Titel: Emilia Galotti: Rollenbiografie zu Marinelli

Rollenbiografie zu Marchese Marinelli

Mein Name ist Marchese Marinelli und bin der Kammerherr unseres Prinzen. Er sieht mich als engsten Vertrauten und übergibt mir allerlei Aufgaben. Selbst von seinem unerwiderten Verlangen nach einer gewöhnlichen Bürgerin erzählt er mir. Nur ein Narr möchte eine Hochzeit ohne sichtlichen Vorteil vollziehen. Nein, von Liebe kann man sich keine schönen Gewänder kaufen. Selbst als Aushängeschild von des Prinzen Titel taugt diese Emilia nicht. Blind von törichten Gefühlen wie Liebe, bemerkt er nicht diese Schande, die er sich und mir auferlegt. Ich dagegen bevorzuge den Weg des Verstandes. Ich achte Rum, Rang und Besitz und habe keinen Platz für so etwas Unnötiges wie Gefühle. Getreu nach dem Motto, „die Fleißigen Arbeiten, die Schlauen lassen für sich arbeiten“ lebe ich meinen Tag. Nun mag ich vielleicht im Grunde ein Diener sein, jedoch mach ich mir die Dummheit des Prinzen zunutze. Dieser alte Narr merkt gar nicht, wie ich ihn beeinflusse. Nichts ahnend und voller Hilflosigkeit, sagte er meinem Plan, den Grafen Appiani zu überfallen, zu ,ohne an die Folgen zu denken. Er gab mir freie Hand, auf das er seinen Nebenbuhler loswerde. Der Graf hatte seinen Tod verdient. Wie kommt er dazu mich, Marchese Marinelli zu beleidigen. Was hat ihm seine Ehre im Moment des Überfalls gebracht? Nichts, getötet von einem lumpigen Räuber, welcher insgeheim nur ein weiterer Lakai von mir ist. Doch werde ich nicht die Schuld dieses Zwischenfalls tragen müssen. Denn ich war es nicht, der seine Blicke begierig auf eine bereits Versprochene warf. Jedermann wird ihn verdächtigen und ihn wegen seiner Gelüste und Eifersucht verurteilen. Ich werde nur als armes Werkzeug angesehen, welches dem tyrannischen Willen des Prinzen ausgeliefert war. Und wieder werde ich alle täuschen und die dummen Massen kontrollieren. Die Besitztümer des Prinzen werden natürlich mein sein. Nach diesem Frevel wird keiner nach ein Paar Kisten Gold fragen. Es gibt schon dumme Menschen auf der Welt, doch letzt endlich bekommt jeder was er verdient…


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