Titel: Charakteristik des Antagonisten in Die Glut - von Sandor Marai

Charakteristik von Konrad


Konrad schlief in der Kadettenanstalt im Nebenbett Henriks. So haben sie sich kennen gelernt. (S 36) Konrad war untersetzt und mager, er sah so aus als wenn der Knochenbau über das Fleisch gesiegt hätte. (S 36) Konrad war nicht faul, aber sehr langsam, er hatte sozusagen seinen eigenen Rhythmus. (S 36)

Er war der Sohn eines Beamten in Galizien, der zum Baron geadelt worden war. Seine Mutter war aus Polen.(S 36) Um den Mund herunm hatte er wenn er lächelte einen leichten slawischen Zug, allerdings lachte er selten. ( S 37) Konrad war steif und überkorrekt, (S 43) ein eher insich gekerter Mensch, der nie laut wurde. (S 37)

Trotz seiner zehn Jahre war er ernst und taktvoll,(S 42) sodass er eines Tages seinem Freund Henrik den Schwur abnahm, dass die keusch bleiben sollten. (S 43)

Konrad war ein schlechter Reiter und er lernte mit Mühe, jedoch behielt er alles gelernte bei sich, als ob er nichts anderes besaß als dass was er gelernt hat. (S 43)

Konrad schämte sich dafür, dass seine Eltern arm waren und dass sie nur um seine Ausbildung zu finanzieren auf so viele Bequemlichkeiten verzichten mussten.
„ Brauche ich neues Zaumzeug, essen sie drei Tage lang kein Fleisch. Gebe ich in einer Abendgesellschaft ein Trinkgeld, verzichtet mein Vater eine Woche lang auf seine Zigaretten. So geht das seit zweiundzwanzig Jahren.“ (S 45) (...) „Dann haben sie ihre Gesundheit geopfert, ihre Bequemlichkeit, ihre Ruhe, ihr Alter und die gesellschaftlichen Ambitionen meiner Mutter, ......“ (S 46)

Konrad hatte immer alles was er brauchte, allerdings mussten sich seine Eltern dafür opfern und dafür hasste er sie. Er hasste die Schuldgefühle die er ihretwegen hatte.

„Immer diese Verantwortung. Ich habe ihnen auch schon den Tod gewünscht.“(S 48)

Er hasste sein Leben, weil es das eines Offiziers war, er hasste die Welt weil sie so ist wie sie ist und indirekt hasste er Henrik, weil dieser ihn brauchte und weil er zu stolz war um Geld von ihm anzunehmen. (S 46 -47)

„Es ist als ob ich mir nicht selbst gehörte.“ (S 47)

Aber Konrad hatte einen Zufluchtsort an dem ihn niemand finden konnte, an dem er unerreichbar war für die weltlichen Probleme und Verpflichtungen, an dem ihn nichteinmal sein Freund Henrik erreichen konnte, die Musik.(S 49)

Die Welt und die Kreaturen auf ihr verlangten immer so viel von Konrad, sodass er oft dachte es nicht zu schaffen. Doch die Musik entschädigte ihn für all die Jahre der Disziplin, der Sorge, der Verpflichtungen und der Opfer der Freundschaft.(S 50)

„Bei solchen Gelegenheiten vergaß er, wo er war, seine Augen lächelten, er blickte ins Leere, nahm um sich herum nichsts wahr, weder die Vorgesetzten noch die Kameraden, noch die schönen Damen, noch das Theaterpublikum.“ (S 50)

Die Musik befreiten ihn von allen Ketten. „ Er hörte mit dem ganzen Körper Musik, so begierig wie der Verurteilte in seiner Zelle, der auf den Klang ferner, vielleicht Befreiung bedeutender Schritte horcht.“ (S 51)



Quelle: Roman "Die Glut", von Sandor Marai