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Titel:

Geschichte des Anarchismus


  Note: 1   Klasse: 9









Arbeit: Einleitung
He Leute diese Broschüre soll Euch einen Einstieg in die Geschichte, die Strömungen und wesentliche Inhalte anarchistischer Ideen ermöglichen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Verfasser hat sich bemüht, keine eigene Wertung in diese Ausarbeitung mit einfließen zu lassen. Ihr sollt Euch eigene Gedanken machen und ich hoffe, diese Broschur gibt Euch vielleicht Anstoß zu weiteren Auseinandersetzungen mit dieser Idee. Anarchismus ist die politische Verarbeitung einer psychologischen Reaktion auf Autorität, die in allen menschlichen Gruppen auftritt. Er bedeutet das "Widerstreben gegen Autorität". Anarchie ist die Forderung nach einer Gesellschaft ohne Herrschaft, weil ihrer Auffassung nach Menschen Freiheit und Gleichheit auch in eigener Zuständigkeit realisieren können. In einer staatlichen Gesellschaft führt Machtkonzentration immer auch zu Korruption und somit zu einer ungerechten Verteilung des Wohlstandes. Wenn Menschen – nach Meinung der Staatsbefürworter – nicht selbst auf sich aufpassen können, wie kann von diesen dann eine gerechte Regierung über die anderen erwartet werden? Anarchisten verstehen sich selbst als Denker, die über unterschiedliche Denkansätze mit anderen Anarchisten streiten, aber immer getragen von Toleranz gegenüber anderen Strömungen. Sie sind offen und ohne geistige Barrieren; sie streben ein Denken ohne Grenzen an. Staatsbefürworter sind Anhänger von Ideologien und somit Dogmatiker, gefangen vom Absolutheitsanspruch ihrer grundlegenden Staatsdoktrin, intolerant gegenüber Andersdenkenden. Nicht zuletzt: die nachfolgend aufgezählten Strömungen und Ideen sind keine Ismen. Sie erklären sich aus der Geschichte und haben sich aus ihrer jeweiligen kulturellen Identität besonders intensiv mit Teilen des anarchistischen Weltbildes befasst. Moderne Anarchisten und libertäre Menschen begründen ihr Weltbild deshalb mit Erkenntnissen aus all diesen historischen Bewegungen und lehnen es ab, sich irgendeiner einzigen Strömung zuordnen zu lassen, obwohl staatsbefürwortende Kritiker immer wieder versuchen, Anarchisten in ideologische Schubladen zu pressen.



ALLGEMEINES WELTBILD DES ANARCHISMUS

Unterschiede Liberalismus, Sozialismus, Anarchismus
Der Liberalismus beinhaltet den Begriff Freiheit, jedoch nicht die Gleichheit der Menschen. Der Sozialismus hingegen definiert die Gleichheit der Menschen, nicht jedoch ihre Freiheit. Beide Ideologien betrachten die Vergangenheit als Barbarei, die Zukunft jedoch als strahlenden Fortschritt. Im Anarchismus wird die Geschichte als Dualismus von Herrschern und Beherrschten, von Besitzenden und Besitzlosen verstanden. Das wachsende Bewusstsein /Wissen beinhaltet den wachsenden Wunsch nach Freiheit .Autorität wird abgelehnt, stattdessen Freiheit und Gleichheit gefordert. Insofern muss jede Regierung als Instrument der Herrschaft abgelehnt werden.

Demokratie und Vertretungswesen
Viele sind gegen undemokratische Herrschaftsformen, die Anarchisten lehnen aber auch die Demokratie ab. Natürlich lehnen auch andere die Demokratie ab, aber die Anarchisten glauben, dass sie keine Regierung des Volkes ist, deshalb ist sie nach ihrer Auffassung ein Widerspruch in sich .Demokratie ist demnach nur realisierbar in kleinen Gemeinschaften, in denen jedes Mitglied an den Entscheidungen beteiligt ist. In einem solchen Falle aber ist dann eine parlamentarisch-politische Demokratie unnötig. Demokratie wird als Oligarchie (Cliquenherrschaft) verstanden, die Herrschaft einiger Menschen über andere. Anarchisten verstehen Demokratie als Gesellschaftsordnung, in der Herrschaftsgewalt mit Zwang ausgeübt wird. Wenn jedoch die Herrschaftsgewalt nicht mit ihrem Willen übereinstimmt, sind die Herrschenden auch nicht mehr die Vertreter des Volkes. Viele Menschen glauben, dass sie keine Verpflichtung gegenüber einer von ihnen nicht gewählten Regierung haben; dies trifft auch auf die Anarchisten zu. Ihrer Meinung nach kann man einer gewählten Regierung gehorchen, es besteht jedoch keine Pflicht dazu. Viele sind der Meinung, dass bei Veränderungen von wichtiger gesellschaftlicher Bedeutung das Volk befragt werden sollte. Nach Meinung der Anarchisten sollten die Menschen ihre Entscheidungen selbst treffen .Anarchisten sind gegen Gesellschaftsverträge und Vertretungswesen. Notwendige Maßnahmen werden ihrer Auffassung nach immer nur von ein paar Leuten durchgeführt. Dies sind in der Regel Leute mit Sachverstand und Interesse an der Problemlösung. Dies geht auch ohne Wahlen und Autorität, denn Sachverstand und Kooperationsbereitschaft zur Problemlösung bestehen sowieso. DELEGIERTER sollte nur der sein, der wirklich bevollmächtigt ist und jederzeit abrufbar ist. Herrscher als Repräsentanten auf Zeit sind schwer angreifbar durch eine abstrakte Argumentation. Anarchisten gehorchen nur aus praktischen Erwägungen heraus und nicht aus moralischen Erwägungen.


Staat und Klasse:
Die Anarchisten betreiben Opposition gegen den Staat als Quelle und Zentrum der Macht. Gemeint ist hierbei jeder Staat, wobei natürlich zwischen einer parlamentarischen Demokratie und dem Sowjet-Kommunismus differenziert wird. Dennoch ist der Staat als Generalobjekt unüblich. Heute bestehen weltweit nur noch Zentralregierungen und Institutionen als Beispiel für den Gebrauch von Autorität.

STAAT UND GESELLSCHAFT
Autorität ist heutzutage eine normale Verhaltensweise, die aber überwunden werden muss. Die Überwindung staatlicher Kontrolle erfordert, ohne sie auszukommen. Deshalb werden offenkundige Institutionen wie z.B. das Beamtentum, die Gesetze abgelehnt, aber auch andere Institutionen wie z.B. Schulen, Universitäten, Banken, gemeinnützige Einrichtungen, ...weil sie auf Zwang gegründet sind und vom Staat gelenkt werden. Institutionen haben zwar auch ihre guten Seiten .So haben sie z.B. eine nützliche Negativfunktion im Hinblick auf die Freiheit, indem sie der Machtanmaßung anderer Institutionen Grenzen setzen (freiheitlicher Rechtsstaat) und darüber hinaus eine nützliche Positivfunktion für die Gerechtigkeit, indem sie soziale Aktivitäten wie z.B: Bildung, Rentenprogramme, BSHG ermöglichen. Negativbeispiele: Die Kirche kontrollierte anstelle des Staates im Mittelalter alle Lebensbereiche, ohne ihre Einwirkung war nichts möglich. Heute jedoch haben die Menschen gelernt, dass die Beteiligung der Kirche am gesellschaftlichen Leben nicht notwendig ist, ihr Einfluss hat sich verringert. So ist es auch mit dem Staat. Die Anarchisten halten die Bevormundung durch den Staat für überflüssig, sie kommen ohne ihn besser zurecht. Der Staat unterdrückt Völker und schränkt ihre Freiheit ein. Soziale Funktionen könne jedoch auch durch freiwillige Vereinigungen ausgeübt werden.


STAAT UND KLASSE
Die Anarchisten glauben nicht, dass die Klasse eine Grundeinteilung der Gesellschaft ist. Für sie ist der Staat Vertreter der Wirtschaft, Besitzstandswahrer, er unterdrückt die Arbeitnehmer und verhindert die gerechte Verteilung der Mittel. Das System muss zerstört werden, jedoch nicht indem es durch einen neuen anderen Staat ersetzt wird. Jede durch einen Staat errichtete Gesellschaft wird nämlich zu einer Klassengesellschaft. Deshalb stellen Anarchisten die Forderung nach der Zerstörung des Staates auf, d.h. die Herrscher sind zu entmachten und die Reichen zu enteignen. Die Anarchie ist eine Gesellschaft ohne Herrschende und Reiche.

Organisation und Bürokratie:
Die Ablehnung von Autorität, Herrschaft und Regierungen ist nicht die Ablehnung jeglicher Ordnung. Die Anarchisten sind der Auffassung, dass mehr Organisation jedoch ohne Autorität besser funktioniert. Die Zustimmung soll hierbei den Zwang ersetzen. Durch vermehrte Diskussion und Planung nimmt jeder am Entscheidungsprozeß teil. Die hierdurch gesteigerte Zahl und Vielfalt von unterschiedlichen Projekten macht zunächst den Eindruck von Unordentlichkeit, ist jedoch den konkreten Bedürfnissen besser angepasst. Anarchisten lehnen die Institutionalisierung der Organisation ab, weil dies eine Etablierung von Unterdrückungsmechanismen bedeuten würde. Die anarchistische Organisation ist offen und flexibel, eine verschlossene/verhärtete Organistion führt zur Bürokratie und dies bedeutet Herrschaft der Experten/Professionellen. Aufgabe der Anarchisten ist die Bekämpfung dieser Tendenzen sowohl in den eigenen Reihen als auch in der Gesamtgesellschaft.


Besitz und Eigentum:
Beides wird nicht abgelehnt. Einerseits ist Diebstahl die ausschließliche Aneignung von irgendetwas durch irgendjemanden. Das Recht einer Person auf einen Gegenstand leitet sich nach anarchistischer Weltanschauung jedoch nicht von einem gesetzlichen Anspruch, einem Urheberrecht oder einer Schenkung ab, sondern maßgebend ist die Frage: "Benötigt sie ihn. ?".Hierbei ist das Prinzip der menschlichen Solidarität Maßstab: Z.B. stellt der Hauseigentümer einem Bedürftigen (ohne Wohnung) ein Zimmer zur Verfügung. Andererseits gehört zur Freiheit das private Vergnügen an Hab und Gut in einer ausreichenden Menge als Grundlage für ein befriedigendes Leben des Einzelnen. Als persönliches Eigentum ist daher die nicht zur Ausbeutung bestimmte persönliche Habe akzeptiert. Als öffentliches Eigentum ist jedoch das der Unterdrückung dienende Gut, z.B. die Produktionsfaktoren, hiervon abzugrenzen .Hierfür gilt, dass jeder Mensch ein Recht auf das mit eigener Arbeit geschaffene Gut besitzt, jedoch nicht auf das, was ihm durch andere zukommt. Dies beinhaltet das Recht auf benötigte Güter. Demnach haben also Reiche kein Recht auf ihren Besitz, dieser steht den Armen zu. In der heutigen Demokratie bedeutet unselbständige Arbeit die ewige Abhängigkeit von der Versorgung mit Gütern, die der jeweilige Arbeitnehmer nicht selbst produzieren kann .Das öffentliche Eigentum steht unter der Kontrolle von Managern als führende Ausbeuter der Besitzer bzw. des Staates. Heute kontrolliert eine Minderheit einen Großteil des öffentlichen Eigentums. Ursache hierfür ist aus anarchistischer Sicht nicht die Geldverteilung oder die Besteuerung, sondern, dass Menschen für Menschen arbeiten. Würden also die abhängig Beschäftigten den Gehorsam verweigern, würden Eigentum und Autorität in unserer Gesellschaft verschwinden .Nun stellt sich die Frage, warum dies alles so geschieht? Reformen und Revolutionen sind nur Scheinlösungen für diese Probleme. Die Anarchie fordert, alles unter allen aufzuteilen, die Selbstregulierung des Marktes inform von Angebot und Nachfrage, das freie Kreditwesen zur Verhinderung übermächtiger Kapitalanhäufungen. Der KOMMUNISMUS hingegen fordert die Enteignung des gesamten öffentlichen Eigentums, derjenigen, die mehr haben als andere sowie die Kontrolle über das öffentliche Eigentum in der gesamten Gesellschaft. Anarchie und Kommunismus gemeinsam sind das Ziel der Zerschlagung des gegenwärtigen Eigentumssystems und des gegenwärtigen Autoritätssystems.


Gott und Kirche
Die Forderung weder Gott noch Herr wird von vielerlei Strömungen vertreten. Die Atheisten/Agnostiker haben genauso wie die Rationalisten und Anarchisten den Glauben aufgegeben. Anarchisten sind gegen die gewaltsame Abschaffung von Religionen aber auch ihre Wiederbelebung. Früher war ein Staat ohne Kirche undenkbar, aber es ist so gekommen; heute ist eine Gesellschaft ohne Staat undenkbar.

Krieg und Gewalt:
Die Anarchisten lehnen Krieg ab, sie sind Anti- Militaristen. Anarchisten lehnen jedoch nicht generell Gewalt ab, sie sind keine Pazifisten .Krieg ist nach Auffassung der Anarchisten ein Paradebeispiel für Autorität außerhalb der Gesellschaft, er stärkt zugleich die innere Autorität der Gesellschaft. Die Ablehnung von Krieg ist die größte traditionelle Gemeinsamkeit aller anarchistischen Strömungen, hier herrscht Einigkeit bei allen Anarchisten .Krieg unterscheidet sich jedoch von einem Bürgerkrieg. Die Aufstände in Spanien und Russland im 20. Jahrhundert erfolgten unter Beteiligung von Anarchisten Diese waren sich aber immer bewusst, dass dies sinnlos und gefährlich für die neue Ordnung sein würde, denn eine Armee kann dem Volk niemals beim Aufbau einer neuen Ordnung helfen.

GEWALT
Gewalt ist keine neutrale Handlung und hat widerwärtige Charakterzüge, sie zerstört häufig die mit ihr verbundenen Absichten. Es hat in der Vergangenheit auch eine anarchistisch-terroristische Bewegung gegeben, ihre Anhänger waren jedoch immer eine Minderheit .Anarchisten haben stets jede überflüssige Gewaltanwendung vermieden. Gewalt entsteht immer, wenn ein Volk seine Unterdrücker abschütteln will. Hierbei ist allerdings zu bemerken, dass Armeen und ihre Machthaber die wirklichen Gewalttäter sind, denn sie verwenden z.B. Bomben. Die Anarchisten hingegen unternahmen nur örtliche Aktionen wie z.B. Defensivmaßnahmen oder aber Barrikadenbau. Gewalt ist ein extremes Mittel der Staatsgewalt zur Durchsetzung ihrer Autorität.

PAZIFISMUS UND ANARCHISMUS
Pazifisten und Anarchisten haben viele Gemeinsamkeiten. So ist z.B. der militante Pazifismus mit dem Mittel der Gewaltlosigkeit als Form der direkten Aktion (siehe Tolstoi, Ghandi ) der anarchistischen Widerstandsform sehr ähnlich. Während der Pazifismus jedoch die Autorität als schwächere Form der Gewalt ablehnt und dies nach Meinung der Anarchisten zu moralisierend bzw. zu weichherzig ist, lehnen die Anarchisten die Gewalt als schwächere Form der Autorität ab.

Individuum und Gesellschaft:
Grundeinheit der Menschheit ist aus dem anarchistischen Selbstverständnis heraus der Mensch. Die Gesellschaft ist demnach eine Ansammlung von Individuen und soll ihnen ein erfülltes Leben vermitteln. Menschen haben keine natürlichen Rechte. Menschen leben in einem Spannungsfeld. Individuen haben kein Recht, alles zu tun, aber auch kein Recht, ein anderes Individuum davon abzuhalten. In der Anarchie gibt es keinen Gemeinwillen, keine allgemeingültige soziale Verhaltensnorm. Individuen sind gleichartig aber nicht identisch. Wettstreit, Hilfe, Aggression, Zärtlichkeit sind natürliche Formen sozialen Verhaltens. Einige dieser Verhaltensformen jedoch fördern ein befriedigendes Leben des Individuums, andere behindern dies. Die gleiche Freiheit für jedes Mitglied der Gesellschaft ist der beste Weg, ein erfülltes Leben zu führen. Nach Meinung der Anarchisten soll die Gesellschaft jeden Menschen innerhalb seiner natürlichen Fähigkeiten gewähren lassen, dann wird dieser auch den anderen dieselben Freiheiten zugestehen. Moral und Ethik sind demnach als allgemeingültige Norm abzulehnen .Dies betrifft alle Bereich des Lebens, also Sex (freie Liebe ist möglich, aber auch Keuschheit des Individuums), Drogen, Gotteskulte, ...Maßstab für die Zulässigkeit individueller Freiheit ist die Frage, ob jemand anderes in seinen Rechten verletzt wird. Anarchisten sind immer gegen nationale, sexuelle, Unterdrückung unter dem Gesichtspunkt, dass dieses Verhalten gegen jemanden als Individuum gerichtet ist und nicht als Aggression als Angehöriger einer Rasse. Der Staat wird als Hauptfeind des Individuums verstanden, dies gilt aber auch für jede andere Form der Autorität, die Freiheiten einschränkt oder Individuen gleichschaltet.


DIE UNTERSCHIEDLCHEN STRÖMUNGEN DER ANARCHIE

Philosophische Anarchie
Sie ist der Ursprung der anarchistischen Idee. Als Idee ist diese Strömung wunderbar, jedoch nicht wirklich realisierbar, nicht wirklich erstrebenswert. Diese Idee wird von Leuten vertreten, die außerhalb der Anarchie stehen, jedoch auch innerhalb der Bewegung. Für eine Akzeptanz dieser Strömung spricht der Umstand, dass es sich innerhalb der anarchistischen Bewegung um eine Minderheitenbewegung handelt, dagegen, dass diese Richtung Widerwillen für das Verständnis des reinen Anarchismus schafft.

Individualismus, Egoismus, libertäres Denken:

INDIVIDUALISMUS
Nach ihrer Grundlage ist die Gesellschaft eine Ansammlung unabhängiger Individuen, die keinerlei Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft als Ganzes haben, sondern nur gegenüber anderen Individuen. Voraussetzung hierfür ist, dass alle Individuen frei und gleich sind. Dies ist nur aus eigenen Anstrengungen möglich, nicht durch außerhalb stehende Institutionen .Ein bedeutender Vertreter dieser Lehre war Godwin. Seiner Meinung nach sollten unabhängige Individuen alle Formen von ständigen Zusammenschlüssen vermeiden, weil die Gesellschaft ohne Regierung und mit einem geringstmöglichen Grad an Organisierung auskommen soll. Diese Richtung wird vorwiegend von Künstlern, Intellektuellen und Individualisten vertreten und ist bis heute ein elementarer Teil der Anarchie. Problembehaftet ist hierbei, dass die Individualisten nur die Autorität zerstören wollen. Dies ist zu oberflächlich gedacht, die wirklichen Probleme der Gesellschaft bleiben unbeachtet, der Einzelne kann sich retten.

EGOISMUS
Hauptvertreter dieser Richtung war Max Stirner. Er lehnte Moral, Gerechtigkeit, Schuld ab. Seiner Meinung nach muss die wesensbedingte Einmaligkeit eines Wesens direkt anerkannt werden. Er lehnte daher Staat und Gesellschaft ab. Diese Haltung ist dem Nihilismus sehr nahe. Er forderte die Freiheit für Künstler, und andere Menschen ohne Kompromissbereitschaft nach dem MOTTO: "Anarchie – jetzt oder nie!!" Wenn Anarchie schon nicht in der Gesellschaft möglich sein sollte, dann doch im Privatleben.

LIBERTÄRES DENKEN
Dieser Gedankenansatz begreift im weiteren Sinne Freiheit als eine gute Sache, im engeren Sinne Freiheit als das wichtigste politischen Ziel und als erste Station zum Anarchismus .Individualisten sind immer auch Libertäre. Libertäre Kommunisten bzw. Libertäre Sozialisten erkennen den Grundwert des Individuums an.

Mutualismus, Föderalismus:
Die Gesellschaft soll sich durch die Individuen aufgrund freiwilliger Abkommen selbst organisieren. Dies geschieht auf der Grundlage von Freiheit, Gleichheit und Gegenseitigkeit.


MUTUALISMUS
Es handelt sich um eine historisch wichtige Strömung .Einer der Hauptvertreter war Proudhon. Seiner Auffassung nach muss die Gesellschaft auf der Grundlage genossenschaftlicher Gruppen freier Individuen organisiert werden. Grundgüter des Lebens sollen auf der Basis von Arbeitswerten getauscht werden, Freie Kredite mit Hilfe einer "Volksbank" getauscht werden können .Zielgruppe seiner Ideen waren Handwerker, Bauern, Freischaffende, Selbständige, Spezialisten, also Menschen, die beruflich auf eigenen Füßen stehen. Seine Ideen wirkten im 19. Jahrhundert in Frankreich, Großbritannien und den USA, sie waren jedoch nicht weitgehend genug. Sie ignorierten Faktoren wie die Industrie, das Kapital, das Klassensystem. Seine Ideen lieferten jedoch das Grundgerüst für die Genossenschaftsbewegung, obwohl diese demokratisch geführt werden und nicht anarchistisch. In der Realisierung würde seine Lehre bedeuten, dass kommunale Aktivitäten in den Händen genossenschaftlicher Vereinigungen läge und weder Beamte noch Räte erlaubt sein würden .Ökonomischer Mutualismus bedeutet Genossenschaftswesen ohne Bürokratie, Kapitalismus und Profit.

FÖDERALISMUS
Die Gesellschaft sollte in einem größeren Rahmen als nur einer örtlichen Gemeinde mit einem Netzwerk von Räten verknüpft sein, die aus verschiedenen Gebieten stammen. Diese sollen ihrerseits selbst wieder Räte bilden, die größere Gebiete umfassen .Die Delegierten haben hierbei keinerlei Autoritätsbefugnisse, sie sind abhängig von den Weisungen des Auftraggebers (Gemeinde) bis zum Widerruf dieses Auftrages. Die Räte haben ein Sekretariat. Dieses System soll innerhalb der Länder und zwischen den Ländern funktionieren. Es ist bereits bei freiwilligen Organisationen, die nicht gewinnorientiert, sondern gemeinwohlorientiert sind, realisiert.


Kollektivismus, Kommunismus, Syndikalismus:
Der Anarchismus muss die direkte Bedrohung des Staates zum Ziel haben, denn eine neue Gesellschaft kann nur verwirklicht werden, wenn mittels einer sozialen Revolution die Arbeiterklasse Kontrolle über die Wirtschaft erlangen kann und der Staatsapparat zerstört wird. Durch eine Neugestaltung der Produktion mittels Überführung in Gemeineigentum und dessen Kontrolle durch Vereinigungen der werktätigen Menschen kann eine wirklich freiheitliche Gesellschaft erreicht werden. Die bei der Produktion hergestellten Arbeitsprodukte können von jedem gemäß seiner Fähigkeiten entsprechend seiner Arbeit erworben werden. Bea: Bakunin. Dies stellt ein Gegensatz zum Marxismus dar: In der einfachen Form des revolutionären Anarchismus wird nach einem Massenaufstand der Armen gegen die Reichen ein sofortiger Übergang zu einer klassenlosen und freien Gesellschaft ohne eine Übergangsphase der Diktatur verfolgt. Zielgruppe dieser Strömung sind Arbeiter, Kleinbauern, die Arbeiterbewegung (Militante), Sozialisten (Freiheit/Gleichheit).Diese Idee grenzt sich zum reformistischen Kollektivismus dahingehend ab, als dass dieser eine staatliche Produktionsüberwachung vorsieht.

KOMMUNISMUS
Die Unterschiede zum Kollektivismus sind deutlich .Nach dem Kommunismus sind nicht nur die Produktionsmittel in Gemeineigentum zu überführen, sondern auch die Arbeitsprodukte. Ihre Verteilung erfolgt nach dem Prinzip von jedem entsprechend seiner Fähigkeiten, für jeden entsprechend seiner Bedürfnisse. Kommunistischer Ansatz: Wenn Menschen Anspruch auf den vollen Gegenwert ihrer Arbeit haben, ist es unmöglich, den Wert der Arbeit des Einzelnen zu berechnen. Die Arbeit des Einzelnen ist nämlich in der Arbeit aller Menschen mit einbezogen, denn es gibt verschiedene Arten von Arbeit und somit verschiedene Bewertungsmöglichkeiten .Daher muss die gesamte Wirtschaft in den Besitz der Gesellschaft und das Lohn-/Preissystem ist abzuschaffen. Berkman hat eine sorgfältige Kritik der Gesellschaft erarbeitet und gleichzeitig Vorschläge für die Zukunft gemacht. Er erkennt den Klassenkampf an und geht mit seiner Kritik über den Kollektivismus hinaus. Im Kollektivismus wird das Problem der Arbeit behandelt und Kollektive von Arbeitern als Lösungsziel definiert. Im Kommunistischen A. sollen Kommunen die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft der Menschen werden. Am Beispiel der spanischen Revolution lässt sich nachvollziehen, dass in der CNT zwar nominell die kollektivistische Idee, in der Praxis aber der anarchistische Kommunismus realisiert wurde. Als Unterschied sei nochmals erwähnt, dass der Kommunismus das Gemeineigentum an der Wirtschaft, aber auch staatliche Kontrolle über die Produktion und die Güterverteilung sowie die Parteienherrschaft vorsieht.

SYNDIKALISMUS
Gesellschaftliche Organisationsformen sollten im Interesse der Arbeiterklasse auf Gewerkschaften und Syndikate begründet sein. Unter syndikalistischen Gewerkschaften werden allerdings nicht reformistische Tarifpartner sondern unabhängige Institutionen verstanden .Diese unabhängigen Institutionen erfassen die Struktur- und Beschäftigungsprobleme der Gewerkschaftsbasis, reformieren und lenken gleichzeitig die Wirtschaft nach dem Prinzip der Arbeiterselbstverwaltung. Die Arbeiter sind demnach militante und klassenbewusste Elemente einer starken Arbeiterbewegung. Problematisch ist jedoch, dass die Libertäre Grundsätze den Sachzwängen des täglichen Arbeitskampfes gegenüberstehen.Manche halten auch die Bedeutung der Arbeit bzw. der Arbeiterklasse für überbewertet. Ihrer Meinung nach ist Klassenkampf zwar ein Problem der Politik, aber nicht das einzige Betätigungsfeld der Arbeiter. Der Syndikalismus war jedoch die erfolgreiche Basis für die anarchistische Revolution im Spanien des Bürgerkrieges.

SCHLUSSFOLGERUNG
Die alten ideologischen Einteilungen sind überholt und beinhalten lediglich verbale Unterschiede. Sie zeigen einfach nur die unterschiedlichen Aspekte der Anarchie auf.


WAS WOLLEN DIE ANARCHISTEN
Endziel ist die Gesellschaft ohne Herrschaft.

Das freie Individuum
Anarchisten wollen mehr Spielraum für den Einzelnen, d.h. für das persönliche Verhalten wie auch für die gesellschaftliche Beziehung zwischen den Individuen. Die Familie als naturbedingte Lebensform entfällt. Kinder sind keine Notwendigkeit mehr. Jeder kann anders leben. Da Kinder keine Voraussetzung zum Überleben mehr sind und die Eheschließungen nicht mehr erforderlich sind, ist ein Zusammenleben auch in größeren Gruppen möglich, d.h. ohne feste Zweierbeziehungen und offizielle Elternschaft. Machtanwendung im Bereich der Familie entfällt. Persönliche Beziehungen ergeben sich demnach aus der natürlichen Solidarität. Ein moralischer Druck der Öffentlichkeit ist ausreichender Regelungsfaktor für das menschliche Zusammenleben (die Idealanforderungen sind Richtwerte).Probleme: Der moralische Druck der Gesellschaft, Bürgerwehren. Ziele: Loslösung von alten Problemen der Gesellschaft, Erlangung eines gewissen Lebensstandards.

Die freie Gesellschaft
Sie setzt die Entmachtung der Autorität und die Enteignung des Eigentums voraus. Statt einer Regierung gewählter Volksvertreter ordnen auf Zeit gewählte Delegierte, die jederzeit abrufbar sind, das Zusammenleben. Es muss sich hierbei um Berufssachverständige handeln, die ihren Auftraggebern wirklich verantwortlich sind. Diese organisieren sich in freien Vereinigungen von Räten, Syndikaten und sind zuständig für die kleinste Werkstatt bis zu Industriekomplexen, vom Wohnblock bis zur ganzen Stadt. Ihre Aufgabe ist die Produktion/Verteilung der Güter, die Regelung der Arbeitsbedingungen und des Gemeinschaftslebens (Kultur, Kommunikation), die Bildung von Bezirkszusammenschlüssen. Durch die praktische Zusammenarbeit der freien Vereinigungen findet eine Dezentralisierung der Verantwortung statt. Dies spricht für den Anarchismus, denn Schuld an den Kriegen hatten immer Großmächte. Durch die Zerschlagung der Großmächte könne Länder zu einer kulturellen Einheit werden. Wichtigste Aufgabe ist hierbei die Bildung freier Vereinigungen zur Verwaltung von Wohlstand und Eigentum, um die gerechte Verteilung unter allen Mitgliedern sicherzustellen und einen gerechten Nutzen für alle Mitglieder zu schaffen. Der Güterverkehr kann auf der Basis eines reinen Tauschhandels, mit Geldverkehr als Tauschmittel oder aber auf der Grundlage freier Verfügbarkeit organisiert werden. Unter freier Verfügbarkeit ist die Benutzung von Straßen, Büchereien und Wäldern, ... ohne Entgelt zu verstehen. Eine gleichmäßige Aufteilung bzw. uneingeschränkte Umverteilung des Wohlstandes führt zum Ende des auf Privateigentum ausgerichteten Klassensystems. Dies ist notwendig zur Beendigung des auf Kontrolle beruhenden Klassensystems. Die Räte müssen allerdings wachsam sein, um eine neue Bürokratisierung zu verhindern. Sie müssen also für eine Neugestaltung und Umorganisation der Arbeit sorgen.


Die Arbeit
Die Arbeit beinhaltet die Herstellung und Verteilung von Gütern zur Befriedigung der Grundbedürfnisse sowie von Luxusgütern. Die hierfür maßgebende planmäßige Gestaltung der Arbeit ist hierbei der wichtigste Ansatz. Grundforderungen: Die meiste Arbeit ist unangenehm, eine bessere Organisation macht sie erträglicher. Arbeit sollte von den Menschen organisiert werden, die sie auch leisten.

Übereinstimmungen mit dem Marxismus :
Der Marxismus betrachtet die Organisationsform der Arbeit in der gegenwärtigen Gesellschaft als entfremdet. Die Menschen arbeiten, um leben zu können. Da eigentlich das Private das Leben ausmachen sollte, kann der Genuss nicht mit Arbeit gleichgesetzt werden. Eine Abschaffung niederer Tätigkeiten führt zum Wohlstandsabbau. Automation macht jedoch andererseits Arbeit noch eintöniger. Deshalb ist eine Neuorganisation der Arbeit erforderlich. Selbstverständlich ist es, dass jeder, der an der Durchführung einer Arbeit beteiligt ist, auch eine Wahlmöglichkeit zwischen den Arbeiten haben sollte.

Unterschied zum Marxismus :
D.h. auch die Organisation der Arbeit ist Sache der Arbeiter, die dort selbst beschäftigt sind und sie durchführen und nicht als Arbeiterklasse oder Gewerkschaft. Dies bedeutet nicht, dass die gesamte Belegschaft eines Betriebes ihre Manager selbst wählt und Einblick in alle Geschäftsunterlagen erhält .Kontrolle bedeutet hier lediglich Verfügungsgewalt über die direkt ausgeführte Arbeit. Wichtig ist hierbei die größtmögliche Freiheit über Leben und Arbeit in allen Arbeitsbereichen sowie eine möglichst weitgehende Produktionsplanung durch eine breite Basis. Dies darf jedoch nicht zu einem Wettbewerb führen .Die herkömmliche Wissenschaft war immer an einer Produktionssteigerung interessiert, was zu einer Distanz zwischen arm und reich geführt hat. Insofern sollte sich nach der anarchistischen Lehre die Wissenschaft mehr am Konsum orientieren, damit die Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft befriedigt werden.

Notwendige Güter und Luxus:
Die Ausbeutung von Grundbedürfnissen ist unzulässig .Lebensnotwendige Dinge sind alle die Güter, die verbraucht werden müssen. Hierzu zählen u.a. Land, Nahrung, Häuser, Bekleidung, Werkzeuge. Diese Güter sind im Bedarfsfall den Kapitalisten zu entziehen. Sind sie im Überfluss vorhanden, hat jeder das Recht zu ihrem Verbrauch. Wenn nicht, dann gibt es ein frei vereinbares Verteilungssystem. Hauptaufgabe einer gesunden Gesellschaft ist die Beseitigung eines Mangels an notwendigen Gütern in anderen Ländern mit zu beseitigen. Bei unserem heutigen Stand der Technik müsste niemand mehr hungern. Luxusgüter sollen auch zur freien Verfügung gestellt werden, wenn die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern sichergestellt ist. Im Hinblick auf Kultur und Geistesleben ist zu sagen, dass diese Güter in den Händen des Einzelnen verbleiben und nicht in die Hände der Gesellschaft gelegt werden sollen.

Wohlfahrtsgesellschaft:
Fürsorgeverpflichtungen der Menschen untereinander müssen von der Gesellschaft als Ganzes übernommen werden. Dies bedeutet gegenseitige Hilfe außerhalb des Arbeitsplatzes, der Wohnung und Familie/Freunde. Durch Erziehung werden die Kenntnisse und Fähigkeiten für das Gesellschaftsleben erworben. Diese These vertraten u.a. Rousseau, Pestalozzi, Neill. Die staatliche Erziehung befürwortet den Einfluss von Menschen, sieht aber keine Notwendigkeit, den Erziehungsprozess zu kontrollieren. Die Anarchisten wollen weitergehendere Reformen im Erziehungswesen: Die Abschaffung jeglicher Ordnung, Disziplin, außenstehender Autoritäten, die Befreiung der Schüler von den Lehrern. Ihrer Meinung befugt größeres Fachwissen nicht zur Machtausübung. Die Lehrer sollten lediglich ihr Fachwissen besitzen, dies vermitteln und dafür Anerkennung und Bewunderung erhalten. Die Macht des Schülers ist hierbei unwichtig. Das Band zwischen Lehrer und Herrschenden soll zerschnitten werden. Im Hinblick auf die Gesundheit soll jeder ein Recht auf freie medizinische Versorgung besitzen, d.h. medizinische Versorgung ohne dafür zu bezahlen. Die Erledigung aller Arbeiten soll ohne Rangordnung erfolgen, d.h. alle kontrollieren sich gegenseitig.

Kriminalität: Die meisten Kriminellen sind Menschen wie alle anderen auch, nur sie sind unglücklicher, schwächer, ärmer, dümmer ...Wiederholungstäter gehören nicht bestraft, um sie muss man sich kümmern. In der Regel werden nicht die großen Bosse und Chefs gefasst, sondern die "kleinen Fische" wegen Geringfügigkeiten. Große Vergehen in der heutigen Gesellschaft bleiben oft unaufgeklärt, sie werden jedoch teilweise vom Staat selber begangen. Bestrafung schadet also der Gesellschaft mehr, als dass sie ihr hilft. Trotzdem ist die Gesellschaft natürlich vor einigen Straftätern zu schützen. Sie sollten jedoch mit Ächtung oder Verbannung verurteilt werden, nicht aber mit Haft oder Hinrichtung.

Pluralismus:
Die Rechte des Einzelnen werden an verschiedenen Fallbeispielen dargelegt:

- Ein Individuum weigert sich, sich der Gesellschaft anzuschließen, es will sie verlassen. Dennoch bleiben Grundbedürfnisse wie z.B. Gütertausch bzw. Rohstoffbeschaffung in der Gesellschaft unverzichtbar. Diese Art des Individualismus ist zu unterstützen.

- Ein Individuum beutet andere aus, z.B. durch ungerechte Bezahlung oder Warentausch zu unangemessenen Preisen. Dies ist unwahrscheinlich. Doch genauso wie Besitzaneignung möglich ist, genauso kann Besitz enteignet oder wiederangeeignet werden.

- Eine separate Gemeinschaft will Macht, Bevorzugung, Wohlstand. Die Individuen können sich dieser Gruppe anschließen, denn Abweichungen von Freiheit und Gleichheit müssen erlaubt sein. Einzige Bedingung: Niemand darf gezwungen werden, gegen seinen Willen dort beizutreten.

Ein Problem gegenüber den Fallbeispielen liegt darin begründet, dass die Anarchisten die Massengesellschaft durch eine Vielzahl von Gesellschaften ersetzen wollen, die so frei wie das in ihnen lebende Individuum sind. Die größte Gefahr gegenüber dieser pluralistischen Gesellschaft liegt in Angriffen von außen. Es stellt sich daher die Frage, wie eine solche Gesellschaft zustande kommen kann:

Revolution oder Reform:
Viele Anarchisten waren zur Durchsetzung einer freien Gesellschaft immer schon für eine gewaltsame Revolution. Andere Anarchisten lehnen Gewalt und Revolution als Mittel ab, weil ihrer Meinung nach jede Gewalt eine Gegengewalt nach sich bringt. Die Ziele der Anarchisten sind zwar revolutionär, jedoch führt nicht jede Revolution unbedingt zum Ziel.

GEMEINSAMKEITEN
Der Revolutionär weiß, dass seine Anstrengungen lediglich zu Reformen führen. Der Reformist ist sich bewusst, dass seine Arbeit zu einer Art Revolution führt. Ziel der anarchistischen Revolution ist ein ständiger Druck in allen Gesellschaftsbereichen, durch den sich die Menschen in Individuen entwickeln können, die Institutionen umgestaltet werden können, die Provokation von Volksaufständen, die Zerstörung von Macht und Eigentum .Dies geht nur durch Widerstand, indem jemand dem Staat entgegentritt. Der eigentliche Kampf geht erst nach der Zerschlagung des Systems los. Ein neues Staatssystem ist zu verhindern, der Aufbau einer freien Gesellschaft anzustreben .Jeder muss dann Stellung beziehen.


WAS TUN DIE ANARCHISTEN

Erfahrungen machen, Schranken und Werte durchbrechen
Zunächst gilt es, die Notwendigkeit einer Regierung infrage zu stellen, ein neues Weltbild muss entwickelt werden, vor allem auch durch Gespräche zwischen Anarchisten und Nichtanarchisten. Diese Streitgespräche dienen auch der Festigung der eigenen Meinung. Es bedarf der Bildung einer Organisation, die anarchistische Ideen propagiert und anarchistisch handelt.

Die Diskussionsrunde als Keimzelle
Zunächst muss die Lebensfähigkeit einer anarchistischen Organisation hergestellt werden. Dazu bedarf es Kontaktaufnahmen mit anderen Gruppen. Die Organisation muss breiter angelegte Aktivitäten durchführen.

PROPAGANDA DES WORTES
Es müssen öffentliche Treffen organisiert werden, wo nicht nur anarchistische Gesinnungsgenossen eingeladen sind, sondern auch andere , z.B. sonst wie persönliche Bekannte .Die Medien sollten genutzt werden, also Radio, Fernsehen, wobei die öffentlich-rechtlichen Anstalten wegen ihres Status unzureichende Adressaten sind. Eine weitere Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit sind Kinos und Theater, die Veröffentlichungen in Büchern oder Zeitschriften.

AGITATION
Wenn Menschen z.B. aus bestimmten Kreisen für anarchistische Ideen offen sind, sollten ihnen für ihre Probleme realitätsbezogene und praxisnahe Vorschläge gemacht werden. Dies hat z.B. zu einem Erfolg der anarchistischen Bewegung in Russland vor 1914 und Spanien 1930 geführt.

DIE TAT
In der Geschichte des Anarchismus ist es immer wieder zu Demonstrationen, Aufruhr und Erhebungen gekommen, insbesondere im 19. Jahrhundert überwiegte bei den Anarchisten die Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung mit der Staatsgewalt. Heute beschränken sich die Aktivitäten der Anarchisten eher auf Sit-ins, organisatorische Störungen von Veranstaltungen oder zivilen Ungehorsam. Diese moderne Form der Agitation reizt zum Handeln, während die Tat das Handeln bedingt.

Die Aktion
In der Evolution jeder anarchistischen Gruppe kapselt sich diese irgendwann gegen eine Überwachung durch den Staat ab. Gleichzeitig behält sie jedoch damit ihre Beweglichkeit bei, sonst würde sie ins autoritäre abgleiten. Die Hauptgefahr in dieser Entwicklung liegt in der staatlichen Verfolgung aufgrund der damit verbundenen Gefahr für die Obrigkeit. Die Diskussion über Sinn und Zweck der Agitation ist weit verbreitet. Man streitet sich darüber, ob diese Aktionsform legal oder illegal, gewaltsam oder gewaltlos, erfolgreich oder vergebens ist .Eine heute übliche Form des Widerstandes ist die Direkte Aktion: Hier sollen Universitäten, Häuser, Fabriken, Militärstützpunkte besetzt werden. Diese Aktionsform entspricht Libertäre Grundsätzen. Sie dient dem Aufbau und der Verteidigung einer freien Gesellschaft.

Gefahr des Nihilismus:
Viele in unserer Gesellschaft glauben, dass der Anarchismus nicht durchsetzbar ist und sind in ihrer Hoffnung auf eine freie Gesellschaft sehr skeptisch. In der Zarenzeit haben junge Russen (Anhänger von Turgenjew 1850) Staat, Moral, Gesellschaft verneint und terroristische Anschläge als radikale Aktionsform gegen die verhassten Institutionen verübt. Dieser Versuch, die Gesellschaft physisch anzugreifen, hatte schlimme Folgen.
BOHEME
Diese Weltanschauung war eine gemäßigte Form von Anarchistischer Weltanschauung. Der Boheme hebt sich nach seinem Selbstverständnis von der Gesellschaft ab., obwohl er in ihr und durch sie lebt .Er verweigert gesellschaftliche Werte und reagiert auf sie mit Amüsement und Provokation. Das negative an der Boheme ist, dass sie aktive Kräfte hemmt.

HEUTE
Heute bilden die Anarchisten eigene zwanglose Gemeinschaften, gegründet auf in der Gesellschaft lebende und arbeitende Menschen. Sie sind die Keimzelle einer neuen Gesellschaftsform. Sie sind eine lebensfähige Form der Zuflucht vor den Ansprüchen der Obrigkeit.

PERMANENTER PROTEST
Moderne Anarchisten haben keine Hoffnung auf das Erlangen des Zieles, d.h. Realisierung der Anarchie, Zerstörung der Gesellschaft .Deshalb ist auch nicht die Zukunft als Utopie wichtig, sondern die bittere Erkenntnis der heutigen Realität. Dennoch müssen die Anarchisten ihre Ideen weiterverfolgen, auch wenn sie wissen, dass ihre Bemühungen nicht zum gewünschten Ziel führen werden. Anarchisten waren immer in der Minderzahl daher ist ihre Mitwirkung an größeren linken Bewegungen empfehlenswert. Damit ist in erster Linie eine Mitarbeit in der Arbeiterbewegung, der Friedens-/Anti-AKW-Bewegung oder der Realisierung der Gleichberechtigung von Frauen gefordert .Durch das Bündnis mit Nicht – Anarchisten besteht natürlich die Preisgabe anarchistischer Grundsätze. Jedoch wenn sich die Anarchisten nicht an anderen Gruppen beteiligen, besteht die Gefahr des Sektierertums. Die Anarchisten sollten sich bei den Bündnissen mit Nicht-Anarchisten über die enge Verknüpfung der Wahrung Libertäre Methoden in der Bündnisarbeit mit der Anwendung konkreter Methoden zur Verfolgung eines bestimmten Zieles im klaren sein.










Quelle: Internet, Bücher




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