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Titel:

Johann Wolfgang Goethe


  Note: 1   Klasse: 10









Arbeit: Johann Wolfgang Goethe
In der Bibel des Bildungsbürgers – Büchmanns Zitatenschatz der »Geflügelten Worte« – kommt Goethe auf etwa die gleiche Seitenzahl wie Schiller. In Anbetracht dessen, daß Schiller nur 45 Jahre alt wurde, Goethe dagegen 82, verwundert dieses Verhältnis: Immerhin standen Goethe mehr als doppelt so viele Schaffensjahre zur Verfügung, und der Umfang seines Werks übertrifft dasjenige Schillers um ein Vielfaches.
Offenbar sperrt sich das Werk Goethes eher gegen eine Vereinnahmung durch bildungsbürgerliche Identifikation per Zitat als das Schillers, oder anders gewendet: Schillers Idealismus ließ sich noch leichter mißdeuten und zum leeren Pathos mißbrauchen als der in der Anschauung verankerte 'Realismus' Goethes.
Trotzdem ist Goethe der Klassiker der deutschen Literatur schlechthin; nicht zuletzt hat sich der Begriff Goethezeit (zuerst bei H.A. Korff) für die von vielfältigen Strömungen geprägte Epoche etwa zwischen 1770 und 1830 eingebürgert. Wenngleich eine solche Bezeichnung zu sehr die Person und das Werk Goethes in den Mittelpunkt stellt, so zeigt sie doch, in welchem Maße sich in seinem dichterischen Schaffen Entwicklungen der deutschen Geistesgeschichte am Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts spiegeln.
Goethe ist zu einer Symbolgestalt – man könnte auch sagen: Kultfigur – der deutschen Geistesgeschichte geworden. Doch hinter dieser Symbolgestalt droht das Bild des Menschen Goethe zuweilen zu verblassen.
Erste Jugendzeit. Frankfurt 1749 – 1765
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater, Johann Caspar Goethe, war Erbe eines beträchtlichen Vermögens, hatte Jura studiert, auf Reisen nach Frankreich und Italien vielseitige Kenntnisse erlangt und gehörte als Kaiserlicher Rat zu den angesehensten Bürgern Frankfurts. Er konnte sich ohne berufliche Verpflichtungen seinen privaten Studien widmen. 1748 heiratete er Catharina Elisabeth Textor; von den sechs Kindern, die aus dieser Ehe hervorgingen, überlebten nur Johann Wolfgang und seine um ein Jahr jüngere Schwester Cornelia.
2Wie es in vornehmen Bürgerhäusern üblich war, erhielt der junge Goethe Unterricht von Hauslehrern, vor allem in alten und neuen Sprachen. Schon früh kam er mit der Welt des Theaters in Berührung; im Alter von elf Jahren besuchte er – während der Besetzung Frankfurts im Siebenjährigen Krieg durch die Franzosen – regelmäßig die Aufführungen einer französischen Schauspielertruppe. Studium. Leipzig 1765 – 1768Mit sechzehn ging Goethe zum Studium der Rechte nach Leipzig. Die Messestadt, die im Geist des Rokoko eine viel modernere Atmosphäre ausstrahlte als das konservative Frankfurt, beeindruckte ihn stark. An der Universität hörte er außer Jura auch Vorlesungen über Poesie bei den berühmten Aufklärern Johann Christoph Gottsched und Christian Fürchtegott Gellert, die ihn jedoch beide enttäuschten. Sehr systematisch scheint er sein Studium in den drei Leipziger Jahren nicht betrieben zu haben, dafür lernte er Radieren und Kupferstechen und nahm Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, einem Freund des berühmten klassizistischen Kunsttheoretikers Johann Joachim Winckelmann. In seine Leipziger Zeit fällt auch die erste 'große Liebe' Goethes: ein kurzes Verhältnis mit Käthchen Schönkopf, der Tochter der Wirtsleute, bei denen er seinen Mittagstisch hatte. Der Stoff für sein erstes vollendetes Drama Die Laune des Verliebten geht auf dieses Erlebnis zurück. Eine Krise. Frankfurt 1768 – 17701768 zwang ihn eine schwere psychische und physische Krise – über deren Ursache nur Vermutungen angestellt werden können –, nach Frankfurt zurückzukehren, wo er sich im Elternhaus nur langsam wieder erholte. In der Zeit seiner Rekonvaleszenz befaßte er sich unter dem Einfluß Susanna Katharina von Klettenbergs, einer Freundin seiner Mutter und Anhängerin der Herrnhuter Brüdergemeinde, mit mystischen und pietistischen Schriften. Zur selben Zeit wurde von dem Arzt Johann Friedrich Metz sein Interesse für die Erforschung der Natur geweckt. Straßburg. Sesenheim. 1770 – 1771Gegen Ostern 1770 verließ Goethe Frankfurt zum zweitenmal, um in Straßburg sein abgebrochenes Studium zu beenden. Straßburg bedeutete in vieler Hinsicht einen völligen Neubeginn. Nicht nur daßer hier ernsthaft studierte (allerdings nicht die wenig geliebte Juristerei, sondern vorwiegend Medizin und Staatswissenschaft), nicht nur daß ihm der Anblick des Straßburger Münsters die Augen öffnete für die zu seiner Zeit noch verpönte gotische Architektur – in Straßburg lernte er auch Menschen kennen, die für seine weitere Entwicklung von wegweisender Bedeutung waren.

3Am folgenreichsten war seine Begegnung mit dem Literaten und Geistlichen Johann Gottfried Herder. Er machte Goethe mit der antirationalistischen Gedankenwelt des Philosophen Johann Georg Hamann bekannt, wußte ihn für Shakespeare und Ossian zu begeistern und lenkte seine Aufmerksamkeit auf den ästhetischen Reiz der Volkspoesie. Hier in Straßburg kam er auch mit dem Arzt und Schriftsteller Johann Heinrich Jung-Stilling und dem Dramatiker Jakob Michael Reinhold Lenz zusammen. In diesem Kreis bildeten sich die entscheidenden Ideen der Sturm-und-Drang-Bewegung heraus. Nicht minder wichtig als dieser intellektuelle Austausch war in Goethes Straßburger Zeit die Liebe zu Friederike Brion, der Tochter eines Landgeistlichen in Sesenheim. Der idyllische, naturnahe Lebensraum des Pfarrhauses trug wohl mit dazu bei, daß ein Strom lyrischer Produktion einsetzte, der sich von der literarischen Konvention zugunsten einer Sprache der echten Empfindung löste. Willkommen und Abschied, Mailied und Heidenröslein sind die bekanntesten Gedichte aus dieser Zeit. Doch vermochte ihn die ländliche Idylle auf Dauer nicht zu fesseln; immer stärker wurde der Wunsch nach neuen Erfahrungen und verantwortlicher Tätigkeit. Am 4. August 1771 schloß Goethe sein Studium mit dem Grad eines Lizentiaten der Rechte ab und kehrte nach Frankfurt zurück. Die Beziehung zu Friederike Brion löste er brieflich. Rechtsanwalt. Frankfurt, Wetzlar. 1771 – 1775In seiner Heimatstadt wurde Goethe Rechtsanwalt beim Schöffengericht, wo er – mit einem Zwischenspiel in Wetzlar – vier Jahre lang arbeiten sollte. Doch beschäftigte er sich weiterhin intensiv mit der Literatur, so schrieb er bereits 1771 die programmatische Rede Zum Schäkespears Tag und als ersten großen dramatischen Wurf die Urfassung des Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. 1772 ging Goethe ans Reichskammergericht nach Wetzlar, um als Praktikant seine juristischen Kenntnisse zu erweitern. Hier befreundete er sich mit dem Gesandtschaftssekretär Johann Christian Kestner und dessen Braut Charlotte Buff. Seine Sympathie für Lotte steigerte sich zur maßlosen Leidenschaft, so daß er bereits im September wieder nach Frankfurt zurückkehrte, um die Spannungen nicht eskalieren zu lassen. Diese Erfahrung einer aussichtslosen Liebe bildet das biographische Substrat für Goethes zweites großes Werk, den Roman Die Leiden des jungen Werthers, der 1774 im Druck erschien. Mit diesem Roman und dem Drama Götz von Berlichingen, das im selben Jahr in der zweiten, überarbeiteten Fassung erschien, gelang dem erst 24-jährigen Goethe der Durchbruch zum Ruhm. Nicht minder berühmt wurden seine Hymnen aus dieser Zeit, allen voran Prometheus, das als das Sturm-und-Drang-Gedicht schlechthin gilt.


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Ein Jahr darauf verlobte sich Goethe mit Lili Schönemann, der sechzehnjährigen Tochter eines Frankfurter Handelsherrn. Obwohl die Verbindung anscheinend sehr glücklich war, fürchtete Goethe die Enge eines bürgerlichen Lebens in »häuslicher Glückseligkeit«. Nach einer Reise mit den Grafen Stolberg in die Schweiz trennte er sich von seiner Braut, um einer Einladung des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach zu folgen.
Weimar, erste Phase. 1775 – 1786
Am 7. November 1775 traf Goethe in Weimar ein, wo er – mit nur einer längeren Unterbrechung, seiner Italienischen Reise – bis zum Ende seines langen Lebens blieb. Herzog Karl August war gerade achtzehn Jahre alt und hatte soeben die Regierung übernommen; seine Residenz Weimar war ein Nest mit knapp 6000 Einwohnern. Der junge Herzog war übrigens kein besonders kunstsinniger Monarch; ihm lagen die Jagd und das Militär mehr am Herzen als die Literatur. (Den »Weimarer Musenhof« begründete die Herzogin-Mutter Anna-Amalie, die, neben anderen Intellektuellen der Zeit, schon Christoph Martin Wieland als Prinzenerzieher an ihren Hof gezogen hatte.) Trotzdem, oder gerade weil der junge Herzog diesen Herrschertyp verkörperte, der auch das Idol des Sturm und Drang war, wurden Goethe und Karl August schnell enge Freunde. Es ging eine Weile bunt zu am Fürstenhof, die Stürmer und Dränger Jakob Michael Reinhold Lenz und Friedrich Maximilian Klinger erschienen; man ging auf die Jagd und verschreckte brave Bauern und Bürger mit allerlei Schabernack.
1776 kam auch – auf Veranlassung Goethes – sein Straßburger Mentor Johann Gottfried Herder nach Weimar, wo er das Amt des Generalsuperintendenten übernahm. Im Juni desselben Jahres trat Goethe dann formell als Geheimer Legationsrat in den Weimarischen Staatsdienst ein, im September 1779 wurde er Geheimer Rat (25 Jahre später Wirklicher Geheimer Rat, Exzellenz und Staatsminister). Er hat von Anfang an die Regierungsgeschäfte ernster genommen, als man es von einem jungen Dichter erwarten konnte.
Die Begegnung mit Charlotte von Stein war für die persönliche Entwicklung Goethes das bedeutendste Ereignis dieses Lebensabschnitts. Unter dem Einfluß der sieben Jahre älteren, hochkultivierten Hofdame streifte er viel vom Genie-Gehabe seiner Sturm-und-Drang-Phase ab. Dichterisches Ergebnis dieses Wandlungsprozesses ist das Drama Iphigenie auf Tauris, geschrieben im Februar und März 1779 – eigentlich das einzige größere Werk von bleibender Gültigkeit aus der ersten Weimarer Zeit, in der sonst wenig entstand. Daneben bleiben das Drama Die Geschwister und die Hymne Harzreise im Winter bedeutsam; auch so vollendete Gedichte wie An den Mond und Wanderers Nachtlied gehören in diese Zeit. Auch die naturwissenschaftlichen Studien Goethes nahmen nun ernsthafte Formen an, und 1784 entdeckte er den menschlichen Zwischenkieferknochen.
Weimar, zweite Phase. 1788 – 1794
Nach anderthalb Jahren, 1788, kehrt Goethe nach Weimar zurück. Die alten Freunde, Herder und Frau von Stein zumal, empfangen ihn kühl.Doch sogleich verliebt er sich wieder: in Christiane Vulpius, ein 23jähriges Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Sie wird fortan seine Lebensgefährtin, ohne daß Goethe diese Beziehung (selbst nach der Geburt des Sohnes August, 1789) durch eine Eheschließung vorerst legalisiert hätte. »Ich bin verheiratet, nur nicht durch Zeremonie«, kommentierte er – und die Hofgesellschaft zerriß sich über diese Mesalliance den Mund.
Seine Aufgaben als weimarischer Staatsbeamter konzentrierten sich nach seiner Rückkehr vor allem auf die künstlerischen und wissenschaftlichen Belange. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die Universität Jena; besonders aber entsprach seiner Neigung das Amt des Direktors des 1791 gegründeten Weimarer Hoftheaters, das er zu einer der führenden Bühnen in Deutschland machte. Auch dichterische Werke entstanden nun wieder: u.a die schon erwähnten Römischen Elegien, die Venetianischen Epigramme, der Reineke Fuchs in Hexametern. Doch die Naturwissenschaft ließ ihn nicht los: Er schrieb die Metamorphose der Pflanzen (1790) und befaßte sich intensiv mit der Knochenlehre.
Die französische Revolution betrachtete Goethe – anders als Wieland, Klopstock, Herder oder Schiller – von Anfang an mit Skepsis: Sie widersprach seiner Idee von einer allmählichen Entwicklung in Natur und Geschichte. In seinen Dramen Der Groß-Kophta, Der Bürgergeneral, Die Aufgeregten und im Novellenzyklus Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten hat er sich ausdrücklich von gewaltsamem Umsturz als Mittel der Politik distanziert. 1792 nahm Goethe am erfolglosen Feldzug gegen die Revolutionsarmee im Gefolge seines alten Freundes Karl August teil, der inzwischen General geworden war und ein preußisches Regiment kommandierte. Fast 30 Jahre später schilderte er dieses Erlebnis in seiner Kampagne in Frankreich.
Weimar, dritte Phase: Schiller. 1794 – 1805
1794. Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Goethes Werther im Druck erschien, und so viel er inzwischen auch geschrieben hat, kaum mehr etwas war wieder wirklich populär geworden, und vergleichsweise Weniges davon ist später in den Kanon der klassischen Literatur eingegangen (Iphigenie, Egmont, Tasso sind freilich dafür um so gewichtiger). Seine naturwissenschaftlichen Forschungen, die trotz origineller Ideen und frappierender Funde letztlich Dilettantismus blieben, haben ihn viel Kraft und Zeit gekostet. Jetzt aber geschieht etwas, das nur vergleichbar ist mit Goethes Herder-Begegnung in Straßburg: Er lernt Friedrich Schiller kennen.
7Das heißt, gekannt hatte man sich von Jena her schon einige Jahre, flüchtig, und mochte sich nicht besonders. Doch eines Tages, in einem Gespräch in der Jenaer »Naturforschenden Gesellschaft« über die Metamorphose der Pflanzen, kamen sich die beiden Dichter näher. Schiller war 35, also zehn Jahre jünger, hatte u. a. mit Die Räuber und Kabale und Liebe seinen persönlichen Sturm und Drang nachgeholt, war dann durch die Lektüre Kants zu einer inneren Wandlung gelangt; er war, viel mehr als Goethe, ein philosophischer Kopf. Schiller ging von der Idee aus, Goethe kam von den Anschauungen her. So waren sie diametrale Gegensätze, konnten sich aber gerade dadurch ergänzen. Aus der Bekanntschaft erwuchs bald eine enge Zusammenarbeit, und für Goethe begann eine Phase intensiver dichterischer Produktion. Die schon erwähnten Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten veröffentlichte Schiller in seiner Zeitschrift Horen noch 1794, die Römischen Elegien 1795, die Venetianischen Epigramme erschienen 1796 in seinem Musenalmanach. Im selben Jahr verfaßten Goethe und Schiller zusammen ihre Xenien, boshafte Epigramme auf zeitgenössische Kritiker und Dichter-Kollegen. 1797 wurde das berühmte Balladen-Jahr, in dem Goethe Die Braut von Korinth, Der Zauberlehrling und Der Gott und die Bajadere schuf. Wichtiger noch: Goethe schloß seinen Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre ab, nahm die Arbeit am Faust wieder auf, die lange geruht hatte, und schrieb das Vers-Epos Hermann und Dorothea, mit dem er erstmals seit dem Werther wieder Erfolg bei einem breiteren Publikum hatte. Ein Jahrzehnt dauerte diese Zusammenarbeit, in der Goethe und Schiller ihre klassische Ästhetik in gegenseitiger Befruchtung entwickelten, eine Ästhetik, die ein Jahrhundert lang in Deutschland die Geister beherrscht hat. Auch wo neue Positionen gesucht wurden – zuerst in der Romantik – geschah dies immer in Auseinandersetzung mit den Weimarer Dioskuren. Mit dem Tod Friedrich Schillers 1805 endete jäh diese fruchtbarste Phase in Goethes Leben. Weimar, letzte Phase. 1805 – 18321806 schloß Goethe sein Drama Faust, der Tragödie erster Teil ab, das in seinen ersten Entwürfen bis in die Sturm-und-Drang-Zeit zurückreicht (Urfaust). Im selben Jahr heiratete er (endlich) seine langjährige Lebensgefährtin Christiane. Die Trauringe ließ er auf den 14. Oktober 1806 datieren, an diesem Tag hatte Napoleon in der Schlacht von Jena die Preußen geschlagen. Goethe bewunderte den französichen Kaiser vor allem als Überwinder der Revolution und Ordner des politisch zerrissenen Kontinents. Die persönliche Begegnung im Oktober 1808 betrachtete er als eines der wichtigsten Ereignisse seines Lebens.

8Wieder widmete sich Goethe jetzt vorwiegend seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten, vor allem seiner Farbenlehre. In ihr führt er einen vergeblichen Kampf gegen die Optik Newtons; es ist im Grunde ein Streit des Augenmenschen und Künstlers gegen die analytische Wissenschaft. 1809 entstand der Roman Die Wahlverwandtschaften, in dem er u. a. seine letztlich von Entsagung geprägte Begegnung mit Minchen Herzlieb, der achtzehnjährigen Pflegetochter des Jenaer Buchhändlers Frommann verarbeitete. 1811 begann er die Niederschrift von Dichtung und Wahrheit, seiner Lebensgeschichte. Goethe ist ein älterer Herr von über 60 Jahren geworden. Er pflegt jetzt regelmäßig Bäder in Böhmen aufzusuchen: Karlsbad, Franzensbad, Teplitz oder Marienbad. Dichterisch geben inzwischen Jüngere den Ton an: Ludwig Tieck, Clemens Brentano, Achim von Arnim, Novalis, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Heinrich von Kleist. Obwohl sich die Romantiker auf Goethe berufen, vor allem auf Wilhelm Meisters Lehrjahre, lehnt Goethe die ganze Richtung ziemlich schroff ab: »Das Klassische nenne ich das Gesunde und das Romantische das Kranke« (Eckermann: Gespräche, 2. April 1829). 1814 unternahm Goethe eine Reise in die Rhein- und Maingegenden; die neu gewonnene Schaffenskraft fand ihren Niederschlag in der Arbeit am West-östlichen Divan, in welchem er – in Auseinandersetzung mit dem persischen Dichter Hafis – eine Synthese von östlicher und westlicher Weltanschauung schaffen wollte. Es war die letzte größere Reise. Mehr und mehr zog sich Goethe in seinen letzten Lebensjahren zurück; vor allem nach dem Tod seiner Frau (1816) wurden die hinteren Zimmer seines Hauses zumZentrum seiner Welt. 1823 kam Johann Peter Eckermann zu Goethe, der ihm als Sekretär und Gesprächspartner bald unentbehrlich wurde. (Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens, erschienen 1836 – 48). Eine weltabgeschiedene Idylle war dieses Haus am Frauenplan allerdings nicht, dafür sorgten schon die lebenslustige Schwiegertochter Ottilie, die sein Sohn August 1817 geheiratet hatte, und die drei Enkelkinder Walther, Wolfgang und Alma. Im Alter von 74 verliebte sich Goethe noch einmal leidenschaftlich. Es war auf seiner letzten Badereise nach Böhmen, in Marienbad, wo er der neunzehnjährigen Ulrike von Levetzow begegnete. Beinahe hätte er das Mädchen noch geheiratet, entschloß sich dann aber doch zum Verzicht. Die Triloge der Leidenschaft (darin: Marienbader Elegie) ist ergreifender Ausdruck dieser späten Passion.

Goethes letztes Lebensjahrzehnt ist erfüllt von der Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren, der Italienischen Reise, dem Gedichtzyklus Urworte, Orphisch, seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit, vor allem aber an Faust, der Tragödie zweiter Teil, den er 1831 abschloß, gleichsam sein poetisches Vermächtnis. »Mein ferneres Leben«, sagte er zu Eckermann, »kann ich nunmehr als reines Geschenk ansehen, und es ist jetzt im Grunde ganz einerlei, ob und was ich noch etwa tue.« Am 22. März 1832 starb er im 83. Lebensjahr.
Nachdem schon seit 1827 seine Werke, vollständige Ausgabe letzter Hand in vierzig Bänden erschienen waren, wurden nach seinem Tod von 1832 bis 1842 noch zwanzig Bände Nachgelassene Werke ediert. Ein gewaltiges, in der Qualität unterschiedliches und an Widersprüchen reiches Œuvre. In ihm spiegelt sich eine große Persönlichkeit, deren tiefere Problematik nur aus den Zeitumständen adäquat verstehbar wird. So ist dieses Werk zugleich Spiegelbild einer Epoche, die in ihrem inneren Widerspruch die vielleicht fruchtbarste und folgenreichste der deutschen Geistesgeschichte ist.









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