitisch braun“ Z.20). Nur selten bezeichnet er sie mit ihrem Geschlecht. Eher verwendet er beschreibende Adjektive als Subjekt („Bartflechte“, „Doppelkinn“ Z.12/13) oder wie in der ersten Strophe Instrumente. Dadurch entstehen viele Metonymien.
Aufgrund dieser deutlichen Ausdrucksweise erkennt der Leser, um welche Personen, Gruppen und Beziehungen es sich handelt.
Zum Beispiel erkennt der Leser durch die Verwendung von Musikinstrumenten in der ersten Strophe die Einheitlichkeit der Gruppe. In der zweiten Strophe erfahren wir von einem Teenager, welcher ähnlich wie der junge Herr in Strophe vier, eine Verabredung hat. Die sechste und die letzte Strophe beschäftigen sich mit dem lyrischen Ich und seinen Gefühlen. Das lyrische Ich tritt aus der Position des Beobachters, welche er bis dahin eingenommen hatte.
Der Zuschauer erfährt, dass auch das lyrische Ich unter den Besuchern des „Nachtcafé“ ist. Er selbst wird in das Geschehen plötzlich miteinbezogen, als eine vermeintlich exotische („Kanaanitisch braun“) und offenbar zurückhaltende und unangetastete („Keusch“ Z.21) Frau das Café betritt.
Doch das schöne „Weib“ stellt sich Sekunden später als optische Täuschung heraus (Z.22/23) und „eine Fettleibigkeit“ das Lokal betritt (Z.24).
Es ist anzunehmen, dass die Zeilen 19 bis 21 das Wunschbild der Traumfrau des lyrischen Ich wiederspiegeln. Vermutlich ist er einsam und hofft seiner Traumfrau in dem „Nachtcafé“ zu begegnen.
Sprachlich betrachtet erkennt man die typischen Merkmale des Expressionismus wieder.
Alle acht Strophen sind unterschiedlich lang und unterschiedlich aufgebaut. Neben den bereits erwähnten Personifikationen und Adjektiven verwendete Gottfried Benn viele stilistische Mittel in seinem Gedicht.
Gleich in der ersten Strophe haben wir drei Mal einen ähnlichen Satzanfang, den bestimmten Artikel (Z.1 „Der“, Z.2/3 „Das“, Z.4 „Die“). In der dritten Strophe gibt es eine Aufzählung.
Außerdem haben wir mehrere Zeilensprünge (z.B. Z.2-3, Z.5-6, Z.7-8, Z.16-17, Z.22-23), was dazu führt, dass das Gedicht trotz seiner teilweise abgehackten Form fließende Übergänge hat. Die Zusammengehörigkeit bestimmter Zeilen wird unterstrichen.
Die Satzbauweise und die grammatische Struktur verdeutlichen noch einmal die Orientierung aus der expressionistischen Epoche.
Der parataktische Satzbau und die häufige Verwendung verkürzter Sätze ist besonders auffällig. Öfter hat der vermeintliche Satz kein Verb (Z 1, Z.3). Öfter steht nur ein Wort alleine (Z.18, 21). Manchmal sind es auch zwei (Z.18, 20, 21).
Aus dieser unruhigen Satzbauweise resultiert eine gewisse Unruhe, die sich auf die Stimmung im „Nachtcafé“ und auf die innere Gemütslage des lyrischen Ich projizieren lässt. Ein weiteres stilistisches Mittel ist der Widerspruch in Zeile 21.
Das Gedicht ist trotz seiner vielseitigen Ausdrucksweise und der ungewöhnlichen Form gut zu verstehen. Jede Strophe scheint für sich eine Erzählung von kleinen Geschichten zu sein. Es lässt sich gut lesen und nach mehrmaligen Durchlaufen auch verständlich deuten.









Quelle:




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