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1969 Zunft Geschichte 12 3 1035
Kurzbeschreibung
Zunft
Inhalt des Referats
Nach Jahrhunderten der Stagnation erlebte Europa vom 11. bis 13. Jahrhundert eine Phase des Aufschwungs. Die Bevölkerung wuchs in starkem Masse; Wirtschaft, Handel und Verkehr blühten. In diesem Umfeld entstanden in ganz Europa aus ursprünglich religiösen Bruderschaften sogenannte Handwerksvereinigungen, Innungen, Gilden, Korporationen und Meistergruppen, welche die Interessen ihres Gewerbes oder Standes vertraten. Ein Marktrecht, städtische Verhältnisse und ein möglichst guter Verkehrsstandort waren die Voraussetzungen für solche Gründungen. Die Zünfte bildeten ein soziales, ökonomisches und religiöses System zur Regelung von Rohstofflieferungen, Beschäftigungszahlen, Löhnen, Preisen, Absatzmengen bis hin zur Witwenversorgung. Sie bestanden teilweise aus mehreren Berufsgruppen und symbolisierten sich häufig durch Wappen und/oder Zunftzeichen und Zunftkleidung. Eine Zunft oder Einigung ist eine ständische Körperschaft von Handwerkern, Gewerbetreibenden und anderen Berufsgruppen (Notare), die im Mittelalter entstand und bis ins 19. Jahrhundert existierte. Die Zunft galt allgemein für die handwerklichen Berufe. Die Zünfte schrieben ihren Mitgliedern häufig auch die Produktionsmethoden vor. Dadurch wehrten sie zwar einerseits Überproduktionen ab, andererseits verhinderten sie die Einführung neuer, produktiverer, gelegentlich weniger gesundheitsgefährdender Produktionstechniken. Dadurch garantierten sie ihren Mitgliedern ein standesgemäßes, "gerechtes" Einkommen und den Verbrauchern ein stabiles Preis-Leistungs-Verhältnis. Für die Ausübenden eines bestimmten Berufszweiges bestand Zunftzwang. Juden war die Mitgliedschaft in einer Zunft verwehrt. Für Zunftmitglieder galt ein Ehrenkodex. Bei Verstößen gegen diesen Kodex konnte man der Mitgliedschaft verlustig gehen. Als äußeres Zeichen des Ausschlusses wurde häufig ein zur Zunfttracht gehörender Ohrring aus dem Ohrläppchen gerissen. Das hierdurch entstehende Schlitzohr wurde sprichwörtlich zur Bezeichnung für listige, durchtriebene Menschen (siehe auch Wörterbucheintrag Schlitzohr). In Zunftorten, den Zunftvierteln, Zunftstrassen, Zunftquartieren, Zunfthallen und Zunfthäusern, wird eine Mischung von innerhalb und außerhalb der Zunftorte produzierter Waren und Dienstleistungen angeboten, die zum jetzigen Zeitpunkt im herkömmlichen Angebots-Mix der zentralen Orte nicht mehr bzw. noch nicht wieder anzutreffen ist. Innere Erstarrung verbunden mit der Aufhebung der Zunftverfassung und der Einführung der Gewerbefreiheit leiteten das Ende der Zünfte ein. Ökonomisch betrachtet verhinderten Zünfte, dass möglicherweise geeignete Menschen einen Beruf ausüben konnten.
Quellenangaben des Verfassers