Osmanisches Reich - schulnote.de 
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Titel:

Osmanisches Reich


  Note: 1-   Klasse: 11









Arbeit: Osmanisches Reich


a) Ereignisgeschichte
1.) Aufstieg


Die „Urtürken“ waren ein Nomadenstamm in Zentralasien, die im Gebiet zwischen Pamir und Jenissei, Wolga und dem Tienshan - Gebirge umherzogen. Sie waren kriegerische Reiter und breiteten sich aus einem bisher unbekannten Grund aus.
Das erste türkische Reich wurde 552 n.u.Z. gegründet. Die sich erstmals konstituierenden Türken vertrieben die damals herrschenden Juan-Juan. Die siegreichen Türken gründeten ein westliches und ein östliches Reich. Die westlichen Türken traten in Kontakt mit By-zanz unter Justinian 1. (527-565), trieben Handel und unterhielten sogar diplomatische Beziehungen.
Das östliche Reich unterlag 630 den Chinesen und auch das westliche Reich zerfiel 745 unter dem Druck des Chinesischen Reiches, das bis zum Pamir expandiert war.
Nach dem Untergang der beiden türkischen Reiche waren die Turkvölker auf Jahrhunder-te ohne eigenständige politische Zusammenfassung.
Mit der beginnenden Krise des Abbasiden-Kalifats kamen Türken als Individuen in das Kalifat von Bagdad, wo sie zunächst Kriegersklaven waren, die erst im Kalifat zum Islam bekehrt wurden (Mamluken). Dann rissen sie die Macht an sich und übten als fremde Militärkaste die politische Herrschaft in vielfältigen Formen aus. Die Mamluken hatten eine besondere Bedeutung wegen der Kontrolle der Fernhandelsroute über die Landenge von Suez und das Rote Meer sowie der syrisch / palästinensischen Küste.
Herkunft der Sprache: Das in der Türkei gesprochene Türkisch hat seine Herkunft im südwestlichen Teil der Ural-Altaischen Sprachen. Die ältesten Inschriften in türkischer Sprache sind auf Steinmonumenten in Zentralasien gefunden worden, in den Orhun, Ye-nisey und Talas Regionen der heutigen Mongolei. Sie stammen aus den Jahren 725, 732 und 735 n.u.Z..

Seldschukische Türken (ca.955-1308):
Die Seldschuken, ein sich freiwillig islamisierender Oghusen-Stamm, eroberten 955 n.u.Z. unter Führung von Seldschuk Buchara und drangen bis in das Abbasiden Reich (Irak) vor, wo sie 1055 auch die Hauptstadt des islamischen Kalifats, Bagdad, unterwar-fen bzw. die “Schutzherrschaft“ über den Kalifen übernahmen. Nach dem vernichtenden Sieg bei Mantzikert (türk. Malazgirt) über Byzanz (1071) eroberten die Seldschuken Ar-menien, weite Teile Anatoliens, Palästina mit Jerusalem (1077) und Syrien mit Anticheia (1085). Sie provozierten damit den Hilferuf des byzantinischen Kaiser an den Westen und somit den Beginn der Kreuzzüge (1096).
Das Jahr 1071 mit dem Sieg über Byzanz wird als der Beginn der Islamisierung Anato-liens betrachtet. Ab diesem Zeitpunkt eroberten die Türken ganz Anatolien und gründe-ten den anatolischen Seldschukenstaat als Teil des großen Seldschukenreiches.
Ein Teil dieses großen Seldschukenreichs, das Reich der Groß-Seldschuken, zerfiel je-doch nach Ermordung des politisch führenden Kopfes, Nizam. Auf der anderen Seite dehnte sich das Rum-Sultanat (1077/8) immer weiter nach Westen gegen das seit 1071 geschwächte Byzanz aus und ging erst im Mongolensturm 1243 unter. In der Folge gab es dann bis 1308 turkmenisch-seldschukische Fürstentümer unter der formalen Oberherr-schaft eines seldschukischen Sultans.

Osmanisches Reich:
Unter Osman (1281?-1326), einem der Kleinfürsten, entstanden aus der Vielzahl der tür-kischen Kleinstaaten im 13. Jahrhundert in Kleinasien die Anfänge des türkischen Staa-tes. Osman hatte sich durch erfolgreiche Militäraktionen gegen seine christlichen Nach-barn hervorgetan. Was ihn gegenüber anderen Kriegsherren hervorhob, war, dass er es verstand, seine Eroberungen durch die Einrichtung einer wirksamen Verwaltung zu festi-gen. Zur Ausdehnung seines Reiches nutzte er ein hierarchisch geordnetes Berufsheer und die Janitscharen, deren Fußvolk aus dem Knabentribut der unterworfenen christli-chen Völker gebildet wurde. Die Herrschaft wurde von den Osmanen rasch ausgedehnt: 1354 überschritten sie die Dardanellen, 1361 fiel Adrianopel in die Hände der Osmanen, das neue Hauptstadt wurde. Adrianopel war zu dieser Zeit die zweitwichtigste byzantini-sche Stadt. Byzanz selber konnte seine Selbstständigkeit noch wahren, denn die Verteidi-gungsanlagen stellten die Osmanen vor ein vorerst unlösbares Problem. Doch Konstanti-nopel wurde bezüglich Getreidelieferungen von den Osmanen abhängig und musste erstmals die osmanische Oberherrschaft durch Tributzahlungen anerkennen. Nach dem Fall Adrianopels konnte die Expansion nordwärts fortgesetzt werden; 1363 fiel Philippo-pel.
Seit 1360 war bereits Murat I. Herrscher der Osmanen; er wurde Sultan genannt. Murat I. verlieh dem Osmanischen Reich eine bestimmende innere Ausprägung: Die Staatsgewalt wurde weitgehend durch das Militär ausgeübt. Die Grundlage der Rechtssprechung war das islamische Religionsgesetz, das durch weltliche Gesetze ergänzt wurde. Christen und Juden lebten in eigenständigen Gemeinden und waren weitgehend autonom in der Ver-waltung ihrer inneren, hauptsächlich rechtlicher und religiöser Angelegenheiten.
1389 siegten die Osmanen nach 18 Jahren Kämpfen über die Balkanslawen auf dem Am-selfeld, worauf Serbien tributpflichtig und Bulgarien türkische Provinz wurde. Murat I. selbst wurde während oder kurz nach der Schlacht erdolcht.
Sein Nachfolger Bayezit I. setzte die Eroberungen fort. Nach der Eingliederung von u.a. Bulgarien in das Osmanische Reich, begann der Sultan 1395 mit der Belagerung Kon-stantinopels. 1396 besiegten die Osmanen ein Kreuzheer bei Nikopolis, es folgten weitere Eroberungen. Dem osmanischen Eroberungsdrang schien kein Ende gesetzt, doch Baye-zit stieß in ein Einflussgebiet des Mongolenkhan Timur Lenk vor. Von da an mussten sich die Osmanen auf die Auseinandersetzung mit dem mächtigen Gegner konzentrieren. 1401 wurde nach 6 Jahren die Belagerung Konstantinopels aufgegeben und mit dem Kai-ser von Byzanz einen Frieden geschlossen. Byzanz musste sich zur Abtretung weiterer Gebiete und zu neuen Tributzahlungen verpflichten.
Die Osmanen erlitten eine katastrophale Niederlage in der entscheidenden Schlacht ge-gen Timur Lenks Heer bei Ankara 1402 und die Vorherrschaft wurde zum ersten Mal für kurze Zeit unterbrochen. Nach Timur Lenks Tod 1405 nahm die Macht der Osmanen a-ber wieder zu: Sie setzten sich u.a. gegen religiös gestimmte Aufstände im Innern blutig durch, schlugen sich mit Deutschland, Ungarn, Polen und Albanien und belagerten Kon-stantinopel 1422 zum ersten Mal nach dem zeitweiligen Zerfall des Osmanischen Reiches wieder. Die bedrängten oströmischen Kaiser suchten vergeblich Hilfe bei den Päpsten, zahlreiche Rettungsversuche scheiterten.


2.) Blüte

1453 wurde Konstantinopel unter dem Sultan Mehmed II.(1451-81) erobert, was das En-de des Oströmischen Reiches bedeutete. Byzanz fiel, der letzte Kaiser, Konstantin, starb als Kämpfer in der Schlacht. Der Sultan ritt über einen Berg von Leichen zum Hochaltar der Hagia Sophia und nahm das Heiligtum für den Islam in Besitz. Die gewaltige So-phienkirche wurde in eine Moschee umgewandelt und hieß von da an Ayasofya. Konstan-tinopel wurde als Istanbul die neue Hauptstadt. Danach dehnten die Osmanen ihre Herr-schaft unter ihm und seinen bedeutenden Nachfolgern Selim I. und dessen Sohn Süley-man II. weiter aus.
Süleyman II. nahm u.a. Großteile Ungarns ein und belagerte 1529 (erfolglos) Wien. Da-mit hatte das Osmanische Reich seine größte Ausdehnung erreicht: Die Türkei umfasste damals in Asien Syrien, Mesopotamien, Arabien, die Kaukasusländer und Kleinasien, in Afrika Ägypten und in halber Abhängigkeit die Staaten der Nordküste bis Marokko, in Europa die gesamte Balkanhalbinsel und den größten Teil von Ungarn. Insgesamt er-streckte sich das Reich über 2,6 Mio. km² und hatte etwa 14 Mio. Einwohner; seine Hauptstadt, Istanbul, war mit 500.000 Einwohnern die größte Stadt Europas. Bis ca. 1560 dauerte der Aufstieg zur Großmacht an.
Süleyman II., auch Süleyman der Prächtige genannt, war von 1520 bis 1566 osmani-scher Sultan. Geboren wurde er am 06.11.1494 in Trapezunt und er starb im September 1566 in Ungarn. Durch ihn erreichte die alttürkische Geschichte und damit das Osmani-sche Reich ihren Höhepunkt. Er war nicht nur ein Eroberer (er beherrschte durch seine Flotte das Mittelmeer und das Rote Meer), sondern auch ein Mann des inneren Aufbaus: Seine Gesetzsammlung ist bis heute grundlegend, was ihm auch den Beinamen “Gesetz-geber“ von der türkischen Geschichtsschreibung einbrachte. Er ordnete die Polizeigewalt und das Steuerwesen und reorganisierte das Heer auf Grundlage von Militärlehen. Sü-leyman II. ist auch bekannt dafür, dass er überall Hochschulen gründete und Architektur, Wissenschaft und Dichtung förderte. Er selbst verfasste unter einem anderen Namen vie-le Gedichte. Süleyman errichtete viele glänzende Gotteshäuser und ist für den Bau der Stadtmauer um Jerusalem verantwortlich.


3.) Niedergang

Im 16. und 17. Jahrhundert offenbarten sich immer mehr die Probleme des Osmanischen Reiches, die schließlich zum seinem Niedergang führten. Seit Süleymans Tod 1566 war das Herrscherhaus von einem stetigen Verfall geprägt. Selbst Psychopathen und unreife Kinder konnten auf den Thron des einst so mächtigen Großherrn gesetzt werden. Die un-fähigen Herrscher konnten beliebig abgesetzt, ins Gefängnis gesteckt oder sogar hinge-richtet werden. Korruption war auf allen Ebenen ebenso an der Tagesordnung wie Nepo-tismus.
Eine akute und permanente Finanznot verhinderte die Erfüllung öffentlicher Aufgaben, besonders im Militärwesen. Mit der anhaltenden Verelendung der Landbevölkerung, ei-ner schnellen Preisinflation von 1584 an, einem Bevölkerungsanstieg und einer stagnie-renden Wirtschaft kam es zwischen 1596 und 1610 im anatolischen Stammland des Rei-ches zu einer Welle von Volks- und Militäraufständen. Diese konnten zwar unterdrückt, aber nicht behoben werden. Ein anderes daraus resultierendes Problem stellte der Verlust vieler Spahis, die das Kernstück der osmanischen Armee waren, dar. Viele von ihnen hatten die Aufstände angeführt und waren dabei ums Leben gekommen. Die neuen Trup-pen waren undiszipliniert und schlecht ausgebildet. Sie stellten keinen vollwertigen Er-satz für das dezimierte Spahisheer dar.
Die Janitscharen gewannen unterdessen immer mehr Macht.
1676 wurde Kara Mustafa Pascha, ein habgieriger, tyrannischer junger Mann, Sultan. Die inneren Missstände wurden offenkundig, und auch seine Außenpolitik erwies sich für das Osmanische Reich als verfehlt und hatte verhängnisvolle Folgen:

Das aufstrebende und stark expansive Russland geriet mit den Interessen des Osmani-schen Reichs aneinander, was zum einem Krieg führte, der von 1678 bis 1681 dauerte und mit einem Kompromiss endete.
Schwerwiegendere Folgen hatte der Plan des Sultans, die Metropole Wien zu erobern. Nicht einmal Süleyman II. war dies gelungen. Kara Mustafa erkannte die waffentechni-sche und taktische Überlegenheit der habsburgischen Militärmacht nicht. Zeitweilig sah es so aus, als ob Kara Mustafas Rechnung aufginge: Im August 1638 war Wien einge-schlossen. Doch die Polen, mit denen Österreich zuvor ein Bündnis geschlossen hatte, konnten mit Hilfe der kaiserlichen Truppen Wien befreien und am 12.09.1683 erlitt das Osmanenheer eine verheerende Niederlage am Kahlenberg bei Wien.
Damit fand der osmanische Expansionismus sein unwiderrufliches Ende. Fortan war das Osmanische Reich endgültig in die Defensive gedrängt: Zunächst musste die Türkei im Frieden von Karlowitz 1699 auf Ungarn und Siebenbürgen verzichten, sie verloren im-mer mehr Land auf dem Balkan und es folgte der Frieden von Passarowitz 1718. 1705 wurde Tunesien faktisch unabhängig, 1711 folgten Algerien und Tripolitanien. Zusätzli-cher Druck entstand durch die russische Expansion nach Norden im 18. Jahrhundert. Russland wollte die Dardanellen und versprach den christlichen Untertanen der Türkei seinen Beistand. Das Osmanische Eingreifen als Partner Frankreichs in die polnische Entwicklung zugunsten der Reformpartei (1768) provozierte schließlich den 3. russisch – türkischen Krieg, der von 1768 bis 1774 andauerte. Der katastrophale Krieg endete für die Türkei im Frieden von Kütschük Kainardschie (1774). Sie musste auf die Krim ver-zichten und das Schutzrecht Russlands über die Donaufürsten einräumen.
Als eine Art Fernwirkung der Französischen Revolution löste die Expedition Napoleon Bonapartes nach Ägypten und Syrien im Jahr 1798/9 in beiden betroffenen Ländern die ersten Anfänge eines Nationalbewusstseins aus, das sich allmählich gegen das Osmani-sche Reich wandte. 1805 erreichte Ägypten unter Mehmed Ali die faktische Selbständigkeit.
In Europa begann 1804 der Befreiungskampf der christlichen Balkanvölker wie der der Serben: Der Serbische Aufstand leitete eine Kette nationaler Aufstände gegen die Tür-kenherrschaft ein. Nachdem Serbien im zweiten Anlauf 1817 die Autonomie erreicht hat-te, begann auch der griechische Freiheitskampf, der von 1820 bis 1839 andauern sollte:
In Griechenland herrschte seit der Eroberung 1458 durch die Türken jahrzehntelang Un-zufriedenheit, hervorgerufen durch Ausbeutung, Armut und Entrechtung durch die türki-schen Grundherren und Beamten. Dennoch blieb das griechische Nationalgefühl durch die Kirche und die selbständige Gemeindeverfassung erhalten. Aber erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts gab es Vorbereitungen für die Befreiung des griechischen Volkes vom türkischen Joch durch Geheimbünde (“Hetärien“). Im Februar 1821 brach der Aufstand aus, ein Jahr später, am 13.1.1822, verkündete eine Nationalversammlung die Unabhän-gigkeit Griechenlands. Die Türkei griff dennoch immer wieder an, und obwohl griechen-freundliche Freischaren (“Philhellenen“) aus Westeuropa zur Unterstützung im Freiheits-kampf herbeieilten, eroberte die Türkei mit Hilfe ägyptischer Hilfskorps im Februar 1825 das Hauptbollwerk der Griechen in Westhellas, Mesolongion. Jetzt griffen Frankreich, Russland und England ein: Sie unterzeichneten am 26.6.1827 den Londoner Vertrag zu-gunsten Griechenlands. In der Schlacht bei Navarino (20.10.1827) wurde die türkisch - ägyptische Flotte vernichtet und Mesolongion im Mai 1829 von griechischen Truppen zurückerobert. Die Londoner Protokolle vom März 1829 und Januar 1830 erklärten Grie-chenland zum selbständigen Königreich.
Das Osmanische Reich war im 19. Jahrhundert unter anderem sehr interessant als Ab-satzmarkt für Industriewaren und als Rohstoffquelle (Erdöl im nördlichen Irak). Auch strategisch gewann die Region immer mehr an Bedeutung: Der Suezkanal auf der einen Seite und die Bagdadbahn auf der anderen Seite. Deswegen, und aus den daraus folgen-den unterschiedlichen Interessen der Großmächte bezüglich des Osmanischen Reiches, gab es Spannungen zwischen ihnen:
Österreich, Frankreich und England plädierten für die Erhaltung des Osmanischen Rei-ches aus machtpolitischen Erwägungen, während Russland mit seiner Unterstützung der Nationalitäten auf dem Balkan und im Kaukasusgebiet (Georgier, Armenier usw.) die Auflösung - bis hin zur erhofften Eroberung Konstantinopels - forderte. Das Deutsche Reich strebte die Erhaltung an, da es sich die politische, ökonomische und militärische Beherrschung erhoffte.
Aus dieser Grundproblematik - dem Nationalismus der christlichen Balkanvölker und den machtpolitischen Interessen der Großmächte, die den europäischen Frieden bedroh-ten - entstand der Krimkrieg, der von 1853 bis 1856 andauerte. Die Westmächte traten für die Türkei ein, um das russische Vordringen nach den Dardanellen zu unterbinden. Außerdem folgten ein Aufstand in Herzegowina 1875 und die große Orientkrise 1875-78, die schließlich in den Berliner Kongress mündeten. Dort wurde nach dem Ende des rus-sisch – türkischen Krieges (1878) eine von den europäischen Mächten gemeinsam getrof-fene Regelung der türk. Frage beschlossen: Russlands Übergewicht auf dem Balkan wur-de beseitigt und Serbien und Montenegro wurden unabhängig.
Die inneren Reformen unter Druck der Mächte lösten das grundsätzliche Dilemma nicht:
Die Modernisierung des Osmanischen Reiches wäre ohne gleichzeitige Föderalisierung (volle Gleichberechtigung der Nationalitäten) nicht machbar gewesen, da die inneren Widersprüche zwischen den Völkern bzw. den Völkern und der Zentralgewalt weiter be-standen hätten. Die Reformen waren aber ohnehin nur der Modernisierung der türkischen Armee und Flotte mit Unterstützung der Deutschen und Engländer untergeordnet.
Stattdessen provozierte die nationalistische Politik der rigorosen Türkisierung weitere Aufstände christlicher Nationalitäten, die mit Massakern beantwortet wurde – gegen Ar-menier, Bulgaren und Makedonier.
Inmitten dieses Verfalls, den die reaktionäre Regierung Abdul Hamids (1876-1909) be-schleunigte, entstand die Bewegung der Jungtürken. Sie waren eine 1876 gegründete tür-kische Partei, die die Umformung der Türkei in einen verfassungsmäßigen Staat erstreb-te. Sie rissen 1908 die Herrschaft an sich (“Jungtürkische Revolution“) und verschärften das Dilemma durch die Rückkehr zu parlamentarischen Wahlen, ohne dabei aber das Prinzip des Osmanischen Reichs selbst in Frage zu stellen. Eine Erneuerung wie die der Jungtürken war damals nicht mehr möglich, vielmehr begann mit dieser Umwälzung eine neue Reihe von äußeren Verlusten. Die Balkankriege 1912/13 beschränkten die europäi-sche Türkei auf Ostthrakien zwischen Adrianopel und Konstantinopel.

Die Rolle der Türkei im 1. Weltkrieg (1914-18):
Vor dem 1. WK stand Deutschland einem Bündnis mit dem Osmanischen Reich ableh-nend gegenüber. Für Russland war die Kontrolle über den Bosporus eines der Haupt-kriegsziele, um eine freie Schiffsdurchfahrt vom Schwarzen Meer in die Ägäis zu errei-chen. Die Entente (Bündnis zwischen Frankreich, England und Russland, später auch anderer Staaten) unterstützte diese Forderung Russlands auf Kosten des Osmanischen Reichs. Dementsprechend suchte der türkische Sultan Muhammad VI. (1861-1926) die Anlehnung an die Mittelmächte. Am 2. August 1914 wurde ein Defensivbündnis ge-schlossen, das der russischen Schwarzmeer-Flotte die Durchfahrt durch den Bosporus sperrte. Das Osmanische Reich öffnete seine Häfen für deutsche Kriegsschiffe, griff je-doch noch nicht in das Kriegsgeschehen ein. Die Verminung des Schwarzen Meers durch Russland spitzte den Konflikt zu. Am 31. Oktober 1914 beschossen deutsche Kriegs-schiffe von türkischen Häfen kommend und unter osmanischer Kriegsflagge das russi-sche Odessa. Zwei Tage später folgte die Kriegserklärung der Alliierten an das Osmani-sche Reich. Damit wurde der Feldzug gegen Serbien für die Mittelmächte sehr wichtig, um eine Nachschubversorgung bis zur Türkei zu schaffen. Das Bündnis mit Bulgarien vom September 1915 diente vor allem diesem Zweck.
Nach der Niederlage 1918 wurde die Türkei auf Anatolien beschränkt und musste de griechische Herrschaft in Smyrna anerkennen. Die Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reichs (Syrien, Irak, Transjordanien und Palästina) wurden unter britische und französi-sche Mandatsherrschaft gestellt.


b) Wirtschafts-und Sozialgeschichte des Osmanischen Reiches


Die Osmanische Gesellschaft im 16. Jahrhundert bzw. in der Blütezeit:

Zentral war die Person des Sultans. Die Bevölkerung war zum einen in Religionsgemein-schaften (millets), zum anderen in wirtschaftlichen und sozialen Gilden und Zünften or-ganisiert.
Differenziert wurde in der Bevölkerung zwischen den Untertanen (reaya, wörtl. die vom Sultan zu schützende „Herde“), zumeist Bauern, und den asken. Letztere hatten Teilhabe an staatlicher Machtausübung, wie zum Beispiel Angehörige des sultanischen Haushalts, frische Rekruten der Knabenlese, die Sklaven des Sultans (kul) wurden, Pfründeninhaber, Angehörige der osmanischen Streitkräfte, alle sunnitischen Rechts- und Gottesgelehrten, Nachkommen des Propheten Mohammed, christliche Geistliche und Schreiber der Zent-ralbürokratie. Die asken waren steuerbefreit, der Hauptgrund für viele reaya diesen Status erreichen zu wollen. Der soziale Aufstieg war allerdings nur für Wenige erreichbar. Für einen Sohn eines türkischen Bauern oder Handwerker gab es kaum Aufstiegsmöglichkei-ten: Er konnte zum einen eine Karriere als Gottes- oder Rechtsgelehrter beginnen, zum anderen durch Klientelbindung an einen einflussreichen Gönner im Staatsdienst Zugang zum asken-Status zu bekommen.
Die soziale Struktur war geprägt durch das Lehensystem: Bewährten Kriegern wurde Landbesitz (Timar) übertragen, dafür durften sie in den Dienst als belehnte Reiter-soldaten treten. Erst später konnten auch Zivilbeamte in den Genuss des zunächst aus-schließlich Militärs vorbehaltenen Timars kommen. Diese Pfründen waren nicht erblich, sie konnten jederzeit zurückgezogen werden und nach einem Tod wurden sie durch den Staat neu vergeben.
Der Großteil der Bevölkerung waren Bauern, nur etwa 15% lebten in der Stadt. Aber auch zahlreiche Nomaden bzw. Halbnomaden standen unter osmanischer Herrschaft.


Christen und Juden in der osmanischen Gesellschaft

In muslimischen Gesellschaften wurde die Existenz von Christen und Juden als normal betrachtet und war rechtlich gesichert. Die kirchliche Organisation der Orthodoxen wurde in die Verwaltungsstruktur integriert.
Christen und Juden waren weitgehend autonom in der Verwaltung ihrer inneren, vor-nehmlich rechtlichen und religiösen Angelegenheiten. Ihre religiösen Würdenträger gal-ten auch als politische Führer ihrer Gemeinden und erhielten bedeutende Privilegien. Dennoch blieb ihnen der Dienst in der osmanischen Armee verwehrt, sie waren steuerlich benachteiligt und mussten auch andere Diskriminierungen wie Kleidervorschriften, Bau-auflagen und das Verbot neue Gotteshäuser zu errichten, ertragen.
Trotzdem kontrastiert die Integration und rechtlich gesicherte Stellung der Christen in einer muslimischen Gesellschaft die konfessionsgebundene Politik europäischer Staaten, in denen andere Religionen nicht einmal geduldet wurden.


Das Osmanische Heerwesen

Die Armee stellte die wichtigste Institution des Osmanischen Reiches dar. Es war in drei Gruppen gegliedert:
1.) Das stehende Heer: Es setzte sich aus den Janitscharen, den Spahi, der Artillerie, den Waffenschmieden, der Kanonen - Beförderungseinheit und den Mineuren zu-sammen.
2.) Die Provinz – oder Feudaltruppen: Sie bestand aus den europäischen und asiati-schen Streitkräften. Sie wurden jeweils vor einem Feldzug ausgehoben. Den O-berbefehl über diese Truppen hatte nicht die Zentralgewalt, somit mussten sie sich auch nicht um Verpflegung etc. kümmern. Diese Truppen war der zahlenmäßig größte Teil der osmanischen Streitkräfte.
3.) Die Seestreitkraft: Seit Süleyman II. gewannen die Osmanen immer mehr Macht, auch auf See. Ein Grund dafür war sicherlich, dass Barbarossa, ein gefürchteter Pi-rat, sich auf ihre Seite stellte.

Der Grund für die Überlegenheit der Osmanischen Armee dürfte darin liegen, dass die Soldaten besser ernährt, zufriedener (ihr Sold wurde regelmäßiger gezahlt) und besser mit Waffen versorgt waren als ihre Gegner.

Eine Besonderheit des osmanischen Heeres: Die Janitscharen
Die Janitscharen entstanden unter dem Sultan Murat I.(1360-89). Anfänglich bestanden sie aus jugendlichen Kriegsgefangenen, später wurden systematische Aushebungen unter den Knaben der unterworfenen christlichen Völker vorgenommen (Praxis der Knabenle-se).
Kinder zumeist bäuerlicher Balkanvölker wurden ihren Eltern weggenommen, zum Islam bekehrt, in besonderen Schulen hart ausgebildet und bedingungslos auf Treue zum Sultan verpflichtet. Sie blieben auch nach ihrer Ausbildung kaserniert und unterlagen einer har-ten Zucht. So waren es ihnen verboten einen anderen Beruf auszuüben und zu heiraten.
Ihr Rechtsstatus war der des kul. Das bedeutet, dass sie dem Sultan gegenüber Sklaven waren, dem Rest der Gesellschaft gegenüber aber frei und privilegiert. Sie gehörten zur wichtigsten Elite des Reiches.
Ab dem 16. Jahrhundert war es den Janitscharen allerdings gestattet, zu heiraten, einem Handwerk nachzugehen und in eigenen Häusern zu wohnen. Dies dürfte ein wesentlicher Grund für den Verfall der Kampfmoral und Truppendisziplin gewesen sein.

Exkurs: Janitscharenmusik
Als Janitscharenmusik bezeichnet man die militärische Marschmusik der Janitscharen. Das charakteristische an ihr ist die Verwendung von lautstarken, oft schrillen Schlagin-strumenten wie Basstrommeln, Hörner (boru), Glocken, Triangeln, Zimbeln (zil). Im 18. Jahrhundert gab es in Westeuropa – insbesondere in Wien – eine regelrechte Modewelle, in der das Instrumentarium der Janitscharenmusik sogar Einzug in die klas-sische Musik fand, zu hören zum Beispiel in Mozarts Oper Die Entführung aus dem Se-rail, seiner Klaviersonate A-Dur mit dem Rondo "Alla Turca", Glucks Oper Les Pèlegrins de la Mecque, Haydns Militärsinfonie oder dem Finale von Beethovens neun-ter Sinfonie.








Quelle: Zu a) Ereignisgeschichte: - dtv-Lexikon Band 19, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1977, S.43 ff. (Türkei) - Geiss, Immanuel: Geschichte griffbereit Band 2 (Personen), Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1979, S.126 Suleiman II. (der Prächtige) - Geiss, Immanuel: Geschichte griffbereit Band 5 (Staaten), Rowohlt Taschenbuch Ver-lag, 1980, S. 337 ff. (Türkei) - Geiss, Immanuel: Geschichte griffbereit Band 6 (Epochen), Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1979, S.227 – 243 - Informationen zur politischen Bildung: Türkei, S.5 - Matuz, Josef: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, Wissenschaftli-che Buchgesellschaft, 1985 - Parker, Geoffrey: Atlas zur Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bechtermünz Verlag, 1998, S.66 / 67 und S.102/103 - Valentin, Veit: Weltgeschichte Band 1, Droemer Knaur, ²1959 (Erstausgabe 1939), S.319 ff. - Internet Zu b) Wirtschafts- und Sozialgeschichte - Kalter, Johannes / Schönberger, Irene, Der lange Weg der Türken: 1500 Jahre türki-sche Kultur, 2003, S.83 ff. - Kreiser, Klaus / Neumann, Christoph K., Kleine Geschichte der Türkei, Reclam Deutschland, 2003, S. 149 / 156 - Matuz, Josef: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, Wissenschaftli-che Buchgesellschaft, 1985 - Encarta Online, “Osmanisches Reich“




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