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148 Kampfhunde - Liebling oder Monster Sozialkunde 7 1- 6440
Kurzbeschreibung
Diskussion zum Thema Kampfhunde
Inhalt des Referats
Liebling oder Monster

Die sogenannten „Kampfhunde“ in der Diskussion
Seit einigen Jahren kann man sie immer wieder lesen, die Schlagzeilen über die wilden Bestien, die Monster, die bösen Killer und die Kampfmaschinen.
Abgedruckt in fetten Lettern, fast ausschließlich als Aufreißer der ersten Seite in der Tagespresse. Dazu natürlich - wenn möglich in „naturnahen Farben“ - die Bilder ihrer Opfer. Auch vor solch unseriö-sen und ausschließlich subjektiven „vorher“ und „nachher“ - Bildern, wie sie eigentlich sonst nur die Kosmetikindustrie verwendet, scheuen einige der Zeitungsverlage und besonders die aktuellen Maga-zine der Fernsehanstalten schon lange nicht mehr zurück.
Da heißt es dann z. B. und wird natürlich entsprechend dokumentiert: „So sah das Opfer vor dem Überfall aus und mit diesen Entstellungen muß es jetzt durch´s Leben gehen!“ Bilder und Berichte der Menschen und Tiere, welche Opfer von Attacken sogenannter „Kampfhunde“ geworden sind.
Wir sind genauso erschüttert über derartige Überfälle und empfinden großes Mitgefühl für diese wirk-lich bedauernswerten Opfer. Und dabei spielt es kaum eine Rolle, ob das Opfer ein Mensch oder ein anderes Tier war!
Doch gerade die voran genannte Form der Berichterstattung über dieses Thema schafft nicht etwa eine sachliche Diskussion darüber. Sie ist maßgeblich dafür verantwortlich, daß es auf der einen Seite lautstarke Äußerungen in Richtung der „Ausrottung“ solcher Hunderassen gibt und auf der anderen Seite Halter dieser Rassen, die es geradezu als einen Modetrend anzusehen scheinen, wenn ihr Hund zu diesen „gefürchteten Rassen“ gehört und sich dann auch noch entsprechend verhält, wie es die breite Öffentlichkeit ja schließlich erwartet.
Dazwischen stehen dann jene Hundehalter mit ihren „Kampfhunderassen“, die immer wieder lesen und hören müssen, was sie doch eigentlich für ein gefährliches Tier im Haus haben.
Verspielt, ausdauernd in seinen Aktivitäten, gehorsam, friedfertig, familien- und vor allem kinder-freundlich, so präsentieren und verhalten sich diese Rassen bei den Haltern, die verantwortungs- und liebevoll mit ihren Hunden umgehen. Diese Halter berücksichtigen die natürlichen und artgerechten Bedürfnisse ihres vierbeinigen Hausgenossen.
Aber wie und wo soll man die Diskussion zu diesem Thema richtig ansetzen? Eine Patentlösung gibt es ganz sicher nicht. Das sehen wir allein schon daran wie die Politik mit diesem Thema umgeht. Zur Zeit gibt es in den einzelnen Bundesländern zum Teil recht unterschiedliche Verordnungen und Ge-setze dazu, einige Bundesländer haben noch überhaupt keine Regelung.
Aber eines ist sicher, eine bundesweite Regelung dazu muß her, denn an die „Vernunft“ bestimmter Menschengruppen zu apellieren ist müßig und wie die Vergangenheit in anderen tierschutzrelevanten Fragen zeigt, meist aussichtslos.
Also was muß zukünftig geschehen??? - Höhere Hundesteuer für „Kampfhunderassen“?
Sehen wir uns das Ergebnis in den Bundesländern an, die diese Regelung eingeführt oder auch nur als Gesetzentwurf geplant haben, so zeigt uns das nur eines. Jene, die solche Hunde als Statussym-bol halten oder sie abrichten und auch zu Hundekämpfen verwenden, machen weiter wie bisher. Denn die Gewinne, die solche Hundehalter mit illegalen, sogenannten Kellerzuchten und Hundekämpfen machen, decken auch eine höhere Hundesteuer spielend ab.
Die verantwortungsvollen Halter und Liebhaber dieser Tiere jedoch können sich eine bis zum zehnfa-chen höhere Hundesteuer nicht mehr leisten. Ein großer Teil muß sich dann schweren Herzens von seinem Liebling trennen.
Gerade in den Tierheimen dieser Städte und Gemeinden, ist die Belegdichte allein mit solchen Hunde-rassen als dramatisch hoch anzusehen (Berlin 70, Frankfurt 55, Hamburg 50 Tiere). Die Vermittlung-schancen sind dementsprechend niedrig.
Also doch eine langsame „Ausrottung“ dieser Rassen, die ursprünglich einmal zu ganz anderen Zwek-ken gezüchtet wurden? Hunde, die z. B. in den USA bei geistig und körperlich behinderten Kindern zu Therapiemaßnahmen eingesetzt werden und mit denen dadurch große Erfolge erzielt werden!
Wir meinen, man sollte langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und die „Spreu vom Weizen“ trennen. Das Thema nicht etwa unter den Tisch kehren oder beschwichtigen, sondern mit Hilfe der Medien und unsere Volksvertreter dafür sorgen, daß eine sachliche Diskussion darüber geführt und ein einheitlicher Konsens im Sinne und zum Wohle dieser Rassen gefunden wird.
Unsere Vorschläge dazu wären:
1. Die auf den Listen der einzelnen Bundesländer als sogenannte Kampfhunde geführten Rassen bundesweit vereinheitlichen und auch nur jene, die tatsächlich als solche zu bezeichnen sind, auf-zuführen.
2. Einheitliche Haltegenehmigungen und/oder Halteverbote für diese Rassen.
3. Zucht-, Handels- und Einfuhrverbot, verbunden mit hohen Geldstrafen, für besonders überzüch-tete oder Mischlinge dieser Rassen, soweit diese mehrheitlich auffällig geworden sind.
4. Nachweis über die Unauffälligkeit des Hundes, ein sogenanntes Negativgutachten erstellt von einem dafür bestellten Gutachter oder einer anerkannten Hundeschule, muß dem jeweiligen Ord-nungsamt der Stadt/Gemeinde, in der dieser Hund hauptsächlich gehalten wird, unaufgefordert bei Anmeldung zur Hundesteuer vorgelegt werden.
5. Eine leicht erhöhte Hundesteuer für die aufgeführten Rassen, die den Hund jedoch nicht dadurch zu einem Luxusartikel oder Statussymbol werden läßt, sondern ähnlich einem anderen „Liebha-berstück“ bewertet wird. Ein „Aufschlag“ von z. B. 50% auf die normale Hundesteuer pro Jahr er-scheint dabei akzeptabel.
Aber als wichtigster Punkt und Grundvoraussetzung sollte vor der Erstellung einer solchen Liste eine andere gesetzliche Grundlage geschaffen werden:
Wer einen Hund hält oder halten möchte, sollte darüber zunächst einen sogenannten Befähigungs-nachweis vor der zuständigen Stelle (z.B. Ordnungsamt, Tierschutzverein) erbringen. Dieser sollte sich nicht nur auf die voran genannten, sondern auf alle Hunderassen beziehen.
Dieser Nachweis sollte sich aus zwei Teilen, einem praktischen und einem theoretischen, zusammen-setzen.
In der Theorie (mündlich oder schriftlich) sollen z.B. Fragen über die natürlichen und artgerechten Bedürfnisse und die damit im Zusammenhang stehende Haltung, Fütterung und sonstige Versorgung beantwortet und nach einem Punktsystem bewertet werden. Erst danach erhält man die Genehmigung zum Halten eines Hundes.
In der Praxis demonstriert man dann nach der Vorgabe bestimmter Aufgaben, den richtigen Umgang mit seinem Hund und wird ebenfalls nach einem Punktsystem bewertet. Im Bedarfsfall muß die Prüfung wiederholt werden. Zu diesem Zweck könnten die Behörden z.B. bestimmte Hundeschule dafür zulassen eine solche Prüfung abzuhalten und zu bescheinigen.
Auch wenn unsere Anregungen sicher nicht bei allen gleichermaßen Anklang finden, so meinen wir aber, daß man sie zumindest überdenken sollte.
Sieht man sich die Aufgaben und die Arbeit eines Tierschutzvereines einmal genauer an, so ist man sogar dazu geneigt, eine solche Prüfung und Genehmigung von jedem zu verlangen, der ein Tier, egal welcher Art oder Rasse, hält oder halten möchte. Aber obgleich wir Tierschutzvereine fast täglich mit dem Leid unserer Mitgeschöpfe konfrontiert werden, sollten wir bei all unseren Emotionen, die wir dafür empfinden, nicht vergessen sachlich und objektiv zu bleiben. Menschenhaß und Hysterie helfen uns dabei ganz sicher nicht, unsere „Sache“ nicht nur zu vertreten, sondern auch der breiten Öffent-lichkeit zu vermitteln.
Vielleicht ist es für manchen von uns hilfreich, wenn er/sie sich darauf besinnt, daß auch wir „nur“ eine Art im zoologischen System sind, die keiner anderen Art übergeordnet ist und in direkter Verwandt-schaft mit Gorilla und Schimpanse steht. (gl)
Quellenangaben des Verfassers
Tierheim Oberpleis