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Titel:

Geschichte Chinas


  Note: 2   Klasse: 11









Arbeit: 1 Geschichte

Um 1700 v. Chr. - um 1122 v. Chr.: In Mittelchina herrscht die Shang-Dynastie. Sie ist die älteste, historisch nachweisbare Dynastie in China. 28 Könige sind durch archäologische Funde nachgewiesen.

1122 v. Chr. - 249 v. Chr.: Zur Zeit der Zhou-Dynastie erlebt China eine große kulturelle Blüte. Um 500 wird Laozi (Laotse) geboren, Konfutse (Konfuzius) lebt von 551 bis 479 v. Chr. Der Staat ist als feudales Staatswesen mit Lehnsherren organisiert, deren Macht die des zentralen Königtums bald übertrifft.

221 v. Chr. - 202 v. Chr.: Quin Shi Huangdi einigt China. Zum Schutz vor den Nomadenvölkern des Nordens wird die Große Mauer gebaut. Nach Quins Tod (210) wird das Reich durch Unruhen erschüttert.

202 v. Chr. - 220 n. Chr.: Liu Bang stellt die Reichseinheit wieder her und begründet die Han-Dynastie. Zunächst expandiert das chinesische Reich, unter Wudi (141-87 v. Chr.) erreicht es nach Eroberungszügen seine größte Ausdehnung. Aufstandsbewegungen von Landarbeitern führen schließlich zu großen Machtverlusten der Zentralgewalt, Heerführer übernehmen die Macht und teilen den Staat auf.

220 - 589: Drei Reiche etablieren sich: Im Nordreich Wei wird Luoyang zur Hauptstadt, im Südwesten wird Yizhou (heute Chengdu) zur Hauptstadt des Shu-Reiches und im Südosten Jinaye (Moling bei Nanjing) zur Residenz des Wu-Reiches. Auseinandersetzungen zwischen den Gebieten bestimmen die folgenden Jahrhunderte, Einigungsversuche sind nur kurzfristig erfolgreich.

589 - 960: Die nur kurz herrschende Sui-Dynastie einigt das Reich erneut. Sie wird von der Tang-Dynastie abgelöst, die eine starke zentral Gewalt ausbildet. Im 8. Jh. beginnt durch die Erstarkung lokaler Machthaber sowie Grenzkonflikten der Machtverfall des Staates. In kurzer Folge etablieren sich ab 907 fünf verschiedene Dynastien.

960 - 1280: Die Sung-Dynastie beherrscht das Land. Die wirtschaftliche Blüte wird durch den Mongoleneinfall jäh beendet.

1280 - 1368: Die von Khubilai begründete Yuan-Dynastie regiert das >>Reich der Mitte<<. Es tritt in Handelsaustausch mit anderen Ländern, durch Marco Polo (*1254,U 1324), der in den Diensten Khubilais steht, auch mit Europa. China ist Teil des mongolischen Weltreiches. Die mongolische Unterdrückungspolitik führt zu lokalen Volksaufständen, die sich ausweiten und den letzten Mongolenherrscher Toghan Temür (chin.: Shundi) 1368 zwangen, sich aus China zurückzuziehen.

1368 - 1644: Die Ming-Dynastie, begründet von dem Bettelmönch Zhu Yuanzhang (*1328,

U 1398), löst die Mongolen ab. 1517 landen portugiesische Seeleute in Guangzhou (Kanton). Ihnen folgen Spanier, Holländer und Briten. Unter der Ming-Dynastie wird die zerfallene >>Große Mauer<< wieder aufgebaut.[1]


1.1 Die Qing-Dynastie



1644: Der Manju-Herrscher Fulin (1643 - 61) erobert Beijing. Der letzte Ming-Herrscher Zhu Youjian begeht Selbstmord. Nach kurzen Zwischenregierungen verschiedener Volksgruppen erobern die Manju die Macht und gründen die Qing-Dynastie. Obwohl die Manju alle wichtigen Verwaltungsposten übernehmen, den Chinesen 1645 per Edikt Kleidung und Haartracht vorschreiben sowie die Mischehen zwischen Chinesen und Manjuren verbieten, verlieren sie in den folgenden Jahrhunderten weitgehend ihre kulturelle Identität und werden sinisiert. Unter dem Qing-Kaiser Kangxi (1661-1722) beginnt eine kulturelle und wissenschaftliche Blütezeit, die sich im weiteren Ausbau des Kaiserkanals sowie der Pflege und Förderung von Wissenschaft, Kunst und Geschichtsschreibung äußert.

1683: Die Manju erobern Taiwan.

18.Jh.: China erreicht seine größte territoriale Ausdehnung. Burma (1788) und Annam (1789) werden tributpflichtig. Gleichzeitig wird das Reich durch Unruhen erschüttert. Bauern lehnen sich gegen Großgrundbesitzer auf, in den südwestlichen Provinzen beginnen Aufstände gegen die Zentralgewalt.

1793 - 1803: Die Handelsbeziehungen zu Europa (England) werden stärker ausgebaut.

Ab 1816: Um ein Handelsdefizit der indischen Kolonien gegenüber China zu vermeiden, verstärkt England den Export indischen Opiums nach China. Das führt zu einer massiven Verschlechterung der chinesischen Außenhandelsbilanz sowie zu verstärkter Opiumsucht in der Bevölkerung.[2]



1.2 Der Opiumkrieg und seine Folgen



Vor dem Opiumkrieg war der Handel mit den westlichen Mächten, unter denen sich England im 18. Jahrhundert zur führenden Macht im Chinahandel entwickelt hatte, auf Kanton konzentriert. Unter dem bis 1834 bestehenden Monopol der Ostindischen Kompanie war es zu einem regen Dreieckshandel zwischen England, Indien und China gekommen. Auf chinesischer Seite waren für den gesamten Handel mit dem Europäern offiziell beauftragte Kaufleute zuständig, die Cohong-Kaufleute. Als wichtigste Güter wurden Tee und Seide ausgeführt, während die Engländer nach China Baumwolle und in zunehmendem Maße Opium aus Indien eingeführt. Der Opiumkrieg entzündete sich an der Einfuhr von Opium, dessen Verkauf und Verbrauch in China seit 1729 durch kaiserliches Edikt verboten war. Die chinesische Regierung war nicht nur wegen der demoralisierenden Wirkung des Opiums, sondern auch wegen der nachteiligen Folgen für die chinesische Volkswirtschaft über den wegen steigenden Opiumhandel beunruhigt, denn der größte Teil des eingeführten Opiums mußte in Silber bezahlt werden, so daß es zu einem starken Abfluß des ohnehin knappen Silbers kam. Sie war daher entschlossen, den Opiumhandel mit allen Mitteln zu unterdrücken. Nachdem der mit der Lösung der Opiumfrage beauftragte kaiserliche Kommissar mehrere Schiffsladungen britischen Opiums hatte beschlagnahmen und vernichten lassen, reagierten die Engländer mit Krieg (1839/40).

Er wurde 1842 mit dem Friedensvertrag von Nanjing beendet, dem ersten der sog. “ungleichen Verträge”. China mußte Hongkong abtreten, das Monopol der Cohong-Kaufleute aufheben und fünf chinesische Häfen dem Außenhandel öffnen: Kanton, Amoy, Fuzhou, Ningbo und Shanghai.[3]





Damit nahm das die chinesische Souveränität beschneidende Vertragshafensystem

seinen Anfang; es beinhaltete das uneingeschränkte Niederlassungs- und Handelsrecht der Ausländer und sicherte den fremden Mächten alle mit der Exterritorialität verbundenen Rechte (Einrichtung von Konsulaten, Konsulargerichtsbarkeit usw.). Bis ins 20. Jahrhundert hinein verlangten die Ausländer die Öffnung immer weiterer Vertragshäfen, deren Zahl schließlich auf über einhundert anstieg. Die exterritorialen Rechte wurden immer weiter ausgebaut: unbeschränkte Binnenschiffahrt und Missionstätigkeit, westlich verwalteter Zoll- und Postdienst, Stationierung ausländischer Truppen, Erwerb von Grund und Boden, Befreiung von chinesischen Steuern. Überdies enthielten alle ungleichen Verträge die Meistbegünstigungsklausel, d. h., jede Nation konnte bei Verträgen mit China die gleichen Privilegien beanspruchen, die zuvor anderen Nationen gewährt worden waren.

1856 fanden die Engländer und Franzosen einen casus belli, um eine Erweiterung des Nanjinger Vertrages zu erreichen. Sie verlangten vom chinesischen Kaiser die diplomatische Anerkennung, d.h. die Errichtung von Botschaften in Beijing auf der Grundlage diplomatischer Gleichheit. Dies war eine für die Chinesen unannehmbare Forderung, denn da der Himmelssohn nach traditioneller Vorstellung als Mittler zwischen Himmel und Erde die höchste Stellung innehatte, konnte es keine gleichberechtigte Anerkennung eines anderen staatlichen Repräsentanten geben. Überdies mußte das mit der diplomatischen Anerkennung verbundene Recht ausländischer Botschafter, ständig in der chinesischen Hauptstadt zu residieren, das Ende der chinesischen Überlegenheit in der Welt dokumentieren. 1858 erreichten Engländer und Franzosen in den Tianjiner Verträgen unter Kriegsandrohung die diplomatische Anerkennung, die sich auch die Amerikaner und Russen sogleich sicherten. Nachdem die Engländer und Franzosen vergeblich versucht hatten, sich Zugang nach Beijing zu verschaffen, kam es 1860 erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Chinesen mußten die Verträge von 1858 bestätigen und den Ausländern weitere Privilegien zugestehen, u. a. die Öffnung von elf Häfen und die Ausweitung der Missionstätigkeit im Inneren des Landes.

Die Präsenz der Ausländer machte sich aber vor allem in den Vertragshäfen bemerkbar, wo die fremden Mächte ab 1860 das Recht zur Einrichtung von Konzessionen (an ausländischen Regierungen verpachtete geschlossene Wohngebiete, in denen Chinesen kein Wohnrecht besaßen) und Niederlassungen (Gebiete, in denen Ausländer Grund und Boden erwerben konnten und Chinesen das Wohnrecht gestattet war) zugestanden bekamen. Hier genossen die Ausländer eine absolut privilegierte Stellung und entwickelten einen eigenen Gesetzen unterworfenen Lebensstil, am typischsten ausgeprägt wohl in Shanghai, wo es eine Internationale Niederlassung und eine französische Konzession gab. Shanghai wurde zum größten und wichtigsten Außenhandelsplatz, zur modernsten und “westlichsten” Stadt und zum Kapitalmarkt Chinas. Die Vertragshäfen entwickelten sich zu modernen Wirtschaftszentren, in denen moderne Technik und Industrie ihren Einzug hielten, was zur Herausbildung des bis heute nicht überwundenen dualen Charakters der chinesischen Wirtschaft führte mit einem modernen Wirtschaftssektor in den Küstenstädten des Ostens auf der einen und einem unterentwickelten, traditionellen Wirtschaftssektor im chinesischen Binnenland auf der anderen Seite.[4]

Nach dem beiden Opiumkriegen war das einstmals große China, die größte Macht ganz Asiens, auf den Status eines verarmten, halbkolonialen Landes herabgesunken.[5]





Die ausländischen Mächte hatten gar kein Interesse an einem Sturz der Qing-Regierung, die sich zunehmend bereitwilliger den Forderungen der ausländischen Mächte beugte, schließlich mit Hilfe ausländischer Truppen sogar Aufstände im eigenen Lande niederschlug.

An den Rand des Zusammenbruchs wurde das Reich von den Taiping-Rebellen gedrängt. Unter der Last der erhöhten Steuern, die für die Entschädigungszahlungen an die ausländischen Mächte verwendet wurden, schlossen sich nicht nur Bauern, sondern auch Handwerker und Kaufleute in Geheimgesellschaften zusammen. Der allgemeine Aufruhr kulminierte schließlich in der das ganze Land erfassenden Taiping-Rebellion, deren Führer ein aus bäuerlichen Verhältnissen stammender Dorfschullehrer, Hong Xiuquan, aus der Provinz Guangdong war. Neben den Lehren der verschiedenen Geheimgesellschaften hatte ihn vor allem das von den Missionaren gepredigte Christentum beeindruckt. Im Namen Jesu Christi forderte er soziale Gerechtigkeit und Gleichheit aller Menschen. In nur wenigen Jahren wuchsen seine Streitkräfte von 10 000 Mann auf über 1 Million. Binnen drei Jahren hatten sie den halben Süden erobert und waren von der Provinz Guangxi bis nach Nanjing vorgedrungen, wo sie eine Regierung etablierten. Möglicherweise war es ein entscheidender Fehler, daß sie versäumten, auch die Hauptstadt Beijing einzunehmen. So hatte der Hof Zeit, Truppen zu mobilisieren, die gemeinsam mit den Truppen ausländischer Mächte die Rebellion niederschlugen.[6]

Aus Protest gegen die zahlreichen Konzessionen und Gebietsabtretungen an die europäischen Mächte ermorden im Jahre 1900, Mitglieder eines christen- und fremdenfeindlichen Geheimbundes den deutschen Gesandten in China, Klemens Freiherr von Ketteler, und lösen damit den Boxeraufstand aus. Er wird von den europäischen Mächten gemeinsam mit Amerikanern und Japanern niedergeschlagen.



1.3 Der Weg zur Republik



Am 10.10.1911 beginnt die Revolution in Wuhan gegen das Kaisertum. In vielen Provinzen kommt es zu Unruhen. Die Revolutionäre bilden unter Sun Yixian (Sun Yat-Sen, *1866, U 1925), dem Gründer der Guomindang (Nationalchinesische Volkspartei, GMD) und Führer der Opposition (seit 1905), in Nanjing eine eigene Regierung.

China wird am 01.01.1912 zur Republik. Die Qing-Dynastie dankt ab, Tibet und die Äußere Mongolei fallen von China ab. General Yuan Shikai wird Präsident Chinas. Im Juli 1913 läßt General Yuan Shikai die GMD verbieten. Sun Yixian flieht nach Japan. Yuan Shikai proklamiert sich im Dezember 1915 selbst zum Kaiser. 1916 wird er ermordet. Nach seinem Tod verliert die Zentralregierung in Beijing immer mehr Macht. In den Provinzen herrschen verschiedene Militärmachthaber, die sogenannten “warlords”.

In Shanghai gründen am 01. Juli 1921 13 Delegierte die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). In Guangzhou (Kanton) baut der Führer der Guomindang, Sun Yixian, mit Hilfe der Sowjetunion und der Kommunistischen Internationale ein revolutionäres Regierungssystem auf. Die KPCh unterstützt die GMD. Diese gründet eine eigene Armee, die von Jiang Jieshi (Chiang Kai-shek, *1887, U 1976) geleitet wird.[7]



1.4 China unter Chiang Kai-shek



12.03.1925: Der Führer der Guomindang, Sun Yixian, stirbt. Die GMD spaltet sich in einen linken und einen rechten Flügel. Chiang Kai-shek wird der wichtigste Führer des rechten Flügels.

1927: Die GMD bricht ihr Bündnis mit der KPCh, Tausende von Kommunisten werden ermordet. Die Kommunisten gehen in den Untergrund, in der Provinz Hunan sammeln Mao Zedong (Mao Tse-tung, *1893, U 1976), Zhu De (*1885, U 1976) und Zhou Enlai die Reste der kommunistischen Verbände.

Februar 1928: Chiang Kai-shek bildet in Nanjing eine neue Nationalregierung. Er selbst wird Vorsitzender des Zentralen Exekutivkomitees. Im Juni erobern Chiang Kai-sheks Truppen Beijing.

07.11.1931: Die KPCh, die sich in einem Guerillakrieg gegen die von der Bevölkerung nicht unterstützte Regierung der Guomindang befindet, gründet in der Provinz Jiangxi die >>Chinesische Sowjetrepublik<< mit der Hauptstadt Ruijin.

1934: Nachdem Chiang Kai-shek die Autorität seiner Regierung gegen die oppositionellen >>warlords<< gesichert hat, zerschlägt er die >>Chinesische Sowjetrepublik<< der KPCh.



1.5 Der >>Lange Marsch<<



27.10.1934: Der >>Lange Marsch<< der Roten Armee beginnt. Nach 12 000 km erreichen die Kommunisten, verfolgt von den Truppen Chiang Kai-shek, die Stadt Yan’an in der Provinz Shaanxi. Während des >>Langen Marsches<< wird Mao Zedong zum Führer der KPCh gewählt.

Dezember 1936: Chiang Kai-shek, der zum Vernichtungsfeldzug gegen die Kommunisten rüstet, wird in Xi’an von den eigenen GMD-Truppen verhaftet. Sie treten für eine Intensivierung des Widerstands gegen Japan ein, das begonnen hat, seinen Einfluß in Nordchina auszudehnen.

1937-45: Im zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg erobern die Japaner trotz der Zweckgemeinschaft von Roter Armee und Guomindang Beijing, Shanghai und Nanjing, die gesamte Küste sowie große Teile des östlichen China. Die Einheitsfront von Guomindang und KPCh zerbricht, nachdem die Alliierten 1945 die Japaner besiegt haben.

1945-47: Versuche, zu einer gemeinsamen Regierung von Guomindang und KPCh zu gelangen, scheitern. 1947 beginnt erneut der Bürgerkrieg.



1.6 China unter Mao Zedong



1947-50: Im Bürgerkrieg erobern die Kommunisten, von der Bevölkerung unterstützt, das gesamte Land. Im September 1949 wird Mao Zedong zum Ersten Vorsitzenden der Zentralen Volksregierung und damit zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Er ruft am 01.10.1949 die Volksrepublik China aus. Ministerpräsident wird Zhou Enlai. Chiang Kai-shek flüchtet mit seinen Anhängern nach Taiwan und bildet dort einen eigenen Staat. Ende 1950 besetzen chinesische Truppen das seit 1912 souveräne Tibet.

21.09.1954: Mao Zedong wird zum Staatspräsidenten gewählt. Beim Staatsbesuch des sowjetischen Parteichefs Nikita Chruschtschow (30.9.-12.10.) kommt es zu Zerwürfnissen.[8]







1958-60: Die Politik des >>Großen Sprungs nach vorn<< wird beschlossen. Ziel ist es, durch die Schaffung von >>Volkskommunen<< (Produktionskollektive) die Entwicklung des Landes zu beschleunigen. Nach dem Scheitern dieser Politik tritt Mao am 27.04.1959 zurück. Staatspräsident wird Liu Shaoqi (*1899, U 1969).

März 1959: Der blutig unterdrückte Aufstand in Tibet, der mit der Flucht des 14. Dalai-Lama (*1935) nach Indien endet, verschärft die innenpolitischen Schwierigkeiten der VR China.



1.7 Kulturrevolution



Ende 1965: Nach politischen Streitigkeiten um die weitere Zukunft Chinas zwischen der gemäßigten Staatsführung um Staatspräsident Liu Shaoqi (*1898, U1969) und KP-Generalsekretär Deng Xiaoping (*1904) löst Mao Zedong, unterstützt von seiner Frau Jiang Qing (*1914) und Lin Biao (*1907, U1971), die “Kulturrevolution” aus. An den Hochschulen bilden Studenten “Rote Garden”, die auf Wandzeitungen die Zerstörung der alten Ordnung fordern. 1966 wird von den Roten Garden die Parteizentrale in Beijing eingenommen, Liu Shaoqi und Deng Xiaoping werden entmachtet. In der darauffolgenden Terror- und Säuberungswelle zerschlagen die Roten Garden den Partei- und Staatsapparat. Als der Bürgerkrieg droht, greift unter Maos Führung die Armee ein.

1.-24. 4. 1969: Auf dem 9. Parteitag der KPCh wird das Ende der “Kulturrevolution” verkündet. Die Kulturrevolution wird nachträglich legalisiert. Am 28. 4. Wählt das Plenum des Zentralkomitees Mao erneut zum Parteivorsitzenden. Die pragmatische, gemäßigte Linie unter der Führung Zhou Enlais gewinnt in den Folgejahren wieder stärkeren Einfluß.



1.8 Annäherung an den Westen



25. 10. 1971: Die VR China wird als Vertretung Chinas in die Vereinigten Nationen (UNO) aufgenommen. Die taiwanesischen Vertreter verlassen die Weltorganisation.

8. 1. 1976: Ministerpräsident Zhou Enlai stirbt. Einen Nachfolger Deng Xiaoping, Vertreter eines gemäßigten und wirtschaftspolitisch pragmatischen Kurses, verhindert die Gruppe um Maos Frau Jiang Quing (die spätere “Viererbande”).



1.9 China unter Deng Xiaoping



9. 9. 1976: Mao Zedong stirbt. Die pragmatisch-gemäßigte Linie setzt sich in den Folgejahren durch. Deng Xiaoping wird 1977 rehabilitiert, die “Viererbande” 1980/81 zum Tode verurteilt (Urteile 1983 in lebenslange Haft abgewandelt).

17. 2. 1979: Die Grenzkonflikte zwischen China und Vietnam finden ihren Höhepunkt in einem

militärischen Angriff Chinas.

7. 9. 1980: Zhao Ziyang (*1980), ein Vertrauter Deng Xiaopings, wird nach Hua Guofengs Rücktritt Regierungschef.

1. 7. 1981: Hua Guofeng gibt auch die Parteileitung ab. Mit Hua Yaobang (*1913, U 1989) rückt ein weiterer Vertrauter Dengs in die Führungsgremien auf.

28. 4. 1982: Die neue Verfassung Chinas wird veröffentlicht. Mit den Änderungen leitet die Parteiführung Reformen zur Modernisierung des Landes ein. Ziel ist die Liberalisierung von Politik und Wirtschaft, allerdings auch mit restriktiven Mitteln: 1983 führt die Partei eine Kampagne gegen die Liberalisierung durch, 1984 folgt eine Säuberungsaktion gegen Ultralinke. 1984 wird ein Handelsvertrag mit der UdSSR geschlossen, im gleichen Jahr besucht US-Präsident Ronald Reagan China.

19. 12. 1984: Die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der chinesische Ministerpräsident Zhao Ziyang unterzeichnen einen Vertrag, der 1997 die Rückgabe Hongkongs an China vorsieht.

16. 1. 1985: An der chinesisch-vietnamesischen Grenze finden heftige Kämpfe statt.

16. 1. 1987: Nach wochenlangen großen Demonstrationen von Studenten, die mehr Demokratie und Reformen fordern, tritt Parteichef Hua Yaobang zurück. Ministerpräsident Zhao Ziyang wird Generalsekretär.

25. 10.-1. 11. 1987: Auf dem 13. Parteitag der KPCh scheidet Deng Xiaoping aus dem Politbüro und dem Zentralkomitee aus, bleibt jedoch Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Zhao Ziyang wird Parteichef.

24. 11. 1987: Li Peng (*1928) wird zum Ministerpräsidenten gewählt. Er ist Nachfolger des zurückgetretenen Zhao Ziyang.

14. 5. 1989: Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow (*1931), besucht die VR China. Seit 30 Jahren ist dieser Besuch der erste offizielle Kontakt chinesischer und sowjetischer Spitzenpolitiker. Gorbatschow schlägt die Entmilitarisierung der sowjetisch-chinesischen Grenze vor und kündigt Truppenreduzierungen an.



1.10 Die Demokratiebewegung wird zerschlagen



Die studentischen Massenproteste, die im April 1989 begannen, kulminieren in einer Demonstration von über 1 Mio. Teilnehmern auf dem Tiananmen-Platz. Die Demonstranten fordern das Ausscheiden Dengs aus der Politik. Der ständige Ausschuß des Politbüros beschließt mit 3 zu 2 Stimmen die Verhängung des Kriegsrechts, das am 20. 5. verkündet wird. Die Armee rückt auf Beijing vor. Die 27. Armee aus dem Wehrbezirk Nord marschiert am 3. 6. 1989 in Beijing ein. Die Soldaten schießen sich den Weg zum Tiananmen-Platz frei und richten in der Nacht zum 4. 6. unter den friedlichen Demonstranten ein Blutbad an. Beobachter sprechen von 3000 Toten und 10000 Verletzten.[9]





2 Klima



Die riesige Ausdehnung Chinas und die großen Unterschiede in den Oberflächenformen bewirken enorm vielfältige klimatische Verhältnisse. Alle vier Klimazonen kommen in China vor: die tropische, die subtropische, die gemäßigte und die kalte, wobei allerdings der größte Teil des Landes der gemäßigten Zone zugerechnet werden kann. Die Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd sind im Winter beträchtlich. Dann liegt der Norden noch unter einer Schneedecke, während im Süden bereits die Frühjahrspflanzung beginnt. Im Sommer sind die Temperaturen zumindest in Ostchina, im monsunalen Teil des Landes, fast überall gleich. Die Juli-Durchschnittstemperatur in Kanton beträgt beispielsweise 29,0 Grad, in Wuhan 29,7 Grad, in Shanghai 26,8 Grad und in Beijing 26,0 Grad. Der Luftmassentransport aus südlichen und südöstlichen Richtungen sorgt - bedingt durch die Erwärmung des Kontinents - für hohe Temperaturen bis weit in den Norden. In den höher gelegenen Teilen des Tibet-Qinghai-Plateaus herrscht ein Dauerfrostklima, und auch in den Gebirgszügen des Nordostens kann es wegen der kurzen Sommer zu Dauerfrostböden kommen.[10]





Grundsätzlich läßt sich China in vier Klimaregionen einteilen, die jeweils ein Viertel der Landesfläche einnehmen: die immer kalten Hochländer von Tibet und Qinghai im Südwesten, die kalten Steppen und Wüsten des Nordwestens, den kalten und gemäßigten Nordosten und die subtropischen sowie tropischen Gebiete im Süden.

Die Niederschlagsmengen nehmen schrittweise vom Nordwesten bis zum Monsungebiet des Südostens zu. In Ürümqi erreicht die jährliche Niederschlagsmenge nur 282 Millimeter mit maximalen Regenperioden im Frühjahr und im Herbst. In Beijing fallen jährlich 632 Millimeter Regen, wovon der größte Teil (80%) in den Monaten Juni bis August niedergeht. 824 Millimeter beträgt die Jahresdurchschnittsmenge in Chengdu, 1221 Millimeter in Wuhan, während sie in Kanton auf 1615 Millimeter klettert.

Ungünstig für die Landwirtschaft im Norden wirkt sich außer der im Vergleich zum Süden geringeren Niederschlagsmenge vor allem die Unbeständigkeit der Regenfälle aus. Da sich im Norden und im Nordwesten aber gerade die wertvollsten Böden (Löß) befinden, wo nur eine Ernte im Jahr möglich ist, kommt es hier oft zu Mißernten oder sogar zu Katastrophen. Die Zeit, Felder zu bestellen, ist hier auf sechs bis acht Monate begrenzt. Im Süden hingegen umfaßt die Vegetationsperiode das gesamte Jahr. Zwei Ernten sind normal, manchmal ergeben sich sogar drei.





3 Vegetation



Die Böden Chinas werden - sogar schon seit dem 14. Jahrhundert - in fünf Gruppen unterteilt. Im Nordosten gibt es die Schwarzerden (Chernozem), weiß werden die salzhaltigen Böden und die Wüsten im Nordwesten genannt, grün die Marschen des Südostens, als rot klassifiziert man die Podsole und Laterite der südlichen Hügelländer, als gelb die große Ebene des Huang He.

Diese Böden bilden zusammen mit dem Klima die natürlichen Grundlagen für die Aufteilung des Landes in die einzelnen Landnutzungszonen, wobei deutlich hervorgehoben werden muß, daß auf Grund der Oberflächenbeschaffenheit, der Böden und der Niederschlagsmenge lediglich 10 Prozent der Gesamtfläche Chinas landwirtschaftlich nutzbar sind.

Ein Großteil des Tibet-Qinghai-Plateaus liegt auf einer Höhe von 4000 bis 5300 Metern. Hier gedeiht nur eine spärliche Gras- und Buschvegetation. Die tief eingeschnittenen Flußtälern in diesen Plateaus und die feuchten Grenzgebiete von Sichuan sind dicht bewaldet, wobei die Waldgrenze bei 3800 bis 4300 Metern Höhe liegt. Hier befinden sich die größten Bestände an Nutzhölzern außerhalb der Mandschurei.

Nördlich des Kunlun-Gebirges im Nordwesten Chinas erstrecken sich die Wüsten- und Halbwüstengebiete mit ihrer trockenen Gras- und Buschvegetation. Nur an den feuchten Hängen der niederschlagsreichen Gebirgsketten gedeiht Laubwald (Pappel und Weide).

Waldreich sind auch die Provinzen Heilongjiang und Jilin (ehemals Mandschurei) in Chinas äußerstem Nordosten. Hier herrscht Nadelwald aus Kiefern und Lärchen vor. Auf den podsolischen Böden gibt es kaum Landwirtschaft. Mischwald aus Kiefern, Lärchen, Birken und Pappeln schließt sich dem äußersten Nordosten im Süden an. Die mittlere Mandschurei, ein ursprünglich waldfreies Gebiet, mit ihren braunen und schwarzen Böden ist als eines der fruchtbarsten Gebiete Chinas ideal zum Weizenanbau. Landwirtschaftliche Erfolge sind hier aber durch die Unregelmäßigkeit der Niederschläge eingeschränkt.[11]







Als überaus fruchtbar zeigen sich die Ebenen in der südlichen Mandschurei, am Unterlauf des Huang He und in der Provinz Shandong. Die Temperaturen ermöglichen hier bereits eine im Vergleich zum hohen Norden (125 Tage) fast doppelt so lange Vegetationsperiode, nämlich 240 Tage. Laubbäume prägen das Landschaftsbild. Diese Gebiete bilden die Kornkammer Chinas, in der hauptsächlich Weizen, Hirse und Zuckerhirse angebaut werden, daneben auch Baumwolle.

Weiter gegen Süden schließt sich ein breiter, von Shanghai bis in die Provinz Sichuan verlaufender Streifen mit Mischwäldern der winterkahlen und der immergrünen Arten an. Dieser Grenzstreifen zwischen Nord- und Südchina ist gekennzeichnet durch braune Waldböden im Westen, gelbe Podsolböden in den Hügelländern am Yangzi-Fluß und neutrale Böden. Während in Sichuan vorrangig Reis und Mais kultiviert werden, zeigt das Gebiet am unteren Yangzi deutlich die “Grenzsituation” zwischen Nord und Süd: Hier wird noch Weizen, aber auch schon Reis angepflanzt.

Der restliche Teil im Süden Chinas ist fast ausschließlich dem Reisanbau (drei Fünftel der Fläche) vorbehalten. Die Vegetationsperiode umfaßt das ganze Jahr. Zwei Ernten sind üblich, drei Ernten können im äußersten Süden, in der Provinz Guangdong und im autonomen Gebiet Guangxi eingebracht werden.[12]



4 Das Politische System



Gleichzeitig mit dem Sieg der chinesischen Revolution wurde 1949 die Volksrepublik China gegründet. Die neue Verfassung legt fest, daß “die Volksrepublik China in ihrem Wesen nach ein sozialistischer Staat unter der demokratischen Diktatur des Volkes ist, der von der Arbeiterklasse geführt wird und auf dem Bündnis der Arbeiter und Bauern beruht”. Außerdem garantiert die Verfassung auf dem Papier gewisse Grundrechte der Bürger wie Freiheit der Rede und der Publikation, Versammlungsfreiheit, Glaubensfreiheit, die Unverletzlichkeit der persönlichen Würde, das Post- und Telefongeheimnis, das Recht auf Arbeit und gleiche Rechte für Frauen und Männer.

Das Volkskongreßsystem ist die organisatorische Form der politischen Macht. Nach der Verfassung gehört “alle Macht in der Volksrepublik China dem Volk”. Die Staatsorgane, durch die das Volk diese Macht ausübt, sind der Nationale Volkskongreß und die lokalen Volkskongresse auf unterschiedlichen Ebenen, wobei der Nationale Volkskongreß das höchste Organ der Staatsmacht darstellt. Nur er hat die Befugnis, Verfassung und Gesetze auszuarbeiten und Entscheidungen über wichtige Fragen im politischen Leben des Staates zu treffen. Unterste Basis der Staatsmacht in China ist der Kreis, von dem es rund 2000 gibt. Ihre Abgeordneten werden vom Volk direkt gewählt.

Das höchste Organ der Staatsmacht - wie schon erwähnt - der Nationale Volkskongreß. Das höchste Organ der Staatsverwaltung ist der Staatsrat, d. h. die zentrale Volksregierung. Über das Recht wacht das Oberste Volksgericht mit der Obersten Volksstaatsanwaltschaft.

Die politisch Macht basiert auf der Entwicklung des Landes von Sturz des letzten Kaisers der Qing-Dynastie 1911 über die nachfolgende Militärdiktatur in der Zeit der “erziehenden Regierung” unter der Herrschaft der Guomindang (die “Volkspartei” des Chiang Kaishek) bis zur Berufung der Staatsorgane durch die Volkswahlen.

1921 nach der Gründung der Kommunistischen Partei in Shanghai durch zwölf Delegierte, unter denen sich auch Mao Zedong (Mao Tse-tung) befand, hatte das Land Machtkämpfe zur

bestehen, bevor es sich Anfang der Siebziger Jahre dem Westen zu Öffnen begann und dem Personenkult um Mao Zedong auch der Zopf abgeschnitten wurde.[13]

Mit dem Sieg des Kommunismus und der Gründung der Volksrepublik China am 1. 10. 1949 wurde das Programm der Partei von ihrem Gründungsparteitag am 23. Juli 1921 verwirklicht. “Sturz der Bourgeoisie durch die revolutionäre Armee des Proletariats, Errichtung der Diktatur des Proletariats, Abschaffung des Privateigentums und Beseitigung der Klassendifferenzen” waren die Schlagworte der Gründungsmitglieder.

Nach der vorläufigen Verfassung von 1949 galt der Volksrat als höchstes Organ des Staates. Er setzte sich vornehmlich aus Vertretern der Kommunistischen Partei zusammen, die vom Politbüro beherrscht wurde. Am 20. September 1954 beschloß der Nationale Volkskongreß die zunächst endgültige Verfassung des Staates. Diese Verfassung wurde laufend geändert und im März 1978 den sich verändernden Umständen angepaßt. Am 11. Dezember 1982 verabschiedete der V. Nationale Volkskongreß die vierte Verfassung der Volksrepublik, deren Kernpunkt nach dem Motto “Alle Macht dem Volk” die Stärkung des Systems nach innen und außen zum Ziel hat. Nach der neuen Verfassung werden die Abgeordneten der mehr als 2000 Kreise - wie schon erwähnt - direkt vom Volk gewählt. Die Abgeordneten oberhalb der Kreisebene werden jeweils von den Vertretern der nächstniederen Ebene gewählt. Mit der Verabschiedung eines kodifizierten Staatsrechtes und eines Strafverfahrensrechts, das am

1. 1. 1980 in Kraft trat, wurde die frühere Rechtsunsicherheit abgeschafft. Das alte chinesische Recht basierte vorher im wesentlichen auf dem Kodex der Mandschu-Dynastie und vollzog sich durch die Sitten und Gebräuche, die sich in Familie und Gemeinschaft gebildet hatten. Es orientierte sich an den allgemeinen Moralvorstellungen der Gemeinschaft und ließ dem Richter viel Ermessensspielraum.

Mit der Einrichtung sogenannter Volksgerichtshöfe wurde die Rechtssprechung landeseinheitlich bis hinunter in die Kreise als unterste Ebene getragen. Über den Volksgerichten der Kreise und kreisgleichen Stadtbezirke stehen die der Provinzen und Autonomen Gebiete, und über allen steht das Oberste Volksgericht.





5 Religion



Konfuzius, der große chinesische Philosoph, der 551 - 479 v. Chr. Lebte, war kein Religionsstifter, doch in einem Edikt von 1906 stellte der Kaiser ihn allen Gottheiten des Himmels gleich. Auf seinen Lehren basiert das ethisch-soziale Gebäude des Konfuzianismus, der die großen Religionen des Landes - Buddhismus, Daoismus sowie den islamischen und christlichen als Universalreligion und der Daoismus blicken auf eine lange Geschichte zurück. Sie übten einen großen Einfluß auf die Kultur Chinas aus, der heute noch spürbar ist. Während diese beiden Religionsrichtungen über das ganze Land verteilt sind, leben die meisten chinesischen Christen in den Küstenprovinzen. Der Islam hat seine Anhänger unter den zehn nationalen Minderheiten wie den Hui, den Uiguren und den Kasachen. Die chinesischen Buddhisten, Moslems und Christen stehen mit den Religionsgemeinschaften vieler Länder in Verbindung, sind also nicht isoliert.

In der Verfassung der Volksrepublik China ist die Glaubensfreiheit der Bürger verankert. Die Bürger haben das Recht, sich zu einer oder auch zu keiner Religion zu bekennen.

Beim Staatsrat wurde das Verwaltungsbüro für religiöse Angelegenheiten gegründet, das für die religiösen Aktivitäten im Lande zuständig ist. Die Regierung mischt sich nach der Verfassung nicht in den Gottesdienst der Gläubigen ein. Alle Tempel, Moscheen und Kirchen sowie andere Stätten, die religiösen Tätigkeiten dienen, sind seit Wiedereinführung der Religionsfreiheit staatlich geschützt.[14]

Zur Förderung der religionswissenschaftlichen Forschung wurden bei der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Beijing und bei deren Zweigstelle in Shanghai Institute für Weltreligionen mit Sonderabteilungen für Buddhismus, Islam und christliche Glaubensrichtungen eingerichtet.

Während der chaotischen Jahre der “Kulturrevolution” war die Religionsfreiheit abgeschafft, wurden Klöster, Kirchen und Tempel zerstört, Gläubige verfolgt. Inzwischen sind die meisten Gebäude renoviert und wieder geöffnet.

Die größte Verbreitung besitzt die Religionsgemeinschaft der Buddhisten mit den Formen des Mahayanas (Großes Fahrzeug). Die von Buddha im 6. Jahrhundert v. Chr. in Vorderindien gegründete Religion breitete sich auf friedlichem Wege schnell über ganz Asien aus.

Der Überlieferung nach entstand der Mahayana oder nördliche Buddhismus in China etwa im 1. Jahrhundert n. Chr. Kaiser Ming Di ließ in Luoyang den Schimmel-Tempel, das erste buddhistische Bauwerk Chinas, errichten. In der Zeit der Wei- und der Jin-Dynastie (220 - 420 n. Chr.) erlebte der Buddhismus durch friedliche Mission seine größte Verbreitung. Unterstützt von der herrschenden Klasse wurden während der Südlichen und der Nördlichen Dynastien (420 - 589 n. Chr.) Tempel, Klöster und Grotten gebaut und buddhistische Sutras ins Chinesische übersetzt, so daß sich die neue Religion über ganz China verbreitete. In der Zeit der Sui- und der Tang-Dynastie (581 - 907 n. Chr.) erlebte der Buddhismus in China seine Blütezeit. Im Lauf der Jahrhunderte nahm der Buddhismus auch konfuzianische und daoistische Elemente in sich auf.



6 Bevölkerungsprobleme



Weit über 1 Milliarde Menschen wohnen in der heutigen Volksrepublik China, deren Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten zu explodieren drohte. Seit einigen Jahren versucht die Volksregierung den Bevölkerungszuwachs unter Kontrolle zu bekommen, so daß der Familienplanung eine große Bedeutung beigemessen wird. Mehr als 5000 Computerfachleute bedienten die Datenbanken anläßlich der dritten nationalen Volkszählung am 1. Juli 1982. Daraus läßt sich der rapide Bevölkerungszuwachs erkennen. Nach der Ausrufung der Republik 1911 zählte die Bevölkerung über 400 Millionen Menschen. Besonders stürmisch verlief die Entwicklung mit steigendem Wohlstand in der Zeit von 1953 bis 1980. In nur 27 Jahren explodierte die Einwohnerzahl von 588 auf 982 Millionen und erreichte 1982 die Milliardengrenze. Am 27. 10. 1982 veröffentlichte das Statistisch Büro der Volksrepublik das Ergebnis der Volkszählung. Danach gab es zum Stichtag 1.031.882.511 Einwohner, Auslandschinesen nicht mit einbezogen. Die Han-Chinesen stellen 93,3% der Bevölkerung. Rund 68 Millionen oder 6,7% sind nationale Minderheiten.

Nach der Gründung der Volksrepublik hat sich die industrielle und landwirtschaftliche Produktion rapide entwickelt. Die medizinische Versorgung wurde verbessert, wo durch die Streblichkeitsrate von 2/ vor 1949 auf 0,6 Prozent in den 70-iger Jahren zurückging. Aber die Bevölkerungspyramide hat nach unten hin eine viel zu breite Basis. Aus den letzten Statistiken geht hervor, daß Kinder unter 14 Jahren 37% der Gesamtbevölkerung, Bürger über 65 Jahre nur noch 5% ausmachen.

Die Bevölkerung wuchs alljährlich um 15 bis 20 Millionen, doppelt so viel wie beispielsweise Österreich Einwohner hat. Deshalb ist heute die Familienplanung ein wesentlicher Teil der chinesischen Staatspolitik.[15]







Eine der wesentlichsten Maßnahmen der neuen Familienpolitik besteht darin, die Geburtenziffer dadurch unter Kontrolle zu halten, daß Empfängnisverhütungsmethoden im breiten Rahmen dem Volk zugänglich gemacht und entsprechende Verhütungsmittel kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Auch Sterilisationen und Abtreibungen sind kostenlos. Für die Zeit nach einem solchen Eingriff bekommen die betroffenen Männer und Frauen bezahlten Urlaub.

In den Städten erhalten die Paare, die sich bereiterklären, nur ein Kind zu empfangen, monatliche Zuschüsse von 2,5 bis 5 Yuan - je nach Gebiet - als Erziehungsbeihilfe bis zum 14. Lebensjahr. In den ländlichen Gebieten gibt es anstelle von Bargeld während dieser Zeit zusätzliche Arbeitsprämienpunkte als Beihilfe. Der Entbindungsurlaub wurde von 56 Tagen auf ein halbes Jahr und länger ausgedehnt, wobei Lohn und Arbeitsprämien voll weiter gezahlt werden. Auch die Altersversorgung wird bei Einkind-Ehen beeinflußt. Arbeiter und Angestellte mit nur einem oder gar keinem Kind erhalten in der Stadt eine höhere Altersrente. In den Kommunen und Produktionsbrigaden werden Altersheime geschaffen, in denen Pensionäre untergebracht werden, deren Lebensstandard über dem des Durchschnitts liegen muß.

Angestrebt wird eine 1-Kind-Familie, wodurch erreicht werden würde, daß bis zur Jahrtausendwende die Bevölkerung jährlich um nur etwa 10 Millionen zunimmt. Eine 2-Kind-Ehe ergäbe bereits einen Zuwachs von rund 300 Millionen Menschen bis zur Jahrtausendwende.

Natürlich werden mit Zielsetzungen und Gesetzen nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Da sind einmal die festverwurzelten traditionellen Denkweisen, wonach die Erhaltung des Stammes und eine zahlreiche Nachkommenschaft die größten Aufgaben einer Familie waren. Die Großfamilie mit vier Generationen unter einem Dach waren das in den vergangenen Jahrhunderten erstrebenswerte Glück. Ein anderes Problem war die Altersversorgung auf dem Lande, denn es oblag den Söhnen, für den Lebensunterhalt der alten Eltern zu sorgen, und je mehr Söhne die Frau gebar, umso sorgenfreier konnte man an das Alter denken.[16]







Die demographischen Kennziffern verdeutlichen die Katastrophe des “Großen Sprungs nach vorn” (1958 -1960). Durch die Kollektivierung der Landwirtschaft und Versuche einer überstürzten Industrialisierung sollen 17 Mio. Menschen verhungert sein, es wurden kaum Kinder geboren. Die ruhigen Jahre vor der Kulturrevolution (ab 1966) sind dagegen durch einen Geburtenboom gekennzeichnet. Und diese Generation kommt jetzt ins heiratsfähige Alter.

Der Erfolg der Familienplanung hängt davon ab, wie schnell sich Traditionen ändern und wie schnell das Kind von der gewinnbringenden Arbeitskraft (in der kaum mechanisierten Landwirtschaft) zum Kostenfaktor wird (wie schon jetzt in der Stadt).



[17]





7 Wirtschaft



Die Volksrepublik China hält politisch am Einparteienstaat und der Vorherrschaft der kommunistischen Partei fest. Sie gab aber seit 1978 das System der Zentralverwaltungswirtschaft teilweise auf und erlaubt in einzelnen Branchen und Regionen die Marktwirtschaft. Dennoch gelten weiterhin Fünfjahrespläne, welche die großen Ziele der wirtschaftlichen Entwicklung zentral vorgeben. Bis zum Jahr 2000 soll sich das chinesische BIP verdoppeln. China begann seine wirtschaftliche Umgestaltung 1980 mit der Privatisierung der Landwirtschaft. Nach 30 Jahren kollektiver Landwirtschaft in sogenannten Volkskommunen wurden die dörflichen Produktionsgenossenschaften aus der zentralen Planwirtschaft entlassen. Manche Bauern in den fruchtbaren Gebieten konnten ihre Beträge bis zu 35% steigern und brachten es inzwischen zu bescheidenem Wohlstand. Sie verkaufen Reis, Hirse, Gemüse, Hühner- und Schweinefleisch nicht nur an staatliche Stellen, sondern auch auf der Straße und in den nächstliegenden Städten.



Der nächste Schritt war die Privatisierung des Kleingewerbes: Friseure, Imbißstuben, Schuster, Schneider und andere Handwerker wurden ebenfalls aus den Produktionsgenossenschaften entlassen und bedeuten seither für viele staatliche Konsumgüterfabriken verstärkten Wettbewerb. Innerhalb von zwei Jahren füllten sich die Regale der Läden, die Kleider wurden bunter und die Schlangen vor den Geschäften kürzer.



Erst vier Jahre nach Beginn der Reformpolitik begann 1984 die Umgestaltung der Industrie: Kürzung der staatlichen Subventionen, Preiserhöhungen und mehr Leistungsdruck in den Fabriken sollen die Produktivität steigern. Über das Plansoll hinaus produzierte Überschüsse dürfen auf dem freien Markt verkauft werden, sofern die dafür benötigten Zulieferteile selbst (ohne Plan) beschafft werden können.

Ein wesentlicher Bestandteil der Reformpolitik war die Errichtung von Sonderwirtschaftszonen, in denen ausländische Unternehmen zu internationalen Niedriglöhnen und fast steuerfrei produzieren können. Mit Billigtextilien, Spielzeug und Elektroartikeln eroberte China bereits europäische Märkte.[18]



Das Bruttosozialprodukt (BSP) Chinas ist niedrig. Mit 1285 RMB (650 DM) pro Kopf (1988) ist es nur geringfügig höher als das Indiens (630 DM, 1986).

Seit der Gründung der VR China 1949 ist die staatlich gelenkte Wirtschaft tiefgreifend verändert worden. Nach Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und der Abschaffung des Großgrundbesitzes sollte im ersten Fünfjahresplan (1953-1957) eine Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild aufgebaut werden. Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften wurden eingerichtet, die komplette Industrie verstaatlicht, der Handel staatlich kontrolliert. Trotz rapiden Wachstums (1949-52 ca. 20%; 1953-57 ca. 9%) war 1957 die Wirtschaftskraft Chinas noch gering. Es wurden versucht, mit zahlreichen industriellen Kleinbetrieben das Land zu entwickeln. Schlechte Koordination sowie unwirtschaftliche Investitionen führten 1960/61 zum Scheitern dieser Politik des >>Großen Sprungs nach vorn<<.

Aber erst nach dem Tode Mao Zedongs 1976 wurde die Wirtschaftspolitik grundlegend revidiert. Private, gewinnorientierte Aktivität soll in Staats- und kleineren Privatbetrieben gefördert werden. Marktwirtschaftliche Elemente werden ausgebaut, nicht mehr durch staatliche Administration soll die Wirtschaft gelenkt werden, sondern durch Preise, Steuern und Löhne. Diese Reformen gerieten Mitte der 80er Jahre ins Stocken, 1988 ordnete die Regierung zur Eindämmung der über 30%igen Inflation wieder staatliche Maßnahmen an.





7.1 Die Hauptentwicklungsphasen der Volksrepublik





Entwicklungsphasen


Maßnahmen, Auswirkungen

1949-52 Wiederaufbauphase: Stabilisierung der kommunistischen Herrschaft





1953-57 Entwicklung nach sowjetischem Vorbild und mit sowjetischer Hilfe (1. Fünfjahresplan)









1956 “Hundert-Blumen-Kampagne”

“Kampf der zwei Linien”



1958-61 “Großer Sprung nach vorn”

Politik der “Drei Roten Banner”

Revolutionärer Versuch, die Gegensätze zwischen Stadt und Land, Kopf- und Handarbeit, Arbeiter und Bauern aufzuheben - Heutige Bewertung: “Die drei schlimmen Jahre”













1962-65 Sozialistische Umgestaltung, Mao Zedongs Linie setzt sich abermals durch - Stützung auf die Volksbefreiungsarmee unter Lin Biao









1966-70 “Große Proletarische Kulturrevolution” Ausschaltung der Reformer unter Staatspräsident Liu Shaoqi (“Konterrevolutionäre Revisionisten”)







1971-76 Übergangsphase

“13 Errungenschaften der Kulturrevolution” (Mao Zedong-Studium, Revolutionskomitees, “Barfußärzte” u. a.)







Seit 1977 Reformkurs - zunächst Übergangsphase unter Hua Guofeng (Vorsitzender des Staatsrats und des Zentralkomitees)













1980 Hua Guofeng verdrängt, Zhao Ziyang Ministerpräsident



1983 Hu Yaobang Generalsekretär













1986 Demokratisierungsbewegung



1987 Rücktritt Hu Yaobangs, Zhao Ziyang Nachfolger





1989 Sieg der harten Linie unter dem Ministerpräsidenten Li Peng




Enteignung des Großgrundbesitzes, Beginn der Kollektivierung, Sozialisierung des Handels und Industrie



Industrialisierung als Voraussetzung für den sozialistischen Aufbau - forcierte Entwicklung der Schwer- und Grundstoffindustrie, auch im Binnenhandel - Fortführung der Kollektivierung in der Landwirtschaft (Produktionsgenossenschaften)



Ermunterung der Intellektuellen zu offener Diskussion, 1957 erneut Repression



Mao Zedong setzt sich gegenüber den Reformern durch, Abwendung von sowjetischen Modell, “permanente Revolution” - gleichgewichtige Entwicklung der Industrie und Landwirtschaft -

“Großbritannien in 15 Jahren einholen und überholen” - Stahlproduktion “Hauptkettenglied”, Ausbau der Kleinindustrie (Kleinsthochöfen auf dem Lande) - Aufbau der Volkskommunen - Hungerkatastrophe und Produktionsrückgang in der Landwirtschaft führen zur Revision des “Großen Sprungs” durch Liu Shaoqi und Deng Xiaoping -



Sozialistische Erziehungskampagnen: 1963 “Lernen von Lei Feng” (Modellheld der Volksbefreiungsarmee) - Xiafang-Bewegung:” Hinunter in die Dörfer und hinauf in die Berge” (Landverschickungskampagne) - 1965:”Von Dazhai lernen” (Musterbrigade der Landwirtschaft) -



Zerstörung der “alten Autoritäten” und des Parteiapparates (“zerschlagt die Haupt quartiere”) durch “Rote Garden”, “Die Köpfe vom bürgerlichen Gedankengut reinigen” - Revolutionskomitees, Mao-Kult, Terror und Exzesse



Erstarken der Reformer unter Zhou Enlai - “Kampf der zwei Linien” fortgesetzt - Sturz Lin Biaos - Gegen Lebensende Maos Einfluß seiner Frau Jiang Qing (“Viererbande”)

1976 Zweiter Sturz Deng Xiaopings - Tod Maos Sturz der “Viererbande” (kulturrevolutionäre Fraktion)-



Kampagnen: gegen den “Wind von rechts” (Deng Xiaoping), “Zum Lernen von Dazhai”, “Zum Lernen von Lei Feng” -

Empfehlungen Dengs zur Abschaffung der Massenbewegungen -

Bewertungen der “10 Jahre der Katastrophe” (1966-76) -





“4 Modernisierungen” (Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaft, Militär) -



1983 Reform der Volkskommunen: Wiederherstellung der Gemeinden, Volkskommune nur noch wirtschaftliche Verwaltungseinheit, Lockerung des staatlichen Ankaufsmonopols, Ersetzung der Gewinnabführung der Industrie durch Steuern, “Marktwirtschaft ohne Kapitalismus”, Wirtschaftsreformen, Wohnungsbauprogramme in Städten



1987 Studentenunruhen - ideologische Verhärtung, Kampf gegen “Verwestlichung” und “bürgerlichen Liberalismus”



1989 Blutige Niederschlagung der von Studenten eingeleiteten Volksbewegung



(nach O. Weggel, China und anderen Quellen)





Mao Zedong erarbeitete in den Jahren 1957 und 1958 ein umfangreiches Entwicklungskonzept, mit dessen Hilfe vor allem drei Ziele erreicht werden sollten:

1. eine allgemeine stürmische Wirtschaftsentwicklung, die es China ermöglichen sollte, innerhalb kürzester Zeit in ökonomischer und technologischer Hinsicht unabhängig zu werden und mit dem wirtschaftlich entwickelten Ländern zu konkurrieren;

2. als erstes Land in den Kommunismus einzutreten und damit der Sowjetunion auch politisch die Führungsrolle innerhalb des sozialistischen Lagers streitig zu machen;

3. die ökonomische und politische Abkopplung von der Sowjetunion.



Das maoistische Entwicklungskonzept der “Drei Roten Banner” beinhaltet zwei Grundpfeiler:

· Mit einem Großen Sprung nach vorn sollte vor allem die schwerindustrielle Produktion binnen weniger Jahre spektakulär gesteigert werden. Von 1958 bis 1968 sollten in der Industrieproduktion ein durchschnittlicher Jahreszuwachs von 45 Prozent und in der Landwirtschaft ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 20 Prozent erreicht werden.

· Mit der Zusammenfassung von vielen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in riesige Volkskommunen sollten genügend Geld- und Sachmittel zusammengetragen werden, um zum einen die für die Mechanisierung der Landwirtschaft benötigten Produkte der Schwerindustrie abnehmen zu können und um zum anderen Investitionen in kommunale Werkstätten und Betriebe zu tätigen.



Das maoistische Entwicklungskonzept endete in einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Katastrophe. Die enormen ökonomischen und physischen Belastungen der Bauern durch die Massenaktionen zum Aufbau von Infrastrukturprojekten und zum Schmelzen von Eisen und Stahl führten zu einem drastischen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, da die Bauern weder genügend Zeit und Mittel noch die Kraft hatten, die Felder wie bisher zu bewirtschaften. Hinzu kamen organisatorische Mängel der Großkollektive und eine fehlende Motivation der Bauern aufgrund der übersteigerten Kollektivierungsmaßnahmen.

Statt der geplanten 525 Millionen Tonnen betrug die Getreideproduktion 1959 lediglich rund 170 Millionen Tonnen und sank 1960 sogar auf 143,5 Millionen Tonnen ab. Die bereits Ende 1958 auftretenden Versorgungsschwierigkeiten mündeten ab Herbst 1959 in einer katastrophalen Hungersnot. Physische Überanstrengung und unzureichende Ernährung führten dazu, daß vom Herbst 1958 bis Ende 1961 zirka 18,8 Millionen Menschen über die normale Todesrate hinaus verstarben.

Im Gegensatz zur Landwirtschaft verzeichnete die Schwerindustrie während des “Großen Sprungs” zunächst enorme Zuwachsraten.

Aufgrund der Hungersnot und der daraus resultierenden sozialen Unruhen auf dem Land wurden ab 1961 die staatlichen Investitionen in die Schwerindustrie drastisch gesenkt. Daraufhin sank die schwerindustrielle Produktion bis zum Jahre 1962 in etwa auf den Stand von 1957 zurück. Eine ähnliche Entwicklung nahm das Nationaleinkommen, so daß allein volkswirtschaftlich der Große Sprung nach vorn in Wirklichkeit ein Großer Sprung zurück war. [19]





7.2 Die Volkskommune



7.2.1 Entstehung

Die Volkskommunen bilden die Endstufe auf dem chinesischen Wege zur Kollektivierung der Landwirtschaft, die am Ende des 1. Fünfjahrplanes mit der Schaffung der “vollsozialistischen Produktionsgenossenschaften” praktisch den Stand der UdSSR erreicht hatte. Die Zusammenfassung der Produktionsgenossenschaften in Volkskommunen wurde vorbereitet durch umfassende Massenkampagnen des Winters 1957/58, die der Verbesserung der Bewässerungsverhältnisse dienten und die Bevölkerung davon überzeugen sollten, daß koordinierter Massenarbeitseinsatz produktive Erfolge zeitigen müsse. Die erste Volkskommune, “Sputnik” (Weihsing), war bereits im April 1958 gegründet worden. Sie wurde wegen der von ihr in der Rekordernte, des Jahres 1958 erzielten Erfolge später als beispielhaft herausgestellt, und ihre Satzung wurde für die anderen Kommunegründungen als Muster empfohlen. In der Atmosphäre allgemeinen Wirtschaftsaufschwunges faßte das Politbüro der KPCh am 29. August in Pei-tai-ho (Hopei) den Beschluß über die Errichtung von Volkskommunen. Die Kommunegründungen wurden als freiwillig bezeichnet, jedoch war die Bewegung so gut vorbereitet, daß in weniger als zwei Monaten alle 127 Mill. Chinesischen Bauernhaushalte und 700 000 Produktionsgenossenschaften in rund 26 600 Volkskommunen zusammengefaßt waren. Während dabei im Durchschnitt 4800 Haushalte auf eine Kommune entfielen, umfaßten die Volkskommunen in der Ebene nicht selten 10 000 und mehr Haushalte, während die Kommunen im Bergland kleiner waren.



7.2.2 Organisation und Aufgabe

Die Satzung der Volkskommune Sputnik definiert eine Volkskommune als gesellschaftliche Grundeinheit, in der sich die arbeitende Bevölkerung unter der Führung der KP und der Volksregierung freiwillig zusammenschließt und in ihrem Bereiche alle Aufgaben der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, der Verteilung, der Arbeiten auf den Gebieten der Kultur und Erziehung sowie die politischen Angelegenheiten wahrnimmt. Es heißt weiter: Der Zweck der Volkskommunen besteht darin, das sozialistische System zu festigen und die Voraussetzungen und Bedingungen für einen allmählichen Übergang in den Kommunismus zu schaffen. Insbesondere sind landwirtschaftliche und industrielle Produktion sowie Kultur und Erziehungswesen zu entwickeln, die technologische und kulturelle Revolution voranzutreiben und der Unterschied zwischen Stadt und Land und zwischen körperlicher und geistiger Arbeit zu beseitigen. Unter der Voraussetzung eines steigenden Sozialproduktes und eines wachsenden Bewußtseins der Bevölkerung soll man allmählich vom Grundsatz ,Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen’ übergehen zum Grundsatz ,Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen’.

Diese Formulierungen kennzeichnen die Volkskommunen zunächst als ein in der Ideengeschichte des Kommunismus verankertes Instrument. Der im Jahre 1958 von der KPCh nach Gründung der Volkskommunen erhobene Anspruch, sich damit bereits dem Endstadium der kommunistischen Gesellschaft angenähert zu haben, hat deshalb auch dazu beigetragen, den offenen Konflikt mit der UdSSR als der bisher unbestrittenen Führungsmacht der sozialistischen Welt auszulösen.

Im einzelnen hatten die Produktionsgenossenschaften, die einer Volkskommune beitraten, dieser ihr Kollektiveigentum zu übergeben. Ebenso hatten die Genossenschaftsmitglieder der Volkskommune ihre Häuser, ihr Vieh, ihre Baumbestände und andere Produktionsmittel zu übereignen; sie konnten lediglich Kleinvieh in ihrem Eigentum belassen und auf einem kleinen Stück Gartenland Gemüseanbau betreiben.[20]



Die Landwirtschaft der VR China liefert heute Nahrung und Kleidung für über 850 Mio. Menschen; sie stellt Arbeitsplätze für annähernd 80% der chinesischen Bevölkerung; der Leichtindustrie liefert sie mehr als die Hälfte der Rohstoffe; und schließlich machen landwirtschaftliche Rohstoffe, Halbfertig- und Fertigprodukte etwa zwei Drittel des chinesischen Exportwertes aus. Diese vielfältigen Aufgaben, jede für sich unentbehrlich, erklären, daß die wirtschaftspolitische Vorrangstellung des Agrarsektors in China derzeit unumstritten ist. Sie veranschaulichen auch die Wichtigkeit eines anhaltenden und stabilen Wachstums für Chinas-Agrarsektor.

Insgesamt gesehen sind die Produktionserfolge im Agrarsektor unbestreitbar. Mit Recht kann die Pekinger Regierung heute feststellen, daß sie den Hunger in China gebannt und die Bevölkerung ausreichend mit Kleidung versorgt hat. In diesem Urteil stimmen auch alle ausländischen Experten überein - so schwer nachprüfbar und so divergierend neuere Schätzungen über Bevölkerung und Agrarproduktion im einzelnen auch sein mögen. Mindestens seit 1965 liegt das Wachstum der Getreideproduktion regelmäßig über dem der Bevölkerung. Die Abhängigkeit der VR China von Getreideeinfuhren ist ständig gesunken. Im August 1975 meldete die Nachrichtenagentur Xinhua, China sei nunmehr in der Getreideversorgung gänzlich unabhängig vom Ausland; damit hätte China sein Autarkieziel auf einem entscheidenden Gebiet erreicht.[21]



7.3 Chinas industrielle Entwicklung



Der Begriff Entwicklung im eigentlichen Sinn bedeutet nicht nur einfaches Wachstum, d. h. nicht ein bloß mengenmäßiges Mehr. Er beinhaltet auch Veränderung, die Einführung neuer Industrien und Erzeugnisse, kurzum das, was mit dem Fachausdruck Strukturwandel bezeichnet wird. Nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Mehrerzeugung, sondern auch unter dem des Wandels und des Neuen zeigt die VR China, daß sie eine tatsächliche Entwicklung durchläuft. Sind die Stahl- und Eisenindustrie sowie der Maschinenbau der traditionell und auch gegenwärtig noch führende Entwicklungsbereich, so hat sich spätestens seit Beginn dieses Jahrzehnts ein neuer Schwerpunkt der Chemieindustrien herausgebildet, und für die nächste Zukunft zeichnet sich der beschleunigte Aufbau der modernen Elektronikindustrien als ein dritter Schwerpunkt bereits deutlich ab.

Schon während der zweiten Hälfte der 60er Jahre begann sich der chemieindustrielle Bereich der VR China beschleunigt zu entwickeln. Erdöl und Erdgas übernahmen eine wachsende Rolle in der Energieversorgung. Kunstfasern und Kunststoffe entlasteten die angespannte Versorgungslage der Textilindustrie mit Rohstoffen wie Baumwolle. Vermehrter Einsatz von Kunstdüngemitteln und Schädlings- wie Unkrautbekämpfungsmitteln erhöhte die Getreideernten und führte zu einer weniger gespannten Versorgungssituation der Bevölkerung.

Kurzum, wenn das Zehnjahresprogramm 1976 - 1985 vorsieht, daß >>die Entwicklung der neuen Industriezweige wie Petrochemie und Elektronik forciert werden muß<<, so wird nun die tatsächliche Entwicklung der letzten zehn Jahre für die Zukunft bestätigt. Drei Entwicklungsschwerpunkte sind im Rahmen der gesamten Chemieindustrien festzustellen:



1. Petrochemie für die Energieversorgung mit dem großen Wachstum der Erdöl- und Erdgasförderung sowie dem raschen Ausbau zahlreicher Verarbeitungszentren wie den großen Raffinerien im Nordosten, in Beijing, Shanghai, Nanjing, u. a.;

2. Agrochemie mit der Herstellung von Chemieerzeugnissen für die Steigerung der landwirtschaftlichen Leistung;

3. Kunststoffherstellung für Kleidung und Gebrauchsartikel der chinesischen Massenbevölkerung.



Mit diesen drei Schwerpunkten ist der Bereich der Chemieindustrien nach der traditionellen Schwerindustrie an die zweite Stelle vorgerückt.

Der dritte neue Bereich, die Elektronikindustrien, ist gegenwärtig noch verhältnismäßig klein. Mit einem Produktionswert von geschätzten 13 - 15 Mrd. DM vereinnahmt er nur knapp 5% der chinesischen Industrieproduktion, aber Wachstumsraten, die in einigen Schlüsselbereichen zu jährlichen Verdopplungen der Produktion führen, deuten darauf hin, daß die untergeordnete Rolle weitgehend der Vergangenheit angehört. Das Ziel liegt im Aufbau von rd. 600 Schlüsselfabriken, von denen gegenwärtig über 200 mit knapp 500 000 Arbeitskräften bereits existieren.

Im Rahmen einer stark ländlichen orientierten Entwicklungsstrategie konnte der Aufbau von Elektronikindustrien kein unumstrittenes Thema bleiben. Letztmals entzündete sich Anfang der 70er Jahre eine sogenannte Stahl-gegen-Elektronik-Kontroverse, bei der der Vorrang der Stahlindustrie noch einmal bestätigt wurde. Dennoch schritt die Entwicklung der Elektronik rasch voran. Sie dürfte in mehreren Bereichen der wirtschaftlichen Entwicklung von besonderer Bedeutung sein:



1. Energiewirtschaft, Präzisionsindustrien, die ohne moderne Elektronik nicht mehr denkbar sind. Diese Erkenntnis wurde bereits 1959 von Zhou Enlai vorgebracht, als er verkündete, daß die >>neue Revolution in Wissenschaft, Technik und Industrie eine weitreichende Bedeutung<< hat. Diese Grundeinstellung ist durch den alten und neuen Wirtschaftsführer Deng Xiaoping für die Zukunft erneut bekräftigt worden.

2. Infrastruktur und Telekommunikation; die Entwicklung einer modernen Infrastruktur und eines modernen Fernmeldewesens ist ohne Elektronik nicht möglich. Es sei nur darauf verwiesen, daß die VR China gegenwärtig über weniger als 2 Mio. Telefone verfügt (USA rd. 140 Mio., Deutschland über 20 Mio.). Rund ein Viertel aller in der chinesischen Elektronikindustrie Beschäftigten arbeitet allein im Bereich der Telekommunikationsherstellung.

3. Elektronische Datenverarbeitung, deren Bedeutung für eine Planwirtschaft wie die chinesische nicht zu unterschätzen ist. Das Land verfügt gegenwärtig nur über gut 1000 elektronische Datenanlagen; der Bestand dürfte sich jedoch während der nächsten Jahre entscheidend erhöhen.

4. Militärindustrie; dieser Bereich ist in der VR China gleichsam der Pionierbereich der Elektronikindustrie. Die ersten großen Erfolge wurden während der 60er Jahre im Zusammenhang mit der militärischen Atomforschung und dem Bau von Raketensystemen erzielt sowie 1970 mit dem Start des ersten chinesischen Satelliten.

5. Verbraucherelektronik; in diesen Bereich fällt vor allem die Herstellung von Radio- und Fernsehgeräten. Mit einer Produktion von gegenwärtig über 12 Mio. Radiogeräten jährlich nähert sich China langsam dem zweitgrößten Radioproduzenten der Welt, Japan. Der Gesamtbestand an Radiogeräten dürfte sich auf geschätzte 80 Mio. belaufen, d. h. ein Gerät je zehn Personen. Im Gegensatz dazu ist die Fernsehherstellung noch im Anfangsstadium. Die VR China verfügt zur Zeit über nur etwas mehr als 1 Mio. Fernseher. Nimmt man allerdings das Vergleichsjahr 1974 mit geschätzten 400 000 Geräten, so dürfte sich die Gesamtzahl der Geräte in den nächsten Jahren wesentlich erhöhen. Das heißt also, daß sich alle Aussagen über Größenordnungen in den einzelnen Teilbereichen der chinesischen Elektroindustrie angesichts des hohen Wachstumstempos und der bisher kurzen Entwicklungszeit von Jahr zu Jahr erheblich ändern, so daß im Verlaufe der Restjahre des Zehnjahresprogramms bis 1985 die grundlegendsten Wandlungen eintreten dürften.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die VR China im Verlauf mehrerer Entwicklungsphasen nacheinander drei Grundpfeiler ihres nationalen Industriegebäudes

errichtet hat bzw. errichtet und daß die Entwicklung aller anderen Industrien und bis zu einem gewissen Grad auch der Landwirtschaft von der zukünftigen Leistung und Tragfähigkeit dieser drei Pfeiler abhängig sein wird.[22]




7.4 Die Wirtschaftssonderzonen und 14 “geöffneten” Küstenstädte



Im Frühjahr 1984 beschloß die chinesische Führung 14 Küstenstädte für die Außenwirtschaft zu öffnen und ihnen im Verkehr mit dem Ausland größere Vollmachten zu geben. Zweck dieser Öffnung war, die Modernisierung Chinas zu fördern.

Durch Investitionen ausländischen Kapitals sollen in den 14 Städten ausschließlich moderne Industrieproduktionen und gleichzeitig Forschungsstätten geschaffen werden, in denen neue Technologien entwickelt werden sollen. Im Gegensatz zu den Wirtschaftssonderzonen können sich ausländische Investoren in den Küstenstädten nur auf diesen beiden Gebieten bestätigen, während in den Sonderzonen ihr Tätigkeitsbereich nicht eingeschränkt ist - was z. B. dort dazu geführt hat, daß Ausländer ins Grundstücksgeschäft eingestiegen sind.

Ähnlich wie die Sonderzonen sollen die Küstenstädte Beispielwirkung auf das dahinterliegende Küstenland haben und so die Modernisierung Chinas vorantreiben.

Um möglichst unbürokratisch die Modernisierung alter und den Bau neuer Fabriken bewerkstelligen zu können, haben die 14 Küstenstädte größere Befugnisse erhalten, den Einsatz ausländischen Kapitals zu steuern und einzusetzen. Für diesen Zweck erhalten die Städte - je nach wirtschaftlicher Bedeutung - das Recht, selbständig über eigene Investitionsmittel außerhalb der staatlichen Planung bis zu gewissen Obergrenzen zu entscheiden. [23]

7.4.1 Offene Häfen auf Wirtschaftssonderzonen


7.4.2 Wirtschaftssonderzonen/ Das Schaufenster des neuen China hat mit speziellen Problemen zu kämpfen



Freude bei der chinesischen Regierung...

Die chinesische Regierung zeigt sich über die Entwicklung der Sonderwirtschaftszonen im Süden Chinas erfreut: “Die Entscheidung zur Etablierung der Sonderwirtschaftszonen Shenzhen, Zhuhai, Shantou und Xiamen hat eindrucksvolle Resultate gebracht. Direkte Auslandsinvestitionen in den vier Zonen beliefen sich bis Ende 1985 auf 1,17 Mrd. $, ein Fünftel der Gesamtinvestitionen des Auslands in China.”

“Gut 900 Fabriken mit fortgeschrittener Technologie und Ausrüstung haben den Betrieb aufgenommen. Die Industrieproduktion der vier Zonen erreichte 1985 einen Wert von 4,84 Mrd. Yuan und damit das Fünffache dieser Gebiete im Jahr 1979. In der am schnellsten wachsenden Zone, in Shenzhen, war das Industriewachstum 39mal höher als 1979, und 43% der Produkte gingen in den Export. Shenzhen ist das Schaufenster des neuen Chinas.”



...Vorbehalte bei ausländischen Investoren

Aus der Sicht eines amerikanischen Bankiers in Hongkong sieht das Experiment ganz anders aus: “Shenzhen ist ein Rattennest. Hier haben Provinzfunktionäre, lokale Geschäftsleute und Überseechinesen versucht, bloß schnell Geld zu machen. Statt High-Tech-Produkten werden Eisschränke und Fernseher produziert. Die Zentralregierung hat Milliarden in die Infrastruktur pumpen müssen. Shenzhen verschlingt überproportional viel der vorhandenen Mittel und trägt somit entscheidend zum Handelsbilanzdefizit Chinas bei. Seit die Zentralregierung nunmehr bremst, sind die Sonderwirtschaftszonen zu einem Stillstand gekommen.”



Shenzhen als “Schaufenster”

Wer sich in Shenzhen, 60 Metro-Minuten von Hongkongs Zentrum entfernt, umschaut, muß beeindruckt sein. 1979 ein Städtchen mit 20 000 Einwohnern, wohnen nunmehr dort 400 000 Menschen, haben zeitweise mehr als 150 000 Bauarbeiter aus ganz China Wolkenkratzer und Fabriken gebaut, sind neue Straßen gelegt worden, ist auch aus westlicher Sicht ein bescheidener Wohlstand entstanden. Die unmittelbare Nähe zu Hongkong und dessen großartiger Infrastruktur schafft Vorteile, aber auch den Nachteil, daß Investoren Vergleiche ziehen können. Warum in Shenzhen investieren, wenn die Industrie- und Handelsförderung Hongkongs Europäern, Amerikanern und Japanern darlegen kann, daß in Hongkong mit minimalem bürokratischen Aufwand die gleiche Produktionsstätte errichtet werden kann?

Den eigentlichen Vorteil von Chinas Sonderwirtschaftszonen und somit vor allem Shenzhens, nämlich Zugang zu billigen Arbeitskräften, hat sich die Verwaltung der Zone selber zerstört, indem sie die ausländischen Gesellschaften mit Vorschriften über Gehaltszahlungen einengte, den Arbeitern aber die hohen L








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