Titel: Castorbehälter

Castorbehälter

Aus Deutschland´s Kernkraftwerken fallen pro Jahr rund 400 Tonnen ausgedienter Brennelemente an – hochradioaktiver Atommüll, der sicher gelagert werden muss. Sein Transport zählt zu den heikelsten Gefahrenguttransporten überhaupt. Die einzige Lösung bisher: Der Castor – kurz für „Cask for Storage and Transport of Radioactive Material“.
Castorbehälter sind Stahlkolosse, die versuchen, eine Höchstmaß an Sicherheit zu bieten. Ihre Wandstärke beträgt über vierzig Zentimeter. Ein freier Fall aus neun Metern Höhe darf ihnen nichts anhaben. Zwischen Mehrfachdeckeln wird zusätzlich ein leicht flüchtiges Gas mit Überdruck eingeschlossen. Schlägt die eingebaute Elektronik Alarm, ist klar, dass Gas entweicht und der Behälter ein Leck aufweisen muss – ein Horrorszenario.


Ein Castor für die Ewigkeit

Castorbehälter zählen bislang zu den sichersten Behältern der Welt. Ihre Außenhülle besteht aus hochveredeltem Roheisen. Die Bestandteile der Schmelze vor dem Guss:: 150 Tonnen Rohmaterial (das bedeutet über 50 Prozent Autoblech und damit etwa 150 Mal das Material eines VW-Golf), dazu 40 Prozent Roheisen und 6 Prozent Kohle und Silizium. Doch bevor die Schmelze in die Gussform fließt, muss sie eine Reinigung durchlaufen. Dieses „Abschlacken“ lässt sich mit dem Entfernen der Haut von heißer Milch vergleichen.
Nur zwei Minuten Zeit bleibt den Arbeitern, die Schmelze in die Abgussform zu gießen. Brauchen sie länger, würde die Eisenmasse klumpen und die Castorhaut wäre später nicht vollständig dicht. Ist die Schmelze schließlich ausgehärtet, holt eine Fräse die endgültige Castorform millimetergenau aus dem Rohling. Der Vorteil des Gussverfahrens: Die Behälter weisen keine Schweißnähte auf – ein Plus an Sicherheit.


Die Innenhaut

Castoren sollen bis zu 400 Grad heiße Brennelemente in sich aufnehmen. Spezielle Kühlrippen im Inneren sorgen dafür, dass die Oberflächentemperatur 85 Grad nie übersteigt. Mehrfache Deckel schließen den Sicherheitsbehälter nach oben ab.
Die innere Haut des Castors ist der sogenannte Korb. Seine Funktion: Die gefährlichen Brennelemente in sicherem Abstand zueinander halten. Würden sie sich berühren, käme es zu einer gefährlichen Kettenreaktion, die auch der Sicherheitsbehälter nicht stoppen könnte.
Der Weg eines solchen Stahlkoloss bis zu seiner Fertigstellung dauert 13 Monate. Erst dann ist er bereit für seinen brisanten Einsatz.


Härtetest für den Ernstfall

Immer wieder müssen Castoren Härtetests durchlaufen. Dazu zählen etwa der freie Fall aus neun Metern Höhe oder aber ein halbstündiges Schmoren in einer Hitze von bis zu 800 Grad. Einen besonders harten Test muteten ihm die Briten im Jahr 1987 zu. In ihrer „Operation Smash Hit“ rammten sie bei einer Geschwindigkeit von 100 Meilen einen Castorbehälter mit einem Zug. Das Ergebnis: Selbst dieser Aufprall vermochte den Behälter nicht zu verformen. Dennoch weiß niemand mit Sicherheit, wie die Behälter im Laufe der Jahre auf die enorme Hitze in ihrem Bauch reagieren.

Quelle: -Internet