Gerhard Hauptmann Bahnwärter Thiel - schulnote.de 
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Titel:

Gerhard Hauptmann Bahnwärter Thiel


  Note: sehr gut   Klasse: 7









Arbeit: Gerhart Hauptmann
Bahnwärter Thiel







Die novellistische Studie „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann, entstand 1887 und erzählt das Leben eines einfachen Bahnwärters, das aus den Fugen gerät. Herrschten am Anfang des Werkes, indem die Außenwelt die Innenwelt der Hauptfigur wiederspiegelt, noch geordnete Zustände vor, so lässt Gerhart Hauptmann seine Figur Thiel im Verlauf der Handlung Schritt für Schritt tiefer ins Chaos stürzen.
Der Autor verbindet in seinem Werk naturalistische, impressionistische, symbolistische, sowie auch expressionistische Elemente, es ist also nicht falsch hier von einem Stilpluralismus zu sprechen. Wie schon erwähnt wurde die Innenwelt Thiels vor allem durch die Natur und seine Umwelt dargestellt. Zum Zeichnen seiner psychischen Situation verwendet Hauptmann eine Vielzahl von Symbolmetaphern und –bildern, die während des Lesens dieser Studie sofort auffallen.

Eine Studie ist Hauptmanns Werk vor allem deshalb, weil die Geschichte direkt an einem konkreten Menschen, dem Bahnwärter geschildert wird und die verschiedenen psychologischen Schichten dieses Mannes auffächert und analysiert. Die Psychoanalyse Freuds beeinflusste also auch den Autor dieses Werkes nicht unwesentlich.
Im Vordergrund der Novelle stehen jedoch naturalistische Elemente; dies betrifft vor allem die Wahl des Stoffes und des Milieus.

Wir finden uns in einem kleinen Dorf gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder, in dem jeder jeden kennt und ländliche Strukturen vorherrschend sind. Das Arbeiter- und Bauernmilieu, das von einer, so wird es zumindest in Hauptmanns Novelle gezeichnet, unglaublichen Ereignislosigkeit heimgesucht wird, wird später besonders durch die aufkommende Technisierung, die ja meist mit Optimismus, da Abschaffung der Langeweile, begrüßt wurde, geprägt. Trotzdem lässt Hauptmann eine Bedrohung von Maschinen ausgehen, die er vor allem durch gespenstisch wirkende „Monsterzüge“ metaphorisch darstellt.

Interessant ist besonders auch die Zeitgestaltung: Wird zuerst ein kurzer biographischer Überblick über Thiel in nur wenigen Sätzen geschildert, so werden die folgenden Handlungsschritte in immer kürzeren Intervallen und immer genauer beschrieben. Es kommt zu einer Zuspitzung in der Zeitgestaltung und durch geschickte Spannungselemente lässt Hauptmann seinen Bahnwärter dem dramatischen Ende immer näher kommen. Die eigentliche Handlung des Werkes spielt sich in einem Zeitraum von nur wenigen Tagen ab, in denen der Autor über das Innenleben der Titelfigur bis ins kleinste Detail berichtet. Als Tobias dann stirbt, steht das gesamte Werk eigentlich still, als ob Thiels Herz zu schlagen aufgehört hätte. Als er dann in die Irrenanstalt eingeliefert wird beginnt die Geschichte ganz langsam wieder anzulaufen und ist doch nur wenige Sätze später beendet.

Doch wie kommt das Drama in diesem Werk überhaupt zu Stande; hat Hauptmann bewusst einen eher labilen Menschen gewählt?
Bahnwärter Thiel ist eine für seine Zeit typische Figur, die auf Ordnung, Friedlichkeit und Ruhe bedacht ist. Seine Umgebung, eine begrenzte Welt, die bis zu den Bahngleisen reicht und dort scheinbar endet, spiegelt auch seinen Charakter wieder. Er ist ein etwas primitiver Mensch mit begrenztem Denken und Aktionen. Sein Lebensrhythmus ist anfangs geordnet, sowie es auch die beschriebenen Landschafts- und Wettererscheinungen in Hauptmanns Novelle sind: Gute Laune – Sonnenschein. Die Hauptfigur legt seine Uniform immer nach einer streng geordneten Reihenfolge an und es scheint ihm unmöglich jemals etwas vergessen zu können, da seine Aktionen in seiner beschränkten Welt auch bis ins kleinste Detail geplant sind. Weiters ist er ein sehr frommer Mensch, der „allsonntäglich“ in die Kirche geht und bedacht ist seinen kleinen Sohn Tobias zu pflegen und zu beschützen. Da ihm sein Beruf dabei hinderlich ist, verheiratet er sich nach dem Tod seiner ersten Frau Minna, die bei der Geburt von Tobias verstorben ist, mit einer sehr dominanten Frau, Lene. Er gerät dabei in einen Zwiespalt zwischen seinen beiden Gattinnen - seinem Innen- und Außenleben. Thiels Gedanken gehören nur den Erinnerungen an seine zarte und gebrechliche Minna, die er wahrhaftig geliebt hat. Seine Insel in einem Meer von Trostlosigkeit, reell dargestellt durch den Wald um sein Wärterhäuschen, bietet ihm Schutz vor seinem Äußeren, das sexuell von seiner zweiten Frau abhängig ist, die scheinbare Verursacherin seines Seelenleides. Thiel ist ihr fast schon unterwürfig, was auch sein für uns merkwürdig erscheinendes Verhalten in der Szene, wo Lene den kleinen Tobias schlägt, erklärt. Er greift nicht ein, weil er feig ist und zu Hause nichts mitzureden hat. Natürlich muss man aber auch die gesellschaftlichen Normen und Wertvorstellungen der damaligen Zeit berücksichtigen, in der das Schlagen der eigenen Kinder eine Alltäglichkeit war und von der Nachbarn weder missachtet noch besonders gutgeheißen wurde. Angemerkt sei jedoch trotzdem, dass Tobias sich nichts zu Schulden kommen hat lassen und die aggressiven Reaktionen Lenes wohl eher auf Eifersucht zurückzuführen sind, da Thiel seinen Sohn präferiert, den Nachkomme Minnas.
Seine Unterwürfigkeit und Machtlosigkeit kann ebenfalls nicht verhindern, dass seine Frau seinen schlimmsten Albtraum wahrmacht und in sein Allerheiligstes eindringt, das Wärterhäuschen, in welchem er seine Zeit seiner einzigen Geliebten gewidmet hat.

Thiel war ja zeitlebens ein gutmütiger und gewissenhafter Mensch, dessen Leben immer einer geregelten Bahn folgte. Wie konnte er also zum Doppelmörder werden?
Wie schon gesagt, befand sich Thiel nach der Hochzeit mit seiner zweiten Frau in einem Zwiespalt, der an ihm zerrte und dem er seines labilen Charakters wegen nicht standzuhalten vermochte. Seine auswegslose Situation und sein Elend wird ihm erst in der stürmischen Gewitternacht klar, in der Hauptmann Thiels Innerstes besonders stark und treffend durch Naturbeschreibungen zum Ausdruck bringt. Er schildert ein völlig verzerrtes Bild der Wirklichkeit, bedrohend und erdrückend zugleich. Wie ein Sog wirken die Bilder auf den Leser und sie saugen auch Thiel ein und führen dabei zum vom Leser schon lang ersehntem Einsehen seiner tristen aktuellen Situation. Dies führt aber trotzdem nicht zu einem etwaig gewünschten Ordnen der Verhältnisse, zum Beispiel der Trennung von Lene, sondern macht Thiel noch depressiver, weil er sich selbst die Schuld an seinem Elend gibt. Die Bedrohung Lene, die in seinem ekstatischen Zustand ebenso vorkommt wie Minna (Motiv des Zwiespaltes), wird durch den herannahenden, gespenstisch wirkenden Zug dargestellt, der Thiel plötzlich unheimlich ängstigt.

Der Durchbruch all dieser Gefühle, deren er sich in jener Nacht bewusst wurde, bewirkt letztendlich, dass aus einem friedliebenden Menschen ein grausamer Doppelmörder wird. Er war sich seiner Tat sicher nicht bewusst, da sich die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, sowie auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart in der stürmischen Gewitternacht vollends aufgelöst haben.

Aber will uns der Autor damit eigentlich auch etwas aussagen?
Wenn eine bewusste Absicht von diesem Text ausgeht, so hält Hauptmann sie eher im Hintergrund. Er schildert mit erzählerischer Objektivität und vermeidet Anklagen, Kritik, Rechtfertigungen und sonstige subjektive Einmischungen. Das Werk wird durchgehend von einem auktorialen Erzähler geschildert, der über den Dingen steht und Symbolparallelen zwischen dem Innenleben Thiels und dem Wetter- und Naturgeschehen zieht.
Vielleicht will Hauptmann anhand dem Objekt Thiel in dieser Studie uns Menschen einfach vor Augen halten, wie schwach wir sind und durch bestimmte Faktoren beeinflusst werden können: Ein geordnetes Leben endet in totalem Durcheinander.

Obwohl mich in „Bahnwärter Thiel“ vor allem die brillante Verwendung von sprachlichen Stilmitteln beeindruckt hat, so bleibt auch der Inhalt am Leser haften. Auch wir befinden uns oft im Zwiespalt und ziehen uns in eine kleine einfache Welt zurück, die wir verstehen. Diese Welt hat dann jedoch oft nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun und es benötigt einer Person oder einem Schlüsselmoment um wieder aufzuwachen und sich wieder an der reellen Welt zu beteiligen. Bei Thiel war dies Lene, als sie in sein Innerstes eindrang und ihn brutal aus seiner Welt herausriss. Er hat diesen Schmerz nicht verkraften können. Solche dramatischen Ereignisse spielen sich schon seit Menschengedenken ab und doch entfremden sich Personen immer wieder ihrem eigenen Ich und ihrer Umwelt.









Quelle:




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