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608 Kriegsschulddiskussion-1.-Weltkrieg Geschichte 9 1 2898
Kurzbeschreibung
eine Kriegsschulddiskussion über den 1. Weltkrieg (Gymnasium)
Inhalt des Referats
Kriegsschulddiskussion 1. Weltkrieg Ich bin der Meinung, dass Deutschland die Hauptschuld am 1. Weltkrieg trägt. Denn Wilhelm II hat mit seiner Außenpolitik die anderen Großmächte schon sehr provoziert, wie ich finde. Er verschob das europäische Gleichgewicht, forcierte den Rüstungswettlauf zwischen den Großmächten und kalkulierte kriegerische Auseinandersetzungen sogar mit ein. Zum Beispiel versuchte er – wenn auch indirekt und eher unbewusst – mit seiner Flottenpolitik (also dem Bau einer Kriegsflotte) Englands Stellung als Seemacht zu gefährden. Natürlich ist ihm das letztendlich nicht gelungen, England ist Seemacht geblieben, denn die deutsche Flotte konnte mit dem „Riesen“ England nicht mithalten. Trotzdem fühlte England sich dadurch logischerweise bedroht und hatte so eine größere Kampfbereitschaft, denn die Seemacht würden die Engländer ganz sicher nicht einfach aufgeben. Durch diese Provokation waren sie Deutschland gegenüber natürlich auch feindlicher gesinnt, und das könnte auch ausgelöst haben, dass das Bündnis zwischen den Engländern, Franzosen und Russen ( „Triple Entente“ ) verstärkt worden ist. Auch die Kolonialpolitik Wilhelms II trug dazu bei, dass der 1. Weltkrieg ausbrach. Wobei man dem deutschen Kaiser jedoch für sein Interesse an neuen Kolonien und „einem Platz an der Sonne“ keinen Vorwurf machen kann, denn daran waren ja alle Großmächte interessiert; an Kolonien, damit Reichtum und einer Stellung als Weltmacht. Für seine „Politik der freien Hand“ kann man ihm sehr wohl einen Vorwurf machen. Diese Außenpolitik beinhaltete, dass ein Staat auf Bündnisse verzichtet, um bei seinem eigenen Handeln keine Rücksicht auf die Interessen seiner Alliierten nehmen zu müssen. Wilhelm wollte verzweifelt Kolonien erwerben und für Deutschland eine Weltmachtstellung erreichen, doch er war spät dran; zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Kolonien nämlich schon vergeben. Händeringend suchte er sich die letzten Stücke Land zusammen. Durch die „Politik der freien Hand“ versuchte er also, Kolonien zu erwerben, was an sich ja nicht weiter schlimm gewesen wäre; doch er ließ es zu, dass viele Bündnisse, die Bismarck vor ihm aufgebaut hatte, in die Brüche gingen. Er kalkulierte also kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und anderen Großmächten ein, indem er es zuließ, dass wichtige Bündnisse, die zur Erhaltung des Friedens in Europa beitrugen, verloren gingen und so Verbündete zu Feinden wurden. So verschob er das europäische Gleichgewicht mit seiner Bündnispolitik, indem er es zuließ, dass Frankreich aus der Isolation wieder herauskam und sich mit anderen Großmächten (Russland, Großbritannien) verbündete. So entstand während seiner Amtszeit 1904 zuerst das Bündnis zwischen Frankreich und Großbritannien ( „Entente Cordiale“) und 3 Jahre später wurde in dieses Bündnis noch Russland aufgenommen („Triple Entete“ / „Dreikaiserbündnis“). Die Schuld dafür, dass sich Frankreich und Russland überhaupt erst verbündeten, kann man teilweise auch Wilhelm II. in die Schuhe schieben, denn als er 1890 den Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht verlängerte, näherte sich dieses Frankreich an. Durch diese ganzen Bündnisse herrschte für Deutschland jetzt natürlich die Gefahr eines Zwei-Fronten-Kriegs, da es von den verbündeten Großmächten Frankreich, Großbritannien und Russland eingekesselt war. Dadurch war Deutschland sicher auch kampfbereiter, als es der Fall ohne dieses Eingekesselt-Sein gewesen wäre. Natürlich ist nicht nur die Außenpolitik Schuld am 1. Weltkrieg. Denn es braucht ja Völker, die bereit sind, in den Krieg zu ziehen – sonst würde es schließlich keinen Krieg geben. Eine Ursache des 1. Weltkriegs war nämlich auch der Nationalismus – und auch der teilweise vorhandene Chauvinismus der Bevölkerung in den einzelnen Ländern. In vielen Ländern wurden durch patriotische Reden die Leute „heiß“ auf den Krieg gemacht. Ein Beispiel hierfür möchte ich mit der „Hunnenrede“ von Wilhelm II. anführen. Diese wurde in Bremerhaven am 27. Juli 1900 vom deutschen Kaiser gehalten, um das deutsche Expeditionskorp zu verabschieden. Man muss jedoch dazu sagen, dass man martialische Reden im Zeitalter des Nationalismus und Imperialismus gewöhnt war und der Kaiser da kein Einzelfall war. Zu dieser Zeit wirkten diese markigen Worte keinesfalls so katastrophal, wie es heute vielleicht der Fall gewesen wäre. Sicherlich schürte es die Kamfbereitschaft und das Nationalitätsbewusstsein der Deutschen. Doch in Wirklichkeit wurde man erst nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges so richtig darauf aufmerksam. Gern wird der Kaiser sehr verkürzt, mit den Zeilen "Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht“ zitiert. Im Nachhinein war diese Rede sicherlich eine von mehreren Ansprachen, die dazu beitrugen das Selbstbewusstsein der Deutschen zu stärken und so die Euphorie über einen Kampf überhaupt erst zu entfachen. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges kann man fast sagen, dass die Deutschen – und sicherlich auch andere Völker - sich fast darauf freuten, ihre Stärke beweisen zu können, denn jedes Land war überzeugt von sich selbst und dachte, es würde die anderen ganz schnell und einfach besiegen. Und weil jedes Land so dachte, hatte auch keine der Großmächte Angst, in den Krieg zu ziehen und alles dafür zu tun, um zu gewinnen. Und die letzten Zweifel wurden dann von den bestehenden Bündnissen (oben erwähnt), die dazu verpflichteten, mit den Verbündeten in den Krieg zu ziehen, beseitigt. Vermutlich durch dieses Selbstbewusstsein gestärkt hatte Deutschland Österreich- Ungarn freie Hand gelassen, was die „Bestrafung“ Serbiens nach dem Anschlag auf den österreich-ungarischen Thronfolger am 28. Juni 1914 anging. Man kann sagen, dass Deutschland Österreich – Ungarn dazu geraten hat, Serbien ein Ultimatum zu stellen und ihnen schließlich am 28. Juli 1914 den Krieg zu erklären. Man kann sogar noch weiter gehen und behaupten, dass Deutschland einen Krieg mit Serbien wollte, um die europäischen Machtverhältnisse zu verschieben. Bestimmt waren sie sich sicher, dass sie gewinnen würden und ein solcher Krieg in jedem Fall positiv für Deutschland enden würde. Und das, obwohl allgemeinhin bekannt war, dass Serbien mit Russland verbündet war. Russland sicherte Serbien seine Unterstützung zu, und da Russland auch mit Großbritannien und Frankreich verbündet war, lag nahe, dass auch diese beiden Großmächte sich gegen Österreich – Ungarn (und somit auch gegen Deutschland) stellen würden. Und trotzdem schreckte sowohl Österreich – Ungarn, als auch Deutschland, vor einem Krieg nicht zurück. Nach der Kriegserklärung von Österreich – Ungarn folgten dann natürlich weitere Kriegserklärungen, z.B. von Deutschland an Russland (weil Deutschland sich dadurch bedroht fühlte, dass Russland seine Truppen mobilmachte) und der Ausbruch des 1. Weltkrieges folgte. Ein weiterer „Beweis“, dass Deutschland einen Krieg wollte, sind die Denkschriften von den Annexionisten Matthias Erzberger und Heinrich Claß, in denen die – doch sehr aggressiv erscheinenden – Kriegsziele aufgestellt wurden. Diese Schriften beinhalteten die politische und wirtschaftliche Hegemonie Deutschlands in Europa. Außerdem planten sie ein, das Gebiet des Reiches zu vergrößern und Belgien unter deutsche Vorherrschaft zu stellen. Frankreich sollte wirtschaftlich und militärisch langfristig unterlegen sein, was dann doch ein sehr aggressives und großes Ziel war. Natürlich wurden diese Kriegsziele in ganz Deutschland bekannt gemacht und fanden viele Anhänger im deutschen Volk. Auch dadurch wurde sicherlich die „Kriegslust“ der Bevölkerung verstärkt. Nach meinen bisherigen Ausführungen könnte man denken, dass Deutschland die Alleinschuld trägt. Ich möchte im Folgenden jedoch noch einmal darauf hinweisen, dass auch die anderen Großmächte eine Schuld am Ausbruch des 1. Weltkriegs haben. Alle Großmächte strebten nach Kolonien und Weltgeltung. Alle wollten gerne einen „Platz an der Sonne“ haben. Der einzige Unterschied zwischen Deutschland und den anderen Großmächte war, dass Deutschland die „Politik der freien Hand“ durchführte. Somit gingen wichtige Bündnisse verloren, das europäische Gleichgewicht bezüglich der Bündnisse wurde verschoben und wie wir wissen, waren auch die Bündnisse Schuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges. Weiterhin ist zu beachten, dass auch in anderen Ländern patriotische Reden gehalten wurden, nicht nur in Deutschland. Fast jedes Land wollte sein Volk „vereinen“ und so eventuell auch erreichen, dass die Leute im Falle eines Krieges bereit waren zu kämpfen. Anmerkungen meiner Lehrerin: - die Rollen der anderen Großmächte noch stärker untersuchen!
Quellenangaben des Verfassers
http://www.deutsche-schutzgebiete.de/hunnenrede.html , 16.02.2012 http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/104088.html#inside, 17.01.2012 http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/innenpolitik/annexionisten/index.html, 17.01.2012