Titel: Haltung der Petersburger Demonstranten zum Zaren und zu den gesellschaftlichen Verhältnissen in Russland Anfang 1905

Die über 30000 Teilnehmer der friedlichen Demonstration am 9.1.1905 in St. Petersburg hatten das gemeinsame Ziel eine Veränderung im russischen Gesellschaftssystem herbeizuführen und somit das Leben der einfachen Bevölkerung zu verbessern.
Die Demonstranten gingen geschlossen auf das Winterpalais zu. Dabei war deren moralische Einstellung grundlegend verschieden von der Einstellung heutiger Demonstrationsteilnehmer.
In ihrer Petition treten sie dem Zaren mit sehr großem Respekt und Unterwürfigkeit entgegen. Die Stellung des Zaren als oberstes und vor allem wichtigstes Glied der russischen Gesellschaft wurde nie angezweifelt, dass heißt der Zar wurde von den Demonstranten immer noch als Herrscher bezeichnet(Zitat: „ ... sind zu Dir, Herrscher, gekommen, Wahrheit und Schutz zu suchen.“).
Der von den an der Demonstration beteiligten Bürgern gewählte Weg besteht darin, an die Vernunft und das Gewissen des Zaren zu appellieren und somit durch ein sachliches Berichten die derzeitige Situation des Volkes realistisch darzustellen.
Dabei gehen sie besonders auf die schlechten Lebensumstände der Arbeit und Bauern zu dieser Zeit ein. Die sozialen Missstände sind kaum übersehbar, da ein großer Teil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt und ihm selbst das nötigste zum Leben fehlt. Die Arbeiter werden unterdrückt und besitzen keine Mittel sich gegen diese willkürliche Herrschaft zur Wehr zu setzen. Arbeitstage von 14 Stunden sind die Regel, wobei sich damit nicht einmal ausreichend Geld verdienen lässt um seine Familie zu ernähren. Aufgrund dessen müssen die Frauen und Kinder ebenfalls Arbeiten gehen. Die Bauern befinden sich in einer vergleichbar schlechten Situation. Durch den Kredit beim Staat wurden sie daran gehindert ihr weniges Land mit oft schlechter Qualität zu verlassen oder zu verkaufen. Die ständigen Missernten führten zu Hungersnöten und somit zur Zuspritzung der Situation in Russland.
Daraus wird ersichtlich, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse in Russland für den Großteil der Bevölkerung eine fast aussichtlose Lage darstellte, die ein Leben am Existenzminimum darstellte und somit von der Bevölkerung als dementsprechend schlecht und unzufriedenstellend eingeschätzt wurde.
Trotz alle dem erhoffte sich die Bevölkerung durch eine friedliche Demonstration an das Verständnis des Zaren appellieren zu können und dadurch die Hilfe des obersten Herrschers Russlands zu bekommen. Es ist jedoch nicht die Absicht der Teilnehmer eine Forderung mit negativen Folgen bei Nichteinhaltung der einzelnen Punkte zu formulieren oder sogar eine Drohung gegen den Zar auszusprechen. Es handelt sich lediglich um Bitte, die jedoch geschlossen vom Volk an den Zaren herangetragen werden sollte.
Zu keinem Zeitpunkt wird die Befehlsgewalt des Zaren in Frage gestellt (Zitat: „ ... zu diesem Zwecke sollst Du befehlen, ...“) oder die Loyalität der Bürger gegenüber ihrem Herrscher eingeschränkt.
Die Demonstranten haben stets den größten Respekt vor ihrem Herrscher. Dies wird vor allem in der Konsequenz des Falls deutlich, wenn der Zar nicht auf die vorgetragenen Bitten eingeht. In diesem Fall würde es nicht zu einem Sturz des Zaren kommen, sondern zum freiwilligen Tod der Demonstrationsteilnehmer.





Bewertung der Ergebnisse der Revolution

Die Ergebnisse der Revolution 1905 lassen sich zusammenfassend als Scheitern der Bitten des Bürgertums zusammenfassen. Der Zar reagierte auf den Druck den das Volk auf ihn ausübte indem er einige Änderungen in der russischen Reichsverfassung vornahm die jedoch keine Auswirkungen auf die Macht das Zaren als absolutistischen Herrscher darstellten. Die Staatsduma, also die Volksvertretung in Russland, hatte bei jeglicher Art von Entscheidungen nur eine Beraterfunktion bzw. sie konnte Vorschläge für Gesetzte oder sonstige Änderungen machen, jedoch war es nicht möglich Beschlüsse unabhängig vom Zaren zu fällen. Dieser hatte bei jeglicher Art von Entscheidungen das letzte Wort. Somit war die uneingeschränkte Macht des Zarenregimes nicht gefährdet und es existierte in Russland nur eine scheinbare konstitutionelle Monarchie.


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